... wohnt etwa jeder neunte Däne, jede neunte Dänin. Vor ziemlich genau 25 Jahren besuchte ich die dänische Hauptstadt damals als junges Mädchen zusammen mit meinen Großeltern. Damals lebten noch knapp 170.000 Menschen weniger in der Stadt, was mich zu dem Zeitpunkt aber herzlich wenig interessierte. Von meinem damaligen Besuch sind mir vor allem die Aufregung der Fährfahrt in ein anderes Land, die kleine Meerjungfrau und ein Besuch im mittlerweile geschlossenen Wachsfigurenkabinett von Tussauds in Erinnerung geblieben. Bei letzterem bot man meinen Großeltern damals großzügig an, direkt in D-Mark (ja, soooo lange ist das schon her!) zu bezahlen, was die Tauschrate entsprechend schlecht machte.
Diesen April kam ich dienstlich für eine Konferenz nach Kopenhagen. Die Stadt konnte in unterschiedlichen Rankings über die letzten Jahre stets einen Platz unter den Top five der lebenswertesten Städte der Welt verteidigen und nach fünf Tagen bei schönstem Frühlingswetter in Kopenhagen kann ich dieses Ranking auf jeden Fall nachvollziehen. Direkt nach meiner Ankunft am Flughafen im Südosten der Stadt hatte ich zwei Stunden Zeit, in denen die Konferenz noch nicht begonnen hatte und ich auch noch nicht in die Unterkunft konnte. So machte ich mich mit Koffer, Rucksack und Posterrolle auf dem Weg zum Strand. Ein kurzer Fußweg, vorbei am Aquarium Blauer Planet und der Kastrup Marina und plötzlich stand ich am Rand der Ostsee. Das Wasser: überraschend klar. Die Luft: frisch und ebenfalls klar. Die Wassertemperatur? Kälter, als man für ein ausgedehntes Bad gerne hätte – aber wärmer, als ich erwartet hatte. Laut einer großen Internetsuchmaschine beträgt die durchschnittliche Wassertemperatur der Ostsee in Kopenhagen im April 5-6°C, fühlte sich bei sonnigem, windstillen Wetter jedoch angenehmer an.
Während ich noch darüber nachdachte, ob ich trotz Sack- und Pack mit dem ich unterwegs war ins kalte Nass hüpfen sollte, bemerkte ich eine Gestalt, die eine kleine Runde im Öresund schwamm. Natürlich gehen die Dänen im April baden. Dafür gibt es am Strand direkt diverse Holzkabinen, in denen man sich einfach umziehen und dann über eine Treppe bis ins Wasser gehen kann. Dort badete der Mensch, daneben schwammen zwei Schwäne in dem sauberen Wasser, im Hintergrund startete vom gerade einmal einen Kilometer entfernten Flughafen die Flugzeuge und die Öresundbrücke und Schweden waren gen Osten ebenfalls zu sehen. Ich setzte mich mit einem noch zu Hause selbst geschmierten Smørrebrød auf einen Steg und beobachtete das Treiben. Ohne greifbares Handtuch und immer noch mit all meinem Gepäck beschloss ich nur bis zu den Oberschenkeln ins Wasser zu gehen und das Schwimmen auf einen späteren Tag meiner Reise zu verschieben.
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| Willkommen in Dänemark. |
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| Badesteg zum Öresund im Vordergrund, startende Flugzeuge und Öresundbrücke im Hintergrund. |
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| Der Schwan war wenig begeistert, dass ich kein Futter für ihn hatte. |
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| Das Wasser war beeindruckend sauber. |
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| Am Meer kommen bei mir eigentlich immer Urlaubsgefühle auf. |
Mein Weg führte mich weiter entlang der Küste, ein Stück nach Norden. Ziel war das Kastrup Søbad – ein Ort, den ich zufällig auf einem Werbeplakat im Flughafen entdeckt hatte. Ein 70 Meter langer Holzsteg führt hinaus aufs Meer, bis man schließlich auf einer kreisförmigen Holzkonstruktion steht. Offen, minimalistisch, fast skulptural. Ein Ort zum Sitzen, Schauen, Innehalten und um langsam über Treppen ins Wasser zu steigen oder von mehreren Metern Höhe ins Meerwasser zu springen. Springen gesehen habe ich im April niemanden, aber auch hier schwammen einige Leute ein paar Züge, ehe sie sich in der Sonne auf dem Holz des runden Badezugangs aufwärmten und das Leben genossen. Ich war noch keine zwei Stunden im Land und hatte das Zentrum noch nicht erreicht, aber Kopenhagen hatte mich bereits für sich gewonnen!
Irgendwann wurde es Zeit für mich meine Schuhe wieder anzuziehen und weiterzugehen in Richtung Innenstadt, wo meine Unterkunft lag. Ich lief allerdings nicht die gesamte Strecke, sondern nur bis zum nächstgelegenen Metrohalt und fuhr von dort mit der vollautomatisierten Metro ohne FahrerIn bis zum zentralen Platz Kongens Nytorv. Von dort lief ich zu Fuß bis zum Apartment und erhaschte dabei erste Blicke auf das Hafenviertel Nyhavn, die Marmorkirche und Schloss Amalienborg. Mehr zu den zentralen Sehenswürdigkeiten von Kopenhagen im nächsten Blogeintrag.
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| Rechts ein kleiner Hafen für private Boote, links das Kastrup Søbad. |
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| Man kann natürlich auch vom Strand aus ins Wasser gehen. |
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| Das Kastrup Søbad bietet Platz auf verschiedenen Ebenen zum Ausruhen, Sonnenbaden, Wassersport. |
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| Blick auf die Sprungmöglichkeiten ins Meer. |
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