... ist durch seine Lage direkt am Meer aber eben auch am Berg eine Stadt, in der das Fahrradfahren sicherlich nur mäßig Spaß macht und auch zu Fuß kamen wir beim Aufstieg vom Hafen und dem dortigen Stadtviertel German Colony hinauf ins Stadtviertel Carmel Center, in dem unser Hotel stand, gut ins Schwitzen. Haifa ist an sich eine moderne und weltoffene Stadt mit einer lockeren Atmosphäre. Mir fiel nach den zwei Tagen am Toten Meer vor allem zunächst auf, dass alles viel grüner war als in der Wüste. Durch die Konferenz blieb nicht ganz so viel Zeit fürs Sightseeing, aber ein paar Impressionen bekamen wir natürlich trotzdem - auch durch die langen Busfahren. Die bergige Lage spürt man nämlich nicht nur zu Fuß oder mit dem Rad. Mit dem Bus benötigt man auch immer mindestens eine halbe Stunde, wenn man von einem Ort zum anderen will, da dieser sich teils serpentinenartig den Berg hinauf- oder hinunterschlängeln muss.
Am Morgen nach einem reichhaltigen Frühstück fuhren wir vom Hotel zur Technischen Universität Israels (Technion). Es ist eine schöne Campus-Universität mit viel grün. Die bewachsenen Innenhöfe lernten wir in den Pausen sehr zu schätzen. Von der Konferenz will ich hier inhaltlich nicht weiter berichten, sondern mich mehr auf die Erkundungen der Gegend an den Abenden berichten.
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| Sonnenaufgang über Haifa. |
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Im Innenhof eines Universitätgebäudes wuchs
ein Zitrusfruchtbaum mit reichlich Früchten. |
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| Mit meinem Posterbeitrag auf der Konferenz. |
Nach dem ersten Tag fuhren meine Kollegin und ich zum Hafen und der Deutschen Kolonie. Diese wurde 1869 von christlichen Siedlern gegründet und wurde mit Ausbreitung der Stadt ein Teil von Haifa. Heute ist es einer der touristischsten Teile von Haifa mit vielen Restaurants, Stadtmuseum und Einkaufsmöglichkeiten. Da es uns für das Abendessen noch zu zeitig war, ignorierten wir jedoch die Restaurants, gönnten uns lediglich ein Eis und beschlossen die Stadt zu Fuß weiter zu erkunden. Ich hatte die schlaue Idee zum Hotel zurück zu laufen. Laufend bekommt man abseits der klassischen Touristenstrecken in der Regel mehr vom wahren Gesicht einer Stadt mit. Das war auch in Haifa so. Allerdings hatte ich doch ein wenig die Auswirkungen der Hanglage unterschätzt. Von unten sah es gar nicht so steil aus, wie es am Ende war. Erst wurden die Straßen steiler, dann kamen die Treppen - gefühlt unendlich viele Treppen. Ein extra Beintraining konnte ich mir an diesem Tag sparen. 300 Höhenmeter sind bei einer Wanderung nicht viel, aber da haben meine Schuhe auch keinen Absatz und ich trage keine Handtasche.
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Blick von der German Colony zu den Bahai Gärten. Am linken
oberen Bildrand ist unser Hotel zu sehen. |
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Hübsche Restaurants entlang der Ben Gurion
Avenue in der German Colony. |
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| Ich halte natürlich nur das Eis der Kollegin. |
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Breite Treppen, schmale Treppen, halb zuge- wachsene Treppen, fast eingefallene Treppen. |
Trotz des ganzen Schweißes (es waren immerhin gut über 30°C) war es ein schöner Spaziergang. Wir konnten in einige Hinterhöfe schauen. Sahen breite Straßen genauso wie kleine Gassen mit hübschen Cafés und dreckige Gassen mit Unrat. Unser Weg ging grob entlang der Karmelit - der einzigen U-Bahn Israels. Nach einem Brand im Februar ist die unterirdische Standseilbahn, mit der man recht bequem von Meeresniveau auf den Berg fahren könnte, jedoch geschlossen. Ob die 1,8km lange U-Bahnstrecke jemals wieder eröffnet wird ist fraglich. Die nötigen Renovierungsarbeiten würden wohl recht teuer werden.
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| Magere Straßenkatzen, schmale Straßen und faule Tiger. |
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| Im Hadar District sahen wir viele liebevoll gestaltete Gärten. |
Am Dienstag erkundeten wir die Gegend um das Hotel. Zum Skulpturen Garten sind es nur etwa eineinhalb Kilometer und der obere Zugang zu den Bahai Gärten war nur 900 Meter vom Hotel entfernt. Die Runde war also deutlich kleiner, aber nicht minder schön. Zum Strand fuhren wir dann doch mit dem Bus.
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| Skulpturen Garten im Carmel Center District. |
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| 29 Bronzestatuen stehen im Park. |
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| Blick über die Bahai Gärten, die Deutsche Kolonie und den Hafen. |
Mittwoch endeten die offiziellen Konferenzbeiträge bereits kurz nach drei Uhr am Nachmittag. Anschließend war für alle KonferenzteilnehmerInnen eine Tour durch das Karmelgebirge organisiert. Mit komfortablen Bussen ging es zunächst in die Nähe eines Aussichtspunktes. Dort wurden wir in kleine Gruppen eingeteilt und liefen mit jeweils einem Tourführer ein paar hundert Meter bis zu einem Aussichtspunkt, der einen guten Blick über das fruchtbare Tal gen Nordosten eröffente.
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| Blick vom Karmelgebirge aus nach Nordosten. |
Im Karmelgebirge leben viele Drusen. Das Drusentum hat sich vor ca. 1.000 Jahren aus dem Islam entwickelt und wird heute als eigentständige Religion betrachtet. Wir hatten einen drusischen Führer, der mir zu Beginn nicht übermäßig sympatisch und am Ende ziemlich unsympathisch war. Dennoch lernte ich Einiges über die Drusen und ihr Verhältnis zu Israel. So leisten die Drusen bspw. auch Militärdienst (im Gegensatz bspw. zu den Muslimen) und schießen im Zweifel auch auf die Drusen aus Syrien oder dem Libanon, weil sie sich im Militär zuerst als Israelis sehen (O-Ton des Touristenführers). Dennoch gibt es immer wieder Bestrebungen gegenüber der israelischen Regierung ein paar mehr Freiräume und Privilegien für die Drusen rauszuschlagen. Auch erklärte uns der Touristenführer, dass sich das Drusentum u.a. dadurch auszeichnet, dass Frauen geehrt und mit Respekt behandelt würden. Zwei Sätze später bedauerte er es, dass sie Frauen, die vor der Ehe Geschlechtsverkehr haben oder sich mit einem Nicht-Drusen einlassen, nach den Gesetzen der israelischen Regierung nicht mehr steinigen dürfen. Direkt danach erzählte er aber beschwingt von einer Frau, die mit einem Mann ihrer Wahl nach Tel Aviv gezogen (geflüchtet?) war, dort dann aber unter ungeklärten Umständen zu Tode kam. Der Tenor war: am Ende herrschte also wieder Ordnung. Ich war fassungslos - über die Geschichten an sich und mit welcher Selbstverständlichkeit er diese erzählte. Das war immerhin ein Mann, der durch seinen (Neben-)job auch ständig mit Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt Kontakt hatte und damit auch verschiedene Weltsichten mitbekommen musste und nicht jemand von einem abgeschiedenen Bergdorf.
Insgesamt empfand ich den Besuch im Karmelgebirge und in der größten drusischen Siedlung Israels, Daliyat El Karmel, zwar irgendwie lehrreich aber gleichzeitig auch verstörend. Herrausragend touristisch attraktiv erschien mir die Gegend auch nicht. Der Ausflug endete mit einem interessanten Vortrag über die wechselhafte Geschichte Israels, bevor wir zu einem großen drusischen Restaurant für das Konferenz-Dinner fuhren.
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| Im Drusenort Daliyat El Karmel. Ganz rechts unser Tourführer. |
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Im Karmelgebirge sah ich viele sehr hübsch anzusehende, große Eigenheime. |
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| Ein bisschen von allem vom Buffet am Abend. Natürlich auch Humus. |
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Eine ganze Menge Baklawa, ein trockener Keks und ein bisschen Obst fürs Gewissen. |
Kurz vor 22 Uhr endete das Konferenz-Dinner und die Busse brachten uns zurück zum Hotel. Am Folgetag fanden nur früh noch ein paar letzte Vorträge statt. Danach konnte man auch von der Konferenz organisiert entweder mit dem Bus nach Jerusalem fahren oder individuell die Heimreise antreten. Ich flog am frühen Abend zurück nach Deutschland. Wie schon im Jerusalem Blog erwähnt waren die Sicherheitskontrollen vor dem Rückflug richtig nervig. Abgesehen von diesem unschönen Ereignis fand ich meinen Aufenthalt in Israel jedoch sehr interessant und habe in der Woche viel auch außerhalb der Konferenz für mich mitgenommen. In Dresden am Bahnhof wurde ich Mitternacht dankenswerter Weise mit dem Auto abgeholt, so dass ich kurz vor 1 Uhr ins Bett kam. Freitag Morgen wollte ich ausgeschlafen sein, da knapp 250 km Autofahrt vor uns lagen. Redhead ist dirket weiter nach Halberstadt gereist.
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| Auf Wiedersehen Israel. Es war eine faszinierende Reise. |