... liegt von Fukuoka etwa so weit entfernt wie Leipzig von Dresden. Während ich für die Verbindung in Deutschland mit dem ICE rund eine Stunde und fünfzehn Minuten benötige, bewältigt der Shinkansen die Fahrt in einer guten halben Stunde. Uns war klar: wenn wir in Japan sind, müssen wir auch mal Shinkansen fahren.
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| Ein in Hakata Station (Fukuoka) eingefahrener Shinkansen. |
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| Im Zug. |
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Schon die Kleinsten werden auf die Nutzung des Shinkansen vorbereitet. Hier auf einem Spielplatz in Kumamoto. :) |
Was soll ich sagen? Es war ... wie Zug fahren. An der Nase sind die Züge deutlich windschnittiger gebaut und man hat auch in der zweiten Klasse viel mehr Platz als in deutschen Schnellzügen, aber alles in allem war es halt eine Zugfahrt und nicht das Wahnsinnserlebnis. Muss es natürlich auch nicht sein. Es ist ein Transportmittel - und zwar ein sehr zuverlässiges und sehr schnelles. Für die Verbindung zwischen verschiedenen Städten kann ich den Shinkansen definitiv empfehlen. Mit dem Auto kommt man in Japan deutlich langsamer voran. Laut dem Kartendienst eines großen US-ech-Unternehmens würde ich für die selbe Strecke Fukuoka - Kumamoto mit dem Auto mindestens eine Stunde fünfundvierzig Minuten benötigen. Wieviel Maut mich das kosten würde, wird leider nicht angezeigt aber erfahrungsgemäß sind die Mautgebühren für Autobahnen in Japan insgesamt recht hoch (während die Spritkosten niedrig sind) und die Höchstgeschwindigkeit auf den Abschnitten, auf denen wir gefahren sind, lag bei nur 80km/h. Für unsere Weiterreise von Kumamoto aus nahmen wir dennoch ein Mietauto, was auch die richtige Entscheidung für eine Rundreise mit zwei kleinen Kindern durch ländliches Gebiet war, aber davon später mehr.
Heute geht es um Kyūshūs drittgrößte Stadt mit knapp einer dreiviertel Million Einwohner. Wir verbrachten nur einen Tag in Kumamoto und somit stand vor allem das Besucherhighlight der Stadt auf dem Programm: die Burg Kumamoto (Kumamoto-jō). Schon beim ersten Anblick beeindruckt sie mit ihren gewaltigen Steinmauern, den eleganten schwarzen Holzfassaden und den markanten Dächern. Obwohl sie im Laufe der Jahrhunderte mehrfach beschädigt und zuletzt beim Erdbeben 2016 stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, thront die Burg mächtig und erhaben am Südhang der Kyomachi-Anhöhe und gilt als eine der drei bedeutsamen Burgen Japans (Nihon sanmeijō).
Sie wurde in ihrer heutigen Form zu Beginn des 17. Jahrhundert von Katō Kiyomasa, einem großen Feldherren der Sengoku-Zeit, errichtet. Kiyomasa war bekannt für seinen Pragmatismus und seine strategische Weitsicht. Beides spiegelt sich im Bau wider: Die Mauern sind so steil, dass Angreifer kaum Halt finden konnten, und die weitläufige Anlage war mit Brunnen und Lagerräumen ausgestattet, die eine lange Belagerung möglich machten.
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| Zwei sympathische Kämpfer vor der Burg Kumamoto. |
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| Katō Kiyomasa. |
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Viel wurde in den letzten neun Jahren seit dem zerstörerischen Erdbeben gebaut und wieder hergestellt, doch an manchen Stellen sieht man noch die Folgen. |
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Der Versuch in der Burg für künftige Erdbeben gewappnet zu sein. |
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| Ein Modell der Burg, in der Burg. |
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In der Burg selbst gab es auf jeder Etage Wissens- wertes um die Burg und die Zeit seit dem ursprünglichen Bau. Wie in vielen Museen, die wir besuchten, war die Beschriftung ausschließlich auf Japanisch. Telefone mit Echtzeitübersetzung helfen. |
Nachdem man alle Etagen der Burg innen erklommen hat, bietet sich ein fantastischer Blick über die Stadt Kumamoto und das Umland. Sollte es zu einem Notfall kommen, wenn man gerade in den obersten Etagen der Burg ist, wurde mit einer sich automatisch aufblasenden Rutsche vorgesorgt. Ich stelle mir die Rutsche ähnlich vor, wie in Flugzeugen. Zum Glück mussten wir sie jedoch nicht ausprobieren.
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| Instruktionen für die Notfallrutsche. |
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| Restaurierte, schick verzierte Dachziegel. |
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| Der Blick auf die Stadt Kumamoto von der Burg aus. |
Nur wenige Schritte von der Burg Kumamoto entfernt liegt Sakura-no-baba Josaien, eine charmante Anlage, die das historische Flair rund um die Burg lebendig macht. Schon beim Betreten fühlt man sich in die Edo-Zeit zurückversetzt: kleine Gassen, traditionelle Holzhäuser, Souvenirläden und Restaurants. Es ist ein verspielter Ort, um vor oder nach der Erkundung der Burg eine Pause einzulegen, etwas zu essen und das geschäftige Treiben auf sich wirken zu lassen.
Wir besuchten auch das dortige Museum „Wakuwakuza“, das die Geschichte der Burg und Kumamotos anschaulich vermittelt. Anstatt nur trockene Informationen zu präsentieren, setzt es auf interaktive Elemente: Besucher können historische Rüstungen anprobieren, Modelle der Burganlage studieren und sich wie die Herrschenden der Zeit in einer Sänfte durch die Gegend tragen lassen. Multimediale Präsentationen erklären zudem die Zerstörungen durch das Erdbeben und die laufenden Restaurierungsarbeiten – so bekommt man ein tieferes Verständnis dafür, wie viel Mühe und Fachwissen im Wiederaufbau steckt.
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| Die perfekte Samurai. Oder... |
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| ... vielleicht doch lieber herrschen? Dann könnte... |
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| ... Frau sich zumindest standesgemäß hofieren lassen. |
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Sakura-no-baba Josaien - im Hintergrund sind die Dächer der Burg zu sehen. |
Nach der Erkundung des Burggeländes waren wir hungrig und liefen zum Kumamoto Food Stall Village - eine moderne Interpretation der klassischen Yatai-Straßenstände. Es war Nachmittag und daher sehr ruhig, die meisten Läden hatten sogar noch zu. Zwar haben wir dort am Ende nicht gegessen, da unsere Interessen diesbezüglich zu stark auseinander gingen, aber das lässt sich ja bei einem möglichen zweiten Besuch der Stadt nachholen - dann zu einer Zeit, in der der Duft gegrillter Spieße und Stimmengewirr in der Luft liegen.
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| Blick auf das Kumamoto Food Stall Village. |
 | | Kumamoto hat keine U- sondern eine Straßenbahn. |
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| Senbasugawara-Schrein. |
Mit der Straßenbahn fuhren wir anschließend zurück zum Bahnhof, wo wir unsere Koffer hinterlegt hatten. Mit denen machten wir uns zu Fuß auf den Weg zu unserer Unterkunft für eine Nacht und während meine Familie sich wohlverdient im Hotelzimmer ausruhte, wollte ich am nahegelegenen Supermarkt noch ein paar Lebensmittel besorgen. Dabei entdeckte ich zufällig den kleinen, aber atmosphärischen Senbasugawara-Schrein nahe des Tsuboi Flusses. In Japan wartet einfach ein Schrein an jeder Ecke. Nach einem Tag voller Geschichte, Eindrücke und Stadtleben war dies ein stiller, friedlicher Ort, an dem ich kurz innehielt und den Abend harmonisch ausklingen ließ.
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