Donnerstag, 26. März 2026

Ein Auto in Japan...

 ... zu mieten mag zunächst nicht die naheliegenste Option zu sein. Ein Land, das für perfekte Zugverbindungen bekannt ist – und wir setzen uns freiwillig ans Steuer im Linksverkehr. Da wir allerdings sehr gern abseits der großen Städte und Touristenströme unterwegs sind und mit Kindern gleichzeitig noch flexibel und  bequem (schließlich hatten wir Urlaub!) reisen möchten, hatte ich eingeplant beim Verlassen von Kumamoto vom ÖPNV auf Individualverkehr umzusteigen. Zumal ein Erleben unterschiedlicher Verkehrsmittel auch unterschiedliche Eindrücke der jeweiligen Kultur vermittelt. 

Die erste Herausforderung, wenn man als Ausländerin ein Auto in Japan mieten möchte, besteht darin, einen entsprechenden Führerschein vorweisen zu können. In der EU gilt unser EU Führerschein. Total entspannt. In den USA oder Neuseeland hieß es, dass man unbedingt einen internationalen Führerschein haben muss, weshalb wir stets das nur für  max. 3 Jahre gültige Papierheft beantragten, welches meist allerdings nicht interessierte. Lief auch entspannt. Für Japan hatte ich mich zum Glück vor der Beantragung des internationalen Führerscheins belesen: Der in Deutschland übliche internationale Führerschein nach dem Abkommen von 1968 wird in Japan nicht anerkannt. Warum?! Als deutsche Touristen benötigt man in Japan vor der Anmietung eines Mietwagens eine offizielle Übersetzung des heimischen Führerscheins durch die Japan Automobile Federation (JAF). Dort bekommt man die anerkannte japanische Übersetzung des deutschen Führerscheins. Wie man an diese Übersetzung kommt? Wir leben im 21. Jhd., also könnte man meinen, man scannt seinen deutschen Führerschein ein, schickt diesen elektronisch an die JAF bekommt gegen eine Gebühr entweder direkt eine Übersetzung zugesendet oder holt sich diese etwas umständlicher bei Ankunft vor Ort ab. Alles noch viel zu einfach gedacht. Entweder erledigt man es in Japan bei der JAF nach Ankunft im Land, muss dann aber die entsprechende Zeit für die Beantragung und Bearbeitung einplanen oder nutzt den Service des ADAC Südbayerns, der sich diese Dienstleistung aber auch mit 70€ pro Übersetzung vergolden lässt. Dazu kommt, dass der ADAC für die Beantragung deinen Führerschein im Original benötigt. D.h. man müsste vor der Reise für ca. 2 Wochen je nach Postlaufzeiten und Bearbeitungsdauern ohne seinen deutschen Führerschein auskommen. Schwierig. 
Wie haben wir die Problematik am Ende gelöst: Es ist toll und hilfreich eine japanische Freundin zu haben! Meine japanische Freundin ist vor unserer Ankunft mit einem Scan meines Führerscheins (ja, bei direkter Beantragung vor Ort in Japan reicht wiederum ein Scan!!) zur JAF in Fukuoka gegangen und hat für umgerechnet ca. 25€ eine Übersetzung beantragt und ein paar Tage später abgeholt. Dieses Papier musste ich dann bei der Mietwagenausleihe zusammen mit meinem deutschen Führerschein auch vorzeigen. 

Ein kleiner Streifenwagen für den lokalen Einsatz
im klassisch japanischen Kastenautodesign.
Schild in der Autovermietung: keine unfallfreien Tage.
In Fukuoka konnten die Fahrbahnen auch mal 
mehrere Etagen haben. Trotzdem fuhr es sich entspannt.
Soviel zum Vorgeplänkel, bevor wir es überhaupt zum Mietwagenverleih geschafft haben. Auf Kyushu gibt es einige große und ein paar kleinere Ketten von Autovermietern und ich entschied mich wie meist nach einer Mischung aus Preis und Bewertung. Für 8 Tage Mietauto bei Abholung in Kumamoto und Rückgabe in Fukuoka inkl. zwei Kindersitze zahlten wir rund 585€. Für fünf Tage auf der Insel Miyakojima, wo wir ein noch etwas kleineres Auto von einer Privatperson mit Nebenerwerb mieteten, zahlten wir lediglich 156€. Die Übergabe in Kumamoto zog sich in die Länge. Alle Dokumente wurden im Detail geprüft, ich musste mir ein Video mit grundlegenden Verkehrsregeln anschauen und bestätigen und auch wenn wir am Hauptbahnhof in einer Großstadt bei einer Kette das Auto in Empfang nahmen, war das Englisch der Mitarbeitenden teils sehr rudimentär. Dass ich für JEDE Nacht bis zur Rückgabe des Autos unseren Übernachtungsort inkl. Telefonnummer in das Mietformular eintragen musste, beschleunigte den Prozess nicht gerade. Was wäre gewesen, wenn ich nicht schon alle Nächte vorgebucht hätte? Während ich mehr oder minder geduldig die Formulare ausfüllte, bemühte sich mein Mann die Kinder bei Laune zu halten und lachte über eine gut sichtbar aufgehängte Tafel im Wartebereich der Mietwagenstation. Darauf war das aktuelle Datum zu sehen, wie viele Unfälle es in diesem und letztem Monat bereits gegeben hatte und wieviele Tage am Stück unfallfrei geblieben waren. Die Anzahl an unfallfreien Tagen betrug null und auch im Vormonat hatte es insgesamt 35 Unfälle gegeben. Die Statistik sollte sicherlich abschrecken und zur Vorsicht mahnen. Etwas befremdlich erschien sie uns dennoch. Insgesamt erlebten wir die Japaner als total entspannte Autofahrer:innen. Natürlich stresst Großstadtverkehr mehr, als ein Gleiten über Landstraßen, aber überall erlebten wir die Japaner:innan als sehr rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmer:innen. Die Höchstgeschwindigkeiten in der Stadt betragen meist eine 40km/h, überland 50-60 km/h und auf den mautpflichtigen Autobahnen Kyushus ist die offizielle Höchstgeschwindigkeit 80km/h. (Auf anderen Autobahnen sei die Höchstgeschwindkeit wohl 100km/h.) Auch wenn ich zu Beginn befürchtete, dass wir mit diesen niedrigen Geschwindigkeiten kaum vorankommen würden, muss ich zugeben, dass dieses entschleunigende Fahren sehr angenehm war - zumindest, da wir Urlaub hatten und ich als Fahrerin so etwas mehr Zeit hatte, die Umgebung in mich aufzusaugen. Möchte man schnell irgendwo hin, sollte man den Shinkansen nehmen.  

Was ins Bild des entspannt fahrenden Japaners und der Respektbezeugung gegenüber Älteren passt ist, dass es in Supermärkten und Drogerien bunte Aufkleber gibt, die entfernt an ein vierblättriges Kleeblatt erinnern. Das sind Aufkleber für Seniorenfahrer:innen. Die kann man sich auf sein Auto kleben, um so die Verkehrsteilnehmer:innen um sich herum darauf hinzuweisen, dass die Person am Steuer möglicherweise langsamer reagiert oder zusätzliche Zeit und Platz benötigt. Sie fördern Rücksichtnahme und Geduld im Straßenverkehr. Ab einem Alter von 75 Jahren sollen die Aufkleber dem Internet nach sogar Pflicht sein. Man stelle sich dies in Deutschland vor. 

Dieser ältere Herr hat es vielleicht ein bisschen über-
trieben mit den Aufklebern für Senor:innen.

Wir hatten zwar einen kleinen Mietwagen genommen, aber leider keines dieser typisch japanischen Kastenautos, die von außen fast wie ein Spielzeug wirken. Gemeint sind die sogenannten Kei-Cars – eine eigene Fahrzeugklasse in Japan, geregelt unter anderem vom Japanese kei car regulations. Diese Kastenautos sind maximal effizient gedacht: klein, schmal, wenig Hubraum – aber innen wohl erstaunlich geräumig. Sie eignen sich sowohl in Städten, in denen Platz notorisch knapp ist, als auch in bergigen Regionen (z.B. um Mt. Aso), wo die Straßen relativ schmal und Kurven eng sind. Vielleicht fahren wir bei unserem nächsten Japan-Besuch solch ein Auto. 

Durch die mobilen Kartendienste eines großen amerikanischen Unternehmens kamen wir problemlos immer dort an, wo wir hin wollten. Dennoch hilfreich auf den wenigen Autobahnkreuzen, auf denen wir waren, fand ich eine Farbcodierung sowohl an der Beschilderung, als auch passend dazu auf die jeweilige Straßenspur aufgemalt. So fällt es nochmal leichter, sich in die passende Spur einzuordnen.  

Farbliche Markierungen auf den Hinweistafeln und
der Fahrbahn helfen bei der Orientierung.

Sehr oft mussten wir nicht tanken. Die paar Mal, die wir es doch taten, befüllten wir das Auto entweder selbst und zahlten an der Zapfsäule oder es wurde für uns getankt. Bei letzterem bekamen wir vom Tankwart zunächst etwas über unseren Seitenspiegel gehängt, so dass dieser seine Funktion verlor und man darauf hingewiesen wurde, dass aktuell der Tankvorgang läuft und man nicht einfach wegfahren soll.  

Ein am Seitenspiegel befestigtes Hinweis-
schild an einer japanischen Tankstelle.
Es signalisiert,
dass der Tankvorgang aktuell im Gange ist, welcher
Kraftstoff eingefüllt werden soll und dass der
Motor auszumachen ist. 

Ein letzter Aspekt, den ich heute aufgreifen möchte ist der, dass wir auf Kyushu viel stärker als in Deutschland Hangbefestigungen am Rand der Straße gesehen haben. Wir fragten uns, ob dies aus Sicherheitsgründen gegen leichte Erdbeben sein könnte, haben diese Vermutung jedoch weder verifizieren noch falsifizieren können. 

Im nächsten Blogbeitrag nehme ich euch dann wieder mit auf die Reise - all die Orte, die wir mit dem Mietauto entdeckt haben. Von Kumamoto fuhren wir zunächst gen Osten nach Yamato. 

Solche Schneißen waren selten, aber kamen vor.
Das Bild zeigt große, netzartige strukturierte 
Betonstützmauer, die den Hang befestigen sollen.
Es handelt sich um eine sogenannte "Grid-Frame"-
Stützkonstruktion zur Hangsicherung. Mäßig hübsch.

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