Seitdem stellen sich mehr Menschen die Frage, wie sie Reisen wollen. Wohin? Welches Verkehrsmittel? Wie lange? Welche Unterkünfte und welches Verhalten vor Ort sind angemessen? Für Redhead ist dies schon länger ein Thema. Reisen mach einfach zu viel Spaß und leistet auf die richtige Art und Weise auch wertvolle Beiträge zum Verständnis zwischen verschiedenen Kulturen und Lebensentwürfe, erweitert den Horizont und erinnert daran, wie klein wir im Vergleich zur Welt sind.
Gleichzeitig belastet es die Umwelt.
Mein heutiger Eintrag ist kein klassischer Reisebericht, sondern einem aktuellen Anlass anderer Natur entsprungen: heute ist Earth Overshoot Day 2019 - Erdüberlastungstag. Das heißt, bis heute haben wir dieses Jahr bereits soviele nachwachsenden Ressourcen verbraucht, wie die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Bis 1970 haben wir Menschen weltweit gerechnet noch weniger Ressourcen in Anspruch genommen, als global zur Verfügung standen. Seit 1971 reicht unsere eine Erde eigentlich nicht mehr aus und wir leben auf Pump. Der Erdüberlastungstag ist seitdem immer früher im Jahr - 2019 erstmals im Juli.
Dies soll kein Eintrag mit erhobenem Zeigefinger werden. Redhead möchte nur ihren Teil zur Sensibilisierung für das Thema beitragen und einige Anregungen für klimaverträglicheres Reisen aufzeigen.Ich bin auch nicht immer eine vorbildliche Reisende: Zu weiter entfernten Zielen fliege ich. Pauschalreisen von großen Reiseanbietern habe ich auch schon gemacht. Um einige Freunde aus unterschiedlichen Teilen Europas zu treffen, reise ich einmal im Jahr zum Teil weite Strecken für lediglich ein Wochenende. Allerdings bevorzuge ich es, längere Reisen zu unternehmen, um auch wirklich etwas von der Reise mitzunehmen; übernachte gern bei Einheimischen und kaufe Lebensmittel landestypisch in kleinen Geschäften vor Ort und wenn ich fliege, kompensiere ich sein einigen Jahren den CO2 Ausstoß zumindest.
Es gibt ein paar simple Dinge, die jeder tun kann, der nicht aufs Reisen verzichten möchte und gleichzeitig an die Umwelt denkt:
Da ist natürlich zunächst die Wahl des Verkehrsmittels. Fliegen ist bekanntlich besonders schädlich fürs Klima. Gerade auf kürzeren Strecken innerhalb Europas gibt es durchaus Alternativen. Diese sind mitunter nicht so schnell wie das Flugzeug, aber wenn der Weg als Teil vom Ziel begriffen wird und man sich Zeit nimmt für seine Reise, eröffnet das neue Perspektiven und Erfahrungen. Ich erinnere mich bspw. an eine Zugfahrt 2013 von Paris nach Chemnitz, die ich zum Teil im Liegewagen eines Nachtzuges verbrachte oder auch an Reisen nach Frankreich mit dem Wohnmobil. Noch umweltfreundlicher wäre beispielsweise ein Radurlaub entlang der Elbe oder eines anderen großen Flusses (oder auch über ein paar Berge, für die, die etwas mehr sportliche Herausforderung suchen). Wenn geflogen wird, kann man seinen CO2 Ausstoß kompensieren. Am bekanntesten im deutschsprachigen Raum ist wahrscheinlich die 2005 gegründete non-profit Organisation Atmosfair, bei der man nicht nur Flüge, sondern auch Kreuzfahrten, Autofahrten oder Firmenevents kompensieren kann. Ganz grob gesagt, kann man berechnen, wieviel CO2 man mit einer bestimmten Aktivität verursacht hat und Atmosfair spart diese Menge durch verschiedene Klimaschutzprojekte an anderer Stelle ein. Um die Einsparung zu realisieren, wird ein Realisierungsbeitrag an Atmosfair gespendet.
Die Emmissionen durch den Flug sind natürlich trotzdem entstanden.
Welche anderen Dinge neben dem Verkehrsmittel kann man beachten:
Muss es wirklich die Reise ans andere Ende der Welt sein? Auch in der Nähe finden sich viele schöne Ziele, die zu entdecken es sich lohnt. Mag dies landschaftlich zum Teil stimmen, sind die kulturellen Erfahrungen im Amazonas bzw. Spreewald natürlich schon verschieden (bezugnehmend auf eine fotografische Gegenüberstellung aus der ZEIT - siehe Foto).
Lokal reisen: Übernachtungen und Essen bei kleinen lokalen Anbietern vor Ort kaufen statt in Hotelketten zu übernachten und in weltweit agierenden Franchise Ketten (fast-food) Essen zu kaufen. Das hilft der Klimabilanz und fördert den Austausch mit den Menschen vor Ort. So wird das Reisen persönlicher und das Geld kommt auch direkt bei den Menschen vor Ort an, statt den Börsenwert internationaler Konzerne zu verbessern. Ich liebe es bei Locals zu übernachten. Dabei sind schon viele interessante Gespräche zu stande gekommen, egal, ob die Übernachtung unentgeltlich per Couchsurfing im Herzen von Jerusalem stattfand oder ich zahlender Gast mit eigenem Zimmer bei einem vegan lebenden Ehepaar nördlich von Auckland war. Bei unserer Thailandreise fanden wir authentisches Essen in kleinen Restaurants in unscheinbaren Nebenstraßen, in denen wir uns zum Teil mit Händen und Füßen verständigen mussten, aber dafür auch ehrliche Gastfreundschaft erfuhren und nicht nur als wandelnde Portemonnaies gesehen wurden.
Wenn man reist, sind für die Klimabilanz zudem längere Reisen kurzen Wochenendtrips vorzuziehen. Fünf Tage Skiurlaub in der Schweiz im Februar, ein Wochenendtrip nach Barcelona zu Ostern, sieben Tage schnorcheln auf den Malediven im Sommer, ein Kulturwochenende in Rom im Oktober und noch mal ein paar Tage Sonne tanken über den Jahreswechsel in den VAE verursacht natürlich mehr CO2 Ausstoß, als eine dreiwöchige Reise bei der man intensiver in die Kultur vor Ort eintauchen kann und wahrscheinlich zudem einen höheren Erholungseffekt erzielt.
Verantwortungsbewusstsein bei Reisen aufrecht erhalten bzw. anpassen. Wasserverschwendung oder Müll in die Natur zu werfen sind zu Hause wie auf Reisen keine wünschenswerten Verhaltensweisen. Reist man in Regionen mit Wasserknappheit, sollte jeder besonders darauf achten, nicht sinnlos viel Wasser zum Duschen zu nutzen.
Es gibt natürlich noch viele weitere Dinge, die jeder Einzelne von uns tun kann, um dem Klimawandel entgegen zu wirken - nicht nur auf Reisen. Es gibt Klassiker wie das Licht auszuschalten, wenn man nicht im Raum ist; Wegwerfplastikartikel zu vermeiden (Stichworte Plastiktüten im Supermarkt, Strohhalme, Wegwerfgeschirr); den Konsum von (billigem aus Massentierhaltung gewonnenem) Fleisch zu reduzieren und ganz allgemein Konsum zu reduzieren (Kleidung nicht jede Saison nach der schnelllebigen Mode neukaufen oder alle zwei Jahre ein neues Handy zulegen). Jeder kann etwas bewirken und jeder muss handeln!
| Werbebild für ein spezielles Sommerticket der Deutschen Bahn 2019 (Foto von der DB Website). |
| Doppelseite aus der ZEIT vom 27. Juni 2019 (einzelne Fotoquellen auf der Zeitungsseite genannt). |
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| Grafik aus der ZEIT, Juli 2019. Klimaverträglich sind ca. 2,3t CO2 Ausstoß pro Jahr für einen Menschen. |





