| Die Strecke von Jerusalem zum Toten Meer führt steil bergab. Hin und wieder sind in den Steinen entlang der Straße die Höhenangaben vermerkt. |
| Meist bot sich beim Blick aus dem Fenster nur karge Landschaft. Ein paar Büsche und Kamele boten eine willkommene Abwechslung. |
Als wir nach einer dreiviertel Stunde und 1.200 Höhenmetern das Nordende des Toten Meeres erreicht hatten, wechselte der Bus von Ost- auf Südkurs. Entlang der Küste fuhren wir vorbei am Qumran Nationalpark. In den dortigen Höhlen wurden vor ca. 70 Jahren mehr als 800 antike Schriftrollen entdeckt, unter denen sich auch die bisher ältesten bekannten Niederschriften aus Teilen der Bibel befinden. Aus Zeitgründen schaute ich mir diesen Ort nur beim Vorbeifahren aus dem Busfenster heraus an. Auch im Oasenort En Gedi reichlich 30 km südlich, wieder außerhalb des Westjordanlandes, blieb ich im Bus. Früher lag dieser wohl noch etwas näher am Toten Meer. Heute ist es zwar auch ein beliebter Ort für Touristen, doch durch die fortschreitende Austrocknung des nördlichen Teils des Toten Meeres, müssen die Touristen mittlerweile ein ganzes Stück laufen, bis sie das Wasser erreichen. Während der Wasserspiegel des südlichen Teils des Toten Meeres durch Ablagerungen von Salzen wohl sogar ansteigt, nimmt der Wasserspiegel im nördlichen Teil kontinuierlich ab (seit den 1980ern um fast einen Meter pro Jahr). Der Jordan wurde über Jahre an vielen Stellen umgeleitet, um bspw. bei landwirtschaftlicher Bewässerung zu helfen. Da dieser den einzigen kontinuierlichen Zufluss zum Toten Meer darstellt, hatte dies auch Auswirkungen auf einen der salzigsten Seen der Welt. Dieser gesunkene Wasserspiegel führte in den letzten Jahren vermehrt zu Senklöchern: sich plötzlich auftuenden Löchern im Boden. An einer Stelle sah ich, dass die Straße von ihrem ursprünglichen Verlauf abwich, da ein Stück der alten Straße im Boden versunken war.
| Straßenschilder waren in der Regel dreisprachig: in hebräischer, arabischer und lateinischer Schrift. |
| Blick auf den Nordteil des Toten Meeres gen Osten vom Bus aus. Jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel hier weiter. |
Am Strand sah ich einige Touristen, die im Wasser schwebten. Die Meisten hielten sich unter einem von mehreren im Wasser stehenden Pavillons auf, die ein wenig Schatten spendeten. Wirklich schwimmen tat niemand und ich machte auch relativ schnell drei Gründe aus, weshalb: 1) Es war zu heiß, um sich viel zu bewegen. 2) Beim Schwimmen schluckt man potentiell auch mal Wasser und das will man im Toten Meer auf jeden Fall vermeiden, denn bereits kleine Mengen können durch den hohen Mineralien- und Salzgehalt sehr schnell zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen. 3) Es ist wirklich schwierig zu schwimmen, wenn es die Extremitäten immer wieder aus dem Wasser herausdrückt.
Wie war nun aber das Schwebeerlebnis? Komisch. Lustig. Ungewohnt. Als erstes machte ich den Anfängerfehler und wollte meine Sandalen bei meinen Sachen stehen lassen und barfuß die letzten Meter über den Sand bis zum Wasser gehen. Das ist keine besonders schlaue Idee, da Sand und Holzstege extrem aufgeheizt sind. Es ist besser mit den Schuhen bis zur Wasserkante zu gehen und die Schuhe direkt dort stehen zu lassen. Als ich dann ins über 30°C warme Wasser watete, hatte ich den Eindruck einen größeren Wasserwiederstand zu spüren, als gewöhnlich. Ob es Einbildung war oder nicht - wer kann das schon so genau sagen. Logisch wäre es, da die rund 33% Salzgehalt natürlich eine höhere Wasserdichte hervorrufen, als in anderen Gewässern (Mittelmeer unter 4% Salzgehalt). Als ich bis zum Bauch im Wasser war, ließ ich mich nach hinten fallen - und im gleichen Moment zog es meine Beine vorn nach oben und ich schwebte im Wasser. Echt cool!
![]() |
| Viel tiefer kommt man auf der Erde trockenen Fußes nicht mehr. |
![]() |
| Es funktioniert tatsächlich: ich schwebe! |
Nach einigen weiteren kurzen Badegängen, schnappte ich mir am Abend meine Kamera und spazierte an der Wasserkante entlang weiter nach Süden bis die Hotels hinter mir lagen und noch weiter nach Süden. Durch ein leichtes Lüftchen und die untergehende Sonne, fühlte sich die Hitze gleich gar nicht mehr so schlimm an. Schlimm fand ich hingegen ein Problem, welches heute fast überall auf der Welt anzutreffen ist: Müll. Reichlich industriell erzeugter, nicht verrottender Müll. Direkt am Badestrand wurde von Zeit zu Zeit der herumliegende Müll eingesammelt aber einerseits wird dabei wohl kaum alles erwischt und landet schließlich doch im Wasser und andererseits schmeißen die Menschen nicht nur am Badestrand ihren Müll achtlos weg. Ich finde es immer sehr traurig, wie die Schönheit der Natur auf diese Weise aktiv und so sinnlos zerstört wird. Eine einzelne Plastikflasche kann ich recht einfach aufheben und angemessen entsorgen, auch wenn sie nicht von mir ist. Bei den Mengen wäre ich aber wohl einige Tage beschäftigt gewesen. Es erinnerte mich an einen Strand auf den Surin Inseln in Thailand.
![]() |
| Bei über 40°C im Schatten, wurde über den Freiluft-Trimmdich- Bereich ein Sonnensegel gespannt. |
| Redhead am Toten Meer. |
![]() |
| Meine Reisebegleitung auf von Salz überzogenen Steinen. |
| Blick nach Norden auf En Bokek kurz nach dem Sonnenuntergang. |
| Große Gruppen hatten die Nacht unter freiem Himmel am Strand verbracht und wachen gegen 6 Uhr langsam auf. |
Als die Sonne dann wieder hoch am Himmel stand und die 32°C schnell weiter nach oben trieb, gönnte ich mir zunächst ein reichhaltiges Frühstück und versuchte anschließend trotz Shabbat zur Festung Masada, ca. 15 km nördlich gelegen, zu kommen. Mehr dazu gibt es im nächsten Blogeintrag.
![]() |
| An dem Pavillon hing eine Temperaturanzeige: früh um 6 vor dem Sonnenaufgang waren bereits 32°C. |
| Noch liegen die meisten Touristen in ihren Hotelbetten... |
| ... einige nutzen früh um 6 aber auch die "milden" Temperaturen um zu baden und dabei den Sonnenaufgang über den Bergen in Jordanien zu bewundern. |
![]() |
| Das zeitige Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt! |







Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen