Mittwoch, 25. November 2015

Klein aber wichtig...

... könnte man wohl als Umschreibung von Luxembourg verwenden. Der zweitkleinste Flächenstaat der Europäischen Union ist der Sitz verschiedener europäischer Einrichtungen und auch die Finanz- und Dienstleistungswirtschaft ist in vielen modernen Glasprunkbauten vor Ort vertreten.
Ich war vor mittlerweile zwei Wochen ein paar Tage zur Weltmeisterschaft im Kraftdreikampf im Großherzugtum. Einen Tag vor den Terroranschlägen in Paris nutzte ich den Morgen vor meinem Wettkampf, um die Hauptstadt ein wenig zu erkunden. Da wir leider so gar keinen Parkplatz in Zentrumsnähe gefunden haben (Parkhäuser waren mit "voll" gekennzeichnet und es stauten sich die hineinfahrenden Autos bis hinaus auf die Straße.), wurde es hauptsächlich eine Stadtrundfahrt statt einem entspannten Stadtbummel, aber auch so konnte man ein klein wenig das Luxembourgische Flair erahnen und habe natürlich fleißig auf den Auslöser meiner Kamera gedrückt, damit ihr euch nicht nur durch Text quälen müsst. Mein Eindruck in wenigen Worten: erstaunlich bergig, alte Befestigungsanlagen und moderne Glasbürobauten, viele klosterartige Gebäudekomplexe und stets adrett gekleidete Geschäftsmänner und Frauen, die die Straßen entlanghuschen.
Durch den Fluss Alzette geht es innerhalb der Stadt stets
bergauf und bergab.
Überall sieht man Überreste alter Befestigungsanlagen.
In der Hauptstadt scheint es auch viele Kirchen und Kloster zu geben.
Alt trifft auf neu auf engem Raum. Ein charakteristischer Anblick.
Eine Aktivität, der ich in anderen Ländern immer sehr gern nachgehe, ist es einzukaufen oder zumindest durch das Geschäft zu bummeln - und zwar im Supermarkt! Ich finde es faszinierend, die Kulturunterschiede in Lebensmittelgeschäften zu erleben und dabei sind ferne wie nahe Kulturkreise interessant.
Gleiche Produkte, andere Marke: unzählige Beispiele.
Ähnliche Produkte, bekannte (Dach-)Marken: die Joghurtgläser unten im Bild.
Gleiche Produkte, andere Verpackungsgrößen: Milch in Südkorea fast immer max. 0,33l oder 0,5l vs. Deutschland mit seiner Standardgröße von 1l vs. USA mit 0,5 Gallonen oder 1 Gallone (=3,785l).
Regionale bzw. nationale Produkte, die man in Deutschland bestenfalls im Fachhandel, aber nicht im einfachen Supermarkt bekommt: Macarons, Yeast, Kimchi, frische Reisnudeln.
Bekannte Produkte, andere Variante: in Luxembourg gab es bspw. eine bekannte Schoko-Minz Marke mit verschiedenen Geschmacksvariationen.
Bekannte Produkte, andere Präsentationsart: ich hätte in Luxembourg ewig an der Fischtheke bleiben können.
Kurzum: es gibt in Supermärkten weltweit viel zu entdecken und am Ende natürlich auch ein paar Sachen zu erschmecken.
Frische Kokusnuss in seltsamer Form, bretonische Butter,
leckerer Joghurt und Profiteroles, liebevoll dekoriertes
Gebäck und frische Meerestiere.
Supermarkt in Luxembourg.
Achja, und dann war da natürlich noch der Grund, weshalb wir nach Luxembourg gefahren waren: mein Wettkampf. Es war meine erste WM im Kraftdreikampf und auch wenn ich direkt nach dem Wettkampf nicht so richtig mit mir zufrieden war, so war es objektiv betrachtet mit ein bisschen Abstand doch wieder eine gute Leistung und ein würdiger Abschluss eines sportlich sehr erfolgreichen Jahres für mich. Wobei Abschluss nicht ganz stimmt, da noch zwei Bankdrückvergleiche nach der WM im Kalender stehen, bevor dann der Weihnachtsmann Geschenke bringen kann.
Kniebeuge mit 155 kg.
Ein Großteil des deutschen Teams.

Donnerstag, 19. November 2015

Ein ewiges Trauerspiel...

... ist das, was man als regelmäßiger Bahnnutzer erfährt - oder eben erwartet, wenn mal wieder nichts fährt. Nachdem 18:30 Uhr vorgestern bereits klar war, dass der 19:03 Uhr Regionalexpress von Chemnitz nach Dresden ausfällt und bei dem RE mit geplanter Abfahrt 20:03 Uhr bereits +30 Mintuen angekündigt waren, beschloss ich doch mal wieder einen Eintrag über mein Lieblingsverkehrsunternehmen zu verfassen.
Die Idee hatte ich bereits  in der ersten Novemberwoche, denn diese war besonders verspätungsfreundlich. Keine meiner Zugfahrten endete fahrplangemäß. Besonders begeistert war ich von einer Zugausfall- und anschließende Zugverspätungsbegründung, die ich am Morgen des 2.11. erhalten habe - einem wundervollen Morgen bei Plusgraden, Sonnenschein und Windstille.
An diesem Montag Morgen dreiviertel sieben wusste ich bei meiner Ankunft am Dresdner Hauptbahnhof bereits, dass es Probleme geben würde nach Chemnitz zu kommen, denn wenn dreiviertel noch kein Zug auf dem Bahngleis nach Chemnitz steht, hat dies bisher immer mindestens 15 Minuten Verspätung und nicht selten den Ausfall eines gesamten Zuges bedeutet. Die Kurzfassung dieses Morgens ist: geplant hatte ich den RE 6:53 Uhr ab Dresden zu nehmen. Durch einen Zugausfall und Verspätung der als Ausweich genutzten Regionalbahn brauchte ich am Ende statt einer, zwei Stunden bis nach Chemnitz.
Die Details schreibe ich der Übersicht halber in Tickerform mit ein paar ausholenderen Erklärungen an entsprechenden Stellen:
6:43 Uhr Ankunft am Hauptbahnhof in Dresden. Es steht kein Zug auf dem Gleis, auf dem der RE nach Hof im Normalfall fährt.
Ich sehe einen jungen Servicemitarbeiter. Auf Nachfrage sagt er mir, dass Laub auf den Gleisen liege, weshalb der Zug nicht vorwärtskäme. Wo genau der Zug stehe sei unklar. Auf jeden Fall gäbe es keine pünktliche Abfahrt ab Dresden.
Es lag Lauf auf den Schienen!
Wie erwähnt war es trocken, sonnig, Plusgrade und recht windstill.
6:46 Auch wenn der RE nach wie vor an der Anzeige am Gleis als pünktlich angezeigt wurde, plante ich bereits auf die RB mit Abfahrt 7:07 Uhr auszuweichen. Allerdings stand dieser noch nicht einmal an der Anzeige am Gleis angeschrieben. Ein physischer Zug stand auch nicht da.
6:49 In der DB App stehen der RE (6:53) und RB (7:07) mit je 0 Minuten Verstpätung!
6:49 Die Anzeige am Gleis zeigt für den nächsten aus Richtung Hof kommenden RE eine Ankunft von 7:03 Uhr mit ca 20 Minuten Verspätung. Die 6:53 Abfahrt wird  nicht mehr angezeigt.
6:53 Die RB um 7:07 Uhr steht zumindest an der Anzeige.
6:59 Der RE um 6:53 Uhr wird mit 10 Minuten Verspätung angegeben. Es werden falsche Hoffnung geschürt!
7:01 Die RB um 7:07 Uhr wird mit 10 Minuten Verspätung angegeben.
Auf Nachfrage von anderen Kunden, was denn nun zuträfe, höre ich den Bahnmitarbeiter erklären, dass man „provisorisch was eingegeben“ habe. Wenngleich mich diese Aussage nicht wirklich überraschte, so regte sich mich doch auf, denn die (Des-)Informationspolitik der Bahn macht Zugausfälle und Verspätungen immer viel, viel, viel schlimmer, als sie sein müssten.
Verspätungsangaben von 5 Minuten, wobei bereits klar ist, dass es mindestens 10 sind;
Die Angabe von einer Verspätung, wobei bereits klar ist, dass der Zug ausfällt;
Immer wieder um ein paar Minuten die Verspätung bei Durchsagen nach oben korrigieren, wobei die durchgesagte Zeit auch schon nicht mehr gehalten werden kann;
Zwei Minuten, nachdem ein zwar langsamerer aber zumindest überhaupt fahrender Zug den Bahnsteig verlassen hat, den Ausfall des zunächst nur um wenige Minuten verspäteten schnelleren Zuges verkünden;
Unterschiedliche Angaben zur (Un-)Pünktlichkeit durch Mitarbeiter, Anzeigetafel im Bahnhof und die DB App.
Diese Informationspolitik raubt mir oftmals mehr den Nerv, als die Verspätung selbst, denn wenn klar ist, dass der Zug nicht fährt oder eben reichlich Verspätung hat, kann man sich nach (langsameren) Alternativen umschauen oder sich noch ein Getränk kaufen oder sich im Zeitungsladen aufwärmen, statt hoffend, bangend und ungewiss am Bahnsteig auf und ab zu laufen, um am Ende meist nur noch genervt und wütend zu sein.
7:03 Die RB um 7:07 Uhr wird als pünktlich angeschrieben. Ich gehe zu dem eingefahrenen Zug.
7:09 Ich sitze zumindest warm in der RB. Wir fahren aber nicht.
7:14 Die RB fährt mit 7 Minuten Verspätung los. Diese 7 Minuten Verspätung eingerechnet, sollten wir 8:32 Uhr in Chemnitz sein - 37 Minuten nach Fahrplanankuft des RE.
7:58 Freiberg haben wir noch nicht erreicht. Die Verspätung hat sich ausgeweitet.
8:03 Die DB App gibt für die RB 13 Minuten Verspätung an.
8:12 Ein Zug düst an unserem Zug vorbei. Ob es sich dabei um den vielleicht doch noch verspätet abgefahrenen RE nach Hof handelte, wissen wir nicht. Es gibt keine Durchsagen und ein Schaffner kommt auch nicht zum Kontrollieren der Tickets. Mir scheint, als kommen die Schaffner bei größeren Verspätungen deutlich häufiger nicht, als im regulären Betrieb. Fürchten Sie die Fragen und den Zorn der Fahrgäste oder bilde ich mir das nur ein?
8:30 Die DB App gibt für die RB 44 Minuten Verspätung an.
9:53 Die RB hält in Chemnitz.
9:55 Ich kann den Zug mit einer Stunde Verspätung gegenüber der Planankuftzeit des RE und 30 Minuten Verspätung gegenüber der Planankuft der RB verlassen.
Ab 60 Minuten Verspätung gibt es eigentlich eine Entschädigung von der DB. Fährt man jedoch nicht mit einem regulären Einzelticket, greifen natürlich die allgemeinen Regelungen (bei 60-119 Minuten Verspätung normaler Weise 25% Entschädigung des Reisepreises) auch nicht. Das hat mir eine mäßig freundliche Bahnmitarbeiterin an einem anderen Tag mit Zugausfall schon einmal erklärt. Bei Fahrten mit einem Studententicket könnte es ähnlich wie bei einem Länderticket noch am ehesten eine pauschale Entschädigung geben. Die Dame am Schalter meinte damals zu mir, dass sie mich wie im Besitz eines Ländertickets behandeln könnte, was eine Entschädigung von 1,50€ bedeuten würde. Der Haken: Beträge unter 4€ werden nicht ausgezahlt und einen Gutschein für die Verrechnung bei einem späteren Ticketkauf gibt es auch nicht. Auf meine Nachfrage, warum es dann überhaupt offiziell 1,50€ gäbe, erklärte sie mir, dass es bei einem (einen Tag gültigen!!!) Länderticket z.B. dann eine Entschädigung ausgezahlt gäbe, wenn man 3x mindestens eine Stunde Verspätung hatte, denn 3x 1,50€ ergäben schließlich 4,50€ und das ist mehr als 4€. Ich kann mich mit einem Länderticket also dann über eine Entschädigung von 4,50€ "freuen", wenn ich am selben Tag 3x mindestens eine Stunde verspätet war und mir die in der Regel zusätzlich nötige Wartezeit angetan habe, um mir diese Verspätungen bestätigen zu lassen. Kein Kommentar
Wie erwähnt war ich auch bei den weiteren fünf Zugfahrten zwischen Chemnitz und Dresden in dieser ersten Novemberwoche erst zu späteren als den im Fahrplan angegeben Zeiten am Ziel. Zumindest handelte es sich dabei "nur noch" um maximal eine viertel Stunde Verspätung oder nur ein paar Minuten. Ein paar Minuten gelten ja im Grunde auch schon als normal. Mehr ins Gewicht gefallen war die knappe Stunde Verspätung, die ich am Freitag, 30.10., von Chemnitz nach Dresden gebraucht habe.

Ein paar Minuten Verspätung sind ja eigentlich auch nicht viel, aber 10 Minuten bei einer Fahrzeit von einer Stunde sind eben auch schon fast 17 Prozent und wenn man in der Woche sechs mal fährt, ist das auch eine Stunde reine Verspätungszeit pro Woche. Dazu kommen möglicher Weise weitere Verspätungen wegen verpassten ÖPNV Anschlüssen und der erlebte Stress, wenn man sich fragt, ob man den Termin noch schafft und die Ungewissheit, ob der Zug wirklich nur ein paar Minuten Verspätung hat oder ob das nur die offizielle Version ist.
Nach all den unschönen Dingen möchte ich abschließend noch erwähnen, dass ich letzte Woche hingegen nicht eine große Verspätung mit der Bahn erleben musste. Oder anders ausgedrückt: ich kam immer pünktlich an! Dazu muss man wissen, dass ein großes, bekanntes Internetlexikon mir verraten hat, dass "ein Zug (in Deutschland) als pünktlich (gilt), wenn er bis 5 Minuten und 59 Sekunden nach der im Fahrplan vorgesehenen Zeit eintrifft ." Zusätzlich ist dazu auch noch zu sagen, dass ich auch nur ein einziges Mal letzte Woche Bahn gefahren bin. Meinen Chancen standen also bei 100% pünktlich oder 100% verspätet.