... besuchte ich am Samstag. Nachdem ich den Sonnenaufgang über den
jordanischen Bergen genossen und anschließend Frühstück gegessen hatte, packte
ich knapp drei Liter Wasser, ein bisschen Obst, ganz viel Sonnencreme,
Sonnenbrille, Foto und einen Hut gegen die Sonne in meinen Rucksack und machte
mich auf den Weg zur gut 16 km entfernten Festung Masada.
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| Masada von der Straße aus gesehen. |
Am Vortag war ich mit dem Bus bereits an dem Tafelberg vorbeigefahren. Nun
war jedoch Samstag und damit Shabbat. Es fuhren keine öffentlichen Busse. Als
ich bei den unfreundlichen Mitarbeitern an der Hotelrezeption nach anderen
Optionen fragte, sagten diese, dass sie mir ein Taxi für umgerechnet ca. 100€
für Hin- und Rückweg besorgen könnten. Wie erwähnt: eine Strecke beträgt ca. 16
km. Ich lehnte dankend ab und beschloss mich wieder mal auf eigene Faust
durchzuschlagen. Ich war keine fünf Minuten auf der Straße, als ein Kleinbus
hielt. Es war ein muslimischer Fahrer eines privaten Reiseunternehmens. Nach
kurzem Handeln einigten wir uns darauf, dass er mich für umgerechnet ca. 18€
zur Festung fährt. Verglichen mit den 9€, die ich für die Gesamte Strecke von
Jerusalem zum Toten Meer bezahlt hatte war dies natürlich immer noch ein
Wucherpreis, aber das war es mir in diesem Fall wert, da ich nicht die Gesamte
Strecke bei der mittlerweile wieder gleißenden Sonne am Himmel zu Fuß
zurücklegen wollte. Zudem kam ich dadurch auch mit einem muslimischen Israeli
ins Gespräch und die Gespräche mit den Einheimischen fand ich mit das Spannendste
auf meiner Reise. Juden, Muslime, Christen, Drusen - alle haben sie ihre eigene
Sicht auf das Land, die Konflikte und deren Ursachen. Eine viertel Stunde
später löste ich mein Ticket für die Gondelfahrt hinauf auf den etwa 400 Meter
hohen Tafelberg. Es gibt zwar auch den sogenannten Schlangenpfad, der sich an
der Ostseite des Berges in die Höhe schlängelt, allerdings war dieser seit 9
Uhr bereits wieder für den Tag geschlossen worden, weil die Hitze schon zu groß
war. Der Schlangenpfad öffnet am Morgen bereits 5:30 Uhr und soll so
ermöglichen, dass man den Sonnenaufgang vom Gipfel erleben kann. Die Option
fand ich zwar auch reizvoll, aber durch die eingeschränkten
Transportmöglichkeiten hatte ich mich für den Sonnenaufgang am Strand
entschieden.
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Blick aus der Gondel den Berg hinauf. Gut zu erkennen ist
der Schlangenpfad. |
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Fast oben angenkommen Blick von ca. 0 Meter ü.NN. hinab auf
die Talstation der Gondelanlage. Im Hintergrund das Tote Meer. |
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Aufgrund der extremen Hitze war der Schlangen-
pfad schon wieder gesperrt. |
Die Gondelfahrt war natürlich um einiges bequemer als der Aufstieg zu Fuß
gewesen wäre und ließ mir genügend Energie, um das etwa 300 mal 600 Meter große
Plateau anschließend gute 3,5 Stunden zu erkunden. Die meisten Besucher bleiben
nicht so lange. Als Richtwert sind 2 Stunden angegeben und die geführten
Gruppen werden noch schneller durchgeschleift, weil diese sich auch
hauptsächlich auf die am besten erhaltenen Ruinen des Nord- und Westpalastes
konzentrieren. Ich schaute mir allerdings alle 32 auf dem Info-Faltblatt
aufgeführten Stationen an und stieg am Südende bspw. auch in eine der riesigen (heute
trockenen) Wasserzisternen hinab, die den Bewohnern des Plateaus vor 2.000
Jahren trotz rarer Niederschläge selbst den Luxus eines Schwimmbades, mehrerer
Tauchbecken und einer Dampfsauna auf dem Berg ermöglichte. Sehr beeindruckend.
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| Blick von einem Aussichtspunkt über das Plateau gen Osten. |
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| Hier lebten mal um die 1.000 Menschen. |
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| Besucher in den Ruinen. |
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| Blick aus einem Fenster. |
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Im Süden war eine Zisterne sehr gut erhalten und zugänglich.
Der Zugang von außen. Die Treppe im inneren. Der Blick vom
Boden der Zisterne zum Ausgang. (v.l.n.r.) - Und das war nur
eine von vielen derartigen Zisternen. Wasser im Überfluss... |
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... erlaubte auch den Betrieb eines Schwimmbades in dieser
trockenen Landschaft. |
An sich lohnt sich ein Besuch in Masada allein wegen der Aussichten auf das
gut 400 Meter tiefer gelegene Tote Meer und das jordanische und judäische
Gebirge und die Wüste. Für Geschichtsinteressierte bietet die Festung aber noch
sehr viel mehr. Das Meiste der heutigen Hinterlassenschaften wurde ab 40 v.Chr.
beauftragt durch Herodes gebaut. An der Nordseite, an der immer eine leichte
Brise weht, entstand der größte Palast, der sich über mehrere Etagen im und am
Berg erstreckte. Rings um das Plateau wurde eine Kasemattenmauer angelegt. Um
Belagerungen standhalten zu können, gab es zudem viele Vorratskammern und wie
schon erwähnt wurden auch mehrere riesige Wasserzisternen gegraben, die wohl in
der Lage gewesen sind, insgesamt mehrere zehntausend Kubikmeter Regenwasser zu
speichern. Um das Wasser aus den raren Regenfällen möglichst effektiv
aufzufangen wurden auch Aquädukte gebaut. In meinen Augen zeichnet sich Masada
durch einige baulich planerische Meisterleistungen aus.
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Panoramablick vom Felsen in Richtung Jordanien. Gut erkennbar
sind im Vordergrund u.a. der Beginn des Schlangenpfades und
die Reste zweier römischer Belagerungscamps. |
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| Die Berge gen Süden. |
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Ein Modell des Tafelbergs mit dem
ausgeklügelten Wassersystem. |
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| Nahaufnahme eines Teilstücks eines in den Berg gehauenen Aquäduktes. |
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| Blick auf den Nordpalast und Reste eine Aquäduktes. |
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| Überblick über große Teile der obersten Etage des Nordpalastes. |
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Original erhaltene Säulen und Malerein auf
der untersten Ebene des Norpalastes. |
Einige Jahrzehnte nach Herodes‘ Tod eroberten jüdische Rebellen den
Tafelberg und errichteten weitere Gebäude, die ein autarkes Leben unterstützen
sollten – bspw. eine Bäckerei, ein Taubenhaus für Dünger und Frischfleisch,
Wohnhäuser oder eine Synagoge. Vieles davon ist heute noch (teilweise) zu sehen. Schön bei der Restauration finde ich, dass es in Gebäuden, die teilweise wieder aufgebaut wurden, Markierungen gibt, bis zu denen eine Wand wirklich noch stand und ab wo die Archäologen Hand angelegt haben.
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In den Lücken der Wand sollen Tauben gehalten worden sein.
Sie dienten als Nahrungsquelle und die Ausscheidungen
dienten als Dünger für Anpflanzungen auf dem Berg. |
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Im Westpalast sind teilweise noch Mosaike von
vor 2.000 Jahren erhalten. |
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Durch den dunklen Strich gut zu erkennen ist,
bis wohin die Mauern noch standen, und was
die Archäologen wieder ergänzt haben. |
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| Noch mehr Mosaike und Wandmarkierungen. |
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| Ein Tor an der Westseite des Palteaus. |
73 n.Chr. begannen die Römer schließlich eine
Belagerung Masadas, um den Rebellenstützpunkt auszulöschen. Reste der
römischen
Belagerungscamps sind heute auch noch erhalten. Als die Römer (manche
Berichte sprechen von bis zu 10.000 Soldaten und Sklaven) durch das
Aufschütten einer Belagerungsrampe an der Westseite des Berges mit ihrem
Belagerungsgerät immer näher an die Mauern Masadas kamen, beschlossen
die knapp
1.000 Bewohner des Tafelberges sich lieber selbst umzubringen anstatt
über kurz
oder lang in die Hände der Römer zu fallen und versklavt zu werden. Aus
diesem
kollektiven Selbstmord, dem sich nur zwei Frauen und ein paar Kinder
entzogen,
resultiert die heutige Verehrung der Festung Masada als Symbol des
jüdischen
Widerstandes. Es gibt in Israel die geflügelte Aussage, dass Masada nie
wieder
fallen darf und die jüdische Flagge auf ewig über diesem Tafelberg wehen
muss.
Natürlich ist dies wieder die spezielle jüdische Sichtweise, aber auch
ohne den
identitätsstiftenden Bezug finde ich die geschichtlichen Ereignisse sehr
interessant.
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Blick durch ein Fenster auf die Belagerungs-
rampe von Westen. |
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Die Römer nutzten eine natürliche Rampe und bauten diese aus,
um näher an die Festung auf dem Berg heranzukommen. |
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Reste der römischen Belagerungscamps. Rechts das Camp
wurde auf den damaligen Grundrissen nachgebaut. |
In den folgenden Jahrhunderten scheint die Bedeutung der Festung nicht mehr
so groß gewesen zu sein. Im 5. und 6. Jh. lebten Mönche auf dem Berg und bauten
u.a. eine Kirche neu. Auch von dieser ist heute noch eine Ruine erhalten. Mitte
des 20. Jh. entdeckten schließlich die Archäologen das Gebiet und waren
entzückt über all die erhaltenen Zeugnisse von vor 2.000 Jahren. Mittlerweile
ist Masada ein wichtiges touristisches Ziel am Toten Meer und meiner Meinung
nach auf jeden Fall einen mehrstündigen Besuch wert. Es macht Spaß sich
vorzustellen, wie der Ort vor 2.000 Jahren mit Alltagsleben gefüllt war. Heute wird er neben Touristen auch von Gesellschaften besucht, die die Bar Mizwa eines Familienmitglieds an diesem historischen Ort feiern wollen.
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Bar Mizwa Zeremonie unter einem schattenspendenden Dach
an einem historischem Ort am Toten Meer. Der Junge und die
engere Famlie war extra aus New York angereist. |
Kurz bevor ich das Plateau verlassen wollte, hatte ich noch einmal Glück im
Unglück. Beim laufen bemerkte ich auf einmal einen Schmerz an der rechten
Fußsohle und nahm den Fuß sofort reflexartig nach oben statt normal aufzutreten.
Ich musste feststellen, dass durch die Sohle meiner Sandale ein etwa 4 cm
langer Nagel ragte. Nach einem initialen „Ach du scheiße!“ überwog dann die
Erleichterung, dass dieser am Fuß selbst nur eine geschlossene Blutblase
hinterlassen hatte und nicht durch die Haut durchgegangen ist. Es war für mich
trotzdem ein Zeichen die brütende Hitze 33 Meter über normal Null zu verlassen
und zum Hotel zurück zu fahren. Wieviel Wasser ich in den dreieinhalb Stunden
getrunken hatte, kann ich nicht sagen. An verschiedenen Orten gab es
Wassertanks, an denen man seine Flaschen mit kühlem Nass nachfüllen konnte. Wie
schon in der Altstadt von Jerusalem nahm ich diesen Service dankbar an.
Zum Hotel zurück kam ich mit einer russischen Familie, die ich auf dem Berg
getroffen hatte. Wir kamen ins Quatschen und so kam eins zum anderen und sie
nahmen mich in ihrem Auto mit. Egal, wo man auf der Welt ist: die allermeisten
Menschen sind immer freundlich und hilfsbereit. Das macht Couchsurfen, trampen
und ähnliches immer zu solch tollen Erlebnissen.
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| Versalzene Sandalen durch das Wandern am Toten Meer. |
Nach einer kurzen Entspannung im klimatisierten Hotel ging ich natürlich
noch ein paar Mal ins warme Wasser des Toten Meeres und genoss das Schweben.
Geschafft von Sonne, Hitze, zeitigem Aufstehen und Laufen fiel ich am Abend
wieder zeitig ins Bett. Am nächsten Morgen klingelte auch der Wecker bereits
wieder 5:30 Uhr. Nach einem weiteren Sonnenaufgang und einem ausführlichen
Frühstück packte ich meine Sachen zusammen und fuhr mit dem Bus durch das Wesjordanland, über Jerusalem
nach Haifa. Sonntagabend begann schließlich bereits die Konferenz, für die ich
nach Israel gereist war.
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| Salzklumpen bedecken den Sand im Wasser am Badestrand. |
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| Dafür lohnt sich zeitiges Aufstehen. |
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| Abschied vom En Bokek. |
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Blick aus dem Busfenster auf den Kanal, der den südlichen
und nördlichen Teil des Toten Meeres verbindet. |
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Ein letzter Blick auf das Tote Meer, ehe es wieder 1.200
Höhenmeter bis nach Jerusalem hoch geht. |
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Das Westjordanland zwischen Jerusalem und Totem Meer
entlang der Hauptstraße. |
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