Freitag, 18. Dezember 2015

Als Männelmacher im Erzgebirge...

... kennt man die, die auch heute noch traditionell in Handarbeit die klassischen hölzernen Weihnachtsfiguren herstellen. Das Erzgebirge trägt den Beinamen Weihnachtsland und zieht besonders in der Adventszeit mit Traditionen wie den Bergparaden, Pyramidenanschieben oder Mettenschichtfeiern zahlreiche Touristen an. Auch in Chemnitz, das sich gern als das Tor zum Erzgebirge bezeichnet, gibt es jedes Jahr eine große Bergparade und auf dem Weihnachtsmarkt darf klassische Holzkunst natürlich auch nicht fehlen.
Bergmannumzug in Chemnitz vor den Augen
von Karl Marx.
Dieses Jahr machten wir zudem zusätzlich mal wieder einen Ausflug ins Spielzeugdorf Seiffen, das wie kaum ein anderer Ort im Erzgebirge für seine Männelmacher berühmt ist. Auch wenn ich es schon mehrfach gesehen habe, faszinieren mich die Schauwerkstätten und besonders die Technik des Reifendrehens immer wieder aufs Neue.
Die Technik des Reifendrehens gibt es seit dem zeitigen 19. Jh. und ermöglichte damals trotz Handarbeit das Herstellen großer Stückzahlen in recht kurzer Zeit. Wer das Reifendrehen nicht kennt, dem empfehle ich sich ein Video anzuschauen, den Eintrag in ein verbreitetes Online-Lexikon zu lesen oder noch besser: einfach mal im Freilichtmuseum in Seiffen vorbei zu schauen.
Aufgeschnittener Fichtenstamm mit stilisierter Darstellung
der Schritte beim Reifendrehen.
Ein Elch im Kanadagewand - Überreste von der
sächsischen Beteiligung an den olympischen
Winterspielen in Vancouver.
Ein in die Einzelteile zerlegtes Ehepaar.
Blick in eine der Werkstätten, in denen die
Zusammensetzung der Holzteile erfolgt.
Neben den klassischen Figuren gibt es auch gegenwartsbezogene
Neuerscheinungen wir die Queen als Nussknacker oder
den Pabst als Räuchermann.
Ich wünsche allen einen erholsamen und freudigen 4. Advent!

Mittwoch, 25. November 2015

Klein aber wichtig...

... könnte man wohl als Umschreibung von Luxembourg verwenden. Der zweitkleinste Flächenstaat der Europäischen Union ist der Sitz verschiedener europäischer Einrichtungen und auch die Finanz- und Dienstleistungswirtschaft ist in vielen modernen Glasprunkbauten vor Ort vertreten.
Ich war vor mittlerweile zwei Wochen ein paar Tage zur Weltmeisterschaft im Kraftdreikampf im Großherzugtum. Einen Tag vor den Terroranschlägen in Paris nutzte ich den Morgen vor meinem Wettkampf, um die Hauptstadt ein wenig zu erkunden. Da wir leider so gar keinen Parkplatz in Zentrumsnähe gefunden haben (Parkhäuser waren mit "voll" gekennzeichnet und es stauten sich die hineinfahrenden Autos bis hinaus auf die Straße.), wurde es hauptsächlich eine Stadtrundfahrt statt einem entspannten Stadtbummel, aber auch so konnte man ein klein wenig das Luxembourgische Flair erahnen und habe natürlich fleißig auf den Auslöser meiner Kamera gedrückt, damit ihr euch nicht nur durch Text quälen müsst. Mein Eindruck in wenigen Worten: erstaunlich bergig, alte Befestigungsanlagen und moderne Glasbürobauten, viele klosterartige Gebäudekomplexe und stets adrett gekleidete Geschäftsmänner und Frauen, die die Straßen entlanghuschen.
Durch den Fluss Alzette geht es innerhalb der Stadt stets
bergauf und bergab.
Überall sieht man Überreste alter Befestigungsanlagen.
In der Hauptstadt scheint es auch viele Kirchen und Kloster zu geben.
Alt trifft auf neu auf engem Raum. Ein charakteristischer Anblick.
Eine Aktivität, der ich in anderen Ländern immer sehr gern nachgehe, ist es einzukaufen oder zumindest durch das Geschäft zu bummeln - und zwar im Supermarkt! Ich finde es faszinierend, die Kulturunterschiede in Lebensmittelgeschäften zu erleben und dabei sind ferne wie nahe Kulturkreise interessant.
Gleiche Produkte, andere Marke: unzählige Beispiele.
Ähnliche Produkte, bekannte (Dach-)Marken: die Joghurtgläser unten im Bild.
Gleiche Produkte, andere Verpackungsgrößen: Milch in Südkorea fast immer max. 0,33l oder 0,5l vs. Deutschland mit seiner Standardgröße von 1l vs. USA mit 0,5 Gallonen oder 1 Gallone (=3,785l).
Regionale bzw. nationale Produkte, die man in Deutschland bestenfalls im Fachhandel, aber nicht im einfachen Supermarkt bekommt: Macarons, Yeast, Kimchi, frische Reisnudeln.
Bekannte Produkte, andere Variante: in Luxembourg gab es bspw. eine bekannte Schoko-Minz Marke mit verschiedenen Geschmacksvariationen.
Bekannte Produkte, andere Präsentationsart: ich hätte in Luxembourg ewig an der Fischtheke bleiben können.
Kurzum: es gibt in Supermärkten weltweit viel zu entdecken und am Ende natürlich auch ein paar Sachen zu erschmecken.
Frische Kokusnuss in seltsamer Form, bretonische Butter,
leckerer Joghurt und Profiteroles, liebevoll dekoriertes
Gebäck und frische Meerestiere.
Supermarkt in Luxembourg.
Achja, und dann war da natürlich noch der Grund, weshalb wir nach Luxembourg gefahren waren: mein Wettkampf. Es war meine erste WM im Kraftdreikampf und auch wenn ich direkt nach dem Wettkampf nicht so richtig mit mir zufrieden war, so war es objektiv betrachtet mit ein bisschen Abstand doch wieder eine gute Leistung und ein würdiger Abschluss eines sportlich sehr erfolgreichen Jahres für mich. Wobei Abschluss nicht ganz stimmt, da noch zwei Bankdrückvergleiche nach der WM im Kalender stehen, bevor dann der Weihnachtsmann Geschenke bringen kann.
Kniebeuge mit 155 kg.
Ein Großteil des deutschen Teams.

Donnerstag, 19. November 2015

Ein ewiges Trauerspiel...

... ist das, was man als regelmäßiger Bahnnutzer erfährt - oder eben erwartet, wenn mal wieder nichts fährt. Nachdem 18:30 Uhr vorgestern bereits klar war, dass der 19:03 Uhr Regionalexpress von Chemnitz nach Dresden ausfällt und bei dem RE mit geplanter Abfahrt 20:03 Uhr bereits +30 Mintuen angekündigt waren, beschloss ich doch mal wieder einen Eintrag über mein Lieblingsverkehrsunternehmen zu verfassen.
Die Idee hatte ich bereits  in der ersten Novemberwoche, denn diese war besonders verspätungsfreundlich. Keine meiner Zugfahrten endete fahrplangemäß. Besonders begeistert war ich von einer Zugausfall- und anschließende Zugverspätungsbegründung, die ich am Morgen des 2.11. erhalten habe - einem wundervollen Morgen bei Plusgraden, Sonnenschein und Windstille.
An diesem Montag Morgen dreiviertel sieben wusste ich bei meiner Ankunft am Dresdner Hauptbahnhof bereits, dass es Probleme geben würde nach Chemnitz zu kommen, denn wenn dreiviertel noch kein Zug auf dem Bahngleis nach Chemnitz steht, hat dies bisher immer mindestens 15 Minuten Verspätung und nicht selten den Ausfall eines gesamten Zuges bedeutet. Die Kurzfassung dieses Morgens ist: geplant hatte ich den RE 6:53 Uhr ab Dresden zu nehmen. Durch einen Zugausfall und Verspätung der als Ausweich genutzten Regionalbahn brauchte ich am Ende statt einer, zwei Stunden bis nach Chemnitz.
Die Details schreibe ich der Übersicht halber in Tickerform mit ein paar ausholenderen Erklärungen an entsprechenden Stellen:
6:43 Uhr Ankunft am Hauptbahnhof in Dresden. Es steht kein Zug auf dem Gleis, auf dem der RE nach Hof im Normalfall fährt.
Ich sehe einen jungen Servicemitarbeiter. Auf Nachfrage sagt er mir, dass Laub auf den Gleisen liege, weshalb der Zug nicht vorwärtskäme. Wo genau der Zug stehe sei unklar. Auf jeden Fall gäbe es keine pünktliche Abfahrt ab Dresden.
Es lag Lauf auf den Schienen!
Wie erwähnt war es trocken, sonnig, Plusgrade und recht windstill.
6:46 Auch wenn der RE nach wie vor an der Anzeige am Gleis als pünktlich angezeigt wurde, plante ich bereits auf die RB mit Abfahrt 7:07 Uhr auszuweichen. Allerdings stand dieser noch nicht einmal an der Anzeige am Gleis angeschrieben. Ein physischer Zug stand auch nicht da.
6:49 In der DB App stehen der RE (6:53) und RB (7:07) mit je 0 Minuten Verstpätung!
6:49 Die Anzeige am Gleis zeigt für den nächsten aus Richtung Hof kommenden RE eine Ankunft von 7:03 Uhr mit ca 20 Minuten Verspätung. Die 6:53 Abfahrt wird  nicht mehr angezeigt.
6:53 Die RB um 7:07 Uhr steht zumindest an der Anzeige.
6:59 Der RE um 6:53 Uhr wird mit 10 Minuten Verspätung angegeben. Es werden falsche Hoffnung geschürt!
7:01 Die RB um 7:07 Uhr wird mit 10 Minuten Verspätung angegeben.
Auf Nachfrage von anderen Kunden, was denn nun zuträfe, höre ich den Bahnmitarbeiter erklären, dass man „provisorisch was eingegeben“ habe. Wenngleich mich diese Aussage nicht wirklich überraschte, so regte sich mich doch auf, denn die (Des-)Informationspolitik der Bahn macht Zugausfälle und Verspätungen immer viel, viel, viel schlimmer, als sie sein müssten.
Verspätungsangaben von 5 Minuten, wobei bereits klar ist, dass es mindestens 10 sind;
Die Angabe von einer Verspätung, wobei bereits klar ist, dass der Zug ausfällt;
Immer wieder um ein paar Minuten die Verspätung bei Durchsagen nach oben korrigieren, wobei die durchgesagte Zeit auch schon nicht mehr gehalten werden kann;
Zwei Minuten, nachdem ein zwar langsamerer aber zumindest überhaupt fahrender Zug den Bahnsteig verlassen hat, den Ausfall des zunächst nur um wenige Minuten verspäteten schnelleren Zuges verkünden;
Unterschiedliche Angaben zur (Un-)Pünktlichkeit durch Mitarbeiter, Anzeigetafel im Bahnhof und die DB App.
Diese Informationspolitik raubt mir oftmals mehr den Nerv, als die Verspätung selbst, denn wenn klar ist, dass der Zug nicht fährt oder eben reichlich Verspätung hat, kann man sich nach (langsameren) Alternativen umschauen oder sich noch ein Getränk kaufen oder sich im Zeitungsladen aufwärmen, statt hoffend, bangend und ungewiss am Bahnsteig auf und ab zu laufen, um am Ende meist nur noch genervt und wütend zu sein.
7:03 Die RB um 7:07 Uhr wird als pünktlich angeschrieben. Ich gehe zu dem eingefahrenen Zug.
7:09 Ich sitze zumindest warm in der RB. Wir fahren aber nicht.
7:14 Die RB fährt mit 7 Minuten Verspätung los. Diese 7 Minuten Verspätung eingerechnet, sollten wir 8:32 Uhr in Chemnitz sein - 37 Minuten nach Fahrplanankuft des RE.
7:58 Freiberg haben wir noch nicht erreicht. Die Verspätung hat sich ausgeweitet.
8:03 Die DB App gibt für die RB 13 Minuten Verspätung an.
8:12 Ein Zug düst an unserem Zug vorbei. Ob es sich dabei um den vielleicht doch noch verspätet abgefahrenen RE nach Hof handelte, wissen wir nicht. Es gibt keine Durchsagen und ein Schaffner kommt auch nicht zum Kontrollieren der Tickets. Mir scheint, als kommen die Schaffner bei größeren Verspätungen deutlich häufiger nicht, als im regulären Betrieb. Fürchten Sie die Fragen und den Zorn der Fahrgäste oder bilde ich mir das nur ein?
8:30 Die DB App gibt für die RB 44 Minuten Verspätung an.
9:53 Die RB hält in Chemnitz.
9:55 Ich kann den Zug mit einer Stunde Verspätung gegenüber der Planankuftzeit des RE und 30 Minuten Verspätung gegenüber der Planankuft der RB verlassen.
Ab 60 Minuten Verspätung gibt es eigentlich eine Entschädigung von der DB. Fährt man jedoch nicht mit einem regulären Einzelticket, greifen natürlich die allgemeinen Regelungen (bei 60-119 Minuten Verspätung normaler Weise 25% Entschädigung des Reisepreises) auch nicht. Das hat mir eine mäßig freundliche Bahnmitarbeiterin an einem anderen Tag mit Zugausfall schon einmal erklärt. Bei Fahrten mit einem Studententicket könnte es ähnlich wie bei einem Länderticket noch am ehesten eine pauschale Entschädigung geben. Die Dame am Schalter meinte damals zu mir, dass sie mich wie im Besitz eines Ländertickets behandeln könnte, was eine Entschädigung von 1,50€ bedeuten würde. Der Haken: Beträge unter 4€ werden nicht ausgezahlt und einen Gutschein für die Verrechnung bei einem späteren Ticketkauf gibt es auch nicht. Auf meine Nachfrage, warum es dann überhaupt offiziell 1,50€ gäbe, erklärte sie mir, dass es bei einem (einen Tag gültigen!!!) Länderticket z.B. dann eine Entschädigung ausgezahlt gäbe, wenn man 3x mindestens eine Stunde Verspätung hatte, denn 3x 1,50€ ergäben schließlich 4,50€ und das ist mehr als 4€. Ich kann mich mit einem Länderticket also dann über eine Entschädigung von 4,50€ "freuen", wenn ich am selben Tag 3x mindestens eine Stunde verspätet war und mir die in der Regel zusätzlich nötige Wartezeit angetan habe, um mir diese Verspätungen bestätigen zu lassen. Kein Kommentar
Wie erwähnt war ich auch bei den weiteren fünf Zugfahrten zwischen Chemnitz und Dresden in dieser ersten Novemberwoche erst zu späteren als den im Fahrplan angegeben Zeiten am Ziel. Zumindest handelte es sich dabei "nur noch" um maximal eine viertel Stunde Verspätung oder nur ein paar Minuten. Ein paar Minuten gelten ja im Grunde auch schon als normal. Mehr ins Gewicht gefallen war die knappe Stunde Verspätung, die ich am Freitag, 30.10., von Chemnitz nach Dresden gebraucht habe.

Ein paar Minuten Verspätung sind ja eigentlich auch nicht viel, aber 10 Minuten bei einer Fahrzeit von einer Stunde sind eben auch schon fast 17 Prozent und wenn man in der Woche sechs mal fährt, ist das auch eine Stunde reine Verspätungszeit pro Woche. Dazu kommen möglicher Weise weitere Verspätungen wegen verpassten ÖPNV Anschlüssen und der erlebte Stress, wenn man sich fragt, ob man den Termin noch schafft und die Ungewissheit, ob der Zug wirklich nur ein paar Minuten Verspätung hat oder ob das nur die offizielle Version ist.
Nach all den unschönen Dingen möchte ich abschließend noch erwähnen, dass ich letzte Woche hingegen nicht eine große Verspätung mit der Bahn erleben musste. Oder anders ausgedrückt: ich kam immer pünktlich an! Dazu muss man wissen, dass ein großes, bekanntes Internetlexikon mir verraten hat, dass "ein Zug (in Deutschland) als pünktlich (gilt), wenn er bis 5 Minuten und 59 Sekunden nach der im Fahrplan vorgesehenen Zeit eintrifft ." Zusätzlich ist dazu auch noch zu sagen, dass ich auch nur ein einziges Mal letzte Woche Bahn gefahren bin. Meinen Chancen standen also bei 100% pünktlich oder 100% verspätet.

Samstag, 17. Oktober 2015

Eichhörnchen klettern...

... zwar ohne Stahlseile und Karabiner, aber auch ich fühlte mich wohl, als wir am Wochenende mal wieder die Bäume in einem Kletterwald erklommen. Mittlerweile gibt es diesen Spaß ja an vielen Orten. In Kriebstein war ich schon, in Leipzig und nun auch mitten in der Dresdner Heide. Auf dem Gelände des alten Waldbad Klotzsches gibt es heute sieben verschiedene Parcours durch den Wald. Das Areal an sich ist sehr schön. Die Freundlichkeit der Mitarbeiter ließ zu wünschen übrig, aber wir hatten trotzdem unseren Spaß.
Zunächst geht es nach oben.
Drahtseilakt.
Selbst für Menschen mit einem gesunden Respekt vor der Höhe lässt sich ein Kletterwaldbesuch empfehlen. Zum Einen ist man immer mindestens doppelt gesichert und zum Zweiten gibt es auch Parcours, die keine zwei Meter über dem Boden verlaufen und so einen guten Einstieg ermöglichen. An sich ist es auf jeden Fall eine spaßige Aktivität in der Natur für den goldenen Herbst.
Warten auf einer Plattform bis das nächste Element frei ist.
Wie eine Hängebrücke - nur wackliger.
Bald schon werden statt herbstlicher Aktivitäten jedoch wohl wieder Winteraktivitäten auf dem Plan stehen. Nachdem wir am Mittwoch Mitte Oktober unseren ersten Schnee hatten,  ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis man von draußen schneebedeckt und mit frostig roter Nase und Wangen wieder rein kommt. Spätestens dann ist es Zeit für eine kuschlige Decke und eine heiße Schokolade -  aber das kann man sich natürlich auch schon nach einem Kletterwaldbesuch im goldenen Herbst gönnen.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Rheinabwärts bis zum Neckar...

Brücke zwischen Mainz & Wiesbaden.
... ging unsere Reise weiter, nachdem unser Urlaub im oberen Mittelrheintal sich seinem Ende zu neigte. Im Grunde kann man, wenn man den Rhein entlang fahren will, immer der B9 folgen. Diese führte uns rheinaufwärts zunächst durch Mainz, wo wir zum Mittag einen kleinen Stopp einlegten. Nach einem kurzen Blick auf Wiesbaden in Hessen vom westlichen Rheinufer aus wollten wir das Römisch-Germanische Zentralmuseum besuchen. Unglücklicherweise war Montag und damit Museumsschließtag. Die freundliche Mitarbeiterin, die wir im Gebäude antrafen, bestätigte jedoch die Vermutung, dass zumindest die Ausstellung im Untergeschoss des Einkaufszentrums Römerpassage geöffnet habe.
Originalmauern aus dem 1. Jh. in Mainz.
Das Einkaufszentrum war fußläufig schnell zu erreichen und die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Ausstellung freuten sich über zwei junge Interessierte, denen sie die Geschichte des Isis und Mater Magna-Heiligtums näher bringen konnten. Der Grund dafür, dass in Mogontiacum (lateinischer Name von Mainz) im 1. Jh. ein Tempel zu Ehren einer Ägyptischen Gottheit errichtet wurde ist, dass die Wurzeln des heutigen Mainz auf ein römisches Militärlager zurückgeht. Es wurden 12.000 Soldaten aus allen Teilen des großen römischen Reiches nach Germanien an den Zusammenfluss von Rhein und Main geschickt. Diese Soldaten brachten alle ihre Religionen mit. Der ehrenamtliche Mitarbeiter, der uns alles erklärte war stolz betonen zu können, dass Mainz bereits bei seiner Entstehung so richtig 'multi-kulti' gewesen sei.
Im Süden von Mainz liegen viele Orte, die auf -heim enden. So fuhren wir vorbei an Bodenheim durch Oppenheim nach Dienheim. Ein schöner Ort für einen kleinen Spaziergang durch die Weinberge und ein Stück Apfelkuchen zum Kaffeetrinken mit Verwandten bevor die Reise vorbei an Alsheim und Mettenheim bis ans Westufer von Mannheim weiter bis nach Ludwigshafen ging.
Allee im Stadtparkt auf der Insel.
Mannheim und Ludwigshafen haben gemeinhin wahrscheinlich nicht den allerbesten Ruf und sind vor allem durch den Hauptsitz des weltweit größten Chemiekonzerns bekannt. Außerdem sind unlängst ein paar Freunde in die zweitgrößte Stadt Rheinland-Pfalz' gezogen und so war uns die Stadt einen Kurzbesuch wert. Hauptsächlich sahen wir die Gegend um die Parkinsel der Südlichen Innenstadt. Mit viel Grün, dem Rhein und einem freundlichen Blick auf Mannheim bei blauem Himmel und Sonnenschein hinterließ die Stadt dadurch bei uns einen angenehmen Eindruck.
Blick gen Osten nach Mannheim.
Moderne Häuser auf der Parkinsel.
Besucher und Besuchte in Ludwigshafen.
Als wir schließlich den Rhein überquerten, wechselten wir dann schließlich auch das Bundesland. In Baden-Württemberg wollten wir ebenso Freunde besuchen. Leider war uns das Wetter in Heidelberg diesmal nicht so hold. Nassgrau und regnerisch war es, als wir durch die Heidelberger Innenstadt schlenderten. Um die Stimmung ein wenig zu heben, war es also dringend von Nöten, sich einen leckeren Schneeballen zu organisieren.
Schneeballen sind ein Gebäck aus Mürbeteig, welches in Größe und Form einem Schneeball nahe kommt und klassisch in Puderzucker gewälzt auch optisch diesem sehr ähnelt. Rothenburg ob der Tauber in Bayern ist als ein Ursprungsort dieses Gebäcks wohl recht bekannt, aber da ich meinen ersten Schneeballen vor ein paar Jahren in Heidelberg gesehen und probiert hatte, verknüpfe ich die Schneeballen immer mit Heidelberg. Schmecken tun sie sicherlich überall.
Verregnete Hauptstraße in der Heidelberger Altstadt.
Ich habe den Schneeball nicht allein gegessen - aber ich hätte gekonnt. ^^

Samstag, 3. Oktober 2015

Rund um die Loreley...

... erkundeten wir die Gegend bei diversen Tagesausflügen etwas besser. Gleich am ersten Abend fuhren wir noch nach Oberwesel. Zum einen hatte unsere Vermieterin uns das dortige Weinfest empfohlen und zum anderen gab es dort im Gegensatz zu St. Goar Supermärkte.
Blick von einem Turm der Stadtmauer rheinabwärts.

Marktplatz in Oberwesel zum Weinfest.
Das Weinfest war auch ohne den Genuss von Alkohol ganz nett. Allgemein stellten wir fest, dass Oberwesel ein schöner Rheinort mit Flair ist, während es in St. Goar eigentlich fast nur eine erwähnenswerte Fußgängerstraße gibt, die von "typical German souvenir"-Läden flankiert wird. Oberwesel ist definitiv der hübscherer Ort der beiden. Natürlich hat auch dieser eine Burg und natürlich mussten wir auch diese Burg auch unbedingt besichtigen. Von der Burg Schönburg aus hat man einen guten Blick über den ganzen Ort.
Brücke zur Burg.

Malerisch liegt der Ort Oberwesel im Rheintal.
Die Gegend ist natürlich zum Wandern prädestiniert. Gleich am ersten Tag früh morgens beim Bäcker (der nur von 6:30 Uhr bis 9:30 Uhr offen hatte - unpraktisch im Urlaub, wenn man mal länger schlafen will) wurde mir der Spitze Stein empfohlen. Dies ist ein ca. 20 Meter hoher Aussichtsturm auf einer Anhöhe mitten im Wald, von dem aus man viele Kilometer in alle vier Himmelsrichtungen schauen konnte. Unser Ziel für den ersten vollen Urlaubstag war also gesteckt.
Mit einem entpsannten Frühstück kann
man gut in den Tag starten

Aussichtsturm auf dem Spitzen Stein.
Wald, Felder, Wolken, Himmel, Rhein.
Nicht nur die großen Landmarken bieten Interessantes; auch entlang des Weges, der mal über Straßen, mal über Feldwege, Weinberge hinauf oder auch einfach mitten durch den Wald führte, gibt es Einiges zu entdecken. 
Blümchen am Wegesrand.
Trauben kurz vor der Lese.
Ein Pilzlein steht im Walde. ^^

Ein weiterer lohnender Aussichtspunkt ist der Loreleyblick, wobei es wohl nicht den Loreleyblick gibt. Offiziell gibt es natürlich schon den Loreleyblick (an dem man dann auch ein Ausflugsrestaurant findet), aber an vielen Stellen entlang des westlichen Rheinufers gibt es schöne Aussichtspunkte, um auf den sagenumwobenen Felsen zu blicken.Wie fast an jedem Tag unseres Urlaubs konnten wir am frühen Abend dort die Sonne genießen, nachdem es früh wieder geregnet hatte.
Ruhe und Besinnlichkeit während die Schiffe um den
Loreleyfelsen navigieren.
Der Tag neigt sich dem Ende entgegen.
Bei vielen Wanderungen landet man am Ende doch immer wieder am Rhein. In gewisser Weise ist es praktisch, denn man kann sich so auch nicht verlaufen. Im Zweifel geht man bergab und entlang des Rheins dann nach Nord oder Süd. Wenn man jedoch auf der Höhe wohnt, so wie wir, sollte man aufpassen, dass man nicht erst den ganzen Weg nach unten geht, um am Ende den Berg nicht noch einmal hochkraxeln zu müssen.
634 Treppenstufen lagen zwischen dem Rhein und dem
Ortsteil Biebernheim, in dem wir wohnten.
Bild von St. Goar nach St. Goarshausen mit der Burg
Katz auf der Höhe.
Einen Tag hatten wir uns für die Erkundung der Burg Rheinfels reserviert. Die Burg Rheinfels ist die größte Burgruine entlang des Rheins. Gleichzeitig ist heute nur noch ein kleiner Teil der einstigen Wehranlage erhalten.
Burg Rheinfels.
Der Burgeingang wird von einer
mutigen, tapferen Ritterin bewacht.
Ihre Ursprünge hat die Burg Mitte des 13. Jh., als der Herr Graf von Katzenelnbogen sie als Zollburg errichten ließ. Und ja, der Herr hieß Katzenelnbogen. Wenn man den Namen einmal gelesen hat, vergisst man ihn nicht wieder. Außerdem liefert die ein reichliches Jahrhundert später gebaute Burg Katz auf der gegenüberliegenden Rheinseite eine gute Erinnerungsstütze. Eigentlich heißt die Burg Neukatzenelnbogen, aber schon damals verkürzte der Volksmund sie zu Burg Katz. Auch die Burg Maus nur ein kurzes Stück weiter rheinabwärts hatte ursprünglich einen anderen Namen: Burg Peterseck. Die Burg Maus erhielt wohl ihren leicht schmähenden Namen, da sie im Schatten der zwei von Katzenelnbogen gebauten Burgen stand. Auch wenn es mir die Burg Katz irgendwie ganz besonders angetan hatte, komme ich doch wieder zurück zur Burg Rheinfels, denn diese konnten wir besichtigen. Burg Katz hingegen ist seit etwa einem viertel Jahrhundert im Privatbesitz eines Japaners und nur wenige Male im Jahr werden öffentliche Führungen angeboten.
Steil abfallend bis zum Rhein.
Die Burg Rheinfels ist wie ein großer Abenteuerspielplatz. Wer Burgen mag, wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen. Es gibt viele alte Steine, Mauern, Türme, Gewölbe, Gänge und Keller. Die Wege sind teilweise wirr und ein Markenzeichen der Burg Rheinfels sind ihre noch immer begehbaren Minengänge. Teilweise sind die Gänge durch kleine Fenster in der Seite nur in Dämmerlicht getaucht, teilweise gehen sie tief durch den Fels und bieten keinem Lichtstrahl Sonnenlicht Einlass, da man sie erst über eine in die Tiefe führende Wendeltreppe erreicht. Es gibt wohl auch einige Minengänge, die nur einen knappen Meter hoch und damit nur für Anti-Klaustrophobiker geeignet sind, allerdings waren diese während unseres Besuchs geschlossen. Auch so hatten wir in den Burghöfen, unterirdisch, auf den Zinnen oder im Burgmuseum genügend zu entdecken.
Manche Gänge wurden von
Tageslicht durchflutet...
... in anderen brachten nur
Taschenlampen Erleuchtung.
Ein bisschen Spaß muss sein.
Blick von der Burg Rheinfels nach Osten.

Bunt beleuchtete Schiffe bei
Rhein in Flammen.
Ein Höhepunkt, auf den wir uns im Urlaub freuten, war für Samstag Abend angesetzt: Rhein in Flammen. Dies ist eine Veranstaltungsreihe, bei der an insgesamt fünf Orten entlang des Rheins an verschiedenen Wochenenden große Feuerwerke gezündet werden. Wir hatten schon viel von Rhein in Flammen gehört und uns auf das 45 minütige Feuerwerk sehr gefreut. Vielleicht hatten wir zu hohe Erwartungen aufgebaut oder vielleicht war es einfach wirklich nicht so gut wie angekündigt. Unser Fazit war jedenfalls: ganz nett, aber man muss dafür definitiv nicht extra hin fahren. Das 15 minütige Feuerwerk zum Abschluss des Dresdner Stadtfests empfanden wir beide besser konzipiert und mit "Wow-Effekt", der uns am Rhein leider fehlte. 
Gezündet wurde das Feuerwerk an drei Stellen: Burg Katz,
Schiff im Rhein und Burg Rheinfels - jedoch nie zeitgleich.