Freitag, 8. Mai 2026

Mt. Aso...

 ... auf Kyushu beschreibt im Alltagsgebrauch meist nicht nur einen einzelnen Berg, sondern das ganze gewaltige Vulkanmassiv in der Aso-Caldera. Der Ort, an dem man direkt in die Schwefelschwaden und den aktiven Krater blickt und folglich am meisten mit Mt. Aso assoziiert wird, ist der Nakadake-Krater — der rauchende, lebendige Teil des Aso. Auf rund 1.500 Metern über dem Meer fühlte ich mich auch ohne Lava einer der Urkäfte der Natur ganz nah. Geologisch betrachtet besteht Aso  aus der riesigen Caldera und fünf zentralen Gipfeln: Takadake, Nakadake, Nekodake, Eboshidake und Kishimadake. Takadake ist dabei mit knapp 1.600 Metern der höchste Gipfel.

Redhead am Nakadake Krater, Mt. Aso, Kyushu.

Da wir im Tal der Caldera nächtigten, mussten wir uns am Morgen zunächst auf das höher gelegene Niveau hinaufschrauben. Mit dem Auto funktionierte das zum Glück ganz schweißfrei und bereits nach kurzer Zeit konnten wir das Panorama genießen und ins fruchtbare Tal zurückblicken. 
Die tiefgelegene Ebene der Caldera ist sehr frucht-
bar und wird traditionell für Landwirtschaft genutzt.

In einer Entfernung von einem reichlichen Kilometer vom rauchenden Kraterrand hielten wir auf einem großen Parkplatz. Bis dahin kommt man kostenfrei. Den letzten Teil der Strecke kann man zu Fuß bewältigen oder gegen eine Gebühr von rund 6€ pro Auto ebenfalls fahren. Neben der Einnahmequelle sorgt der Schlagbaum auf der Straße für zwei Sicherheitsaspekte: Zum einen wird an der Schranke nochmal auf mögliche Gesundheitsgefahren die von den aus dem Krater aufsteigenden Dämpfen ausgehen hingewiesen und Personen mit Asthma, Herzschwäche und anderen Beschwerden werden aufgefordert sich nicht näher an den aktiven Vulkan zu begeben. Zum zweiten ist das der zweite Sicherheitskreis um den aktiven Krater, in den bei entsprechender Vulkanaktivität niemand mehr reingelassen wird. Bei unserer Ankunft gab es auf diese Entfernung jedoch glücklicherweise keine Probleme und wir konnten den letzten Kilometer bis zum Rand des Nakadake Kraters hochfahren. 

Blick vom Kraterrand des Nakadake zurück zum
gut 1km entfernten Sicherheitsparkplatz.

Direkt neben dem Parkplatz am Kraterrand gab es einen weiteren Sperrkreis. Ob der Zugang wirklich bis zum Kraterrand erlaubt ist oder nicht wird mittels einer Tafel mit blauem (alles total entspannt), grünem, orangen und rotem (rennt um euer Leben - oder so ähnlich) Licht angezeigt. Als wir ankamen, leuchtete die orange Lampe, was bedeutete, dass wir nicht direkt bis zum Kraterrand durften, aus dem Rauchschwaden aus dem 130m tiefer gelegenen milchig-türkis-grünen Kratersee aufstiegen. Der typische Schwefelgeruch von faulen Eiern hing auch auf die Entfernung in der Luft uns setzte sich in der Nase fest. 

Statt direkt zum Krater gingen wir daher leicht enttäuscht zu der entwas entfern angebrachten Aussichtsplattform und vor unserer Rückfahrt nochmal auf Toilette im Buswartehäuschen. Als wir wieder rauskamen, gab es für mich nur begrenzt verständliche Lautsprecherdurchsagen und die Aufregung war groß. Der Wind hatte gedreht, der Vulkan machte Mittagspause oder die Messgeräte wurden unsensibel. Egal was es war, aber plötzlich leuchtete nicht mehr die orange, sondern die blaue Lampe. Ein Mitarbeiter checkte noch etwas am Kraterrand und als er zurück zur Tafel kam gab es auch die offizielle Freigabe - und die Massen (inkl. uns) strömten zum Kraterrand. 

Ob ihr richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht.
Bei unserer Ankunft leuchtete die organge Lampe, 
später die Blaue, so dass wir bis an den Kraterrand
gehen konnten. 

Rings um den Krater befinden sich kleine Schutzbunker.

Auf den Wanderkarten sind auch unterschiedliche
Sicherheitszonen und Warnhinweise aufgedruckt.

Blick in den milchig-türkis-grünen Kratersee des
aktuellen Nakadake-Hauptkraters.
Tatsächlich gibt es selbst bei Nakadake im Grunde nicht den Krater. Der rauchende Krater ist der erste, nördlichste und heute aktivste Krater des Nakadake. Tatsächlich besteht der Nakadake-Kraterbereich jedoch aus sieben, ungefähr in Nord-Süd-Richtung aufgereihten Kratern. Der Nakadake-Komplexkrater hat insgesamt eine Ausdehnung von rund 400 Metern in Ost-West und 900 Metern in Nord-Süd-Richtung. Der Aktivitätsschwerpunkt innerhalb dieses Komplexes hat sich historisch verlagert. Die südlicheren Krater rauchen und spucken aktuell nicht mehr und erinnern mit ihrem feinen schwarzen Sand und den vulkanischen Bomben verschiedener Größe (runden schwarzen Steinen) an eine Mondlandschaft, auf der (fast) nichts wächst. Mit zuckerhaltigen Getränken und der Aussicht auf einen Nachmittagssnack nach unserer Rückkehr zum Auto überredete ich die Kinder zu einem aus meiner Sicht kleinen Spaziergang - aus ihrer Sicht einer langen Wanderung - durch diese unwirtliche und zugleich faszinierende Landschaft. Wir hatten es nicht eilig und genossen die Zeit durch die vulkanisch geprägte Zone rund um Nakadake. Als wir fast wieder zurück am Auto waren ertönten erneut Lautsprecherdurchsagen vom Hauptkraterrand und kurz darauf fuhren nacheinander alle noch am Kraterparkplatz verbliebenen Autos und Busse hinab zum 1km entfernten Parkplatz. Neue Autos wurden nicht mehr hoch zum Krater gelassen. Wir waren ohnehin auf dem Rückweg und schlossen uns an. Die Messgeräte deuteten nun auf die Einhaltung des zweiten Schutzkreises an. Auch wenn für uns Laien mit dem bloßen Auge weder bei der Freigabe noch bei der "Evakuierung" eine Veränderung in der Bedrohungssituation wahrzunehmen gewesen war, so erinnerte uns das doch daran, dass wir uns direkt am aktivsten Teil des Aso-Massivs befanden, was neben dem ebenfalls auf Kyushu gelgenen Sakurajima bei Kagoshima als aktivster Vulkan Japans gilt. Insgesamt schätzten wir uns glücklich, dass wir an diesem Tag so nah an das aktive vulkanische Geschehen ran - und wieder sicher zurück - gekommen waren. 

Sand und Holzweg wechselten sich ab.

Blick auf die Mondlandschaft/ die Krater von Nakadake.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz.

Vulkanischer Boden gilt allgemein als fruchtbar und so gibt es auch sehr viele Bilder mit saftig grünen Wiesen, die man zum Mt. Aso in Reiseführern erblickt. Besonders berühmt (da gut erschlossen und erreichbar) ist Kusasenri: eine weite, windige Graslandschaft, fast zu sanft für einen Ort, der direkt neben einem aktiven Vulkan liegt. Pferde grasen auf der Ebene, Wasserflächen spiegeln den Himmel, und im Hintergrund liegt Nakadake, der rauchende Teil des Aso-Massivs. Direkt gegenüber des Aso-Vulkanmuseums tut sich diese Bilderbuchlandschaft auf, die zum Zeitpunkt unseres Besuchs Mitte April noch nicht ganz so saftig grün erstrahlte, wie sie dies wohl im Sommer tut, aber auch so schon eine weite und friedliche Stimmung versprühte. 

Das Besondere an Kusasenri ist dieser starke Kontrast: Auf der einen Seite eine die friedliche, sattgrüne Weidelandschaft mit Gras, Pferden und Wasserflächen; auf der anderen Seite der rauchende Vulkan. Die Graslandschaften von Aso sind jedoch keine reine „Wildnis“, sondern eine alte Kulturlandschaft. Im Besucherzentrum wird erklärt, dass die Aso-Grasländer über 1.000 Jahre Geschichte haben und eng mit Weidewirtschaft und Landwirtschaft verbunden sind. Die offene Landschaft bleibt nur erhalten, weil Menschen sie seit Jahrhunderten nutzen und pflegen. Aktuell gibt es einige Bedenken, dass die pitoresken Graslandschaften nach und nach verschwinden, da sich kaum noch jemand die Mühe macht, die riesigen Gebiete mit Weidetieren entsprechend zu pflegen. Zumindest in Kusasenri wird dies für die Touristen über die nächsten Jahre jedoch noch gesichert sein. 

Die Landschaft ist so weitläufig, dass wir trotz
reichlich anderer Touristen ein Gefühl von Freiheit
und Weite spüren konnten. 
Im April war das Gras noch sehr niedrig und die
Pferde mussten sich bewegen, um ausreichend
fressen zu können. 
Die Werbebilder von Aso. 
Der letzte Zielpunkt des Tages in einem der drei ältesten Nationalparks Japans war für uns der junge Vulkankegel Komezuka. Dieser nur rund 50m hohe und perfekt runde "Hügel" wirkt mit seiner glatten, grasbewachsenen Oberfläche weich, obwohl er vor etwa 3.000 Jahren bei einer Eruption aus dunklem vulkanischem Gestein entstanden ist. Heute liegt dieser Schlackenkegel still und grün in der weiten Calder als hätte ihn dort jemand aus ästhetischen Gründen platziert. Der Legende nach ist  Komezuka - der „Reishügel“ - entstanden, als der Gott von Aso Reis für die Menschen aufschüttete; die Vertiefung an der Spitze sei der Ort, an dem er eine Handvoll davon herausnahm, um ihn den Menschen zu geben.   Zwischen Vulkanismus und Mythos wurde dieser kleine Berg für uns zu einem poetischen Anblicke und für die Kinder ein lustiger Abschluss nach einem langen Vulkantag. 
Komezuka vom Fuße an gesehen. Auch
wenn wir nicht bis ganz ran konnten, so wirkte
der "nur" 50m hohe Vulkankegel von unten
plötzlich gar nicht mehr so klein.
Im Hintergrund der schroffe Abhang einer der 
fünf großen Gipfel des Aso. 

Ein Kind in den Weiten der Aso-Wiesen.
Ruhig und friedlich liegt die Landschaft da. 
Nichts lässt das Feuer erahnen, welches unter
der Oberfläche brodelt und nur darauf wartet
wieder einmal nach oben durchzubrechen. 

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