Montag, 10. September 2012

Styrkeløft...

... ist die norwegische Übersetzung von Kraftdreikampf, international auch bekannt als Powerlifting. Natürlich trainiere ich hier fleißig weiter und konnte in den letzten Wochen feststellen, dass es beim Training einige Parallelen aber auch Unterschiede zu Deutschland gibt.
Was ist gleich? Nun ja, 100kg in Deutschland sind genauso schwer wie 100kg in Norwegen. Eine wohl weniger überraschende Tatsache. Ebenfalls sind die Gespräche mit (vornehmlich) männlichen Vertretern unserer Spezies, die zufällig gerade am selben Gerät trainieren wie ich, in diversen Ländern sehr ähnlich. Nachdem ich mich beim Bankdrücken schon eine Zeitlang beobachtet gefühlt hatte und beim Blick ins Gesicht des Beobachters regelrecht spüren konnte, wie es dessen Kopf ratterte, fasste er sich schließlich ein Herz und fragte, ob ich das schon länger mache. Ganz unschuldig und unwissend auf was er hinaus will, fragte ich zurück: "Wie kommst du darauf?" "Du bist stark." Natürlich bedanke ich mich artig für das Kompliment. Später kommen in unterschiedlicher Reihenfolge üblicher Weise noch die Frage, wie viel ich denn maximal schaffe und die Beteuerungen seinerseits, dass er heute nur ein leichtes Training mache und ohnehin durch eine Erkältung oder ähnliches alles gerade sehr schwer sei. - Jungs, ihr müsst euch doch nicht rechtfertigen. Trainiert und habt Spaß dabei! Fühlt euch wohl in eurem Körper. Wettkampf- und Freizeitsport sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Die Unterschiede im Kraftsport zwischen Deutschland und Norwegen finde ich interessanter als die Parallelen. Muss ich in Deutschland 95% der Menschen erklären, was Kraftdreikampf/ Powerlifting ist, habe ich bisher noch keinen (!) Norweger und keine (!) Norwegerin getroffen, die mit dem Begriff Powerlifting nichts anfangen konnte. Dass die Wettkampfregeln nicht im Einzelnen bekannt sein mögen ist absolut nachvollziehbar (bei Volleyball kenne ich mich auch nicht im Detail aus), aber wenn bekannt ist, dass es sich bei Powerlifting um Kraftsport mit den Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben handelt, springt mein Dreikampfherz bereits freudig in die Höhe. In Deutschland können viele noch nicht einmal etwas mit dem Begriff Kreuzheben anfangen. Diese (traurige) Tatsache mag auch darin begründet liegen, dass der Fitnesstrend in Deutschland leider kein Training mit freien Langhanteln vorsieht. In Norwegen arbeiten so viele an den freien Langhanteln! Auch Frauen die Kreuzheben machen sehe ich bei jedem Training hier. Es sind im Fitnessbereich natürlich andere Gewichte, als wenn Wettkampfambitionen dahinter stehen, aber es ist ein Ganzkörpertraining an den freien Langhanteln! Die Skandinavier schneiden bei Europa- und Weltmeisterschaften nicht umsonst so gut ab. Die Hemmungen in den Sport einzusteigen sind offenbar wesentlich geringer und damit ist die Basis natürlich wesentlich breiter, was wiederum eine stabilere Spitze zur Folge hat.

Vom Kraftsport leite ich noch zwei weitere Themen ab, die ich heute kurz anreißen möchte. Zum Einen fällt mir gerade das Thema Kraftklub (ja, das erste Wort ist gleich ^^) ein. Kraftklub im Sinne der aus good old Karl-Marx-Town stammenden Band. Wie bekannt sein sollte, habe ich mit Musik nicht allzu viel am Hut, aber wenn es eine Musikgruppe aus meiner Heimatstadt deutschlandweit zu gewisser Bekanntheit bringt, habe ich davon zumindest schon mal gehört. Lustig wird das Ganze, wenn man dann in Norwegen ist und andere (deutsche) Austauschstudenten mit einem Beutel der Band durch die Gegend laufen sieht oder Leute aus dem Westen im meinem Alter (oder jünger) plötzlich Karl-Marx-Stadt kennen und ganz cool finden. Dass am Ende noch keiner von denen wirklich in der Stadt mit den drei 'o' gewesen ist, deklariere ich jetzt mal zur Nebensache. Immerhin wird über Chemnitz gesprochen - und dann auch noch in einer positiven Weise. Meines Erachtens ist das definitiv bessere Werbung für die Stadt als an der Autobahn aufgestellte Plakate mit zweifelhaftem Slogan...


Die zweite Sache die mir beim Sportthema eingefallen ist, betrifft meine Planung für das nächste Wochenende. Mit der Mitgliedschaft im universitären Sportverein NTNUi mit immerhin 12.000 Mitgliedern (!) kann man nicht nur die Trainingsräume nutzen und an verschiedenen Gruppenhüpfkursen (Aerobic, Bauch-Beine-Po, Spinning und wie sie alle heißen) teilnehmen, sondern sich auch den verschiedenen Untergruppen anschließen. Dies habe ich beispielsweise bei der Ski & Fjellsportgruppe getan und mit denen geht es nächstes Wochenende auf eine Kanutour entlang der nördlichen Ausläufer des Femundsmarka Nationalparks an der Grenze zu Schweden. Ihr kennt eure Aufgabe: Daumen drücken, damit es möglichst trocken bleibt. Gegen Frost kann man sich mit dicken Klamotten wappnen, aber wenn es die ganze Zeit regnet, muss ich leider meine Kamera im wasserdichten Beutel lassen und dann habt ihr nichts zum Anschauen. Es liegt also ganz in eurem Interesse, dass ich Bilderbuchwetter bekomme. :)

1 Kommentar:

  1. Ja bei so einenem interessanten Eintrag muß ich doch vorm Feierabend gleich noch einen Kommentar schreiben. Ich habe mehrfach schön gelacht!
    Es wundert also wirklich nicht das in Terni am 10.08. drei Skandinavierinnen jeweils den EM-Titel geholt haben und eine Norwegerin einen neuen Weltrekord aufgestellt hat.

    Versprochen: Werde Daumen drücken für schönes Wetter, wenn es die Arbeit erlaubt - regenfrei erhöht ja auch die Wahrscheinlichkeit keine Erkältung zu bekommen. :-)

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