Mittwoch, 4. September 2024

Als die Adrenalinhauptstadt Norwegens...

 ... wird Voss auf der offiziellen visitnorway-Website angeprisen. Neben der allgegenwärtigen Möglichkeit die tolle norwegische Landschaft zu erwandern gibt es dort im Umkreis diverse sportliche Möglichkeiten: Paragliding, Mountainbiken, Kajaken im Fjord oder Fluss, Fallschirmspringen, Fliegen im Windkanal, (Abfahrt-)Ski fahren, Raften und sicherlich noch einiges mehr, was ich gerade nicht auf dem Schirm habe. 

Willkommen in Voss.
Von Bergen aus kommt man in weniger als eineinhalb Stunden mit dem Zug entspannt in den Ort Vossevangen, der häufig einfach Voss genannt wird, auch wenn das eigentlich glaube ich die ganze Region bezeichnet. Ich stieg also Freitag früh um sieben in Bergen in den sehr bequemen Zug, genoss die Aussicht auf verregnete norwegische Landschaften, wenn wir nicht gerade durch einen der vielen Tunnel rollten, und war pünktlich halb neun am Stützpunkt von Outdoor Norway, direkt am See Vangsvatnet. Ich liebe es zu wandern. Ich liebe es zu schwimmen. Hin und wieder brauche ich aber auch etwas mehr Aufregung und so hatte ich noch von Deutschland aus ein zweitägiges Kombopaket aus Kajaken im Nærøyfjord, entspannen bei der Fahrt mit der größten und modernsten Bergbahn Nordeuropas, E-Mountainbiken rings um Voss und natürlich Raften auf dem Raundalfluss gebucht. Es war ganz gut, dass ich die Aktivitäten bereits vorab gebucht und bezahlt hatte, denn ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich ob des quasi Dauerregens in den zwei Tagen alles adhoc vor Ort gebucht oder mich eher in trockenere Gefilde verkrochen hätte - und ich hätte so viel verpasst. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unangepasste Kleidung. Mag sein, dass ich die ersten zwei Minuten noch überlegte, wie ich trocken bleiben könne, aber dann übernahm mein Entdeckergeist und ich hatte viel Spaß im Moment. 

Der kleine, aber feine Bahnhof in Bergen.
Trübes Grau während meiner Zugfahrt nach Voss.

Da die zwei Tage im Grunde mit vier Highlights vollgepackt waren, und ich zu allem reichlich zu erzählen habe, konzentriere ich mich in diesem Artikel zunächst auf den Ort Voss und die Godelfahrt auf den 820m hohen Hangurstoppen hinauf. 

Wenn man in Voss weilt, kommt man am Vangsvatnet, dem See in den der Fluss Vosso fließt, nicht vorbei. Wobei die erste Sehenswürdigkeit, der man sich bei Ankunft mit dem Zug nicht entziehen kann, das Fleischer Hotel ist. Es ist eins der großen Hotels im Ort und vom Bahnsteig fällt man direkt in die Rezeption des 135 Jahre alten, im schweizer Stil erbauten historischen Hotels. In den 1960ern mit zunehmendem Autoverkehr orientierte sich die Hotelfamilie dann an Motels aus den USA und errichteten noch 30 etwas niedrigpreisigere Motel-Einheiten auf der anderen Straßenseite direkt am See. Dort hatte ich mir meine Unterkunft genommen.

Ein rares Bild mit einem Stück blauen Himmel.
Links am Bildrand die zweckmäßigen Motelein-
heiten, in denen ich übernachtete. Leider befand
sich meine in zweiter Reihe.
Frontansicht des historischen Fleischer's Hotel.

Nach der Kajaktour im Fjord (nächster Blogeintrag) bezog ich zunächst meine Unterkunft, aß einen Haps und nutzte eine regenfreie Stunde, um direkt ins Wasser des Sees zu hüpfen. Es ging mir gut. Anschließend zog ich meine Wanderschuhe an und machte mich auf den Weg zur Gondel, um in weniger als neun Minuten ganz bequem auf den 820 Meter hohen Hangurstoppen zu fahren. Es war August und damit prinzipiell Hochsaison, aber trotzdem angenehm ruhig im ganzen Ort.

Eine kurze Erfrischung im Wasser des Vangsvatnet.
Eine Gondel fährt in die Talstation ein. Das Bild
nahm ich direkt vom Bahnsteig am Abreisetag auf.
Blick auf das Zentrum von Voss...
... und flussaufwärts.
Auf dem Weg nach oben hatte ich Glück und konnte noch etwas Panorama genießen. Mein Plan war auf dem Berg etwas zu wandern und ggf. komplett zurück ins Tal zu laufen. Nach einer Viertelstunde mitten in den Wolken war ich aber so durchgenässt, dass ich beschloss doch die Talfahrt der Gondel für eine schnellere Rückkehr zur Unterkunft und trockenen Sachen zu nutzen. Auf dem Berg war es durchaus auch windig und ich wollte vermeiden krank zu werden.

In der Wintersaison führen auch noch einige
Skilifte auf den Berg.

Direkt nach meiner Ankunft an der Bergstation sah
der Wanderweg noch vielversprechend aus.

Wenige Minuten später betrug die Sichtweite dann
aber nur noch wenige Meter.

Um Blaubeeren zu suchen und zu naschen
reichte es noch.
Redhead with a (kind of) blue tongue.
Die Talfahrt war landschaftlich nicht mehr so reizvoll.

Zurück im Tal lief ich nur noch eine kleine Runde durchs Zentrum, vorbei an der Kirche mit Gräbern aus dem 18. Jh., kaufte ein paar Lebensmittel, legte mich anschließend in der Unterkunft trocken und machte mir etwas zum Abendessen. Ich brauchte Stärkung für die Abenteuer des nächsten Tages. 

Die Kirche von Voss.
Mein Versuch meine Kleidung zu trocknen.
Gut, dass die Mücke draußen am Fenster saß. So 
konnte ich in Ruhe mein Abendessen genießen.

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