Montag, 17. September 2012

Einfach nur schön...

... war das Wochenende. Die Norweger haben schon eine super tolle Landschaft und sind ein Volk, das draußen zu Hause ist. Es ist hier aber auch einfach so viel Platz, dass man problemlos die Natur genießen kann, ohne auf andere Menschen und Zivilisation zu stoßen. Schließlich ist Norwegen etwa 30.000 km² größer als Deutschland aber hat nur ein sechzehntel der Einwohner. Wenn es nur nicht so kalt wäre... Wobei ich mich über das Wetter ganz und gar nicht beklagen kann. Geregnet hat es nur auf der Hinfahrt (drei Stunden für 180 km - in Norwegen kommt man einfach nicht vorwärts) und später dann nur noch zweimal leicht und kurz. Außerdem hatten wir keinen Frost, sondern ein wunderschönes Herbstwochenende.
Es begann Freitag kurz nach drei mit Stau in Trondheim. Ja, die Stadt hat keine 180.000 Einwohner, aber es gibt jeden Tag früh und nachmittags zwischen drei und vier eine Rushhour. Die Stadt hat ein Verkehrsproblem. Wir waren 16 Leute und sind in drei Autos gefahren. Ich wusste von zwei anderen Deutschen. Wie sich herausstellte, waren wir insgesamt fünf, was eine Quote von fast einem Drittel ergibt. Das Lustige: ohne es zu wissen stiegen wir alle in dasselbe Auto! Natürlich amüsierten sich die Norweger sogleich über das Tysk bil, wobei wir nur zwei Erasmusstudis waren. Die anderen drei wohnen schon zwei bis vier Jahre hier und sprechen fließend Norwegisch, so dass wir die Anzahl der 'Deutschen' relativieren sollten . Außerdem waren noch ein Spanier und zehn Norweger dabei, was sehr angenehm war. Zwar konnte ich den norwegischen Konversationen Großteils nicht folgen, aber es tat sehr gut sich mal unter die 'Einheimischen' zu mischen.
Da sich ein Auto (NICHT das Tysk bil!) auf dem Weg zur Bergbaustadt Røros verfahren hatte und wir mit den Kanus und allem länger brauchten, als ursprünglich geplant war, konnten wir am Abend erst kurz vor 20 Uhr starten, was dazu führte, dass wir den Großteil der Zeit am Freitag im Dunkeln paddelten. Mir fällt da spontan eine Person ein, die ihre helle Freude daran gehabt hätte, ohne etwas anderes als die Stirnlampen in den anderen Booten zu sehen auf einem schaukelnden Boot mitten auf dem Wasser zu sitzen. :) Ich fand es ein wenig schade, da man von der Landschaft natürlich nichts gesehen hat. Interessant war es auch den Lagerplatz im Dunkeln aufzuschlagen. Am Morgen sah alles irgendwie ganz anders aus.
Da es Freitag Nacht etwas später geworden war, kamen wir Samstag erst kurz vor 12 los. Dedüm... Im Hellen zu paddeln macht schon mehr Spaß. Samstag passierten wir keine großen Seen, sondern hauptsächlich kleine Seen, Flussläufe und die Timberslides. Zwischen den einzelnen Seen wurden vor langer Zeit wie kleine Kanäle gebaut, um das geschlagene Holz auf dem Wasserweg bis Røros oder weiter zu transportieren. Diese Wasserwege existieren noch heute und können auch für Kanus genutzt werden. Das Problem, das sich mit Kanus jedoch ergibt ist, dass Kanus unwesentlich breiter sind, als ein oder zwei Holzstämme nebeneinander. Da wir zudem einen recht niedrigen Wasserstand hatten, blieben wir im zweiten Timberslide stecken - jeder aus unserer Gruppe. Und jeder wurde mehr oder weniger nass. Variante 1: Du bleibst stecken und blockierst den Wasserfluss, so dass sich das Wasser hinter den Kanu anstaut und irgendwann von hinten ins Boot läuft bis der Druck so groß ist, dass du irgendwie weitergedrückt wirst. Variante 2:  Du versuchst dich konstant mit den Händen von den Rändern der Timberslide abzustoßen und gerätst dabei ein wenig in Schieflage, so dass das Wasser seitlich ins Boot eindringt. Wir 'wählten' Variante 2. Es hatte einen Grund, dass bei dem Tourtreffen vergangenen Montag immer wieder das "wasserdichte Packen" betont wurde. Meinen Rucksack konnte ich auswringen, aber innen war alles in großen, stabilen Tüten verpackt, die ihre Funktion erfüllten und Wechselsachen und Schlafsack trocken hielten. Die meisten Norweger hatten ohnehin eine Art Seesack, in der sie ihr Zeug verstaut hatten. Norweger haben ohnehin Outdoorequipment für alles!
Da die nächste Timberslide noch enger war, beschlossen wir dort die Kanus über den Landweg ins nächste breitere Gewässer zu befördern. Da ich dort beim Aussteigen wegrutschte und mit meinem linken Fuß kurzzeitig knietief im Wasser landete, wurde ich dabei aber nässer, als bei der vorherigen Timberslide. Trotzdem hatte ich noch Glück. Die Landestelle war nicht sonderlich gut zugänglich und sehr rutschig. Ein anderes Kanu kippte um, als die erste Person ausgestiegen war. Person zwei ging baden... Neben dem wasserdichten Packen hatten die Tourorganisatoren das Mitbringen von trockenen Wechselsachen betont. Hatte alles seinen Grund.
Der zweite Tag war auch landschaftlich der Abwechslungsreichste. Schön war es an allen Tagen. Tiere haben wir leider kaum gesehen. An den Bäumen entlang der Flüsse gab es immer mal Knabberspuren von Bibern zu bewundern und am Sonntag Vormittag konnten wir der Unterhaltung zweier Elche über den Fluss hinweg lauschen, auf dem wir entlangpaddelten. Wahrscheinlich beschwerten sie sich über die Zweibeiner auf dem Wasser. Gezeigt haben sie sich leider nicht, so dass wir lediglich ein paar Schwäne und andere Vögel direkt beobachten konnten - und natürlich die Mücken. Die kleinen gemeinen Biester kamen wie immer sehr nah.
Da es jetzt doch schon wieder viele Zeilen geworden sind, die dennoch nur ein sehr schwaches Abbild eines tollen Wochenendes geben können, will ich mich nur noch schnell für die Karte aus Dublin und die Einladung aus Jena bedanken und euch dann endlich die lang ersehnten Fotos zeigen.
Orientierungskarte.

Sonnenuntergang am ersten Abend als wir gestartet sind.

Hunger! :)

Das Camp Samstag früh.

Eine Campbewohnerin. ;)

Blick vom Lagerplatz aufs Wasser.

Eine Bootsfahrt die ist lustig, eine Bootsfahrt die ist schön...

Entlanggleiten auf dem Wasser.



Zu Beginn boten die Timberslides noch ausreichend Platz.

Nach der Kurve war auch wieder Zeit für Fotos.

Landgang statt Timberslide.

So still und friedlich.

Magische Reflektionen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen