Samstag, 28. März 2026

Aquädukt, Wasserfall, Bambuswald und Reisterassen...

 ... grüßten uns, als wir den Großstadtbereich verließen und in Richtung ländliches Kyūshū fuhren. Nachdem wir das Dinosauriermuseum von Mifune angeschaut hatten, folgten wir der Hauptstraße gen Osten bis nach Yamato. 

Die  Kleinstadt Yamato auf Kyūshū ist eine ländliche Gemeinde in der Präfektur Kumamoto, gelegen am südlichen Rand der Caldera vom Vulkan Aso. Die Gegend ist bekannt für ökologischen Landbau, die historische Tsujunkyo-Brücke und ihre bergige Landschaft
. Aufmerksam geworden bin ich bei den Reisevorbereitungen auf die Gegend durch die Tsujunkyo-Brücke aus der Mitte des 19. Jh.. Die Brücke ist ein steinernes Aquädukt (das größte Japans) und wurde errichtet, um Wasser zur Bewässerung der landwirtschaftlich trockenen Shiraito-Hochebene zu leiten. Bei Touristen beliebt ist das Steinbogenaquädukt, da zum rausspülen von Sand und anderen Ablagerungen regelmäßig 13 Uhr für eine knappe halbe Stunde Wasser aus dem Sasahara Fluss zu beiden Seiten der Brücke hinab in den Gorokataki Fluss stürzt, was den Bildern nach zu urteilen ziemlich spektakulär aussieht. Wir erreichten die Tsujun Brücke erst am späteren Nachmittag gegen vier und ohne die Wasserfontäne ist es eine schicke, gut 20 Meter hohe und knapp 76 Meter lange, Steinbogenbrücke umgeben von Reisfeldern und Bäumen, aber nichts super besonderes. Technisch beeindruckt das Aquädukt mit der Funktionsweise eines umgekehrten Syphons, wobei Wasser zunächst bergab durch ein Rohr geleitet und anschließend durch den entstehenden Druck wieder nach oben gedrückt wird.  

Reisfelder, Landschaftspark und Tsujunkyo-Brücke.

Betrachtete man die Brücke nicht aus dem Tal, sondern nähert sich durch den Wald dem Brückenkopf, lief man durch einen interessanten Mischwald. Zwischen einigen Nadelbäumen wuchs sehr viel Bambus - ebenso hoch wie die Bäume. Den Bambuswald fand ich sehr spannend. Wir sahen später noch häufiger Bambuswälder, aber beim ersten Mal ist es meist besonders beeindruckend und so empfand ich es an diesem Ort, zumal wir die einzigen Besucher in der Gegend waren. Der Bambus in der Gegend reichte von kleinen Pflanzen in Hüfthöhe (Bambus gehört schließlich zur Familie der Süßgräser.) bis zu mehere Meter hohen verholzten Pflanzen. 

Starke Redhead! 
Eine andere Waldatmosphäre als im europäischen
Mischwald. 

Ein entspannter Spaziergang durch den Wald.
Der Gorogataki Wasserfall.
Die Gorogataki Hängebrücke.

Vom Brückenkopf war es auch nicht weit bis zum Gorogataki Wasserfall. Gorogataki ist mit rund 50 Meter Fallhöhe der höchste Wasserfall in Yamato und über einen schönen Waldweg zu erreichen. Über die Schlucht führ zudem eine Hängebrücke. Viele spannende Dinge zum Entdecken mit Kindern. Bis wir wieder beim Auto waren zeigte die Uhr schon fast 18 Uhr, weshalb wir uns auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft, der Bar El Campo, mitten im Nirgendwo am Rande einer Straße unweit des Gokase Flusses machten. Im Winter kann man in dieser Gegend wohl Ski fahren. Irgendwo hatte ich gelesen, dass es das südlichste Skigebiet Japans sei. Davon bekamen wir Anfang April zwar nichts mit, aber urig gemütlich war es in der Holzhütte allemal! Zum ersten Mal auf unserer Japanreise schliefen wir in der Unterkunft auf Futons, welche im Dachgeschoss des Hauses auf dem Boden ausgebreitet waren. Gerade mit Kindern sind Futonübernachtungen natürlich super. Abenteuer auf niedriger Höhe. 

Unsere Unterkunft in der Nähe von Gokase.
Einmal Erdgeschoss und... 
... einmal Obergeschoss.

Am nächsten Tag von Gokase nach Takachiho hielten wir an den Tokubetto Reisterassen. Fotos von Reisterassenlandschaften faszinieren mich schon länger und auch, wenn es auf Kyūshū keine endlos großen Reisterassen gibt, wie man es auf Bildern von Indonesien oder den Philipinen bspw. sehen kann, so wollte ich mir gern selbst ein Bild von dieser Landwirtschaftskultur in Japan machen. Reisterassen zeigen meiner Meinung nach eindrucksvoll, wie Menschen über Jahrhunderte hinweg Landschaften geformt haben, um Nahrung auch in bergigen Regionen anzubauen. In den terrassenförmig angelegten Feldern wird Wasser gehalten und gleichmäßig verteilt – eine Voraussetzung für den Nassreisanbau. Je nach Jahreszeit verändern sich die Farben dieser Landschaften: spiegelnde Wasserflächen im Frühjahr, sattes Grün im Sommer und goldene Erntefelder im Herbst. Wir erwischten die Zeit im Frühjahr bevor das Wasser auf die Felder geleitet wird, weshalb wir nur die nicht ganz so spektakuäre, trockene Erde der Terassen vor uns sahen. Wir hatten trotzdem eine unvergessliche Zeit mit viel Spaß - besonders auch auf den abenteuerlichen Zu- und Abfahrtswegen auf denen ich dankbar für unser kleines, kompaktes Auto und nahezu keinen Gegenverkehr war. 

Redhead an den Tokubetto Reisterassen.
Von dort war es nur noch ein Katzensprung nach
Takachiho. Davon erzähle ich im nächsten Eintrag.

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