Freitag, 24. Oktober 2025

Giacomo Puccini...

 ... ist neben Giuseppe Verdi wohl der bekannteste italienische Opernkomponist. Wenn man kein Opernliebhaber ist, mag man seine Opern vielleicht nie in Gänze gesehen haben, aber La Bohème, Tosca, Madame Butterfly oder Turandot haben wohl die Meisten zumindest schon einmal vom Namen her gehört und auch einzelne Melodien wie "Nessun dorma" aus Turandot dürften bei vielen Menschen ein "Das habe ich schon mal irgendwo gehört"-Gefühl auslösen.

Warum schreibe ich hier ausgerechnet über Puccini? Nun, er wurde Ende Dezember 1858 in Lucca geboren. Wer heute durch Lucca spaziert, begegnet Puccini auf Schritt und Tritt. In seinem Geburtshaus in der Corte San Lorenzo befindet sich das Puccini-Museum, das liebevoll eingerichtet sein soll und persönliche Gegenstände, Noten und Geschichten über den weltbekannten Komponisten enthält. Aus zeitlichen Gründen schaffte ich es leider nicht mir persönlich ein Bild davon zu machen. 

Eine Skulptur von Giacomo Puccini. Im Hintergrund
sein Geburtshaus, heute Museum in Lucca. 
Lucca ist stolz auf seinen berühmten Sohn. 
Eine Stunde Opernmelodien im Kirchenschiff von 
Giovanni e Reparata. 
Puccinis musikalisches Talent zeigte sich schon früh und, obwohl er zunächst zögerte, in die Fußstapfen seiner musikalischen Vorfahren (mehrere Generationen von Kirchenmusikern) zu treten, führte ihn sein Weg dann doch an das Konservatorium in Mailand – und von dort auf die größten Bühnen der Welt. Heute werden seine Opern immer noch auf der ganzen Welt gespielt und in seiner Geburtsstadt gibt es im Sommerhalbjahr in der Kirche Giovanni e Reparata nahe der Kathedrale von Lucca jeden Tag abends von sieben bis acht eine kleine Opernkostprobe. Mit wechseldem thematischen Schwerpunkt (nur Puccini, Puccini und Mozart, Puccini und Verdi...) bieten zwei bis drei SängerInnen in eleganter Abendkleidung Arien und Duette dar, begleitet von einem talentierten Herrn am Flügel. Ich genoss an zwei Abenden diese Kultureinlage, da mir für eine allumfassende Puccini-Oper wiederum die Zeit fehlte. Interesse hatte ich durchaus. Zumindest hätte es mich gereizt, einer italienischen Oper in Italien unter freiem Himmel beizuwohnen. Diese Möglichkeit gibt es im Sommerhalbjahr am Westufer des Lago di Massaciuccoli. 

Ein besonders bedeutender Ort im Leben von Puccini war der Torre del Lago am Westufer des Lago Massaciuccoli, keine 17km von seinem Geburtshaus in Lucca entfernt. Hier verbrachte Puccini viele Jahre und komponierte große Teile seiner Opern. Entsprechend gibt es vor Ort heute ein Museum, einen Skulpturenpark und eben die erwähnte Freilichtbühne, welche über dreitausend BesucherInnen Platz bietet. Aufgrund eines eingeschränken Spielplans, meiner Arbeitsverpflichtungen und den Restriktionen des (in Italien sehr günstigen!!) ÖPNVs konnte ich zwar nicht an einer Opernaufführung teilnehmen, nutzte aber eine Pause im Konferenzkalender für einen Abstecher nach Torre del Lago. Der See und das (leere) Konzertgelände waren relativ unspektaktulär, aber ich weiß auch nicht genau, was ich erwartet hatte. 

Der Lago Massaciuccoli.
Redhead mit dem berühmten Maestro.
Ich habe mich im Skulpturenpark in Torre del 
Lago den Gegebenheiten angepasst. ;)
Auch Ruhe konnte man da finden. 
Es standen einige Pianos in der Toskana.
Ein überdimensionierter Vogel - ebenfalls im
Skulpturenpark. 

Von der Bushaltestelle in Torre del Lago bis zum Strand am Ligurischen Meer waren es keine drei Kilometer Luftlinie - eine viel zu verlockend kurze Distanz, um nicht bis ans Meer zu schauen. Zwar fuhr der Zubringerbus zum Strand während meines Aufenthaltes leider nicht (Durch mein nicht vorhandenes Italienisch und das sehr schwach vorhandene English der Italiener konnte ich leider nicht ausmachen, weshalb kein Bus fuhr.), aber ich habe schließlich zwei gesunde Beine und die nutzte ich. 

Am Meer geht mir immer das Herz auf - auch wenn es am Strand von Torre del Lago dauerte, bis ich wirklich an der Wasserkante war und nur noch Wellen und Wolken vor mir sah. Am Strand fühlte ich mich nicht so wohl. Ich verstehe nicht, wie man an so einen Strand fährt, um dort vielleicht zwei Wochen Urlaub zu machen. Der Strand ist recht breit (knapp 200m?). Was er nicht ist, ist naturbelassen. Im wortwörtlichen Sinne in Reih und Glied stehen, in präzisem Abstand zueinander, Liegen und Sonnenschirme. Da diese selbstredend von verschiedenen Unterkünften sind, die ihr Eigentum schützen wollen, sind die Schirme und Liegen jeweils eingezäunt. Es ist auch gar nicht so einfach, bis ans Meer zu kommen. Dafür muss man erstmal einen öffentlichen Streifen Sand finden, auf dem man an leeren Flaschen, Verpackungsmaterialien und anderem Müll vorbei, bis zum Meer laufen kann. Auf den letzten zehn Metern vor der Wasserkante endeten die Zäune, Liegen und Schirme. Schön war es. Ich sog die Szenerie in mich auf, ging ein paar Schritte nach links und ließ mich im Sand nieder. Ich saß da im Sand, mein Rucksack neben mir im Sand und schaute aufs Meer. Es dauerte keine zwei Minuten, da kam ein Italiener von einer der Liegen auf mich zu und wies mich freundlich aber bestimmt darauf hin, dass ich hier nicht sitzen dürfe. Das sei privat. Wenn ich zum öffentlichen Strand wolle, so müsse ich noch rund 500 Meter nach Süden laufen. Laufen durfte ich an der Wasserkante, aber doch bitte nicht mich hinsetzen, wenn ich nicht in irgendeiner Weise für die Benutzung dieses Strandabschnittes bezahlt habe. Ich stellte mir vor, ich würde hier Urlaub machen und vielleicht sogar in einer Unterkunft übernachten, die mir den Zugang zum Strand an einem dieser eingezäunten Abschnitte ermöglicht. Urlaub im Käfig wäre das. Ich dürfte mich dann schließlich auch immer nur in meinem Bereich niederlassen und nicht in einem anderen. Definitiv kein Urlaub, den ich anstrebe. 

Nunja, langer Rede, kurzer Sinn: Ich tat - teilweise - wie mir geheißen, erhob mich wieder und schlenderte in den nächst südlicheren Strandabschnitt. Was ich feststellte war, dass in jedem der eingezäunten Abschnitte auf einer Liege nah beim Wasser eine Person saß, die ich als Angestellten des jeweiligen Strandabschnitts bezeichnen würde mit der vermuteten Kombinationsfunktion eines Aufpassers und Rettungsschwimmers. Sofern diese Person mich nicht eindeutig als Tourist aus einem anderen Strandabschnitt kommend identifizieren würde, sollte es mir also möglich sein, mich eine Weile am Strand niederzulassen. Gedacht, getan. Ich musste also nicht bis zum öffentlichen Strand gehen, sondern nur zwei Abschnitte weiter. Dort ließ ich mich am Rand nieder und holte die Badesachen aus dem Rucksack. Das Wasser hatte eine angenehme Temperatur. Die Wellen erhöhten den Spaß am Baden und so dachte ich nicht mehr lange über den Platzverweis nach. Nach einer halben Stunde musste ich leider ohnehin schon wieder zurück zur Bushaltestelle, von wo aus ich den Bus zurück nach Lucca nahm.  

Liege um Liege, Reihe um Reihe. Wenn sich die
Farben ändern, deutet das auf einen Besitzerwechsel.
Eine aus einem Magazin abfotografierte Luftauf-
nahme der Gegend zeigt den Wahnsinn am 
Strand meiner Meinung nach recht gut.
Ein bisschen lieblos prangt der Name des Ortes
am großen Kreisverkehr vor dem Strandzugang.
Eingezäunte UrlauberInnen.
Der Strand zwischen den beiden Zäunen
ist öffentlich, gehört also niemandem
privat. Damit fühlt sich auch niemand
für den Müll zuständig. 
Rettungsequipment lag stets bereit am Strand.
Je nach Perspektive konnte es am Strand auch
richtig toll aussehen. :)

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