... aber wenn man sich das in Paketform vorstellt und damit per Fahrrad von A nach B will, wird es einfach unhandlich.
Der Blick in den Briefkasten heute barg die lang ersehnte Benachrichtigung der Post, dass ein Paket für mich eingetroffen sei. Juhu :) Nun musste ich nur noch zur Post fahren und das Paket abholen. In Norwegen werden zwar immerhin Briefe direkt an die Adresse zugestellt (Bei den Briefkästen des Pflegeheims landen sie zwar ganz gern mal in dem für die falsche Etage, aber das ist wieder eine andere Geschichte.), aber Pakete muss man selbst von der Poststelle abholen. Mir war bewusst, dass es mit dem Fahrrad ohne Gepäckträger, Korb oder Ähnlichem schwierig werden könnte, aber um zur Post zu laufen hatte ich auch keine Lust. ^^ Irgendetwas würde mir schon einfallen - und ist es auch. Mit ein bisschen Vorsicht und Balancekunst hielt das Paket eingeklemmt zwischen Lenkerstange und meinem nach vorn gebeugten Oberkörper. Es war zwar schwierig die Bremsen zu fassen und zu einem Schulterblick konnte ich mich auch nicht mehr umdrehen, aber ich fuhr langsam und vornehmlich Nebenstraßen. :) Zurück im Pflegeheim konnte ich mich dann an dem Carepaket aus dem Osten mit vielen praktischen Dingen (ja, Schokolade ist auch sehr praktisch, wenn man Appetit auf etwas Süßes hat!) erfreuen. Vielen Dank an die lieben Paketsender!
In den nächsten Tagen werde ich wohl hauptsächlich frische Nahrungsmittel einkaufen müssen, aber auch das zu kaufende Obst wird in nächster Zeit abnehmen. Warum? Das lag an dem zweiten, ebenfalls angekündigten Brief, den ich heute für mich im Kasten fand. Zu Beginn meines Aufenthaltes hatte ich an einem Quiz des Studentenwerks teilgenommen, bei dem bis zu 5000 NOK Miete zu gewinnen waren. Habe ich natürlich nicht - dafür eine Fruit Subscription für das Semester. Konkret bedeutet das, dass ich jetzt noch eine Plastikarte mehr in meinem Portemonnaie habe, die mich dazu berechtigt mir an jedem Öffnungstag des SiT-Kiosks in der Uni von dort genau eine Frucht (Apfel, Banane, Kiwi oder Orange - etwas anderes habe ich dort noch nicht gesehen) kostenfrei mitzunehmen. Der Mensch freut sich.
Dann noch ein sehr aktuelles Problem: Das Internet hier ist sooooooooooooo langsam. Besonders am Abend, wenn wahrscheinlich jeder der im Pflegeheim untergebrachten 150 Erasmusstudenten surft, geht es oft nur im Schneckentempo voran und das ist - ich hätte es nie für möglich gehalten - langsamer als im Tal der Ahnungslosen zu Hause in Deutschland. Dabei hätte es mit der Zeit besser werden sollen. Als sich einige Bewohner in der ersten und zweiten Woche beschwert hatten, erhielten wir die Auskunft, dass das Netzwerk auf etwa 160 Menschen optimiert sei. Da zu diesem Zeitpunkt aber noch über 50 verzweifelte Studis in Roof over your Head, einer Art Notfallauffanglager für Leute ohne Wohnung, im Gebäude waren, vertröstete man uns damit, dass es kurzfristig zu Überlastungen kommen könne, aber die Roof over your Head Menschen schließlich nach und nach ausziehen und sich die Internetqualität dadurch verbessern würde. Gestern waren nur noch fünf Studis im Auffanglager. Die Internetverbindung heute ist so schlecht, dass er zum Löschen einer Mail schon mal das Wartesymbol anzeigt - für zehn Sekunden, für dreißig Sekunden, für eine Minute... Super Arbeiten! Die seit zwei Wochen versprochenen Toaster sind auch noch nicht in der Küche angekommen und die Heizungen müssen auch noch entlüftet werden, um im Winter nicht nur zu Anschauungsobjekten zu verkommen. Man arrangiert sich (notgedrungen) mit der Wohnsituation hier. Die (meisten) Leute sind in Ordnung und wenn es einem zu viel wird, geht man einfach mal wieder wandern und schläft in einem Zelt oder einer Hütte ohne fließendes Wasser oder Elektrizität. Interessant, dass der fehlende Komfort dort viel angenehmer ist als ein fehlender Toaster hier. Die Psychologie des Menschen ist und bleibt ein spannendes Forschungsfeld. :)
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