Montag, 9. März 2026

Eine beheizte Klobrille...

 ... stellt nur eine der Annehmlichkeiten japanischer Standardtoiletten dar. Tatsächlich hört man als deutsche Person, die sich für eine Reise nach Japan interessiert, sehr schnell von Japans futuristisch anmutenden Toiletten. Für viele Reisende aus Deutschland wird der Besuch einer japanischen Toilette zu einem kleinen Kulturerlebnis – zu einem ziemlich angenehmen, an das wir uns schnell gewöhnt hatten.

Natürlich musste ich die sagenumwobenen japanischen Toiletten direkt nach unserer Landung am Flughafen in Fukuoka ausprobieren. Bereits beim Weg zu einer öffentlichen Toilette in einem Flughafen oder auch einem (S-)Bahnhof fühlte ich mich stets sehr gut aufgehoben. Durch Farbcodierungen, Piktogramme und meist sowohl japanische als auch lateinische Schriftzeichen wurde der Weg gewiesen zu dem Toilettenbereich für Frauen oder Männer oder auch zur Behindertentoilette oder einem extra Bereich für Eltern-Kinder/ Wickel- und Stillbereich/ non binäre Personen. Alle Toilettenbereich waren stets sauber und selbstverständlich kostenfrei nutzbar (auch im Park oder an einer Raststätte - wobei dort, absolut ausreichend, meist nur klassisch ohne Farbcodierung zwischen Männern und Frauen getrennte Bereiche ausgewiesen waren). 

In vielen, nicht allen, öffentlichen Toiletten zumindest bei den Frauen und natürlich im Eltern-Kind Bereich, gab es an der Wand einen verschraubten Kindersitz, ähnlich dem Hochstuhl für ein kleines Kind beim Essen. Darüber hatte ich in Deutschland nie nachdedacht, aber an sich eine super praktische Sache: wenn man mit einem krabbelnden oder gerade so laufenden Kind allein, aber vielleicht ohne Kinderwagen in dem man den Nachwuchs festschnallen kann, unterwegs ist, und nicht möchte, dass das Kind auf der öffentlichen Toilette auf dem Boden rumkriecht, kann man das Kleinkind kurz in diesem Sitz parken, während man selbst sein Geschäft verrichtet. Super Sache! 
Auf einigen öffentlichen Toiletten gab es auch extra kleine Kindertoiletten. Am Flughafen sah ich sogar zweimal (bei den Frauen) für die jungen Herren ein Kinder-Urinal, welches tiefer hing und aufgezeichnete Entenfüße zeigten auf, wie man(n) davor stehen sollte. Knuffig. 

Toilettenbereich am Flughafen Fukuoka.
Toilette für die Großen, Parksitz für die Kleinen.
Ein ganz normaler Wickel- und Rückzugsbereich
für Mamas oder Papas mit den ganz Kleinen.
Urinal mit Entenfüßen für einen sicheren Stand. ^^
 Kommen wir nun zur Technik. Die ersten paar Mal auf einer japanischen Toilette fühlte ich mich wie ein kleines Kind, das nach und nach immer mehr Knöpfe und Funktionen ausprobierte. Die allermeisten Toiletten verfügen über Funktionen, die in Deutschland nicht verbreitet sind. Der Sitz ist in 99% der Fälle beheizt, was besonders in der kälteren Jahreszeit mega angenehm ist. In einer Unterkunft bei unserer Rundreise hatten wir einen unbeheizten Toilettensitz. Wie barbarisch! 
Entweder an der Wand oder direkt neben der Klobrille gibt es ein Bedienfeld mit mindestens sechs Tasten/ Schaltern. Per Knopfdruck startet bspw. eine Bidet-Funktion, bei der ein Wasserstrahl zur Reinigung verwendet wird. Dabei fährt ein "Zauberstab" von hinten vor und sprizt einen dann untenrum sauber. Meist lässt sich sogar einstellen, wie stark der Wasserstrahl sein soll und an welcher Position er trifft (Po oder weiter vorn). Manche Toiletten bieten zusätzlich eine Warmluftfunktion zum Trocknen.

Ein Detail, das einige Reisende zunächst irritiert, ist eine Taste, die künstliche Spül- oder Wassergeräusche abspielt. Diese Funktion dient dazu, Geräusche zu überdecken und sorgt für mehr Diskretion, damit beim Toilettengang entstehende Körpergeräusche überdeckt werden. Die Lautstärke ist selbstverständlich ebenfalls einstellbar. Ich war von der Geräuschetaste mit dem Piktogramm einer doppelten Achtelnote allerdings enttäuscht. Zu Beginn dachte ich, die Toilette würde Musik abspielen. Als ich dann mitbekam, dass es nur Spülgeräusche sind war ich etwas unzufrieden. 

Nach all den Vorzügen japanischer Toiletten sei jedoch auch auf einen Nachteil hingewiesen. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass man die Säuberung selbst durch einen Wasserstrahl erledigen lassen kann oder ob es keinen ursächlichen Grund hat, aber das Toilettenpapier in Japan ist super dünn. Es gibt kein mehrlagiges, super soft Toilettenpapier wie in Deutschland. Wenn man also Papier nutzen möchte zum abwischen, braucht man viel, um sich selbst mehrere Lagen herzustellen. 
Ähnliches gilt für Papiertaschentücher. Sollte auf dem Flug nach Japan noch Platz im Gepäck sein: nehmt eine Großpackung Papiertaschentücher mit. Rückzu kann der dann freie Platz super für Souvenire genutzt werden. ^^

Zurück zur öffentlichen japanischen Toilette und einer weiteren Besonderheit (aus deutscher Sicht). Diese betrifft das Händewaschen danach. In öffentlichen Toiletten gibt es kein Papier und keine Handtrockner. Stattdessen ist es üblich, dass man sein eigenes kleines Handtuch dabeihat, um sich nach dem Händewaschen die Hände abzutrocknen. Viele Japaner tragen dafür ein kleines Handtuch in der Tasche oder im Rucksack. Wir assimilierten uns natürlich nach den ersten zwei Tagen. 

Überfordert? Sind doch nur ein paar Knöpfe!
Klassischer Anblick einer öffentlichen
Toilettenkabine in Japan.
Wechseln wir von öffentlichen Toiletten zu den privaten zu Hause oder in Ferienunterkünften. Auch hier gibt es manchmal eine Besonderheit hinsichtlich des Händewaschens. Manchmal entdeckt man nämlich eine sehr praktische Konstruktion: ein Waschbecken direkt über dem Spülkasten der Toilette. Nachdem man die Toilette gespült hat, fließt frisches Wasser aus einem kleinen Hahn in ein Mini-Waschbecken direkt oberhalb des Spülkastens. Dort kann man sich die Hände waschen, und das Wasser läuft anschließend in den Spülkasten und wird für die nächste Spülung verwendet. Das spart Wasser und niemand hat die Ausrede das Händewaschen vergessen zu haben. 

Toilette mit integriertem Waschbecken
oberhalb des Spülbeckens.
Im Privathaus eines liebevollen älteren
Ehepaars: Toilettenpapier im Omi-Stil
geschützt und nebenan das moderne 
Bedienpanel der State-of-the-Art Kloschüssel.

In Wohnungen oder auch Ferienunterkünften ist es nicht unüblich extra Toilettenschuhe zu haben. Ja, richtig gelesen! Zunächst einmal zieht man sich in Japan die Schuhe aus, wenn man in eine (Ferien-)Wohnung kommt und läuft nicht mit Straßenschuhen durch die Wohnung. Das ist in Deutschland ebenso üblich. In Japan beginnt jede (Ferien-)wohnung oder Hotelzimmer daher jedoch mit einem ca. 1x1 Meter großen Bereich hinter der Tür, welcher meist eine Stufe tiefer als der restliche Wohnbereich liegt. Diese physische Grenze trennt den „schmutzigen“ Außenbereich vom „sauberen“ Innenbereich und wird "Genkan" genannt. Hier werden die Straßenschuhe ausgezogen und entweder schlüpft man dann in ein paar Slipper für den Wohnbereich oder läuft direkt barfuß oder auf Socken weiter. Tatami-Räume (dazu mehr in einem späteren Beitrag) betritt man generell nur barfuß oder mit Socken. 
Kommen wir zurück zu den Toilettenschuhen. Die Idee ist es also den Wohnbereich nicht mit dem Dreck der Straße zu verunreinigen, da man in Japan traditionell ja auch noch häufig auf dem Boden sitzt und sich aufhält. Ebenso eklig wie Straßendreck könnte der Fußboden rings um eine Toilette aussehen, wenn man bspw. davon ausgeht, dass hin und wieder etwas daneben geht. Deshalb gibt es für den Toilettenbereich extra Schuhe, die nur im Toilettenraum getragen werden. Gott bewahre, man vergisst beim Verlassen des Toilettenbereichs, dass man noch die Toilettenschuhe trägt und tritt damit in den allgemeinen Wohnbereich! 

Soviel zu japanischen Toiletten. Die beheizte Variante mit vielen Knöpfen für Wasch- und Geräuschefunktion ist wirklich der Standard heutzutage. Nur einmal am Rande eines Parkplatzes beim Totoro Wald auf der Itoshima Halbinsel trafen wir auf eine traditionelle Hocktoilette. Abschließen möchte ich mit einem Feature, welches nach meiner japanischen Freundin, die geldbeutelstrapazierende Luxusvariante darstellt: das automatische Öffnen des Toilettendeckels ohne ihn zu berühren. Einmal erlebten wir das in einem traditionellen Ryokan - und einmal auf der Besuchertoilette eines Schreins am Waldrand. 


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