Donnerstag, 19. März 2026

Rohes Ei und rohes Pferdefleisch...

 ... sind zwei der Dinge, die wir in japanischen Restaurants probiert haben. Nach einem Einblick in  Supermärkte und Bäckerein, will ich euch heute ein paar Aspekte zum Unterwegsessen erzählen, die uns aufgefallen sind. Zu Ramen, Udon und Somen hatte ich bereits einen separaten Eintrag verfasst. In hochpreisigen japanischen Restaurants waren wir mit den Kindern nicht. Ebensowenig in Sushi-Restaurants, da ich die Einzige aus der Familie war, die dieses wert geschätzt hätte. Insofern beziehen sich die folgenden Schilderungen auf Imbisse oder Restaurants im mittleren Preissegment. 

Lasst uns Essen gehen! :)
Einige Restaurants, besondern an touristisch frequentierten Orten wie bspw. in Einkaufszentren, stellen im Schaufenster häufig die angebotenen Speisen optisch durch Nachbildungen aus Plastik aus. So bekommen Interessierte einen ersten Eindruck der angebotenen Speisen und Getränke und sollen sich in das Restaurant gezogen fühlen. Einerseits fand ich die Idee dahinter touristenfreundlich, andererseits sprachen mich die künstlichen Essensnachbildungen nie an. Wir besuchten auch kein entpsrechendes Restaurant. 

Läuft einem da das Wasser im Munde zusammen?
Selbst Getränkenachbildungen gab es.

Was es bei traditionelleren Restaurants ebenso wie anderen Geschäften oder Onsen vor dem Eingang gibt sind von oben herabhängende Stoffvorhänge am Eingang. Diese heißen Noren. Noren haben verschiedene Funktionen. Zum Einen ist es ein Hinweis darauf, dass das Geschäft geöffnet ist und Kunden empfängt. Bei Schließung werden sie entsprechend traditionell abgenommen. Darüber hinaus dienen Noren als Werbung, indem sie den Namen und/ oder das Logo des Geschäfts zeigen und abschließend sollen sie vor Sonne, Wind, Staub und neugierigen Blicken schützen. Auch wenn es Noren wie oben erwähnt vor unterschiedlichen Arten von Geschäften geben soll, sind sie mir, neben der Markierung des Eingangs für Frauen oder Männer in Onsen, vor allem am Eingang von Restaurants aufgefallen, weshalb ich sie in der Restaurant-Kategorie mit aufgeführt habe. 

Noren vor einem rustikalen Restaurant. Nur durch die
Noren wurde ich auf den Laden aufmerksam.
Ein Verkaufsstand für Umegae Mochi, die leckeren
gegrillten Reisküchlein mit einer Füllung aus
 süßer roter Bohnenpaste
 in Dazaifu

Eingang zu einem Restaurant in Fukuoka, das auf 
Yakitori (gegrillte Hähnchenspieße) spezialisiert ist.

Ein weiteres optisches Hinweiselement auf ein geöffnetes Geschäft oft verbunden mit einladendem Werbeschriftzeichen sind die traditionellen Laternen in weiß oder rot. Sie werden Chochin genannt. Diese Laternen dienen als einladendes Zeichen und signalisieren den Gästen, dass sie willkommen sind und dass das Lokal geöffnet ist. Sie sind i.d.R. dauerhaft vor den Eingängen angebracht und werden typischerweise während der Betriebszeiten des jeweiligen Geschäfts beleuchtet, um auf das geöffnete Lokal hinzuweisen.
Diverse Chochin Laternen grüßen am 
Eingang zum Ramen Stadium in Canal
City in Fukuoka. 

Kommen wir nun zu einigen Dingen, die wir mit meinen japanischen Freunden gegessen haben. Wie der einleitende Satz des Beitrages es nahe legt gehörten dazu rohes Ei und rohes Pferdefleisch. Letzteres probierten wir im TenkaDori Nikushin, einem gemütlichen Izakaya in Fukuoka. Izakayas sind traditionelle japanische Kneipen, die für uns Europäer manchmal als "japanische Tapas-Bars" umschrieben werden, da sie ein beliebter Treffpunkt nach der Arbeit sind und verschiedene kleine Speisen wie gegrillte Hühnchenspieße (Yakitori) anbieten. Getrunken wird dazu bspw. Bier, Sake oder Highballs. Der klassische japanische Highball besteht nach meiner Recherche aus einem Teil Whisky, zwei Teilen Sodawasser und großen Eiswürfeln. Meine Freundin bestellte einen Mizuwari - einen Wasser-Whisky, d.h. ein Whisky wird mit stillem Wasser und Eis gestreckt wird, um ein großes Getränk zu haben, welches (auch) den Durst löscht. Mein Mann fand das etwas befremdlich und entschied sich für ein anderes Getränk.

Ich beschränkte mich bei den Getränken wie immer auf die Non-Alkoholika. Bei der Speisenauswahl probierte ich mich jedoch munter durch und vertraute großteils auf die Vorschläge unserer japanischen Freunde. Bei einer Sache fragten sie jedoch vor dem Bestellen nach, ob wir dies probieren wollten: rohes Pferdefleisch. Pferdefleisch bekommt man auch in Deutschland und wenn es frisch ist, sehe ich keinen Grund es nicht roh zu verspeisen. Also stimmte ich der Bestellung ohne Bedenken zu. Auf die erwartungsvollen Blicke und die Frage, wie ich es fände, antwortete ich kurz und bündig "kalt". Tatsächlich war das Fleisch primär kalt und hob mich weder positiv noch negativ an. Unsere japanischen Freunde bestätigten nach einem irritierten Blick auf meine Antwort und einem Probierstück meine Einschätzung und meinten, dass es normalerweise nicht so kalt sein sollte. Da schien wohl in der Küche etwas schief gelaufen zu sein. 

Rohes Pferdefleisch mit rohem Gemüse.
Man kann zuschauen, wie die Yakitori (gegrillte 
Hähnchenspieße) im 
Izakayazubereitet werden.
Ein klassisches, schnelles und beliebtes, da nahrhaftes und leckeres aber gleichzeitig günstiges Gericht probierte ich an unserem letzten Tag in Fukuoka kurz vor dem Rückflug, da unsere Freunde meinten, dass das auch etwas sehr typisches sei: Gyudon mit einen rohen Eigelb, welches vor dem Essen unter den heißen Reis gemischt wird. In Deutschland schlürfe ich zwar keine rohen Eier, aber in Steak Tatar bspw. nutzen wir ebenfalls rohes Ei und essen dies (zusammen mit rohem Rindfleisch), so dass mir das weit weniger ungewohnt vorkam, als unsere japanischen Freunde erwartet hatten. Was ich im Sinne von Lebensmittelverschwendung schade fand: Beim Bestellen bekam man das rohe Ei in der Schale mitgegeben und muss dieses dann selbst aufschlagen und aufs Essen machen. Das nicht genutzte Eiweiß ging einfach (als Abfall) zurück in die Küche.  

Ein anderes, traditionelles und für uns sehr spannendes Restauranterlebnis hatten wir im Südosten des Vulkan Mt. Aso. Das Lokal Torisumibiyaki Rakudayama in Takamori ist spezialisiert auf über Holzkohle gegrilltem Hühnerfleisch. Gesessen und gegessen wird dabei an einem Irori, einer in den Boden eingelassenen Feuerstelle. Beim Betreten des Restaurants zieht man sich im Genkan die Schuhe aus und tritt dann eine kleine Stufe hinauf in den Gastraum. Dies war ein großer offener Raum mit Holzfußboden. In gleichmäßigen Abständen gab es im Boden kleine Feuerstellen und um diese Feuerstellen ringsum war ein leicht erhöhter Holz"tisch". Wir kamen am zeitigen Nachmittag an und so war kaum etwas los im Restaurant. Die nette Bedienung geleitete uns zu einer Feuerstelle und brachte dann aus der Mitte des Raumes, wo glühende Kohle in einer Sandmulde lagerte, einige glühende Kohlestücken und ein Metallgitter für unseren Platz. Wir bestellten zwei Grillplatten, bestehend aus rohem Huhn, rohem Gemüse, Reis, Miso-Suppe und eingelegtem Gemüse sowie zwei Eiern. Unsere Speisen bereiteten wir selbst direkt am "Tisch" auf dem Grillrost zu. Die Eier unterzogen wir dem Drehtest und stellten fest, dass diese roh waren. Sollten wir diese auf den Grill legen und so kochen? Natürlich nicht! Für die Eier suchte man sich die größten Weißkohlblätter vom Gemüseteller raus, legte diese auf das Grillrost und schlug dann das Ei darüber auf, damit es zu einer Art Spiegelei stocken konnte. Alles schmeckte gut und insgesamt war es ein tolles Erlebnis!

Blick in den Gastraum.

Blick auf unseren Grill/ Tisch.

In dem eben beschriebenen Hühnchenrestaurant kann man super essen, entspannen und quatschen, wenn man in einer kleinen Gruppe um das Feuer sitzt. Im hektischen Großstadtalltag herrscht ein anderes Flair in vielen Imbissen vor. Unterwegs zu essen ist normal in Japan - auch wenn man allein ist und Einsamkeit ist in der modernen japanischen (Großstadt-)Gesellschaft nicht selten. Damit man sich beim Essen nicht einen großen Tisch mit Fremden teilen und vielleicht sogar noch ein Gespräch anfangen muss, gibt es in vielen Restaurants Einzelplätze - gern in Richtung Wand blickend und manchmal sogar mit Trennwänden zwischen den einzelnen Plätzen. So sahen wir dann einige Japaner ihr Essen hinunterschlingen, während sie parallel auf dem Handy scrollten. Aus unserer Perspektive sah es irgendwie traurig. aus. 

Bitte lass mich beim Essen in Ruhe!

In Deutschland muss man für Getränke im Restaurant bezahlen - auch für stilles Wasser. In einigen anderen Ländern ist es üblich Wasser einfach so zum Essen dazu zu bekommen. So auch in Japan. Stilles Wasser konnte man immer erfragen, wenn es nicht ohnehin direkt zum Tisch gebracht worde - oder man holte es sich selbst an einem Automaten. Neben kaltem Wasser gab es manchmal noch heißes Wasser oder grünen Tee zur Auswahl. 

Wenngleich mich kostenfreies Wasser nicht verwunderte und auch der kostenfreie grüne Tee im Rahmen meiner Vorstellungskraft lag, war ich über eine weitere kostenfreie Ausgabe dann doch erstaunt und vom System etwas fasziniert: In einem Imbiss, in dem wir waren, beobachtete ich, wie andere Gäste mit ihren leeren Reisschüsseln zu einer Reis-Nachfüllstation gingen und mit vollen Schüsseln zu ihrem Platz zurückkehrten. Es war eine relativ große Maschine unter die man seine Reisschüssel stellte, dann die Portionsgröße auswählte, die man gern noch essen würde und schon fiel gekochter Reis im gewünschten Umfang von oben in die Schüssel. Faszinierend. 

Hier konnte man sich kostenfrei kaltes
oder heißes Wasser sowie grünen Tee holen.
Kostenfreies Reis nachfüllen. 

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