... hatte ich vor der Kopenhagenreise noch nie gehört. Im Nachgang finde ich das regelrecht verwunderlich, denn Christiania Free Town im Zentrum der dänischen Hauptstadt gibt es mittlerweile seit 55 Jahre.
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Einer der rießigen Holztrolle des dänischen Recyclingkünstlers Thomas Dambo befindet sich mitten in Christiana. Die anderern vergessenen Riesen aus Altholz habe ich bei meinem Besuch im April aus Zeitgründen leider nicht aufsuchen können. |
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Die Bewohner:innen sind stolz auf ihre Kommune. Das merkt man an vielen Orten im Viertel. |
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| Ein Wegweiser fürs Leben. |
Gegründet 1971 auf einem ehemaligen Militärgelände im Stadtteil Christianshavn, wirkt dieser Ort wie ein lebendiges Gegenmodell zum durchoptimierten, auf Selbstdarstellung bedachten Leben so vieler westlicher Großstädter. Was einst als spontane Besetzung begann, entwickelte sich zu einem der bekanntesten Kommunen Europas.
Gen Nordwesten, der Richtung, aus der ich vom Konferenzgebäude kam, bildet eine Graffitti-übersähte Mauer die Grenze zwischen der Freistadt Christiania und dem restlichen Christianshavn. Ich musste an die East Side Gallery der Berliner Mauer denken. Freigeiste mit unterschiedlichem künstlerischen Geschick und unterschiedlich starken (politischen) Botschaften hatten sich hier ausgetobt. Doch nicht nur an der Außengrenze sah man Kunst. Im Grunde strahlt das gesamte Gebiet von künstlerischem Drang sich auszuprobieren - sei es in Graffiti, in Wandmosaiken, in Gemälden, in Holzkunst, in zusammengeschraubten Altmetallteilen oder in verwinkelt gebauten Häusern, die zwar vielleicht keine einzige rechtwinklige Wand aufwies, aber genauso viel einladende Gemütlichkeit ausstrahlte wie der Fuchsbau in Harry Potter. An vielen Stellen von Christiania spürte ich ein kreatives Chaos, das erstaunlich harmonisch wirkte. Rund 1.000 Bewohner leben hier bewusst nach eigenen Regeln – mit einem Fokus auf Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und kultureller Freiheit. Von den dänischen Behörden ist es eine geduldete Gemeinde.
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Ein Stück Mauer wurde grundlegend geweißt, um im Anschluss direkt ein neues Kunstwerk entstehen zu lassen. |
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| Graffiti-Kunst mit und ohne klare politische Botschaften. |
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| Dem Charme kann man sich nicht entziehen. |
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| Wechselnde Kunst und Botschaften überall in Christiania. |
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| Besser bunt als braun. |
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| Einige Gemälde in der Christiania Kunst Galerie. |
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Ein alter Spruch, der wohl leider nie an Aktualität verlieren wird. |
Der in der Luft hängende süßliche Duft, der mich in großen Teilen des Gebiets begleitete, ließ erkennen, dass das Klischee des gechillten Lebensstils gepaart mit Gras gelebt wird. Eine Kollegin von mir, die zu einem anderen Zeipunkt durch Christiania spazierte, bekam direkt einen Joint angeboten mit dem Hinweis, dass sie auch mit Karte zahlen können. Ich finde die Geschichte noch immer skurril witzig - besonders mit dem deutschen Blick der Bargeldversessenheit. Ich selbst sah im Auslagenfenster eines Bäckers, dass neben den typisch dänischen Kanelsnegl, Spandauer oder Tebirkes auch Dream Cakes angeboten wurden und auf dem Fensterbrett eines roten Holzhauses, vor dem eine Hängematte hing, stand eine verräterisch fünfblättrige Pflanze. Der Freigeist mag romantisch klingen, doch wie so oft ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Kommune hatte über die Jahre auch mehrfach größere Probleme mit Banden- und Drogenkriminalität. Davon bekam ich bei meinem Besuch allerdings nichts mit. Neben den Bewohnern, unter denen auch viele Familien sind, befinden sich mittlerweile tagsüber auch viele Touristen in der Freien Stadt, so dass es auf den Hauptwegen durchaus gedrängt werden kann. Abseits der Hauptwege, entlang der Bastionen, also den alten Befestigungsanlagen von Christianshavn, war ich jedoch fast allein und genoss die Ruhe im grünen Teil der Kommune zwischen verzauberten Häusern, lindgrünen Bäumen und dem Stadsgrav (dem Festungsgraben).
Christiania ist (noch) kein klassisches Touristenziel – eher ein Erfahrungsraum. Wer offen und respektvoll durch die autofreien Wege schlendert, bekommt einen kleinen Einblick in alternative Lebensentwürfe mitten in einer der lebenswertesten Städte Europas.
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Das sieht chillig aus. Die passende Pflanze tankt am Fenster im Warmen Sonnenlicht. |
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Auf den Wanderwegen entlang der alten Befestigungs- anlage war kaum etwas los. |
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| Bei dem Haus hätte mich ein Blick ins Innere interessiert! |
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Wild gewachsene Häuserstrukturen zwischen Wasser und Wald. |
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| Pittoresk. |
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Die Autofreiheit in Christiania ist sehr erholsam. |