... waren deutlich verbreiteter, als ich gedacht hätte. Tatsächlich erwartete ich kaum nennenswert frisches Brot im Land der aufgehenden Sonne. Beim Ausflug zur Itoshima Halbinsel mit unseren Freunden schlug meine Freundin unerwartet vor, dass wir Mittags zu einer Bäckerei fahren und dort Mittagessen könnten. Ich war dankbar für Input und rückblickend war es sehr vorteilhaft zum einen zu wissen, dass es diverse Bäckerein gab und auch beim ersten Besuch in einer solchen jemanden dabei zu haben, die uns erklärte, wie der Verhaltenscodex in japanischen Bäckerein ist.
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| Überschaubare Bäckereipräsentation in einem Einkaufs- zentrum in Kumamoto. |
Brot kam relativ spät nach Japan. Die ersten Kontakte scheinen auf das 16. Jahrhundert zurückzugehen, als portugiesische Händler und Missionare Brot nach Japan brachten. Das portugiesische Wort pão entwickelte sich im Japanischen zum Begriff pan. Trotzdem blieb Brot lange eine exotische Speise. Die traditionelle japanische Ernährung basierte fast ausschließlich auf Reis. Durch die Verwendung in Soldatenrationen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und besonders durch Weizenimporte aufgrund von Lebensmittelknappheit nach dem zweiten Weltkrieg gewannen Getreidebackwaren jedoch zunehmend an Bekanntheit und Bedeutung.
Japanische Backwaren unterscheiden sich dennoch stark von deutschen. Sie sind meist weich und leicht süß, während deutsche Brote oft dunkler und säuerlicher sind. Einer Art Roggenbrot begegneten wir in Japan bspw. nicht. Allgemein war reines Brot tatsächlich selten. Es gab stets (auch in jedem Supermarkt) babbiges Toastbrot und häufig auch Baguette. Letzteres war unsere sichere Bank als Grundnahrungsmittel für unser jüngeres, essenstechnisch etwas mäkeliges Kind. In den Bäckerein wurde das Angebot jedoch von weiterverarbeiteten Backwaren bestimmt, ähnlich einem Puddingplunder oder einem Käsebrötchen, bei denen die Backware zwar die Grundlage bildet, aber das Endprodukt ist als kleine süße oder herzhafte Zwischenmahlzeit für unterwegs konzipiert. Von außen ließ sich jedoch gar nicht immer erkennen, ob es sich nun um ein einfaches, oder ein gefülltest Brötchen handelte. Da wir hin und wieder nach Optik einkauften, um nicht stets alles übersetzen zu müssen, erlebten wir hin und wieder auch eine Überraschung beim Biss in die gekaufte Backware. Preislich lagen die Bäckerein zwar über dem, was ich vergleichbar in Deutschland bezahlt hätte, aber bis auf bei einer Ausnahme im vertretbaren Rahmen. Etwas ungläubig blickte ich nur in einer sehr kleinen, etwas abgelegenen Bäckerei unweit eines Golfplatzes auf die Preisschilder. Für ein Baguette und eine Brezel (ja, auch Laugenbrezeln entdeckten wir an zwei Orten) zahlten wir umgerechnet knapp sieben Euro! Warum kann meine Familie nicht einfach Sushi essen? Das wäre teilweise günstiger gewesen.
Die beste Bäckerei, in der wir auf unserer Reise waren, war auch eine eher Kleinere: das Au Pan & Coffee in Kurokawa Onsen. Es gibt viele Gründe Kurokawa Onsen noch einmal zu besuchen. Von diesem tollen Ort erzähle ich euch in einem der folgenden Blogeinträge.
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| Die meisten Dinge sind Fertiggerichte/ Snacks. Backwaren ohne Schnickschnack sind seltener. |
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| Unser teuerster Bäckereibesuch in Aso |
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| Erste Runde im Au Pan & Coffee in Kurokawa Onsen. |
Oben sprach ich vom Verhaltenscodex in japanischen Bäckerein. Wie ist also das Einkaufserlebnis? Es gibt keinen Thekenverkauf wie in Deutschland. Stattdessen bewegt man sich selbst frei im Laden zwischen der Angebotsware. Beim Betreten einer japanischen Bäckerei findet man am Eingang Tabletts und Metallzangen, teilweise auch einmal Plastikhandschuhe. Kundinnen und Kunden nehmen sich ein Tablett und gehen anschließend entlang der Auslage, auf der die verschiedenen Backwaren offen präsentiert werden. Die einzelnen Produkte liegen auf Blechen oder Holztabletts und sind mit kleinen Schildern versehen, die Preis und Namen angeben. Mit der Zange werden die gewünschten Backwaren selbst ausgewählt und auf das Tablett gelegt. Nachdem man alles ausgewählt hat, was man möchte, begibt man sich zur Kasse, wo die Produkte abgerechnet und meist einzeln verpackt werden. Was Verpackungen angeht ist Japan definitiv nicht umweltfreundlich unterwegs.
Viele Bäckereien legen Wert auf eine ästhetische Präsentation ihrer Backwaren, die oft kunstvoll geformt oder dekoriert sind (siehe bspw. die Eichhörnchen oder Igel im Kawaii-Blogpost). Ähnlich zu Deutschland gibt es in oder vor japanischen Bäckerein fast immer auch Sitzmöglichkeiten, so dass man die gekauften Produkte direkt vor Ort konsumieren kann. Heute ist Brot in Japan zwar kein Grundnahrungsmittel wie Reis, aber zusammenfassend kann man sagen, dass die japanische Bäckereikultur ein Beispiel für kulinarische Hybridisierung ist. Brot wurde aus dem Westen eingeschleppt und populär gemacht, hat innerhalb der japanischen Kultur und mit lokaen Zutaten (süßer roter Bohnenpaste kann man selten entgehen!) jedoch sein eigenes Flair entwickelt.

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