Freitag, 22. August 2025

Die Itoshima Halbinsel...

... liegt nur eine knappe Autostunde westlich von Fukuoka. Es gibt zwar Busse, die die Region von Fukuoka aus ansteuern, aber meine japanische Freundin, die auf dem Ito Campus der Kyushu Universität in Itoshima studiert hatte, riet uns davon ab und empfahl für einen selbstbestimmteren Tagesablauf ein Auto. Meine Freundin war so nett und buchte einen Mietwagen, in dem wir bequem zu sechst Platz fanden und so konnten wir unabhängig von äußeren Zeitvorgaben die Halbinsel erkunden und ich als Beifahrerin den japanischen Straßenverkehr aus der ersten Reihe eines Autos auf mich wirken lassen, ohne gleich selbst los fahren zu müssen.

Unser erster Stopp waren die Sakurai Futamigaura Couple Stones, wo zwei mächtige Felsen im Meer, durch ein heiliges Torii und ein Shimenawa-Seil verbunden, aus dem Meer ragen. Besonders zum Sonnenuntergang soll sich dieser Ort in eine Bilderbuchkulisse für verliebte Paar verwandeln. Ich fand es witzig, wie sich die japanischen Besucher artig in einer Reihe vor dem Torii aufstellten, um einer nach dem anderen das perfekte Foto zu bekommen. Wir betrachteten das Treiben von der Seite, wärend wir an der Wasserkante spielten und über die als Wellenbrecher aufgetürmten Steine kletterten. Es tat einfach gut am Meer zu sein! 

Auf zu den Sakurai Futamigaura's Couple Stones.
Wir saßen auf und kletterten über die Steine und
beobachteten das Treiben von der Seite aus. 

Nach einem Mittagssnack in einer Bäckerei, die in manchen Aspekten an Europa erinnerte und doch wieder ganz anders war, fuhren wir zum Keya Beach. Eigentlich wollten wir von hier aus mit einem Ausflugsboot zur berühmten Meeresgrotte Keya no Ōto fahren. Keya no Ōto ist eine nur vom Meer aus zugängliche Höhle. Die Höhle liegt in einer markanten Felswand aus gewaltigen, senkrecht aufragenden Basaltsäulen, die wie eine Orgelpfeifen-Landschaft ins Meer hineinragen. Sie ist etwa 64 Meter hoch, 10 Meter breit und 90 Meter tief, und nur per Boot erreichbar. Von innen öffnet sich ein beeindruckender Blick zurück auf das Meer, während die Sonnenstrahlen die Basaltformationen zum Schimmern bringen - oder so bewarben es die Informationsblätter. Denn obwohl das Meer vom Strand aus friedlich wirkte, hieß es der Wellengang draußen sei zu stark – und so mussten wir zunächst missgestimmte Kinder besänftigen, die sich auf einen Bootsausflug gefreut hatten und fuhren stattdessen zum Keya Strand, wo wir Ärmel und Hosen hochkrempelten und mit Sand und Wasser spielten, bis den Naturgesetzen folgend, Hosenbeine und Ärmel trotzdem nass waren. 

Das gelbe Boot war das Ausflugsboot, welches uns
nicht zur Meeresgrotte brachte, weil die See zu 
unruhig gewesen sei - im Hafen nicht sichtbar.
Versandete Straßen deuteten auf regel-
mäßig stärkeren Wind hin. 
Hosenbeine hoch gekrempelt - damit sie erst
später nass werden. ;)
Was gibt es Schöneres, als im Sand zu buddeln? 

Die letzte Station des Tages auf der Itoshima Halbinsel war für uns der Totoro Wald, der quasi über den Basaltfelsen der Keya no Ōto liegt. Zu dem Zeitpunkt unserers Besuchs kannte ich zwar bereits einige Ghibli Filme, aber "Mein Nachbar Totoro" sah ich erst, als wir wieder zurück in Deutschland waren. Definitiv ein lohnenswerter Film für die ganze Familie! Ich verstehe, wie das kleine Waldstück zu seinem Beinamen kam, aber durch viele Besucher gleicht der möglicherweise ehemals enge, verschlungene und moosgrüne Pfad heute eher einem ausgetretenen, angelegten und breiten Weg. Die Äste der Bäume formen noch immer ein geheimnisvolles Tunneldach, so dass man sich in Momenten, in denen man die anderen Touristen nicht sieht, tatsächlich ein wenig in die Ghibli Welt hineinversetzen und verstohlen nach Totoro Ausschau halten kann. Wer einen ruhigen, verwunschenen Wald sucht, ist hier jedoch fehl am Platz. 

Redhead im Totoro-Wald.

Ausblick von der Itoshima Halbinsel.
Ohne Menschen und mit der Sonne im 
richtigen Winkel blitzte auf dem Rückweg
doch noch etwas Magie im Wald auf.

Insgesamt vereint Itoshima unweit der Millionenstadt Fukuoka Küstenromantik, (un-)gezähmte Natur und kleine Abenteuer – perfekt, um für einen Tag der Stadt zu entfliehen. Unsere letzte Aktivität des Tages bevor die Kinder im Auto zurück nach Fukuoka einschliefen war die Demonstration einer japanischen Sportart: Sumō. Am Rande des Parkplatzes nahe des Totoro-Waldes gab es einen nicht besonders gut gepflegten Dohyō. Das ist der 4,55m im Durchmesser messende Ring, in dem ein Sumō-Kampf ausgetragen wird. Da es schon spät war, erklärten wir den Kindern nur im Schnelldurchlauf, wie dieser Sport abläuft, übersprangen jedoch all die Rituale und demonstrierten nur den letzten Teil des eigentlichen Kampfes dann kurz im Ring. 

Zwei Sumokämpferinnen, die an Form und Figur
noch arbeiten müssen. 

 

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