Donnerstag, 7. Mai 2026

Angekommen im ländlichen Japan...

 ... waren wir spätestens bei unserem Besuch des Gokase Stausees. Takachiho zuvor war ein lebendiger Ort mit vielen Touristen. Die Gegend, in die wir nun fuhren, war zwar auch insgesamt touristisch, aber doch weitläufig genug, damit man in der Natur entspannen konnte. Wir fuhren zu einem der größten aktiven Vulkane der Welt: in die Mt. Aso Region, welche durch eine gigantische Caldera geprägt ist. Innerhalb eines Umfangs von über 100 Kilometern gibt es ganze Ortschaften, bewirtschaftete Felder und natürlich auch ganz viel unterschiedliche Natur: Quellen mit super sauberem Wasser, alte Wälder, Flüsse, unwirkliche Mondlandschaften, Rauch spuckende Krater... Von diesen Dingen werden noch einige Blogbeiträge berichten. Heute soll es zunächst primär um den Kamishikimi Kumanoimasu Schrein im Osten der Caldera und unsere zwar einfache, aber sehr schön gelegene Unterkunft im Süden der fünf Berge von Aso gehen.

Wir waren gerade vom Wasser in Gokase runter, als sich der Himmel auftat und das Wasser in Strömen aus den Wolken fiel. Der Regen hatte nachgelassen, als wir am Kamishikimi Kumanoimasu Schrein im Osten vom Mt. Aso ankamen, aber nach dem starken Regen fühlte sich der Schrein im Wald an wie ein Ort zwischen den Welten. Die Steinstufen glänzten dunkel, Moos und Laternen waren tropfnass, und in den Baumkronen hing ein dunstiger Nebel. Die Atmosphäre war einem japanischen Naturschrein mehr als angemessen. Es war einfach schön im Wald und trotz der gewissen Besorgnis, dass die Kinder bald in einer der unzähligen Pfützen landen und durchnässt ihrem Unmut darüber freien Lauf lassen würden, verspürte ich eine tiefe Ruhe und Gelassenheit an diesem Ort. Die Kinder blieben auch trocken. 

Wie auch bei anderen heiligen Orten in Japan empfand ich nicht den Kamishikimi Kumanoimasu Schrein selbst als spirituell und besonders, sondern die ganze Umgebung und die Atmosphäre die sich dadruch aufbaute. Die Einbettung in natürliche Strukturen verleiht dem Shintoismus meines Empfindens nach etwas tiefergehendes, ursprüngliches. Auch wenn wir nicht immer die religiösen Hintergründe verstanden und genau wussten, welchen Göttern an einem bestimmten Schrein gehuldigt wurde, so erzeugten unsere Schreinbesuche bei mir gleichzeitig eine Fasziniation dahingehend, dass jeder Schrein sich anders anfühlte und dennoch ein vergleichbares zugrundeliegendes Empfinden erzeugte. Die Naturverbundenheit im Shintoismus berührt mich deutlich mehr als die drei großen monotheistischen Weltreligionen von Christentum, Islam und Judentum. 

Tori und Shimenawa markieren den Eingang
zum Kamishikimi Kumanoimasu Schrein.

Der Weg führt durch einen alten Wald von
japanischen Sicheltannen. 
Ganz oben wartet das große Felsenloch
Ugeto-iwa, dass ein Gott auf der Flucht vor
einem anderen Gott durchbrochen haben soll. 
Natürlich ist es auch ein heiliger Ort. Hier kommt, 
man her, wenn man Glück im Glücksspiel haben
möchte, erzählte uns ein Japaner vor Ort.
Wir haben nicht gezählt, aber es sollen
um die 260 Stufen sein. Der Weg nach
unten war durch die Pfützen herausfordernder
als nach oben. 
Der Weg zum Schrein ist von etwa 100 
bemoosten Steinlaternen gesäumt.
 
Der Wald im feuchen Regendunst verströmte 
eine magische Atmosphäre! 
Nach dem Besuch des Schreins genossen wir im Torisumibiyaki Rakudayama in Takamori ein äußerst schmackhaftes und ebenfalls erlebnisreiches spätes Mittagessen, bevor wir weiter bis zu unserer Unterkunft für die nächsten zwei Nächte fuhren. Diese lag im Süden der großen Mt. Aso Caldera und gehörte einer zuvorkommenden ältereren Japanerin, die die Fläche neben dem Haus landwirtschaftlich bewirtschaftete und uns zur Begrüßung auch selbstangebautes Gemüse bereitgelegt hatte. Die Spuren des Regens waren bei unserer Ankunft noch deutlich zu sehen, allerdings blieb es den Rest des Tages trocken und für den Besuch der Krater von Mt. Aso am nächsten Tag, kam dann sogar wieder die Sonne raus. 
Ankunft an unserer Privatunterkunft. Die alte Dame
führt eine kleine Selbstversorgerbewirtschaftung.
Bei unserer Ankunft stand überall das Wasser und 
die zentralen Gipfel der Vulkane hingen in den Wolken.
Eine kleine, urige Hütte.
Es war nicht modän, aber alles Nötige da. 
Dieser kleine Freund gehörte auch zur Unterkunft.
Der nächste Morgen zeigte sich sonnig. Gen Norden
war das Tagesziel zu erkennen: Mt. Aso.

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