Donnerstag, 7. August 2025

Fukuoka...

 ... ist die größte Stadt auf der südlichsten der vier großen Inseln Japans. Insgesamt ist es mit gut 1,6 Millionen Einwohnen noch vor Kyoto die sechstgrößte Stadt des Landes. Es ist die Stadt, in der meine japanische Freundin lebt und wo wir in Japan gelandet sind und die ersten Tage unserer Japanreise verbracht haben. Wir haben natürlich dennoch lediglich einen Bruchteil der Stadt gesehen. Ich finde die Stadt sehr günstig, um in Japan anzukommen. Sie ist groß, so dass man alles hat und sowohl Kultur als auch Großstadtflair, kleine wie große Tempel und Schreine, vornehme Restaurants genauso wie gemütliche Imbisse oder Streetfood, Geschichte und Moderne, Ruhe und Trubel erleben kann. Gleichzeitig ist Fukuoka nicht so riesig und von Touristen überlaufen, wie man es von Tokio hört. 

Einige Eindrücke und Erlebnisse habe ich euch bereits geschildert. Heute möchte ich noch ein paar andere Schreine als Zeugnisse der japanischen Tradition vorstellen und mit TeamLab einen Einblick ins moderne Japan eröffnen. Beginnen wir mit den Schreinen. 

Den ersten Schrein, den wir besuchten, war ein Zufallsfund auf dem Weg von den Kirschblüten im Tenjin Central Park zu den Kirschblüten im Maizuru Park. Zwischen modernen (Hoch-)häusern lugte ein Torii hervor. Torii bestehen i.d.R. aus zwei Pfosten und zwei Querbalken und markieren im Shintoismus den Übergang vom weltlichen zum heiligen Bereich oder anders ausgedrückt: den Eingang zu einem Schrein. Laut meiner Freundin ist das auch einfachste Unterscheidungsmerkmal, ob es sich um einen Schrein (Shintoismus) oder einen Tempel (Buddhismus) handelt: im Buddhismus sind Torii nicht üblich. Wir haben auf unserer Reise zwar auch Torii in Tempelanlagen gesehen, aber klassisch gehören diese zum Shintoismus. Gerade bei größeren Schreinen finden sich oft mehrere Torii. Diese weiteren Torii markieren Abgrenzungen verschieden heiliger Areale. Oft sind Torii in einem leuchtenden Zinnoberrot gestrichen. 

Das Torii am Eingang des  Tenmangu Schreins in Fukuoka war nicht zinnoberrot, sondern schlicht aus Stein. Trotzdem fiel es mir auf und wir gingen hinein. Auch wenn es ein eher kleiner Schrein ist, so konnten wir alle typischen Elemente beobachten. Neben dem Torii gab es einen kleinen Teich, über den eine Brücke führte und in dem Koi-Karpfen schwammen. Am Eingang gab es zudem ein Becken mit fließendem Wasser, an dem man vor Betreten des Schreins seine Hände und Mund reinigen konnte. Der Eingang wurde links und rechts von zwei Löwenhunden bewacht, von dem einer ein geschlossenes und der andere ein offenes Maul hatte und am Schrein selbst gab es natürlich eine Opferkiste, in die man Geld schmeißen und dann beten konnte. Der Suikyō Tenmangū Schrein in Fukuoka Stadt ist wie der bekannte Tenmangū Schrein in Dazaifu (siehe früherer Blogbeitrag) ebenfalls Sugawara no Michizane gewidmet, dem Gott der Gelehrsamkeit und damit beliebt bei Schülern, die dort für Prüfungen und akademischen Erfolg beten.

Redhead vor einer Reihe von Torii. Viele
Torii in einer Reihe aufgestellt kann ver-
schiedene Bedeutungen haben. Am besten
selbst belesen. Das würde hier ausufern. 
Koi-Karpfen zu zu schauen entspannt. Wir haben
gelernt, dass "Koi" auf Japanisch Karpfen heißt. 
Wenn wir in Deutschland von "Koi-Karpfen" sprechen, 
sagen wir also "Karpfen-Karpfen". 
Der Zugang über die Brücke. Rechts hinter der Brücke
befindet sich der Pavillion mit dem Wasser zum rituellen
Reinigen von Händen und Mund. 
Der Suikyō Tenmangū Schrein in Fukuoka.
Einen weit bekannteren Schrein von Fukuoka suchten wir nach dem Bemalen der Hakata Puppen auf. Der Kushida-Schrein  ist dem Gott Ōkunitama-no-kami gewidmet, der als Schutzgott von Hakata verehrt wird. Besonders berühmt ist der Schrein als Start- und Zielpunkt des spektakulären Hakata Gion Yamakasa-Festivals, das jeden Juli stattfindet und mit detailliert und farbenprächtig verzierten, tonnenschweren Skulpturen auf Tragen (Yamakasa) lockt, welche in einem Wettrennen von vielen Männern auf ihren Schultern durch die Stadt getragen werden. Dieses japanische Volksfest zählt sogar als immaterielles Weltkulturerbe. Eine besonders große und prächtig verzierte Yamakasa-Trage kann man im Kushida-Schrein das ganze Jahr über in einer Halle neben dem Schrein bestaunen. Sie ist über 10 Meter hoch. Zum Festival werden insgesamt sieben, etwas kleinere Yamakasa über fünf Kilometer durch die Stadt getragen. Jedes Jahr werden neue Yamakasa erstellt und liebevoll dekoriert. 
Ein Deutscher und zwei Japaner am Eingang
des Kushida-Schreins.
Die im Kushida-Schrein ausgestellte
Yamakasa von der einen Seite und...
... von der anderen Seite. 
Typische  Shintō-Symbolik für etwas Heiliges. Das
dicke geflochtene Seil (oft aus Reisstroh) markiert 
etwas als rein und vom Göttlichen bewohnt. Die
herabhängenden Strohquasten sind primär dekorativ.
Die gefalteten Papierstreifen symbolisieren die Präsenz
der Gottheiten. 

Blick auf den Hauptschrein, auch wieder mit
geflochtenem Seil. 
Blick in den Schrein. 
Torii dürfen nicht fehlen. 
An den meisten Schreinen gibt es nicht nur eine
Gottheit, die verehrt wird, sondern noch viele kleine
Nebenschreine. Hier gab es bei jedem die Möglichkeit
vor dem Beten eine Glocke zu läuten. Damit macht
man die Gottheit auf sich aufmerksam. Schließlich
soll diese Zuhören, wenn man betet. 
Von diesem eher klassisch kulturellen Erlebnis fuhren wir zu einem moderneren Aspekt japanischer Kultur: Installationen mit Licht, Musik und Technik. Bevor wir jedoch ins TeamLab gingen bekamen wir einen winzigen Eindruck vom japansichen Nationalsport: Baseball. Die Fukuoka SoftBank Hawks bestritten ein Heimspiel gegen die Saitama Seibu Lions und wir gingen kurz vor Spielbeginn am Heimstadion Mizuho PayPay Dome vorbei. Da war einiges los, aber irgendwie trotzdem alles in geordneten japanischen Bahnen. 
Heimspielstätte der Fukuoka SoftBank Hawks.

Wir gingen auch nicht zum Sportevent, sondern besuchten das TeamLab. TeamLab ist ein internationales Künstlerkollektiv mit Ausstellungsräumen in verschiedenen Städten, zunächst in Japan, mittlerweile aber auch in anderen Ländern. Der zentrale Aspekt, der alle TeamLabs eint, ist, dass Kunst auf Technologie trifft und einen in animierte, bunte, leuchtende (Nautr-)welten eintauchen lässt mit denen man auf verschiedene Weise auch interagieren kann. Prinzipiell bietet es auch die Möglichkeit eine Art Abenteuerspielplatz zu sein, aber zu wild darf man leider nicht machen. Überall gibt es Aufpasser, die einem Regeln erklären und daran hindern zu wild umher zu hüpfen. Ich hatte es primär für die Kinder raus gesucht. Mein persönliches Fazit: kann man mal gesehen haben, aber hätte ich es nicht gesehen, hätte mir auch nichts gefehlt. 

Teilweise fest installierte, teilweise schwebende, 
leuchtende Ballons. 
Durch das Prisma ging es in den nächsten Raum.
Der Raum mit den "Pilzen" war bei uns besonders 
beliebt. Wir konnten zwar dreimal durchgehen, aber
leider nicht wild umher rennen und fanger spielen.
Tiere in einem virtuellen Jungle kamen
und gingen und konnten mit einer
App und Smartphone gejagt werden 
(um dann Erklärungen zu den Tieren 
zu bekommen).

Im letzten Raum gab es eine Auswahl aus ca. 
zehn verschiedenen Tieren, die als Ausmalvor-
lage bereitlagen. Nachdem man das Bild koloriert
hatte, wurde es gescannt und eine Minute später
kroch oder rannte die eigene Schöpfung dann 
digial über Boden und Wände des Raums. 

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