Montag, 24. September 2012

Die Hobbithütte...

Drei Gefährten auf dem Weg nach Holvassgamma,
Sieben Tage von der Idee bis zum erfolgreichen Ende,
Den Wanderern, ewig dem Fernweh verfallen, drei,
Eine Angel den Drein als treuer Begleiter
Im Lande Norwegen, wo die Wildnis noch lebt.
Ein Ziel, die Hütte zu finden,
Dort zu bleiben und sich ewig zu binden
Im Lande Norwegen, wo die Wildnis noch lebt.

Teil 1: Die Gefährten
Es war einmal eine Zeit, in der sechs Freunde innerhalb von zwei Tagen gemeinsam eine Tour von 60 km Länge zu einer Hütte bewältigten, die so hoch gelegen war wie keine andere. Nach diesem Ausflug kehrte jeder in sein angestammtes Leben zurück und die Freunde sahen sich nur noch unregelmäßig. So kam es auch, dass zur nächsten Tour zu einer Hütte, so nördlich gelegen wie keine andere, nur noch drei Gefährten übrig blieben. Diese zogen am Freitag bei kühlen Temperaturen und Regen versprechendem Wetter los, um die Hobbithütte zu finden. Kaum fünf Minuten nachdem die Gefährten dem Wagen, der sie auf die andere Seite des großen Trondheimfjords gebracht hatte, entstiegen waren, wussten sie, warum wahre Hobbits gar keine Schuhe erst tragen - sie werden ohnehin nur nass. Die Gefährten hätten stutzig werden sollen, als der lokale Busfahrer sie nach Auskunft ihres Zielortes skeptisch anschaute und meinte, dass es in der letzten Zeit sehr viel geregnet habe und fragte, wie wir denn planen, den Fluss kurz vor dem Erreichen der Hütte zu überqueren. Umkehren war jedoch keine Option. Die Hütte wartete auf uns und so liefen wir entlang der Hügel 'Rohans' und stapften durch die 'Totensümpfe'. Die nassen Füße wurden nur dann zum Problem, als wir in einer unbeheizten Hütte in 'Lorien' Zuflucht suchten, um zu rasten und uns an 'Elbenbrot' und anderen Leckerein zu stärken. Nach etwa fünf Stunden, in denen sich von Zeit zu Zeit zu der Nässe von unten auch Nässe aus den Wolken gesellte, erreichten wir schließlich 'Anduin', den großen Fluss, der das Nordende des Holvatnet Sees markierte, auf dessen östlicher Seite die Hobbithütte versteckt lag. Uns war ein auf der Westseite liegendes Boot versprochen worden, mit dem man auf die andere Seite übersetzen können sollte. Wir fanden auch eins, nur war dieses an der Seitenwand bis hinab zum Boden gerissen und erschien uns deshalb nicht vertrauenswürdig. Auf der Ostseite des Flusses erblickten wir zudem ein Kanu, welches wohl von den anderen zwei Hüttenbewohnern, die von Mittwoch bis Samstag Hüttengäste waren, genutzt worden war. Die verzweifelte Suche nach einer lebenserhaltenden Flussquerungsmöglichkeit etwas weiter flussaufwärts erbrachte auf Grund des hohen Wasserstandes keine zufriedenstellende Möglichkeit. So beschlossen wir, dass einer von uns ohne Gepäck die Querung wagen und dann mit dem Kanu die restlichen Gefährten sicher ans gegenüberliegende Ufer holen sollte. Auf dem Weg zurück flussabwärts erblickten wir durch graue Regentropfen und das Grün des Waldes schemenhaft einen roten Umriss. Ein weiteres Boot lag gut versteckt im Unterholz vertäut. So konnten wir am Ende doch alle trockenen Fußes gemeinsam auf die andere Seite übersetzen. Kurz vor dem Ziel jedoch schienen wir zwei Verluste erdulden zu müssen: meine Kamera fiel hinab. Zwar wurde der Einmeterfünfzigfall durch den nassen Untergrund abgefedert, aber ein nasser Untergrund ist nur ein sehr trügerischer Glücksfall für eine Kamera. Knipsen ging danach noch, aber Zoom und das Vornehmen von spezifischen Einstellungen waren nicht mehr möglich. Die andere Gefährtin beklagte das Verschwinden ihrer Handschuhe. So standen wir auf der Ostseite der Nordausläufer des Holvatnet im Regen.







Teil 2: Die zwei Nächte
Die Hütte nicht mehr weit wissend, erklommen wir die letzten Meter im Nieselregen und dann sahen wir sie - gut versteckt unter einer Schicht aus Erde und Bewuchs. Nur der Schornstein qualmte verräterisch. Durch die Anwesenheit der anderen Jäger und deren Hund wurden wir mit einer bereits aufgeheizten Hütte und einer Tasse heißer Schokolade begrüßt. Es tat gut, die durchgeweichten Schuhe auszuziehen und sich der Gemütlichkeit der Hütte hinzugeben.
Am nächsten Morgen weckte uns der Feueralarm, der von der Zubereitung des Jägerfrühstücks ausgelöst worden war.  Unwillig aufzustehen blieb ich in meinen Schlafsack eingemummelt liegen, bis der Gefährte mit meiner auf dem Tisch stehenden Kamera ein Bild meines verschlafenen Gesichtes machte und plötzlich meinte, dass der Zoom wieder funktioniere. Hellwach sprang ich auf und nahm meine wieder voll funktionstüchtige Kamera entgegen. Auch die Handschuhe der anderen Gefährtin tauchten kurz darauf wieder auf und die lachende Sonne über dem See vervollständigte unser Wohlbefinden. Was für ein Tag! Wir beschlossen am Morgen das Boot zu nutzen und unser Glück im Angeln auf dem See zu versuchen, was zwar nicht von Erfolg gekrönt war, aber sehr entspannend wirkte. Später wollten wir unser Glück noch flussaufwärts vom Ufer aus probieren und tatsächlich: An der Rute zappelte ein Fisch! Leider kollidierte dieser beim Herausziehen mit einem Stein im Fluss und sprang zurück ins Wasser. Da uns die Gewandtheit und Unerschrockenheit von Gollum fehlte, sprang keiner von uns dreien hinterher. Stattdessen begnügten wir uns mit der Gewissheit, dass man mit ein bisschen Glück trotz nullprozentiger Angelerfahrung, einer (wahrscheinlich) qualitativ miserablen Angel und in Wasser aufgeweichter Trockenpapaya aus einer Nuss-Frucht-Mischung als Köder etwas aus dem Wasser fischen kann. Erfolgreicher waren wir beim Sammeln von Blaubeeren. Diese sprangen nicht zurück, wenn man sie einmal vom Strauch abgezogen hatte. Den Abend verbrachten wir mit Holzhacken, Gitarrenunterricht und - ganz zivilisiert - Lesen von Unitexten.














Teil 3: Die Rückkehr
Die Gemütlichkeit einer Hobbithütte lädt zum Verweilen ein. Doch leider konnten wir nicht ewig bleiben, wenngleich die Sonne am Sonntag ausdauernder schien, als noch am Tag zuvor, an dem es nachmittags doch noch genieselt hatte. Pflichtbewusst hatten wir uns heute den Wecker auf halb acht gestellt. Nachdem das Feuer im Ofen wieder loderte und nach und nach die Kochplatte erwärmt hatte, gab es zur Stärkung vor dem Aufbruch leckere Blaubeereierkuchen. Wir setzten mit dem Boot wieder auf die Westseite des Flusses über und begannen mit dem Rückweg gen Zivilisation. Wäre in den drei Tagen Hobbithütte die Welt untergegangen - wir hätten es nicht mitbekommen. Das Schöne bei den Hütten ist, dass sie sich mitten im Nirgendwo befinden - und davon gibt es in Norwegen reichlich. Nach der Durchquerung der 'Totensümpfe', die ohne Regen und Nebel sehr friedlich da  lagen und an Mystik, nicht aber an Schönheit, verloren hatten, erreichten wir wieder die am Svanavatnet gelegene Hütte, die uns schon auf dem Hinweg als Rastplatz gedient hatte. Diesmal versteckten wir uns jedoch nicht vor Regen, sondern nutzten den Unterstand lediglich als Basis für unseren Planschausflug im sehr kalten, aber doch auf angenehme Art erfrischenden See, bevor wir etwas aßen und die letzte Stunde bis zurück zur Straße stapften. Selbst im Bus zurück nach Trondheim konnten wir uns kaum an der Landschaft, die nun deutlicher von menschlichen Einflüssen durchzogen war, sattsehen. Die Gefährten sind begeistert vom Lande Norwegen, wo die Wildnis noch lebt.








 

Donnerstag, 20. September 2012

Das Einzige, das fehlt...

... ist Zeit. Uni, Training, Uni-Assignments, übers Wochenende geht es auf einen weiteren Cabin Trip, Uni, Training, Uni und dann habe ich für nächste Woche auch die Zusage für den ESN (Erasmus Student Network) Lofoten Trip bekommen. Juhu. Das heißt, es geht nach Norden. Der Polarkreis wird südlich von mir sein und ich werde im Nordpolarmeer baden gehen - eher, als mein Badedauerrivale. ;) Außerdem könnten wir Glück haben und dort oben weitere Polarlichter sehen.

In der Uni war heute Karriere Dagen. Seit einer Woche wurde dafür auf der Freifläche, auf der auch die Imma mit mehreren tausend Studis stattfand, eine mobile Messehalle aufgebaut, die heute von 28 Firmen als Präsentationsfläche genutzt wurde. Meine Kulisammlung ist sprunghaft angewachsen. :)

Die andere wichtige Neuigkeit des Tages: Unsere Heizung im Pflegeheim wurde entlüftet, so dass jetzt statt 10% tatsächlich volle 100% des Heizkörpers warm werden!

Und danke für die zwei Belehrungen, dass es solche Brotschneidemaschinen, wie im gestrigen Blogeintrag erwähnt, anscheinend auch in Deutschland gibt. In der Stadt mit den drei 'o' sind sie aber noch nicht angekommen - oder kann mich da auch jemand eines Besseren belehren?

Mein erstes Mal in Norwegen...

... dass ich NORDLICHTER gesehen habe :)))) Schwach nur, aber der Himmel hat stellenweise grün geleuchtet. Und das Licht hat sich so schnell verändert - ausgebreitet, wieder zusammengezogen, ist intensiver geworden, wieder erloschen, leicht versetzt erneut aufgetaucht. Magisch...

Und ich bin sehr optimistisch, dass es bis Ende Dezember nicht das letzte Mal gewesen ist, denn die Vorhersage für heute war nicht sonderlich vielversprechend:
Forecast: Auroral activity will be low. Weather permitting, low-level displays will be visible overhead in Tromsø, Norway and Reykjavik, Iceland, and visible low on the northern horizon from as far south as Umea, Sweden, Trondheim, Norway, and the Faeroe Islands, Denmark.

Heute Nacht wird von der Aurora Borealis geträumt... 

Mittwoch, 19. September 2012

Positive Aspekte aus anderen Ländern...

... sollten meiner Meinung nach übernommen werden. Beispielsweise würde es mir ohne die im Video zu sehende, in jedem Supermarkt stehende Errungenschaft der Norweger ziemlich schwer fallen, mit den stumpfen Messern aus der 32-Leute-Gemeinschaftsküche mein Brot zu schneiden. Da Brot in Deutschland jedoch viel beim Bäcker gekauft wird, werden solche Maschinen bei Lidl, Aldi und Co wohl auf absehbare Zeit nicht zu finden sein.


Montag, 17. September 2012

Einfach nur schön...

... war das Wochenende. Die Norweger haben schon eine super tolle Landschaft und sind ein Volk, das draußen zu Hause ist. Es ist hier aber auch einfach so viel Platz, dass man problemlos die Natur genießen kann, ohne auf andere Menschen und Zivilisation zu stoßen. Schließlich ist Norwegen etwa 30.000 km² größer als Deutschland aber hat nur ein sechzehntel der Einwohner. Wenn es nur nicht so kalt wäre... Wobei ich mich über das Wetter ganz und gar nicht beklagen kann. Geregnet hat es nur auf der Hinfahrt (drei Stunden für 180 km - in Norwegen kommt man einfach nicht vorwärts) und später dann nur noch zweimal leicht und kurz. Außerdem hatten wir keinen Frost, sondern ein wunderschönes Herbstwochenende.
Es begann Freitag kurz nach drei mit Stau in Trondheim. Ja, die Stadt hat keine 180.000 Einwohner, aber es gibt jeden Tag früh und nachmittags zwischen drei und vier eine Rushhour. Die Stadt hat ein Verkehrsproblem. Wir waren 16 Leute und sind in drei Autos gefahren. Ich wusste von zwei anderen Deutschen. Wie sich herausstellte, waren wir insgesamt fünf, was eine Quote von fast einem Drittel ergibt. Das Lustige: ohne es zu wissen stiegen wir alle in dasselbe Auto! Natürlich amüsierten sich die Norweger sogleich über das Tysk bil, wobei wir nur zwei Erasmusstudis waren. Die anderen drei wohnen schon zwei bis vier Jahre hier und sprechen fließend Norwegisch, so dass wir die Anzahl der 'Deutschen' relativieren sollten . Außerdem waren noch ein Spanier und zehn Norweger dabei, was sehr angenehm war. Zwar konnte ich den norwegischen Konversationen Großteils nicht folgen, aber es tat sehr gut sich mal unter die 'Einheimischen' zu mischen.
Da sich ein Auto (NICHT das Tysk bil!) auf dem Weg zur Bergbaustadt Røros verfahren hatte und wir mit den Kanus und allem länger brauchten, als ursprünglich geplant war, konnten wir am Abend erst kurz vor 20 Uhr starten, was dazu führte, dass wir den Großteil der Zeit am Freitag im Dunkeln paddelten. Mir fällt da spontan eine Person ein, die ihre helle Freude daran gehabt hätte, ohne etwas anderes als die Stirnlampen in den anderen Booten zu sehen auf einem schaukelnden Boot mitten auf dem Wasser zu sitzen. :) Ich fand es ein wenig schade, da man von der Landschaft natürlich nichts gesehen hat. Interessant war es auch den Lagerplatz im Dunkeln aufzuschlagen. Am Morgen sah alles irgendwie ganz anders aus.
Da es Freitag Nacht etwas später geworden war, kamen wir Samstag erst kurz vor 12 los. Dedüm... Im Hellen zu paddeln macht schon mehr Spaß. Samstag passierten wir keine großen Seen, sondern hauptsächlich kleine Seen, Flussläufe und die Timberslides. Zwischen den einzelnen Seen wurden vor langer Zeit wie kleine Kanäle gebaut, um das geschlagene Holz auf dem Wasserweg bis Røros oder weiter zu transportieren. Diese Wasserwege existieren noch heute und können auch für Kanus genutzt werden. Das Problem, das sich mit Kanus jedoch ergibt ist, dass Kanus unwesentlich breiter sind, als ein oder zwei Holzstämme nebeneinander. Da wir zudem einen recht niedrigen Wasserstand hatten, blieben wir im zweiten Timberslide stecken - jeder aus unserer Gruppe. Und jeder wurde mehr oder weniger nass. Variante 1: Du bleibst stecken und blockierst den Wasserfluss, so dass sich das Wasser hinter den Kanu anstaut und irgendwann von hinten ins Boot läuft bis der Druck so groß ist, dass du irgendwie weitergedrückt wirst. Variante 2:  Du versuchst dich konstant mit den Händen von den Rändern der Timberslide abzustoßen und gerätst dabei ein wenig in Schieflage, so dass das Wasser seitlich ins Boot eindringt. Wir 'wählten' Variante 2. Es hatte einen Grund, dass bei dem Tourtreffen vergangenen Montag immer wieder das "wasserdichte Packen" betont wurde. Meinen Rucksack konnte ich auswringen, aber innen war alles in großen, stabilen Tüten verpackt, die ihre Funktion erfüllten und Wechselsachen und Schlafsack trocken hielten. Die meisten Norweger hatten ohnehin eine Art Seesack, in der sie ihr Zeug verstaut hatten. Norweger haben ohnehin Outdoorequipment für alles!
Da die nächste Timberslide noch enger war, beschlossen wir dort die Kanus über den Landweg ins nächste breitere Gewässer zu befördern. Da ich dort beim Aussteigen wegrutschte und mit meinem linken Fuß kurzzeitig knietief im Wasser landete, wurde ich dabei aber nässer, als bei der vorherigen Timberslide. Trotzdem hatte ich noch Glück. Die Landestelle war nicht sonderlich gut zugänglich und sehr rutschig. Ein anderes Kanu kippte um, als die erste Person ausgestiegen war. Person zwei ging baden... Neben dem wasserdichten Packen hatten die Tourorganisatoren das Mitbringen von trockenen Wechselsachen betont. Hatte alles seinen Grund.
Der zweite Tag war auch landschaftlich der Abwechslungsreichste. Schön war es an allen Tagen. Tiere haben wir leider kaum gesehen. An den Bäumen entlang der Flüsse gab es immer mal Knabberspuren von Bibern zu bewundern und am Sonntag Vormittag konnten wir der Unterhaltung zweier Elche über den Fluss hinweg lauschen, auf dem wir entlangpaddelten. Wahrscheinlich beschwerten sie sich über die Zweibeiner auf dem Wasser. Gezeigt haben sie sich leider nicht, so dass wir lediglich ein paar Schwäne und andere Vögel direkt beobachten konnten - und natürlich die Mücken. Die kleinen gemeinen Biester kamen wie immer sehr nah.
Da es jetzt doch schon wieder viele Zeilen geworden sind, die dennoch nur ein sehr schwaches Abbild eines tollen Wochenendes geben können, will ich mich nur noch schnell für die Karte aus Dublin und die Einladung aus Jena bedanken und euch dann endlich die lang ersehnten Fotos zeigen.
Orientierungskarte.

Sonnenuntergang am ersten Abend als wir gestartet sind.

Hunger! :)

Das Camp Samstag früh.

Eine Campbewohnerin. ;)

Blick vom Lagerplatz aufs Wasser.

Eine Bootsfahrt die ist lustig, eine Bootsfahrt die ist schön...

Entlanggleiten auf dem Wasser.



Zu Beginn boten die Timberslides noch ausreichend Platz.

Nach der Kurve war auch wieder Zeit für Fotos.

Landgang statt Timberslide.

So still und friedlich.

Magische Reflektionen.



Freitag, 14. September 2012

Schneller, als die Polizei erlaubt...

... war ich heute früh zwar bestimmt (noch) nicht, aber bergab mit Zeitdruck im Nacken habe ich auf dem Weg zur Uni auf dem Fahrrad ein Fahrschulauto überholt. Ist ein selbstbestätigendes Gefühl, wenn man aus eigener Muskelkraft (und ein bisschen Hangabtriebskraft) schneller ist, als ein Auto. :)

Donnerstag, 13. September 2012

Elektromobilität...

... kommt mir in Norwegen weiter verbreitet vor als in Deutschland. Zugegeben, ich kenne keine offiziellen Zahlen und meine Stichprobe, die ich eben unter 'Norwegen' zusammengefasst habe, beschränkt sich auf persönliche Erlebnisse in Trondheim, aber hier ist es mir schon öfters passiert als in Chemnitz (die BMW Mini des Forschungsprojekts an der TU Chemnitz nicht mitgezählt), dass ein elektrisch betriebenes Auto ohne Brummen leise an mir vorbeigeschlichen ist. Warum schreibe ich ausgerechnet heute darüber? Weil mir heute morgen beim Blick aus meinem Fenster (linkes Bild) ein bisher missachtetes Deteil (rechtes Bild) in Form einer E-Zapfsäule aufgefallen ist. Sollte mich also jemand mit E-Auto besuchen wollen, dürfte das Aufladen kein Problem sein. :)

Fensterausblick heute früh.
Ein Detail.


Mittwoch, 12. September 2012

10 Kilogramm sind sehr leicht...

... aber wenn man sich das in Paketform vorstellt und damit per Fahrrad von A nach B will, wird es einfach unhandlich.
Der Blick in den Briefkasten heute barg die lang ersehnte Benachrichtigung der Post, dass ein Paket für mich eingetroffen sei. Juhu :) Nun musste ich nur noch zur Post fahren und das Paket abholen. In Norwegen werden zwar immerhin Briefe direkt an die Adresse zugestellt (Bei den Briefkästen des Pflegeheims landen sie zwar ganz gern mal in dem für die falsche Etage, aber das ist wieder eine andere Geschichte.), aber Pakete muss man selbst von der Poststelle abholen. Mir war bewusst, dass es mit dem Fahrrad ohne Gepäckträger, Korb oder Ähnlichem schwierig werden könnte, aber um zur Post zu laufen hatte ich auch keine Lust. ^^ Irgendetwas würde mir schon einfallen - und ist es auch. Mit ein bisschen Vorsicht und Balancekunst hielt das Paket eingeklemmt zwischen Lenkerstange und meinem nach vorn gebeugten Oberkörper. Es war zwar schwierig die Bremsen zu fassen und zu einem Schulterblick konnte ich mich auch nicht mehr umdrehen, aber ich fuhr langsam und vornehmlich Nebenstraßen. :) Zurück im Pflegeheim konnte ich mich dann an dem Carepaket aus dem Osten mit vielen praktischen Dingen (ja, Schokolade ist auch sehr praktisch, wenn man Appetit auf etwas Süßes hat!) erfreuen. Vielen Dank an die lieben Paketsender!
In den nächsten Tagen werde ich wohl hauptsächlich frische Nahrungsmittel einkaufen müssen, aber auch das zu kaufende Obst wird in nächster Zeit abnehmen. Warum? Das lag an dem zweiten, ebenfalls angekündigten Brief, den ich heute für mich im Kasten fand. Zu Beginn meines Aufenthaltes hatte ich an einem Quiz des Studentenwerks teilgenommen, bei dem bis zu 5000 NOK Miete zu gewinnen waren. Habe ich natürlich nicht - dafür eine Fruit Subscription für das Semester. Konkret bedeutet das, dass ich jetzt noch eine Plastikarte mehr in meinem Portemonnaie habe, die mich dazu berechtigt mir an jedem Öffnungstag des SiT-Kiosks in der Uni von dort genau eine Frucht (Apfel, Banane, Kiwi oder Orange - etwas anderes habe ich dort noch nicht gesehen) kostenfrei mitzunehmen. Der Mensch freut sich. 

Dann noch ein sehr aktuelles Problem: Das Internet hier ist sooooooooooooo langsam. Besonders am Abend, wenn wahrscheinlich jeder der im Pflegeheim untergebrachten 150 Erasmusstudenten surft, geht es oft nur im Schneckentempo voran und das ist - ich hätte es nie für möglich gehalten - langsamer als im Tal der Ahnungslosen zu Hause in Deutschland. Dabei hätte es mit der Zeit besser werden sollen. Als sich einige Bewohner in der ersten und zweiten Woche beschwert hatten, erhielten wir die Auskunft, dass das Netzwerk auf etwa 160 Menschen optimiert sei. Da zu diesem Zeitpunkt aber noch über 50 verzweifelte Studis in Roof over your Head, einer Art Notfallauffanglager für Leute ohne Wohnung, im Gebäude waren, vertröstete man uns damit, dass es kurzfristig zu Überlastungen kommen könne, aber die Roof over your Head Menschen schließlich nach und nach ausziehen und sich die Internetqualität dadurch verbessern würde. Gestern waren nur noch fünf Studis im Auffanglager. Die Internetverbindung heute ist so schlecht, dass er zum Löschen einer Mail schon mal das Wartesymbol anzeigt - für zehn Sekunden, für dreißig Sekunden, für eine Minute... Super Arbeiten! Die seit zwei Wochen versprochenen Toaster sind auch noch nicht in der Küche angekommen und die Heizungen müssen auch noch entlüftet werden, um im Winter nicht nur zu Anschauungsobjekten zu verkommen. Man arrangiert sich (notgedrungen) mit der Wohnsituation hier. Die (meisten) Leute sind in Ordnung und wenn es einem zu viel wird, geht man einfach mal wieder wandern und schläft in einem Zelt oder einer Hütte ohne fließendes Wasser oder Elektrizität. Interessant, dass der fehlende Komfort dort viel angenehmer ist als ein fehlender Toaster hier. Die Psychologie des Menschen ist und bleibt ein spannendes Forschungsfeld. :)

Dienstag, 11. September 2012

Für alle, die schon immer mal eine Laborratte sein wollten...

... habe ich vor ein paar Minuten den passenden Link gefunden. Wie kam es dazu? An der Uni hier gibt es ein Buddy Programm, was versucht für alle interessierten Austauschstudis einen norwegischen Buddy zu finden, der einem dann ein bisschen die norwegische Lebensweise näher bringt, evtl. bei ganz profanen Alltagsproblemen hilft oder auch ein bisschen die Sprache mit einem übt. Im Gegenzug holt sich der norwegische Buddy einen Teil der Welt außerhalb Norwegens nach Hause. Naja, wie das Buddy Verhältnis konkret ausgestaltet wird, ist wohl immer sehr individuell. Jedenfalls habe ich letzte Woche meine Buddine ^^ zugeteilt bekommen und ihr zur ersten Kontaktaufnahme eine E-mail geschrieben. Jetzt hat sie geantwortet. Da ich sie noch nicht persönlich getroffen habe, schreibe ich heute nichts mehr zum Buddy Programm, denn das ist nicht der Titel dieses Blogeintrags. Die Verbindung von Buddy zu Blogtitel liegt darin, dass sie Archäologie (Master) studiert und deshalb viel im Museum of Natural History and Archaeology, NTNU zu tun hat und beim Stöbern auf der Seite bin ich auf den Link zu Fun and Games gestoßen. Probiert den mal aus, wenn ihr ohnehin gerade ein paar Minuten abschalten wollt. Wählt das erste Spiel aus und fühlt euch wie eine Laborratte im Labyrinth - samt weißhaarigem Professor mit Brille im Laborkittel der euch beobachtet und allem drum und dran. :) Es gibt für die mehr an Trondheim Interessierten auch (norwegische) Videos über Trondheim im Mittelalter und ein Spiel mit einigen Infos über Trondheim. Meine Spielzeit ist jetzt erst mal wieder abgelaufen, da ich vor der nächsten Vorlesung, die dann bis 15 Uhr geht, noch schnell einen Haps essen möchte.

Montag, 10. September 2012

Styrkeløft...

... ist die norwegische Übersetzung von Kraftdreikampf, international auch bekannt als Powerlifting. Natürlich trainiere ich hier fleißig weiter und konnte in den letzten Wochen feststellen, dass es beim Training einige Parallelen aber auch Unterschiede zu Deutschland gibt.
Was ist gleich? Nun ja, 100kg in Deutschland sind genauso schwer wie 100kg in Norwegen. Eine wohl weniger überraschende Tatsache. Ebenfalls sind die Gespräche mit (vornehmlich) männlichen Vertretern unserer Spezies, die zufällig gerade am selben Gerät trainieren wie ich, in diversen Ländern sehr ähnlich. Nachdem ich mich beim Bankdrücken schon eine Zeitlang beobachtet gefühlt hatte und beim Blick ins Gesicht des Beobachters regelrecht spüren konnte, wie es dessen Kopf ratterte, fasste er sich schließlich ein Herz und fragte, ob ich das schon länger mache. Ganz unschuldig und unwissend auf was er hinaus will, fragte ich zurück: "Wie kommst du darauf?" "Du bist stark." Natürlich bedanke ich mich artig für das Kompliment. Später kommen in unterschiedlicher Reihenfolge üblicher Weise noch die Frage, wie viel ich denn maximal schaffe und die Beteuerungen seinerseits, dass er heute nur ein leichtes Training mache und ohnehin durch eine Erkältung oder ähnliches alles gerade sehr schwer sei. - Jungs, ihr müsst euch doch nicht rechtfertigen. Trainiert und habt Spaß dabei! Fühlt euch wohl in eurem Körper. Wettkampf- und Freizeitsport sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Die Unterschiede im Kraftsport zwischen Deutschland und Norwegen finde ich interessanter als die Parallelen. Muss ich in Deutschland 95% der Menschen erklären, was Kraftdreikampf/ Powerlifting ist, habe ich bisher noch keinen (!) Norweger und keine (!) Norwegerin getroffen, die mit dem Begriff Powerlifting nichts anfangen konnte. Dass die Wettkampfregeln nicht im Einzelnen bekannt sein mögen ist absolut nachvollziehbar (bei Volleyball kenne ich mich auch nicht im Detail aus), aber wenn bekannt ist, dass es sich bei Powerlifting um Kraftsport mit den Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben handelt, springt mein Dreikampfherz bereits freudig in die Höhe. In Deutschland können viele noch nicht einmal etwas mit dem Begriff Kreuzheben anfangen. Diese (traurige) Tatsache mag auch darin begründet liegen, dass der Fitnesstrend in Deutschland leider kein Training mit freien Langhanteln vorsieht. In Norwegen arbeiten so viele an den freien Langhanteln! Auch Frauen die Kreuzheben machen sehe ich bei jedem Training hier. Es sind im Fitnessbereich natürlich andere Gewichte, als wenn Wettkampfambitionen dahinter stehen, aber es ist ein Ganzkörpertraining an den freien Langhanteln! Die Skandinavier schneiden bei Europa- und Weltmeisterschaften nicht umsonst so gut ab. Die Hemmungen in den Sport einzusteigen sind offenbar wesentlich geringer und damit ist die Basis natürlich wesentlich breiter, was wiederum eine stabilere Spitze zur Folge hat.

Vom Kraftsport leite ich noch zwei weitere Themen ab, die ich heute kurz anreißen möchte. Zum Einen fällt mir gerade das Thema Kraftklub (ja, das erste Wort ist gleich ^^) ein. Kraftklub im Sinne der aus good old Karl-Marx-Town stammenden Band. Wie bekannt sein sollte, habe ich mit Musik nicht allzu viel am Hut, aber wenn es eine Musikgruppe aus meiner Heimatstadt deutschlandweit zu gewisser Bekanntheit bringt, habe ich davon zumindest schon mal gehört. Lustig wird das Ganze, wenn man dann in Norwegen ist und andere (deutsche) Austauschstudenten mit einem Beutel der Band durch die Gegend laufen sieht oder Leute aus dem Westen im meinem Alter (oder jünger) plötzlich Karl-Marx-Stadt kennen und ganz cool finden. Dass am Ende noch keiner von denen wirklich in der Stadt mit den drei 'o' gewesen ist, deklariere ich jetzt mal zur Nebensache. Immerhin wird über Chemnitz gesprochen - und dann auch noch in einer positiven Weise. Meines Erachtens ist das definitiv bessere Werbung für die Stadt als an der Autobahn aufgestellte Plakate mit zweifelhaftem Slogan...


Die zweite Sache die mir beim Sportthema eingefallen ist, betrifft meine Planung für das nächste Wochenende. Mit der Mitgliedschaft im universitären Sportverein NTNUi mit immerhin 12.000 Mitgliedern (!) kann man nicht nur die Trainingsräume nutzen und an verschiedenen Gruppenhüpfkursen (Aerobic, Bauch-Beine-Po, Spinning und wie sie alle heißen) teilnehmen, sondern sich auch den verschiedenen Untergruppen anschließen. Dies habe ich beispielsweise bei der Ski & Fjellsportgruppe getan und mit denen geht es nächstes Wochenende auf eine Kanutour entlang der nördlichen Ausläufer des Femundsmarka Nationalparks an der Grenze zu Schweden. Ihr kennt eure Aufgabe: Daumen drücken, damit es möglichst trocken bleibt. Gegen Frost kann man sich mit dicken Klamotten wappnen, aber wenn es die ganze Zeit regnet, muss ich leider meine Kamera im wasserdichten Beutel lassen und dann habt ihr nichts zum Anschauen. Es liegt also ganz in eurem Interesse, dass ich Bilderbuchwetter bekomme. :)

Sonntag, 9. September 2012

Wenn ein Tag so startet...

... starte ich mit einem Lächeln im Gesicht.
Dafür war es den Rest des Tages grau und regnerisch. Genau das Wetter, was man sich wünscht, wenn man Unizeugs machen muss und ohnehin nur im Zimmer hockt.

Samstag, 8. September 2012

Auf einem Boot zu sein...

... ist einfach toll! Ich liebe das Meer. Falls es mit dem Job nach dem Studium nicht klappt, heuer ich erst mal auf irgendeinem Schiff an. :)
Heute stand ein von ICOT (International Club of Trondheim) organisierter Ausflug nach Munkholmen und anschließendem Pizza-Abendessen auf dem Programm. Munkholmen ist eine kleine, Trondheim vorgelagerte Insel, auf der Mönche schon vor über 1000 Jahren gesiedelt haben. Später wurde es zu einer Festung umgebaut, als Gefängnis genutzt ("Alcatraz") und natürlich spielte es im zweiten Weltkrieg auch eine Rolle als militärischer Stützpunkt. Heute ist es ein beliebtes Fotomotiv und Ausflugsziel, wenngleich auf der kleinen Insel nicht wirklich viel Spannendes zu finden ist. Aber die Bootsfahrt war toll! Endlich mal wieder schaukelnder Boden unter den Füßen und ein salziger Fahrtwind, der das Haar zerzaust. Was gibt es Schöneres?
Im Anschluss gab es all you can eat Pizza. Das ist mittlerweile zwar schon einige Stunden her, aber ich bin immer noch sehr gut gesättigt und bezweifle, dass mein Frühstück morgen üppig ausfallen wird... Um zumindest ein paar Kalorien wieder los zu werden, fuhr ich auf dem Rückweg zum Pflegeheim noch zur Kristiansfestung, die auf einem Hügel liegt und einen guten Überblick über Trondheim erlaubt, aber überzeugt euch am besten wieder selbst:

Auf dem Weg zum Hafen. Nidaros Kathedrale am Fluss Nidelva.

Das herausragende weiße Gebäude ist die Kristiansfestung.
Natürlich darf auch der Fernsehturm im Bild nicht fehlen.




Die Munkholmen Insel  mit einer charakteristischen Wetterlage:
Regen und Sonne im ständigen Wechsel.
Blick von der Insel aufs Festland.
Alcatraz von Trondheim.
Irgendwann einmal wohne ich am Meer!

Die Altstadtbrücke, auch genannt Bridge of Happiness, mit blauem
Himmel auf der linken Seite und Regen mitsamt farbenfrohem
Bogen zur Rechten.

Nieder mit dem Fernsehturm! ;)

Der Unihauptcampus Gløshaugen.

In Realität waren die Lichtverhältnisse noch genialer!