Mittwoch, 26. April 2023

Seehundbänke...

 ... sind keine Bänke zum setzen sondern bei Ebbe trocken fallende, den Inseln der Nordsee vorgelagerte Sandbänke, auf denen Seehunde sich bei Niedrigwasser gern ausruhen und Sonne tanken. Da wohl den Meisten beim Anblick von Seehunden das Herz schmilzt, war eine Ausflugsfahrt zu den Seehundbänken fast schon Pflicht. Am knuffigsten fand ich es, wenn die Tiere über den Meeresboden robbten. Robbe ist übrigens ein Oberbegriff für verschiedene Arten, von denen der Seehund nur eine von weltweit 35 ist. 

Um die Tiere möglichst wenig zu stören, dürfen sich Ausflugsboote nur mit gehörigem Abstand den Sandbänken mit den Tieren nähern. Für die Beobachtung empfahlen sich daher Fernglas und ein Foto mit starkem optischem Zoom.

Mit dem Fernglas ließ sich am meisten erkennen.
Seehunde dösen auf einer Sandbank im Südwesten
Pellworms.
Im Sommer werden die Seehunde bei Niedrigwasser
aus einem Flugzeug heraus gezählt.
Maximaler Zoom.
Wenn man die Robben in der Natur nur noch aus
der Ferne sieht, gibt es Alternativen...
... für Seehundfeeling zu Hause. ;)
Das Schiff mit dem wir gefahren sind, lässt während der Fahrt zu den Seehundbänken auch kurz ein Netz ins Wasser, um interessierte Kindern und Erwachsenen anschließend die gefangenen Nordseebewohner in Meerwasser auf dem Schiff beobachten zu lassen, ehe die Tiere wieder in Freiheit entlassen werden. So sahren wir bspw. einen Sandaal, einen Butterfisch und einen Einsiedlerkrebs aus der Nähe.
Das Netz wird ins Wasser abgelassen.
Alle schauen neugierig zu.
Ein Butterfisch.
Ein Einsiedlerkrebs.

Auf dem Rückweg nach Pellworm fand ich es wieder interessant, aus welcher Entfernung man bereits die alte Kirche Pellworms erkennen kann. Diese stellt definitiv einen guten Orientierungspunkt dar, wenn man übers Wasser kommt.

Im grünen Kreis befindet sich die alte Kirche
Pellworms. Am rechten Bildrand kann
man den Leuchtturm erkennen.

Montag, 17. April 2023

Eine Inselumrundung...

... ist auf Pellworm mit dem Rad locker an einem Tag zu schaffen. Im Gegensatz zum in die Länge gezogenen Amrum ist Pellworm mit seinen 6x7 Kilometer Ausdehnung schon fast rund. Es gibt Wege vor und hinter dem Deich und man kann auch auf dem Deich entlang laufen. Dieser zieht sich acht Meter hoch einmal um die gesamte Insel, die im Durchschnitt unter dem Meeresspiegel liegt. 

Auf den Deichen trifft man immer wieder auf Schafe, die zur Beweidung frei herumlaufen können und dort auch ihre Hinterlassenschaften abwerfen. Genauso verhält es sich mit den Ringelgänsen, Austernfischern, Enten und all den anderen (Zug-)Vögeln. Zu den Tieren werde ich nochmal einen extra Beitrag verfassen. Heute soll es vor allem um die Landmarken Pellworms gehen. 

Blick aufs Meer geht immer.
Seit Anfang April wurden es immer mehr
Schafe auf den Deichen und Wiesen.

Mit der Fähre kommt man i.d.R. tidenunabhängig am 30 Jahre alten Tiefwasseranleger im Südosten der Insel an. Der alte Hafen liegt direkt im Osten Pellworms. Auch dort liegt eine Fähre, sowie einige Krabbenkutter und andere Boote. Sturmflutmarken erinnern an teils inselverändernde Ereignisse. Pellworm in seinen heutigen Umrissen gibt es seit knapp 400 Jahren. 1634 ereignete sich die zweite Grote Mandränke bei der die Insel Strand in Pellworm und Nordstrand geteilt wurde. Zwischen beiden fließt der Norderhever Strom, der weiterhin die Landschaft formt und sich immer tiefer zwischen Pellworm und dem Festland eingräbt. Tatsächlich kann man den Markern am alten Hafen deutlich höhere Sturmfluten als die von 1634 entnehmen. Durch die Eindeichung der Insel hält Pellworm dem Meer bisher jedoch stand. 

Krabbenkutter
Zugang zum Sportboothafen.
Sturmflutmarken am alten Hafen.
Die Pellwormer Fähre am Tiefwasseranleger.

Etwas viel Wasser am Hafen.

Um den alten Hafen herum im Osten der Insel befindet sich Tammensiel, mit rund 90 Einwohnern der Hauptort der Insel, wo sich Einkaufsmarkt, Bäcker, Bank, Arzt, Touristeninformation, Schwimmbad und der eine diensthabende Polizist der Insel befindet. 

Im Süden der Insel bildet der Leuchtturm den within sichtbaren Anlaufpunkt. Seine Feuerhöhe liegt 38 Meter über dem mittleren Tidehochwasser. Unweit des Leuchtturms befinden sich auch das Bürgerhus, welches eine Art Mehrzweckhalle für Bewohner und Touristen der Insel ist. Dort fand bspw. die Osterwiese oder Kino Veranstaltungen statt. Daneben gibt es einen großen Abenteuerspielplatz, Barfußpfad und eine Minigolf Anlage. Kurz hinter dem Leuchtturm auf dem Deich liegt ein Bootsrumpf, der als Gedenkort für Angehörige nach einer Seebestattung genutzt werden kann. 


Blick hinter den Deich am Leuchtturm.

Eine Gedenkstätte für Hinterbliebene nach
einer Seebestattung.

Folgt man dem Deich mit dem Rad weiter gen Westen erreicht man nach 20 Minuten Fahrt das Wahrzeichen der Insel: die alte Kirche. Gefühlt ist diese, bzw. vor allem die Ruine des alten Kirchturms, den Pellwormern heilig. Vor Ort verstand ich nicht warum. Ich empfand die Ruine als banal bis beliebig. Bei dem Ausflug nach Amrum und einem anderen Bootsausflug, von dem ich später berichten will, stieg mein Respekt vor dem alten Kirchturm jedoch wieder. Die Silhouette der alten Kirche ist wirklich wahnsinnig weithin sichtbar. Ich verstehe gut, warum der 26 Meter hohe Turm, welcher ursprünglich etwa doppelt so hoch war wie jetzt, als markanter Orientierungspunkt für Seefahrer galt. 

Immer fleißig strampeln.
Die Turmruine der alten Kirche.

Die klassische Silhouette.

Auf dem Weg zur Nordermühle im Norden von Pellworm passierten wir die Landestelle der Hooger Fähre. Es gibt auf der Welt wohl nur 10 Halligen, welche sich alle in der Nordsee befinden. Halligen sind flache Inseln ohne Deiche, welche regelmäßig von (Sturm-)Fluten überspült werden. Die Häuser auf einer Hallig werden auf Warften, künstlichen Aufschüttung, errichtet, die das Haus vor dem Wasser der Nordsee schützen soll. Die Nordermühle selbst ist eine schicke Windmühle, die heutzutage Ferienwohnungen beherbergt. 

Nordermühle auf Pellworm.

Stets unterwegs mit Rad und Anhänger.


Abfahrt für die Hooger Fähre.

Viele kleine Muschelteile ergeben optisch
eine Art Sandstrand.
Nordermühle mit Schafen.

Nachdem ich einmal alle Himmelsrichtungen durch habe, ein paar letzte Worte zum Zentrum der Insel. Zentral gelegen sind Feuerwehr, Schule, neue Kirche und der Tierarzt, der auf einem Hof mit ganz vielen Pferden (Stichwort Ponyreiten für Kinder) beheimatet ist. Außerdem befindet sich recht zentral gelegen auch das in einem anderen Blogeintrag bereits beschriebene Solarfeld.

37 Pferde wohnen aktuell auf dem Appelhof.
Blick hinein in die neue Kirche.
Kirche von außen.

Damit habe ich die markantesten Punkte der Insel beschrieben. Natürlich lassen sich an verschiedenen Stellen liebevoll dekorierte, reetgedeckte Häuser oder kleine Galerien finden, aber dass soll jeder für sich selbst entdecken.

Stets mit Muskelkraft unterwegs bei
Sonnenschein und Sturm.

Donnerstag, 13. April 2023

Amrum...

 ... ist flächenmäßig zwar einige Quadratkilometer kleiner als Pellworm, aber hat deutlich mehr Einwohner und Besucher und ist daher auch bekannter. Ich war vor knapp 30 Jahren bereits einmal auf Amrum, kann mich jedoch an kaum etwas aus diesen frühen Kindheitstagen aktiv erinnern. 

Amrum hat im Gegensatz zur grünen Insel Pellworm reichlich Sand. Der feine Kniepsand ist bis zu 1,5 Kilometer breit und erreicht die Hälfte der Gesamtfläche Amrums. Der Kniepsand selbst wird jedoch nicht zur Fläche Amrums gezählt, da er verwaltungstechnisch als Meeresgebiet gilt. 

In den Dünen, Blick zum Leuchtturm.
In den Dünen, Blick zum Meer.

Der Kniepsand ist eine breite Sandbank, die im Westen an Amrum und dessen Dünenlandschaft anschließt. Ich finde den Sand sehr weich und fein. Bei Wind kriecht er durch jeder Ritze und weht leider auch schnell in die Augen. Der breite Kniepsandstreifen und die Dünenlandschaft machen für mich Amrums Flair aus und waren die Hauptgründe für einen Tagesausflug mit dem Boot. 

Wir fuhren früh mit einem schnellen, modernen Boot vom Pellwormer Tiefwasseranleger los. Um tidenunabhängig verkehren zu können, fahren die Schiffe einen sehr großen Bogen in den Nordosten von Pellworm, vorbei an der Hallig Gröde und dann gen Westen. Nach einem Stopp auf der Hallig Hooge steuerte das Schiff Wittdün im Süden von Amrum an, wo wir bei herrlichem Sonnenschein gegen elf anlegten. 

Faszinierend, wie nahe wir zum Teil am
Wattboden vorbei fuhren.
In großem Bogen von Pellworm nach Amrum.
Strand im Osten Amrums.
Zu Fuß mit zwei kleinen Kindern unterwegs legten wir an dem Tag auf Amrum rund 8 Kilometer zurück. Entlang der Uferpromenade, über Bohlenwege durch die Dünen und entlang der Hauptstraße der Insel spazierten wir zum höchsten Leuchtturm der deutschen Nordseeküste und zurück zum Fährhafen. Amrum und Pellworm haben sehr unterschiedliches Flair - jedes aufs seine Art schön.
Trotz vieler Touristen,...
... ist die Landschaft weitläufig genug, ...
... damit jeder zwischen Dünen und...
... Strandhafer seine Ruhe findet.
Mit einem kleinen Leuchtturm.
Die Bohlenwege sind gut angelegt.
Schieben und tragen.
Kurz bevor es für uns zurück aufs Schiff ging,
bestaunten wir eine Weile Kitesurfer, die teilweise
meterhohe Sprünge durch die Luft vollführten.
Tschüssi Amrum.