Sonntag, 29. Oktober 2017

Vizeeuropameisterin im Bankdrücken...

... bin ich vor zwei Wochen bei der Europameisterschaft im Bankdrücken in Portman, Spanien geworden. Nach drei Bronzemedaillien bei Europameisterschaften im Bankdrücken seit 2013 hat es diesmal noch eine Stufe weiter gereicht und am Ende fehlten sogar nur 2,5 kg bis zu Gold. So nah war ich einem internationalen Titel noch nie und direkt nach dem Wettkampf hat es mich schon geärgert nicht die deutsche Hymne gehört zu haben, aber Frau braucht ja auch noch Ziele für die kommenden Jahre.
Eingang zur Wettkampfhalle in Portman.
In Aktion beim ersten Versuch: 142,5 kg.
Nur 2,5 kg trennten mich vom Titel.
Ein Teil der sächsischen Delegation in Spanien.
Nach dem erfolgreichen Wettkampf blieb dann zumindest noch ein halber Tag Zeit zum Schwimmen und Sonne genießen. Es war das erste Mal, dass ich auf dem spanischen Festland zu Gast war. Portman liegt etwa eineinhalb Autostunden südlich von Alicante und unweit des "Kleinen Meeres" Mar Menor - des größten salzhaltigen Binnengewässers Europas. Durch eine knapp 25 Kilometer lange Nehrung existiert dort eine durchschnittlich nur zwei Meter tiefe Lagune, die bei Urlaubern aus nah und fern sehr beliebt ist. Wir sind an der Lagune auf unserem Weg zum Flughafen von Alicante zwar vorbeigefahren, aber baden waren wir direkt in Portman.
Eigentlich war Angeln verboten, aber es schien sich zu lohnen.
Erst schwitzen, dann baden. Das Mittelmeer
hatte eine super Wassertemperatur.
Schwarzer Strand, warmes Wasser und Sonnenschein.
Der Strand in Portman ist schwarz. Das hat mit der Bergbaugeschichte der Region zu tun. Was genau alles gefördert wurde haben wir leider nicht rausbekommen, aber die Dame an der Rezeption sprach von Kohle und verschiedenen Erzen. Das abgetragene taube Gestein wurde zu Teilen wohl einfach ins Meer gekippt. Umweltbedenken gab es damals natürlich wenige. Heute sieht man Bemühungen der Renaturierung der Gegend. Gleichzeitig zeugen viele Schornsteine und verlassene Fabriken noch von der Bergbauzeit und lassen erahnen, dass noch viel Arbeit vor den Spaniern liegt.
Ein hübsches kleines, manche mögen sagen "verschlafenes"
Nest am Mittelmeer in Südspanien.
Blick auf Portman vom Meer aus. Die alte Fabrik ist gut erkennbar.
Frühere Abbaugebiete prägen noch heute das Landschaftsbild.
Rings um Portman stehen viele alte Bergbauruinen.
Abschließend möchte ich noch einmal allen Danken, die mich zur EM in Spanien und auch über die letzten Jahre beim Sport allgemein unterstützt haben - zunächst natürlich den mitgereisten Fans und Trainer und dann natürlich auch allen, die zu Hause die Daumen gedrückt und mir danach gratuliert haben.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

42,195 km lang...

... war die zu bewältigende Strecke für die rund 44.000 Läufer, 5.500 Inlineskater und 250 Rollstuhlfahrer und Handbiker aus 137 Nationen, die beim Berlin Marathon 2017 vor knapp drei Wochen an den Start gingen. Als bekennende Kraftsportlerin, die Ausdauersportarten persönlich nicht ganz so gerne macht, bin ich natürlich nur zum Zuschauen in die Bundeshauptstadt gefahren.
Die blauen Linien markieren den optimalen
Streckenverlauf - für Weltrekordversuche durch-
aus eine relevante Information.
Auf der Kartenseite einer großen Internetsuch-
maschine war der Streckenverlauf eingezeichnet.
Vor Ort hingen überall an der Straße Plakate.
Der erste Berliner Marathon fand 1974 mit nur 286 Teilnehmern statt - damals natürlich noch in Westberlin. 1990 wurde beim Rennen drei Tage vor der deutschen Wiedervereinigung das damalige Teilnehmerlimit von 25.000 Startern erreicht und führte zum ersten Mal durch das Brandenburger Tor. Mittlerweile ist der Berlin Marathon eine Veranstaltung, die immer am letzten Septemberwochenende über zwei Tage nicht nur klassisch Marathonläufern, sondern auch Inlineskatern, Rollstuhlfahrern, Handbikern und Teilnehmern vom Mini-Marathon (4,2195 km) und Bambinilauf die Option bietet, sich mit anderen zu messen.
Schilder am Rande des Geschehens.
Den Inlinemarathon in Verbindung mit dem "normalen" Berlinmarathon gibt es seit 1997. Aufgrund der stark gestiegenen Teilnehmerzahlen (nur etwa 440 beim ersten Lauf) wird dieser seit nunmer fast 15 Jahren immer am Samstag und nicht mehr direkt in Verbindung mit dem Marathon der Läufer am Sonntag durchgeführt. In diesem Jahr war das wettertechnisch auch Glück für die Teilnehmer. Am Samstag sind zumindest alle, die mindestens eine halbe Stunde schneller waren, als das Zeitlimit von zweieinhalb Stunden, noch trocken ins Ziel gekommen. Besonders beim Inlineskaten ist der Unterschied zwischen einer trockenen Strecke zu einer regennassen, deutlich glatteren Strecke unangenehm zu spüren. Die Läufer am Sonntag hatten bei kühlem Dauerniesel nicht so viel Glück. Das mag einer der Gründe gewesen sein, warum der Weltrekordversuch bei den Läufern am Sonntag scheiterte. Allgemein ist die Berliner Marathonstrecke aber die schnellste Strecke der World Marathon Majors Veranstaltungen (neben Berlin noch London, Boston, NYC, Chicago und Tokio).
Wenige Minuten vor dem Start des Inlinemarathons.
Bei Kilometer 7 ist das Feld noch recht gut beisammen.
Am Potsdamer Platz standen viele Zuschauer.
Durchs Brandenburger Tor durch und dann hieß es: Zielsprint.
Dadurch, dass ich nicht nur im Start- und Zielbereich zuschauen und anfeuern wollte, legte ich während der reichlich eineinhalb Stunden bis zum Zieleinlauf des Sportlers, dessen Rennen ich besonders verfolgte, auch einige Kilometer zurück. Nach dem Start ging es auf Schusters Rappen schnell zum 7km-Punkt und von dort mit der S-Bahn weiter zum Halbmarathonmarker. Nach einem Stopp am Potsdamer Platz, an dem sehr viele Menschen zuschauten, eilten wir zum Zielbereich. Auf diese Art und Weise wurde uns zum einen nicht kalt und zum anderen konnten wir im Vorbeilaufen noch ein bisschen sightseeing betreiben. Insgesamt war es ein recht kurzweiliger Wochenendausflug nach Berlin, der einen sportlichen Fokus hatte.
Einen Tag vor der Bundestagswahl vor dem Reichstagsgebäude.
Das Bundeskanzleramt.
Haus der Kulturen der Welt im Tiergarten.
Normale Touristen und Zuschauer vom Marathon vermischen
sich vor dem Brandenburger Tor.

Montag, 9. Oktober 2017

Ruhige Urlaubstage mit einer Prise Adrenalin...

... gönnten wir uns im September. Nach den ganzen Auslandsreisen für Sport, Freunde treffen und Arbeit beschlossen wir den privaten Urlaub dieses Jahr ganz entspannt in einer kleinen, gemütlichen Ferienwohnung nahe dem Geierswalder See in der Lausitz zu verbringen.
Sofern das Wetter es zuließ, genossen wir die Sonne, schwammen ein wenig und entspannten draußen. 
Strand am Geierswalder See.
Das ist Urlaub.
Sonnenuntergang am Geierswalder See.
Da es meist aber doch schon etwas kühler war, nutzten wir bei Trockenheit auch die Räder aus der Ferienwohnung und erkundeten so das Seenland. Wir besuchten ähnliche Ecken wie bei unserem Urlaub vor drei Jahren und schauten, welche Veränderungen wir in der noch jungen Naherholungsregion wir feststellen konnten. Insgesamt ließen wir alles sehr ruhig angehen und genossen die freie Zeit. Das Faulsein und Ausschlafen taten genauso gut wie die Bewegung an der frischen Luft.
Schusters Rappen werden geschnürt und dann
geht es los.
Vor Fahrtbeginn mussten wir auch sicherstellen, dass die kleine
"Mütze" nicht mehr im Fahrradkorb saß.
Es wird noch einige Jahr(zehnt)e dauern, bis die Gebiete um die
ehemaligen Tagebaue vollständig renaturiert sind.
Man muss nicht sehr hoch stehen, um einen guten
Überblick über das flache Land zu haben.
Vom rostigen Nagel aus hat man einen Überblick
von deutlich weiter oben.
Auch entlang des Senftenberger Sees gibt es Aussichtstürme.
Am vorletzten Tag unseres Urlaubs gönnte ich mir dann aber doch noch mal einen heftigen Adrenalinkick. Im Juli hatte ich bereits den Jetlev-Gutschein eingelöst, den ich zum Geburtstag bekommen hatte. Neben diesem hatte ich auch einen Gutschein für einen Tandem-Fallschirmsprung bekommen und diesen wollte ich am Flughafen Neuhausen nahe Cottbus einlösen.
Das Wetter war mittelmäßig aber ausreichend gut für Flug und Sprung. Da die Wolken relativ tief hingen, konnten wir jedoch nur auf 3.500 statt auf 4.000 Meter steigen. Die 500 Meter kosteten mich wenige Sekunden freien Fall, aber ich glaube, den Unterschied hätte ich auch nicht bemerkt. Zu viele Eindrücke strömten in dieser kurzen Zeit auf mich ein.
Nach einer Einweisung am Boden flogen wir mit einer kleinen Propellermaschine fast eine halbe Stunde immer weiter nach oben, bis es dann soweit war. Ganz einerlei war es mir nicht aus dem Flieger zu springen, wobei es vor allem das Ungewisse war, was die Anspannung in mir auslöste.
Den Fall selbst zu beschreiben fällt mir schwer. Alles ging verdammt schnell und da ich Eindrücke verarbeiten musste, die ich bis dahin noch nicht kannte, verging die Zeit bis zum Öffnen des Schirms gefühlt noch einmal schneller. Als wir nach ca. 40 Sekunden am Fallschirm hingen und gemütlich weiter gen Boden schwebten hatte ich Zeit die Landschaft zu genießen und zu überlegen, was während des Freifalls passiert war. Die Luft war mir entgegengeschlagen. Ich hatte keinen Halt gehabt. Aufregung und Erstaunen hatten sich abgewechselt und dann war wie gesagt alles schon wieder ganz schnell vorbei gewesen.
Da ich durch das Tandem nicht selbst steuern konnte, wurde ich beim Sinkflug immer wieder ein bisschen überrascht, wenn mein Tandemmaster plötzlich eine Kurve flog. Dieses Gefühl der Ungewissheit, wann sich wieder alles drehen würde, gefiel mir nicht so gut. Insgesamt war es aber sehr interessant den Boden immer näher kommen zu sehen. Gefühlt schwebten wir eine ganze Weile auf relativ unveränderter Höhe und plötzlich war die Wiese dann direkt unter uns.
Die Landung auf dem Hintern war butterweich. Als ich schließlich wieder auf meinen beiden Beinen stand, begannen sich meine Mundwinkel nach oben zu ziehen und die nächsten 20 Minuten in dieser Einstellung zu verharren. Ich konnte einfach nicht anders als zu grinsen. Es war ein sehr interessantes Erlebnis von nicht einmal zehn Minuten Dauer gewesen, aber eins, welches ziemlich einprägsam war.
Kurz bevor es für die Springer ins Flugzeug geht.
Mein Tandemmaster und ich nach Öffnen des Schirms.
Erst nur ein kleiner Punkt am Himmel kommen wir immer
tiefer und Landen schließlich butterweich auf der Wiese.
Heil wieder am Boden angekommen.
Den Abend ließen wir dann mit einem guten Essen ausklingen und schauten zu, wie die untergehende Sonne die Windräder am Horizont in ein oranges Licht tauchte. Schade, dass der Urlaub schon wieder zu Ende war.
Abendstimmung im Lausitzer Seenland.

Sonntag, 8. Oktober 2017

Vom Dom zu Halberstadt...

... haben viele sicherlich schon einmal gehört. Er ist auf jeden Fall eines der drei Dinge, die ich spontan mit Halberstadt verbinde - neben Harz und Würstchen, auch wenn das nicht sehr pietätvoll erscheinen mag.
Am letzten Augustwochenende durfte ich die knapp 44.000 Einwohner zählende Stadt im Harzvorland selbst einmal kennenlernen. Wir waren zur Hochzeit einer Freundin eingeladen - direkt in den Dom. Zwar hatten wir keine Zeit den über 650 Objekte umfassenden, ebenfalls weithin bekannten Domschatz zu besichtigen, aber wir hatten während der Feier ausreichend Zeit das Hauptschiff, den Kreuzgang, die Winterkirche und noch vieles mehr zu bestaunen. Ein Bruder des Bräutigams gab auch eine kleine Führung durch den Gebäudekomplex, dessen Vorläufer bis ins 9. Jhd. zurückreichen. Unser Fazit am Ende: Die Feier war schön und auch ohne Hochzeit lohnen die Altstadt von Halberstadt und der Dom einen Besuch.
Blick vom Innenhof auf den Dom.
Das Hauptschiff.
Geschmückt für die Hochzeit.
Auch die Orgel wurde gespielt.
Hübsche Kreuzgewölbe.
Wenn man bei dem Kronleuchter die letzte Kerze
angezündet hat, ist die Erste wahrscheinlich schon
wieder niedergebrannt.
Im Dom.
Zwei Domgeister in Halberstadt.

Haifa...

... ist durch seine Lage direkt am Meer aber eben auch am Berg eine Stadt, in der das Fahrradfahren sicherlich nur mäßig Spaß macht und auch zu Fuß kamen wir beim Aufstieg vom Hafen und dem dortigen Stadtviertel German Colony hinauf ins Stadtviertel Carmel Center, in dem unser Hotel stand, gut ins Schwitzen. Haifa ist an sich eine moderne und weltoffene Stadt mit einer lockeren Atmosphäre. Mir fiel nach den zwei Tagen am Toten Meer vor allem zunächst auf, dass alles viel grüner war als in der Wüste. Durch die Konferenz blieb nicht ganz so viel Zeit fürs Sightseeing, aber ein paar  Impressionen bekamen wir natürlich trotzdem - auch durch die langen Busfahren. Die bergige Lage spürt man nämlich nicht nur zu Fuß oder mit dem Rad. Mit dem Bus benötigt man auch immer mindestens eine halbe Stunde, wenn man von einem Ort zum anderen will, da dieser sich teils serpentinenartig den Berg hinauf- oder hinunterschlängeln muss.
Am Morgen nach einem reichhaltigen Frühstück fuhren wir vom Hotel zur Technischen Universität Israels (Technion). Es ist eine schöne Campus-Universität mit viel grün. Die bewachsenen Innenhöfe lernten wir in den Pausen sehr zu schätzen. Von der Konferenz will ich hier inhaltlich nicht weiter berichten, sondern mich mehr auf die Erkundungen der Gegend an den Abenden berichten.
Sonnenaufgang über Haifa.
Im Innenhof eines Universitätgebäudes wuchs
ein Zitrusfruchtbaum mit reichlich Früchten.
Mit meinem Posterbeitrag auf der Konferenz.
Nach dem ersten Tag fuhren meine Kollegin und ich zum Hafen und der Deutschen Kolonie. Diese wurde 1869 von christlichen Siedlern gegründet und wurde mit Ausbreitung der Stadt ein Teil von Haifa. Heute ist es einer der touristischsten Teile von Haifa mit vielen Restaurants, Stadtmuseum und Einkaufsmöglichkeiten. Da es uns für das Abendessen noch zu zeitig war, ignorierten wir jedoch die Restaurants, gönnten uns lediglich ein Eis und beschlossen die Stadt zu Fuß weiter zu erkunden. Ich hatte die schlaue Idee zum Hotel zurück zu laufen. Laufend bekommt man abseits der klassischen Touristenstrecken in der Regel mehr vom wahren Gesicht einer Stadt mit. Das war auch in Haifa so. Allerdings hatte ich doch ein wenig die Auswirkungen der Hanglage unterschätzt. Von unten sah es gar nicht so steil aus, wie es am Ende war. Erst wurden die Straßen steiler, dann kamen die Treppen - gefühlt unendlich viele Treppen. Ein extra Beintraining konnte ich mir an diesem Tag sparen. 300 Höhenmeter sind bei einer Wanderung nicht viel, aber da haben meine Schuhe auch keinen Absatz und ich trage keine Handtasche.
Blick von der German Colony zu den Bahai Gärten. Am linken
oberen Bildrand ist unser Hotel zu sehen.
Hübsche Restaurants entlang der Ben Gurion
Avenue in der German Colony.
Ich halte natürlich nur das Eis der Kollegin.
Breite Treppen, schmale Treppen, halb zuge-
wachsene Treppen, fast eingefallene Treppen.
Trotz des ganzen Schweißes (es waren immerhin gut über 30°C) war es ein schöner Spaziergang. Wir konnten in einige Hinterhöfe schauen. Sahen breite Straßen genauso wie kleine Gassen mit hübschen Cafés und dreckige Gassen mit Unrat. Unser Weg ging grob entlang der Karmelit - der einzigen U-Bahn Israels. Nach einem Brand im Februar ist die unterirdische Standseilbahn, mit der man recht bequem von Meeresniveau auf den Berg fahren könnte, jedoch geschlossen. Ob die 1,8km lange U-Bahnstrecke jemals wieder eröffnet wird ist fraglich. Die nötigen Renovierungsarbeiten würden wohl recht teuer werden.
Magere Straßenkatzen, schmale Straßen und faule Tiger.
Im Hadar District sahen wir viele liebevoll gestaltete Gärten.
Am Dienstag erkundeten wir die Gegend um das Hotel. Zum Skulpturen Garten sind es nur etwa eineinhalb Kilometer und der obere Zugang zu den Bahai Gärten war nur 900 Meter vom Hotel entfernt. Die Runde war also deutlich kleiner, aber nicht minder schön. Zum Strand fuhren wir dann doch mit dem Bus.
Skulpturen Garten im Carmel Center District.
29 Bronzestatuen stehen im Park.
Blick über die Bahai Gärten, die Deutsche Kolonie und den Hafen.
Mittwoch endeten die offiziellen Konferenzbeiträge bereits kurz nach drei Uhr am Nachmittag. Anschließend war für alle KonferenzteilnehmerInnen eine Tour durch das Karmelgebirge organisiert. Mit komfortablen Bussen ging es zunächst in die Nähe eines Aussichtspunktes. Dort wurden wir in kleine Gruppen eingeteilt und liefen mit jeweils einem Tourführer ein paar hundert Meter bis zu einem Aussichtspunkt, der einen guten Blick über das fruchtbare Tal gen Nordosten eröffente.
Blick vom Karmelgebirge aus nach Nordosten.
Im Karmelgebirge leben viele Drusen. Das Drusentum hat sich vor ca. 1.000 Jahren aus dem Islam entwickelt und wird heute als eigentständige Religion betrachtet. Wir hatten einen drusischen Führer, der mir zu Beginn nicht übermäßig sympatisch und am Ende ziemlich unsympathisch war. Dennoch lernte ich Einiges über die Drusen und ihr Verhältnis zu Israel. So leisten die Drusen bspw. auch Militärdienst  (im Gegensatz bspw. zu den Muslimen) und schießen im Zweifel auch auf die Drusen aus Syrien oder dem Libanon, weil sie sich im Militär zuerst als Israelis sehen (O-Ton des Touristenführers). Dennoch gibt es immer wieder Bestrebungen gegenüber der israelischen Regierung ein paar mehr Freiräume und Privilegien für die Drusen rauszuschlagen. Auch erklärte uns der Touristenführer, dass sich das Drusentum u.a. dadurch auszeichnet, dass Frauen geehrt und mit Respekt behandelt würden. Zwei Sätze später bedauerte er es, dass sie Frauen, die vor der Ehe Geschlechtsverkehr haben oder sich mit einem Nicht-Drusen einlassen, nach den Gesetzen der israelischen Regierung nicht mehr steinigen dürfen. Direkt danach erzählte er aber beschwingt von einer Frau, die mit einem Mann ihrer Wahl nach Tel Aviv gezogen (geflüchtet?) war, dort dann aber unter ungeklärten Umständen zu Tode kam. Der Tenor war: am Ende herrschte also wieder Ordnung. Ich war fassungslos - über die Geschichten an sich und mit welcher Selbstverständlichkeit er diese erzählte. Das war immerhin ein Mann, der durch seinen (Neben-)job auch ständig mit Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt Kontakt hatte und damit auch verschiedene Weltsichten mitbekommen musste und nicht jemand von einem abgeschiedenen Bergdorf.
Insgesamt empfand ich den Besuch im Karmelgebirge und in der größten drusischen Siedlung Israels, Daliyat El Karmel, zwar irgendwie lehrreich aber gleichzeitig auch verstörend. Herrausragend touristisch attraktiv erschien mir die Gegend auch nicht. Der Ausflug endete mit einem interessanten Vortrag über die wechselhafte Geschichte Israels, bevor wir zu einem großen drusischen Restaurant für das Konferenz-Dinner fuhren.
Im Drusenort Daliyat El Karmel. Ganz rechts unser Tourführer.
Im Karmelgebirge sah ich viele sehr hübsch anzusehende,
große Eigenheime.
Ein bisschen von allem vom Buffet am Abend. Natürlich auch Humus.
Eine ganze Menge Baklawa, ein trockener Keks
und ein bisschen Obst fürs Gewissen.
Kurz vor 22 Uhr endete das Konferenz-Dinner und die Busse brachten uns zurück zum Hotel. Am Folgetag fanden nur früh noch ein paar letzte Vorträge statt. Danach konnte man auch von der Konferenz organisiert entweder mit dem Bus nach Jerusalem fahren oder individuell die Heimreise antreten. Ich flog am frühen Abend zurück nach Deutschland. Wie schon im Jerusalem Blog erwähnt waren die Sicherheitskontrollen vor dem Rückflug richtig nervig. Abgesehen von diesem unschönen Ereignis fand ich meinen Aufenthalt in Israel jedoch sehr interessant und habe in der Woche viel auch außerhalb der Konferenz für mich mitgenommen. In Dresden am Bahnhof wurde ich Mitternacht dankenswerter Weise mit dem Auto abgeholt, so dass ich kurz vor 1 Uhr ins Bett kam. Freitag Morgen wollte ich ausgeschlafen sein, da knapp 250 km Autofahrt vor uns lagen. Redhead ist dirket weiter nach Halberstadt gereist.
Auf Wiedersehen Israel. Es war eine faszinierende Reise.