... haben es wohl nicht leicht. Ständig geht es bergauf, bergauf, bergauf und bergab. Am letzten Wochenende war ich eine Freundin im südlichen Bayern besuchen. Wir kannten uns aus Norwegen und was lag da näher, als wandern zu gehen und in einer Hütte im Schlafsack zu nächtigen?
Die Fahrt vom schönen Sachsen ins wilde Bayern bewältigte ich per Bahn, was wie meistens schon die ersten Reiseabendteuer bereithielt. Als ich kurz nach Mitternacht am Münchner Hauptbahnhof in einen komplett dunklen Regionalzug stieg, der mich die letzten Meter zum Ziel bringen sollte, ahnte ich noch nicht, dass es eine knappe halbe Stunde dauern sollte, bis das Zugpersonal eintraf, Strom (und damit Licht und Belüftung) angeschalten wurde und sich der Zug in Bewegung setzte. An Bord waren unter anderem eine angeheiterte Truppe Angestellter auf dem Heimweg von der Firmenfeier, ein echter Bayer mit Lederhose und irgendwer übte sich nachts halb eins im Zug auch an der Mundharmonika. Es hat nur noch gefehlt, dass jemand angefangen hätte zu jodeln, aber man kann (zum Glück) nicht immer alles haben.
Samstag Morgen brachen wir am nicht mehr ganz so zeitigen Morgen gen Berchtesgardener Land auf. Dummerweise waren wir nicht die Einzigen, die versuchten auf dem Autobahnring um München herum vorwärts zu kommen und so standen wir im Stau und konnten uns schon einmal auf die Rückfahrt Sonntag Abend einstimmen, wo wir ebenfalls wieder im Stau um München festhingen. Großstädte sind doch etwas Feines...
Schließlich erreichten wir den Königssee und beschlossen auf Grund der fortgeschrittenen Zeit einen Teil des Tagesaufstieges per Gondelbahn zurück zu legen. An der Talstation der Jennerbahn zahlten wir artig unsere Tickets bis zur Mittelstation und teilten uns auf zwei Gondeln auf, da pro Gondel nur zwei Leute mitfahren durften und wir zu dritt waren. Alles gut - zumindest, bis ich an der Mittelstation ausgestiegen war und meine zwei Mitwanderer nirgends erblickte - bis ich in die weiter den Berg hinaufgleitenden Gondeln blickte und hinter der Plexiglasscheibe der nächsten Gondel hektische Winkbewegungen wahrnahm. Dank moderner Technik (aka Handy), erfuhr ich nur eine halbe Minute später, dass die Tür der Gondel, in der sich die anderen beiden befanden, nicht hatte öffnen lassen und sie deshalb zwangsweise auf den Gipfel fahren mussten. Während die beiden also eine Extrarunde drehten, nahm ich mir ein Brötchen aus dem Proviantsack, genoss die Aussicht und knipste mit dem Foto ein paar Bilder.
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| Kurz vor der Mittelstation der Blick zurück ins Tal. |
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| Unterwegs verschönerte ein künstlich angelegter See den Ausblick. |
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Das ist mein Blick von der Mittelstation hinauf zum Gipfel. In
einer der Gondeln saßen meine Mitwanderer. |
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| Irgendwo von dort unten sind wir gekommen. |
So war es schließlich nicht vor 16 Uhr, bis wir tatsächlich zum Wandern kamen. Wettertechnisch hatten wir Samstag wie Sonntag von allem etwas - Regen, Sonne, Wolken. Warm war es die ganze Zeit, was ein Unterschied zu den meisten meiner norwegischen Touren darstellte. Doch vor allem ließen sich die Unterschiede natürlich an der Landschaft, der Ausschilderung (Kompass hatten wir gar nicht erst mitgenommen und eine Karte war im Grunde auch schon fast sinnlos.), der Frequenz anderer Wanderer und der Art des Weges (war stets kenntlich und nie querfeldein) erkennen. Wunderschöne Ausblicke waren uns auch im Berchtesgarder Land vergönnt.
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| Wege, Hütten, Hüttenwege. |
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Die Zeiten an den Weg-
weisern stimmten zwar nie ganz,
aber die Richtung schon. ^^ |
Beim Aufstieg kam ich sehr stark ins Schwitzen und merkte einfach, dass ich viel zu lange nicht mehr intensiv wandern war. Meine Kondition muss ich mir noch zurück holen. Schließlich gelangten wir auf das Gotzenplateau, von wo wir super die in Wolken gehüllten Gipfel der anderen Berge sahen und vom Aussichtspunkt Feuerpalfen klare Sicht auf St. Bartholomä direkt am Königssee etwa 1000 Höhenmeter weiter untern hatten. Von dort war es keine viertel Stunde mehr zur Gotzenalm, wo wir nächtigen wollten.
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| Zuckerwatter schmiegt sich um die Berggipfel. |
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| Der Blick in die Ferne. Immer wieder toll. |
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| Die Wandergemeinschaft am Aussichtspunkt hinab zum Köngssee. |
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| Kurz vor der Gotzenalm auf 1.685 Metern. |
Wir erreichten die Herberge kurz vor Küchenschluss, so dass wir einfach nur schnell unsere Rucksäcke abschmissen, ehe wir uns zusammen mit den anderen Gästen an Suppe, Salat und einem deftigen Hauptgang labten, der genauso im Übernachtungspreis inbegriffen war, wie das Frühstück am nächsten Morgen. Es hat seinen Reiz, wenn man sein Essen nicht komplett selbst im Rucksack mitschleppen muss.
Der Abend klang gemütlich bei Gesellschaftsspielen aus und als wir in unsere Schlafsäcke krochen, leuchteten die Sterne an einem wolkenlosen Himmel in der Nacht. Am nächsten Morgen waren diese dann nicht einmal mehr zu erahnen, was nicht nur an der wiedergekehrten Helligkeit lag, sondern vor allem an den Wolken, die die gesamte Alm einhüllten. Von Bergpanorama war keine Spur. Man sah selbst die Almhütte von ein paar Metern Entfernung kaum und so blieben auch Steilhänge nach oben und unten großteils unbemerkt, da lediglich der Weg direkt vor einem sichtbar war.
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| Gotzenalm Sonntag Morgen mitten im Dunst. |
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Ein Trampelpfad am Berghang. |
Nach und nach lichtete sich der Nebel und dann sah man im Wald und auf den Wiesen auch die possierlichen Tierchen, die man schon vorher aus der Ferne hören konnte: Kühe. Manche waren scheu. Manche waren zutraulich. Und seltsamer Weise war keine Einzige von denen Lila und dabei dachte ich immer, die Milka kommt aus den Alpen. ^^
Schließlich sahen wir noch am Berghang laufend das Tal, in dem der Obersee das herabfließende Wasser in sich aufnimmt, um es kurz darauf in den viel größeren Königssee abzugeben. Der Pfad wand sich durch den Wald und Geröll hinab ins Tal, was bei 1000 Höhenmetern die Waden und Oberschenkel noch ein paar Tage später hat an dieses Wochenende zurückdenken lassen. Am Sonntag selbst merkte ich noch nichts davon. An dem Tag genossen wir nach dem Abstieg zunächst ein warmes Mittag-Kaffeetrinken-Essen und sprangen dann ins türkisblaue Nass zu den kleinen Fischen.
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| Diesem Weg im Tal sollten wir später auch noch folgen. |
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| Glasklar und türkisblau - traumhaftes Wasser. |
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| Abkühlung nach den Wanderstrapazen. |
Den Rückweg zum Ausgangspunkt des Königssees legten wir per Boot zurück, da eine Wanderung entlang der Westseite des Königssees die Überwindung des Watzmanns (oder zumindest seiner vorgelagerten Berggipfel) bedeutet hätte und von Anfang an nicht auf dem Plan stand. So fuhren wir mit dem Boot an der von Tagestouristen überfluteten Halbinsel mit der Postkarten-Motiv-Kapelle St. Bartholomä vorbei zurück zum Parkplatz, wo wir das Auto abgestellt hatten. So schnell kann ein Wochenende vergehen.
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| An der Anliegestelle von St. Bartholomä. |
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Panorama vom Boot zur Westseite des Königssees mit dem
mächtigen Watzmannmassiv. |
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Abschließend noch ein Bild, welches eine idyllische Urlaubsstimmung verbreitet, die durch die vielen Menschen zwar nicht ganz gegeben war, aber ich schaffte es einfach im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. ^^