Sonntag, 3. August 2014

Eine Weltreise am Wochenende...

... habe ich am gestrigen Samstag unternommen - und dabei wollte ich nur von Chemnitz nach Dresden und am Abend wieder zurück. Während man von Berlin nach Trondheim ca. 2 Stunden fliegt, von Frankfurt nach Barcelona ein bisschen über zwei Stunden und sowohl für die Strecke München - Istanbul als auch für die Strecke Berlin - Moskau nur etwa zweieinhalb Stunden unterwegs ist, so braucht man mit der deutschen Bahn von Dresden nach Chemnitz bzw. Flöha schon einmal VIER (!!!!) Stunden. Aber Homer erzählte die Odyssee auch nicht in zwei Zeilen, und so will ich am Morgen beginnen, als ich nach Dresden fahren wollte.
Umweltfreundlich und mit dem als Student ohnehin bezahlten Ticket beschloss ich den Zug nach Dresden zu nehmen. Da es von meinem derzeitigen Wohnort aus keinen großen Unterschied macht, ob ich am Chemnitzer Hbf oder in Flöha in den Regionalexpress steige, die Parkplatzsituation am Flöhaer Bahnhof jedoch entspannter ist, machte ich mich am Morgen mit dem Auto durch das im Südosten von Chemnitz gelegene Sternmühlental auf den Weg gen Flöha. Dort, wo die Straße auf die B180 entlang des Flusses Zschopau trifft und ich hätte links abbiegen müssen, stand ich jedoch ganz plötzlich und unvermittelt vor einer Vollsperrscheibe. Vorherige Hinweise? Gab es keine. Umleitungsschilder? Natürlich nicht! Fluchend und den Zug im geistigen Auge schon ohne mich davon fahren sehend, bog ich in die einzig mögliche Richtung nach rechts ab und kam über Hennerdorf, schmale Waldstraßen und über Augustusburg schließlich doch noch an mein Ziel und war dank einer eingeplanten Reservezeit von einer viertel Stunde am Ende noch zwei Minuten vor Abfahrt am Bahnsteig. Froh es doch noch rechtzeitig geschafft zu haben, stieg ich in den sehr vollen Zug und fand einen Sitzplatz vor einer Gruppe Fußballfans, die in der einen Stunde Zugfahrt jeweils drei Flaschen Bier leerten, und hinter einer Gruppe Jugendlicher, die den Gesprächen zufolge auf dem Weg zu einem christlichen Chorkonzert waren. Mein mitgebrachtes Buch ließ ich im Rucksack und lauschte stattdessen den Gesprächen um mich herum, die genügend interessante Unterhaltung garantierten. Fahrplanmäßig erreichte der Zug nach einer Stunde den Dresdner Hauptbahnhof. Der Rückweg am Abend wurde dann ungleich länger.
Alter Gasometer neben dem
Asisi Panometer.

Der große Garten in Dresden mit
dem Palais in der Mitte.










Aufgrund von Gleisbauarbeiten (so die Auskunft einer Schaffnerin in Dresden) verlängerte sich die Fahrzeit von Dresden nach Flöha planmäßig von unter einer auf knappe drei Stunden, da der Zug nur bis Tharandt fahren würde und die Reisenden von dort im Schienenersatzverkehr weiterbefördert werden würden. Kurz nach neun Uhr abends in Dresden in den Zug steigend stellte ich mich also auf eine Ankunft kurz vor Mitternacht ein. Im Zug, wo ich diesmal vor einer Gruppe angeheiterter junggesellenabschied-feiernder Männer saß, erfuhr ich von der Schaffnerin dann weiterhin, dass wir in Tharandt in einen Bus steigen würden, dieser aber nur bis Freiberg fahren würde und dort in einen anderen Bus nach Chemnitz/ Flöha umzusteigen sei.
Tharandt ist von Dresden abfahrend normalerweise der erste Halt nach Dresden Hbf und liegt nur ca. 10 Minuten Fahrtzeit entfernt. So der Idealfall. Gestern Abend hielt der Zug jedoch an jedem Haltepunkt zwischen Dresden Hauptbahnhof und Tharandt und braucht so schon eine knappe halbe Stunde. In Tharandt angekommen, eilte ich schnellen Schrittes zu einem der zwei auf dem Parkplatz stehenden Busse. Wie ich strömten die anderen Reisenden in einen der Busse und bald schon waren die Busse so voll, dass überall die Leute standen und draußen immer noch Menschen warteten. Der Busfahrer schloss dann einfach die Türen und fuhr an. Dass Leute im Überlandbus im Gang standen störte genauso wenig, wie dass Reisende in Tharandt zurück blieben und dort auf den nächsten Bus (der wie ich später erfuhr auch erst eine Stunde später wieder da sein sollte) warten mussten. In Freiberg spuckten uns die zwei Busse dann wieder aus und ein wirklich freundlicher *das ist diesmal keine Ironie* Herr mit einer roten Weste der deutschen Bahn begrüßte uns. Der Herr war eigentlich ein Mitarbeiter einer Security Firma, war von der DB jedoch vollkommen richtig auf diesen Ordner-Posten eingeteilt worden, denn er konnte uns in unserer Lage zwar nicht Weiterhelfen und hatte auch nicht auf jede Frage eine Antwort parat, meinte in seinem zweiten Satz aber gleich, dass wir ihm alles an den Kopf werfen könnten, was wir wollen, er sei abgehärtet und habe schon alles gehört.
Was war eigentlich "unsere Lage"? Der freundliche Herr erklärte uns, dass wir in Freiberg eine Stunde auf den Zug, der uns weiter gen Flöha/ Chemnitz bringen sollte, warten müssten. Nur zur Erinnerung: es war Samstag Nacht halb elf, als wir in Freiberg mit dem SEV von Tharandt angekommen waren. Wir sollten also eine Stunde bis halb zwölf nachts an der dunklen Bushaltestelle warten. Als Reisende nach Bestätigungen der Zugverspätung fragten, meinte er, er habe keine bekommen und die Busfahrer hätten auch keine. Als wir nach Toiletten fragten, meinte er, dass am Nachmittag, als die umliegenden Geschäfte noch aufgewesen sein, einige der Läden so freundlich waren, ihre Personaltoilette zur Verfügung zu stellen. Zu der nun herrschenden Nachtzeit empfahl er uns vielleicht in einer Bar nachzufragen, oder hinter einen Busch zu gehen. Es wurde jedenfalls schnell klar, weshalb er zu Beginn gleich gesagt hatte, dass wir ihm alles an den Kopf werfen könnten und er schon abgehärtet sei. Zum Glück war die Gruppe der Lage entsprechend relativ entspannt und sah, dass es nicht viel bringen würde, sich in der Situation maßlos aufzuregen. Stattdessen unterhielten wir uns alle mit den uns bis dahin wildfremden mitreisenden Menschen, tauschten Schokolade und Taschentücher aus, witzelten mit Galgenhumor über unsere Lage und die deutsche Bahn und gewannen der Situation soweit möglich positive Aspekte (es war eine milde Sommernacht statt bitterkalter Winter mit Schneetreiben) ab.
Der Grund, weshalb wir eine Stunde auf unseren Bus für die Weiterfahrt warten mussten war, dass zwei Busse in Freiberg angekommen waren, aber von der DB eben nur ein Bus für die Weiterfahrt bereitstand und nicht sehr viele Reisende in Freiberg ihr Endziel hatten. Da der Schienen-ersatzverkehr nach genau dieser Methode am Samstag seit 17 Uhr so verkehrte, schaukelte sich das Problem, dass immer mehr Menschen "übrig" waren, ständig weiter auf und so fuhr der Bus, wenn er denn wieder in Freiberg ankam, ab, sobald er voll war und die Nächsten mussten dann eben warten. Im "Ideal"-Fall wartete man also in Tharandt nach dem Ausstieg aus dem Zug eine Stunde auf den Bus nach Freiberg, da die Buskapazitäten nicht ausreichten und in Freiberg wartete man eine weitere Stunde auf die Weiterfahrt in Richtung Chemnitz. Dazu kam, dass die Busse natürlich in jedem Dorf hielten und die reine Fahrzeit per Bus ungleich länger war, als mit dem Zug und natürlich lief es am Ende auch darauf hinaus, dass wir nicht "nur" eine Stunde auf den Bus warteten, sondern noch 20 Minuten länger, so dass es kurz vor Mitternacht war, bis wir in Freiberg schließlich in den Bus steigen konnten. Dieser war dafür dann auch auf sibirische Temperaturen heruntergekühlt. Wahrscheinlich wollte die DB der vor einiger Zeit ausgefallenen Klimaanlagen rückwirkdend etwas entgegensetzen. Da durch die mittlerweile hereingezogenen Gewitter glücklicher Weise kein Baum entwurzelt und auf die Straße gekippt war, verlief die restliche Fahrt nach Flöha problemlos und ich war reichlich vier Stunden, nachdem ich gestern Abend in Dresden in den Zug gestiegen war heute früh auch schon zu Hause, wo ich mich nur noch ins Bett fallen ließ. Wer will bei so einer andauernden Abenteuerreise innerhalb Sachsens schon noch nach Barcelona, Trondheim, Moskau oder Istanbul fliegen?
Senk ju for träwelling wis deutsche bahn.

Samstag, 2. August 2014

Flachlandtiroler in den Alpen...

... haben es wohl nicht leicht. Ständig geht es bergauf, bergauf, bergauf und bergab. Am letzten Wochenende war ich eine Freundin im südlichen Bayern besuchen. Wir kannten uns aus Norwegen und was lag da näher, als wandern zu gehen und in einer Hütte im Schlafsack zu nächtigen?
Die Fahrt vom schönen Sachsen ins wilde Bayern bewältigte ich per Bahn, was wie meistens schon die ersten Reiseabendteuer bereithielt. Als ich kurz nach Mitternacht am Münchner Hauptbahnhof in einen komplett dunklen Regionalzug stieg, der mich die letzten Meter zum Ziel bringen sollte, ahnte ich noch nicht, dass es eine knappe halbe Stunde dauern sollte, bis das Zugpersonal eintraf, Strom (und damit Licht und Belüftung) angeschalten wurde und sich der Zug in Bewegung setzte. An Bord waren unter anderem eine angeheiterte Truppe Angestellter auf dem Heimweg von der Firmenfeier, ein echter Bayer mit Lederhose und irgendwer übte sich nachts halb eins im Zug auch an der Mundharmonika. Es hat nur noch gefehlt, dass jemand angefangen hätte zu jodeln, aber man kann (zum Glück) nicht immer alles haben.
Samstag Morgen brachen wir am nicht mehr ganz so zeitigen Morgen gen Berchtesgardener Land auf. Dummerweise waren wir nicht die Einzigen, die versuchten auf dem Autobahnring um München herum vorwärts zu kommen und so standen wir im Stau und konnten uns schon einmal auf die Rückfahrt Sonntag Abend einstimmen, wo wir ebenfalls wieder im Stau um München festhingen. Großstädte sind doch etwas Feines...
Schließlich erreichten wir den Königssee und beschlossen auf Grund der fortgeschrittenen Zeit einen Teil des Tagesaufstieges per Gondelbahn zurück zu legen. An der Talstation der Jennerbahn zahlten wir artig unsere Tickets bis zur Mittelstation und teilten uns auf zwei Gondeln auf, da pro Gondel nur zwei Leute mitfahren durften und wir zu dritt waren. Alles gut - zumindest, bis ich an der Mittelstation ausgestiegen war und meine zwei Mitwanderer nirgends erblickte - bis ich in die weiter den Berg hinaufgleitenden Gondeln blickte und hinter der Plexiglasscheibe der nächsten Gondel hektische Winkbewegungen wahrnahm. Dank moderner Technik (aka Handy), erfuhr ich nur eine halbe Minute später, dass die Tür der Gondel, in der sich die anderen beiden befanden, nicht hatte öffnen lassen und sie deshalb zwangsweise auf den Gipfel fahren mussten. Während die beiden also eine Extrarunde drehten, nahm ich mir ein Brötchen aus dem Proviantsack, genoss die Aussicht und knipste mit dem Foto ein paar Bilder.
Kurz vor der Mittelstation der Blick zurück ins Tal.
Unterwegs verschönerte ein künstlich angelegter See den Ausblick.
Das ist mein Blick von der Mittelstation hinauf zum Gipfel. In
einer der Gondeln saßen meine Mitwanderer.

Irgendwo von dort unten sind wir gekommen.
So war es schließlich nicht vor 16 Uhr, bis wir tatsächlich zum Wandern kamen. Wettertechnisch hatten wir Samstag wie Sonntag von allem etwas - Regen, Sonne, Wolken. Warm war es die ganze Zeit, was ein Unterschied zu den meisten meiner norwegischen Touren darstellte. Doch vor allem ließen sich die Unterschiede natürlich an der Landschaft, der Ausschilderung (Kompass hatten wir gar nicht erst mitgenommen und eine Karte war im Grunde auch schon fast sinnlos.), der Frequenz anderer Wanderer und der Art des Weges (war stets kenntlich und nie querfeldein) erkennen. Wunderschöne Ausblicke waren uns auch im Berchtesgarder Land vergönnt.

Wege, Hütten, Hüttenwege.
Die Zeiten an den Weg-
weisern stimmten zwar nie ganz,
aber die Richtung schon. ^^
Beim Aufstieg kam ich sehr stark ins Schwitzen und merkte einfach, dass ich viel zu lange nicht mehr intensiv wandern war. Meine Kondition muss ich mir noch zurück holen. Schließlich gelangten wir auf das Gotzenplateau, von wo wir super die in Wolken gehüllten Gipfel der anderen Berge sahen und vom Aussichtspunkt Feuerpalfen klare Sicht auf St. Bartholomä direkt am Königssee etwa 1000 Höhenmeter weiter untern hatten. Von dort war es keine viertel Stunde mehr zur Gotzenalm, wo wir nächtigen wollten.

Zuckerwatter schmiegt sich um die Berggipfel.
Der Blick in die Ferne. Immer wieder toll.
Die Wandergemeinschaft am Aussichtspunkt hinab zum Köngssee.
Kurz vor der Gotzenalm auf 1.685 Metern.
Wir erreichten die Herberge kurz vor Küchenschluss, so dass wir einfach nur schnell unsere Rucksäcke abschmissen, ehe wir uns zusammen mit den anderen Gästen an Suppe, Salat und einem deftigen Hauptgang labten, der genauso im Übernachtungspreis inbegriffen war, wie das Frühstück am nächsten Morgen. Es hat seinen Reiz, wenn man sein Essen nicht komplett selbst im Rucksack mitschleppen muss.
Der Abend klang gemütlich bei Gesellschaftsspielen aus und als wir in unsere Schlafsäcke krochen, leuchteten die Sterne an einem wolkenlosen Himmel in der Nacht. Am nächsten Morgen waren diese dann nicht einmal mehr zu erahnen, was nicht nur an der wiedergekehrten Helligkeit lag, sondern vor allem an den Wolken, die die gesamte Alm einhüllten. Von Bergpanorama war keine Spur. Man sah selbst die Almhütte von ein paar Metern Entfernung kaum und so blieben auch Steilhänge nach oben und unten großteils unbemerkt, da lediglich der Weg direkt vor einem sichtbar war.
Gotzenalm Sonntag Morgen mitten im Dunst.
Ein Trampelpfad
am Berghang.












Nach und nach lichtete sich der Nebel und dann sah man im Wald und auf den Wiesen auch die possierlichen Tierchen, die man schon vorher aus der Ferne hören konnte: Kühe. Manche waren scheu. Manche waren zutraulich. Und seltsamer Weise war keine Einzige von denen Lila und dabei dachte ich immer, die Milka kommt aus den Alpen. ^^
Schließlich sahen wir noch am Berghang laufend das Tal, in dem der Obersee das herabfließende Wasser in sich aufnimmt, um es kurz darauf in den viel größeren Königssee abzugeben. Der Pfad wand sich durch den Wald und Geröll hinab ins Tal, was bei 1000 Höhenmetern die Waden und Oberschenkel noch ein paar Tage später hat an dieses Wochenende zurückdenken lassen. Am Sonntag selbst merkte ich noch nichts davon. An dem Tag genossen wir nach dem Abstieg zunächst ein warmes Mittag-Kaffeetrinken-Essen und sprangen dann ins türkisblaue Nass zu den kleinen Fischen.
Diesem Weg im Tal sollten wir später auch noch folgen.
Glasklar und türkisblau - traumhaftes Wasser.
Abkühlung nach den Wanderstrapazen.
Den Rückweg zum Ausgangspunkt des Königssees legten wir per Boot zurück, da eine Wanderung entlang der Westseite des Königssees die Überwindung des Watzmanns (oder zumindest seiner vorgelagerten Berggipfel) bedeutet hätte und von Anfang an nicht auf dem Plan stand. So fuhren wir mit dem Boot an der von Tagestouristen überfluteten Halbinsel mit der Postkarten-Motiv-Kapelle St. Bartholomä vorbei zurück zum Parkplatz, wo wir das Auto abgestellt hatten. So schnell kann ein Wochenende vergehen.
An der Anliegestelle von St. Bartholomä.
Panorama vom Boot zur Westseite des Königssees mit dem
mächtigen Watzmannmassiv.

Abschließend noch ein Bild, welches eine idyllische Urlaubsstimmung verbreitet, die durch die vielen Menschen zwar nicht ganz gegeben war, aber ich schaffte es einfach im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. ^^