Freitag, 17. Oktober 2025

Die Türme von Lucca...

 ... fallen jedem auf, der durch die Gassen der Altstadt wandelt. Auch wenn deren Anzahl heute geringer ausfällt als die Anzahl der Kirchengebäude, so kann man dennoch keine zehn Minuten laufen, ohne nicht an einem in den Himmel ragenden Turm vorbeizukommen. Wie kam es dazu, dass ausgerechnet Lucca einst zu einer regelrechten „Türme-Stadt“ wurde? Und warum sind heute nur noch wenige sichtbar? Ein kleiner Streifzug in die Türme-Geschichte von Lucca …

Im mittelalterlichen Italien war das Bauen von Türmen mehr als nur Zweckbau – es war ein Statussymbol und diente darüber hinaus auch noch der Verteidigung. In Städten wie Lucca errichteten reiche Kaufmanns- und Adelsfamilien ihre eigenen „Tower Houses“ (Turmhäuser), um Macht, Einfluss und Reichtum zu zeigen. Je höher der Turm, desto eindrucksvoller das Symbol der Familie. Zudem halfen die Türme in Zeiten politischer Unruhe, bewaffneter Konflikte oder bei Überfällen den Überblick zu behalten und sich besser verteidigen zu können. Schaut man sich im Internet um, variieren die Angaben über die Anzahl der Türme in Lucca während des Hochmittelalters zwischen 100 und 200. Es gab jedenfalls mal mehr Türme als Kirchen. Doch viele Türme sind im Laufe der Jahrhunderte verschwunden, abgebrochen, gekürzt oder in andere Bauwerke integriert worden. Manchmal ließen Herrschende die Kürzung von Rivalentürmen verfügen, um Ihre Macht zu zeigen. Mit der Zeit kam das Wohnen in hohen, engen Türmen aber auch aus der Mode. Besonders als die Zeiten etwas ruhiger wurden und seitdem die dicken Stadtmauern von Lucca zusätzlichen Schutz boten verlagerte sich das Bauen hin zu breiteren, horizontale Palazzi, wie dem Palazzo Pfanner, die mehr Komfort boten. Heute existieren nur noch wenige der mittelalterlichen Türme in ihrer ursprünglichen Form. 

Der berühmteste Turm Luccas ist ohne Zweifel der Torre Guinigi. Sein markantes Merkmal: Auf der Spitze wachsen mehere Steineichen. Der Turm ist gut 44 Meter hoch und über rund 230 Stufen zu erreichen. Generell sind all die mittelalterlichen Türme Luccas nicht direkt behindertenfreundlich und auch Höhenangst sollte man nicht zu ausgeprägt haben, wenn man sich über an der Wand befestigte Gittertreppen teilweise ohne Zwischenböden in die Höhe schraubt und so locker 30 Meter unter sich einfach nur Luft hat. Den Guinigi Turm bestieg ich kurz vor Mitternacht während der Weißen Nacht in Lucca. Dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.

Der zweitbekannteste Turm Luccas ist sicherlich der Torre delle Ore (Uhrturm) und misst rund 50 Meter. Er gilt als höchster der seit dem Mittelalter noch existierenden Türme in Lucca. Gebaut wurde er im 13. Jahrhundert. Bereits im Jahr 1390 beschloss der Stadtrat, dort eine öffentliche Uhr samt Glocke anzubringen. Die aktuelle Uhrmechanik ist jedoch ein paar Jahrhunderte älter (18. Jhd.). Den Uhrturm bestieg ich nicht. Dafür aber den Glockenturm der Kathedrale von Lucca, den Campanile della Cattedrale di San Martino.

Der Glockenturm wurde ab dem 12. Jahrhundert errichtet. Er setzt auf den Resten eines älteren Turms auf. Insgesamt wurde der Turm in fünf Ebenen hochgezogen. Die unteren drei Ebenen bestehen aus dem lokalen Guamo-Stein, während die oberen Geschosse in weißem Stein gestaltet sind — ein bewusster Materialkontrast, der ihn im Stadtbild markanter macht. Der Turm ist knapp 60 Meter hoch. Von dort hat man einen guten Blick über die Stadt und das Umland. 

Torre Guinigi - auch für Touristen ohne
viele Vorkenntnisse an seinem markanten
Erkennungszeichen zu identifizieren: ...
... mehrere Eichen wachsen auf dem Turm. 
Der Torre delle Ore zeigt die Zeit an.
Der Glockenturm der Basilika San Frediano 
gesehen aus den Gassen der Stadt und...
... von einer anderen Turmspitze aus.
Noch ein Turm in Lucca. 
Und noch mehr Türme.
Und noch ein Turm. Selbst jetzt ragen noch viele
Türme aus dem Häusermeer heraus. Mich hätte
interessiert, wie die Stadt im Mittelalter 
ausgesehen hat. 
Auf der Piazza San Martino nahm ich
Maß, dann hieß es...
... rauf, rauf, rauf - immer schön die Treppen rauf.
Oben angekommen bot sich dieser
Blick nach unten im Inneren des Turms.
Nach ausführlicher Betrachtung der Landschaft
machte ich mich wieder an den Abstieg.

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