Drei Gefährten auf dem Weg nach Holvassgamma,
Sieben Tage von der Idee bis zum erfolgreichen Ende,
Den Wanderern, ewig dem Fernweh verfallen, drei,
Eine Angel den Drein als treuer Begleiter
Im Lande Norwegen, wo die Wildnis noch lebt.
Ein Ziel, die Hütte zu finden,
Dort zu bleiben und sich ewig zu binden
Im Lande Norwegen, wo die Wildnis noch lebt.
Sieben Tage von der Idee bis zum erfolgreichen Ende,
Den Wanderern, ewig dem Fernweh verfallen, drei,
Eine Angel den Drein als treuer Begleiter
Im Lande Norwegen, wo die Wildnis noch lebt.
Ein Ziel, die Hütte zu finden,
Dort zu bleiben und sich ewig zu binden
Im Lande Norwegen, wo die Wildnis noch lebt.
Teil 1: Die Gefährten
Es war einmal eine Zeit, in der sechs Freunde innerhalb von zwei Tagen gemeinsam eine Tour von 60 km Länge zu einer Hütte bewältigten, die so hoch gelegen war wie keine andere. Nach diesem Ausflug kehrte jeder in sein angestammtes Leben zurück und die Freunde sahen sich nur noch unregelmäßig. So kam es auch, dass zur nächsten Tour zu einer Hütte, so nördlich gelegen wie keine andere, nur noch drei Gefährten übrig blieben. Diese zogen am Freitag bei kühlen Temperaturen und Regen versprechendem Wetter los, um die Hobbithütte zu finden. Kaum fünf Minuten nachdem die Gefährten dem Wagen, der sie auf die andere Seite des großen Trondheimfjords gebracht hatte, entstiegen waren, wussten sie, warum wahre Hobbits gar keine Schuhe erst tragen - sie werden ohnehin nur nass. Die Gefährten hätten stutzig werden sollen, als der lokale Busfahrer sie nach Auskunft ihres Zielortes skeptisch anschaute und meinte, dass es in der letzten Zeit sehr viel geregnet habe und fragte, wie wir denn planen, den Fluss kurz vor dem Erreichen der Hütte zu überqueren. Umkehren war jedoch keine Option. Die Hütte wartete auf uns und so liefen wir entlang der Hügel 'Rohans' und stapften durch die 'Totensümpfe'. Die nassen Füße wurden nur dann zum Problem, als wir in einer unbeheizten Hütte in 'Lorien' Zuflucht suchten, um zu rasten und uns an 'Elbenbrot' und anderen Leckerein zu stärken. Nach etwa fünf Stunden, in denen sich von Zeit zu Zeit zu der Nässe von unten auch Nässe aus den Wolken gesellte, erreichten wir schließlich 'Anduin', den großen Fluss, der das Nordende des Holvatnet Sees markierte, auf dessen östlicher Seite die Hobbithütte versteckt lag. Uns war ein auf der Westseite liegendes Boot versprochen worden, mit dem man auf die andere Seite übersetzen können sollte. Wir fanden auch eins, nur war dieses an der Seitenwand bis hinab zum Boden gerissen und erschien uns deshalb nicht vertrauenswürdig. Auf der Ostseite des Flusses erblickten wir zudem ein Kanu, welches wohl von den anderen zwei Hüttenbewohnern, die von Mittwoch bis Samstag Hüttengäste waren, genutzt worden war. Die verzweifelte Suche nach einer lebenserhaltenden Flussquerungsmöglichkeit etwas weiter flussaufwärts erbrachte auf Grund des hohen Wasserstandes keine zufriedenstellende Möglichkeit. So beschlossen wir, dass einer von uns ohne Gepäck die Querung wagen und dann mit dem Kanu die restlichen Gefährten sicher ans gegenüberliegende Ufer holen sollte. Auf dem Weg zurück flussabwärts erblickten wir durch graue Regentropfen und das Grün des Waldes schemenhaft einen roten Umriss. Ein weiteres Boot lag gut versteckt im Unterholz vertäut. So konnten wir am Ende doch alle trockenen Fußes gemeinsam auf die andere Seite übersetzen. Kurz vor dem Ziel jedoch schienen wir zwei Verluste erdulden zu müssen: meine Kamera fiel hinab. Zwar wurde der Einmeterfünfzigfall durch den nassen Untergrund abgefedert, aber ein nasser Untergrund ist nur ein sehr trügerischer Glücksfall für eine Kamera. Knipsen ging danach noch, aber Zoom und das Vornehmen von spezifischen Einstellungen waren nicht mehr möglich. Die andere Gefährtin beklagte das Verschwinden ihrer Handschuhe. So standen wir auf der Ostseite der Nordausläufer des Holvatnet im Regen.
Teil 2: Die zwei Nächte
Die Hütte nicht mehr weit wissend, erklommen wir die letzten Meter im Nieselregen und dann sahen wir sie - gut versteckt unter einer Schicht aus Erde und Bewuchs. Nur der Schornstein qualmte verräterisch. Durch die Anwesenheit der anderen Jäger und deren Hund wurden wir mit einer bereits aufgeheizten Hütte und einer Tasse heißer Schokolade begrüßt. Es tat gut, die durchgeweichten Schuhe auszuziehen und sich der Gemütlichkeit der Hütte hinzugeben.
Am nächsten Morgen weckte uns der Feueralarm, der von der Zubereitung des Jägerfrühstücks ausgelöst worden war. Unwillig aufzustehen blieb ich in meinen Schlafsack eingemummelt liegen, bis der Gefährte mit meiner auf dem Tisch stehenden Kamera ein Bild meines verschlafenen Gesichtes machte und plötzlich meinte, dass der Zoom wieder funktioniere. Hellwach sprang ich auf und nahm meine wieder voll funktionstüchtige Kamera entgegen. Auch die Handschuhe der anderen Gefährtin tauchten kurz darauf wieder auf und die lachende Sonne über dem See vervollständigte unser Wohlbefinden. Was für ein Tag! Wir beschlossen am Morgen das Boot zu nutzen und unser Glück im Angeln auf dem See zu versuchen, was zwar nicht von Erfolg gekrönt war, aber sehr entspannend wirkte. Später wollten wir unser Glück noch flussaufwärts vom Ufer aus probieren und tatsächlich: An der Rute zappelte ein Fisch! Leider kollidierte dieser beim Herausziehen mit einem Stein im Fluss und sprang zurück ins Wasser. Da uns die Gewandtheit und Unerschrockenheit von Gollum fehlte, sprang keiner von uns dreien hinterher. Stattdessen begnügten wir uns mit der Gewissheit, dass man mit ein bisschen Glück trotz nullprozentiger Angelerfahrung, einer (wahrscheinlich) qualitativ miserablen Angel und in Wasser aufgeweichter Trockenpapaya aus einer Nuss-Frucht-Mischung als Köder etwas aus dem Wasser fischen kann. Erfolgreicher waren wir beim Sammeln von Blaubeeren. Diese sprangen nicht zurück, wenn man sie einmal vom Strauch abgezogen hatte. Den Abend verbrachten wir mit Holzhacken, Gitarrenunterricht und - ganz zivilisiert - Lesen von Unitexten.
Teil 3: Die Rückkehr
Die Gemütlichkeit einer Hobbithütte lädt zum Verweilen ein. Doch leider konnten wir nicht ewig bleiben, wenngleich die Sonne am Sonntag ausdauernder schien, als noch am Tag zuvor, an dem es nachmittags doch noch genieselt hatte. Pflichtbewusst hatten wir uns heute den Wecker auf halb acht gestellt. Nachdem das Feuer im Ofen wieder loderte und nach und nach die Kochplatte erwärmt hatte, gab es zur Stärkung vor dem Aufbruch leckere Blaubeereierkuchen. Wir setzten mit dem Boot wieder auf die Westseite des Flusses über und begannen mit dem Rückweg gen Zivilisation. Wäre in den drei Tagen Hobbithütte die Welt untergegangen - wir hätten es nicht mitbekommen. Das Schöne bei den Hütten ist, dass sie sich mitten im Nirgendwo befinden - und davon gibt es in Norwegen reichlich. Nach der Durchquerung der 'Totensümpfe', die ohne Regen und Nebel sehr friedlich da lagen und an Mystik, nicht aber an Schönheit, verloren hatten, erreichten wir wieder die am Svanavatnet gelegene Hütte, die uns schon auf dem Hinweg als Rastplatz gedient hatte. Diesmal versteckten wir uns jedoch nicht vor Regen, sondern nutzten den Unterstand lediglich als Basis für unseren Planschausflug im sehr kalten, aber doch auf angenehme Art erfrischenden See, bevor wir etwas aßen und die letzte Stunde bis zurück zur Straße stapften. Selbst im Bus zurück nach Trondheim konnten wir uns kaum an der Landschaft, die nun deutlicher von menschlichen Einflüssen durchzogen war, sattsehen. Die Gefährten sind begeistert vom Lande Norwegen, wo die Wildnis noch lebt.

