Mittwoch, 28. August 2024

Details am Rande...

 ... bringen manchmal Freude, manchmal Unruhe in Reisen. Nicht immer reichen solche Details für eine eigene Geschichte aus, aber manchmal eben doch - wie bspw. die Trolle oder Street Art. Heute möchte ich noch ein paar andere Details in einem Artikel zusammenfassen.

Im letzten Beitrag berichtete ich von der kleinen Wanderrunde den Fløyen hinauf und wieder hinunter. Auf dem Rückweg durch die Stadt fiel mir beim Gehen über ebenen Asphalt auf, dass es sich irgendwie seltsam lief. Ein Blick auf meine Wanderschuhe ließ mich erstarren. Die Sohlen hatten sich quasi auf- und abgelöst! Wie ich mittlerweile weiß, wird für die Zwischensohle zum Dämpfen der Schritte häufig Polyurethan verwendet. Über die Jahre und in Verbindung mit etwas Feuchtigkeit und seltener Nutzung (aka 'Standschaden') setzt Hydrolyse ein und nach und nach wird die Zwischensohle porös und löst sich auf. Halleluja! Zwar bietet der Hersteller meiner Schuhe an, diese neu zu besohlen, aber die Wanderschuhe postalisch an ein deutsches Unternehmen zu senden würde mir nicht für die restliche Woche in Norwegen helfen. Ich hatte doch noch so viel vor - eine Besteigung des Bergs Ulriken und zwei Tage Urlaub in Voss. Mit meinen schwarzen Kunstleder Boots mit leichtem Absatz und glatter Sohle die ich für den dienstlichen Teil der Reise mitgenommen hatte, würde ich sicherlich keine umfangreichen Outdoor-Touren machen können oder wollen. Ich wog also meine Optionen ab. Die Businessschuhoption fiel genauso direkt raus wie die Überlegung alle Outdoorpläne zu canceln. Stümperhafte Selbstreparatur mittels irgendwo gekauftem Schuhkleber zog ich in Erwägung, befürchtete damit jedoch die Sohle weiter zu schädigen, so dass eine professionelle Neubesohlung nicht mehr so einfach möglich wäre. Ein Neukauf von Wanderschuhen in Bergen versprach qualitative Hilfe - und vermutlich horrende Kosten. Ich beschloss also die weltweit führende Suchmaschine und in Bergen wohnende Konferenzteilnehmer nach Schustern in der Stadt zu fragen. Zwei Schuster waren weniger als zehn Minuten zu Fuß vom Konferenzhotel in der Innenstadt Bergens ansässig. In der Mittagspause am Montag nahm ich also meine Wanderschuhe und betrat den ersten Schusterladen. Es kam eine freundliche Frau aus der Werkstatt in den Verkaufsraum, die direkt das Problem erkannte, mir die Ursache erklärte und meinte, dass sie da nichts machen könne. Leim würde auch nicht mal temporär helfen, so weit, wie die Hydrolyse bei mir schon fortgeschritten war. Entmutigt überlegte ich, ob ich überhaupt noch zu dem anderen Schuster gehen sollte, entschied mich dann aber dafür. Was hatte ich zu verlieren? Nach meinem 'God dag' wechselte ich wieder ins Englische, was die allermeisten Norweger sehr gut beherrschen. Nicht dieser Schuster. Er redete in einem Schwall auf Norwegisch auf mich ein. Er sah meine Schuhe und schien zu erzählen, was das Problem sei. Nicken und Gesten, die in Richtung Werkstatt zeigten, deuteten darauf hin, dass er mit meinen Schuhen arbeiten wollte. Aber was genau wollte er machen? Zu diesem Zeitpunkt kam ein anderer Kunde in den Laden, betrachtete kurz den amüsanten Austausch zwischen dem Schuster und mir und dolmetschte dann. Der Schuster könne bis zum Folgetag zur Mittagszeit meine beiden Schuhe mit einer neuen Wandersohle ausstatten. Der Preis war vergleichbar mit dem vom Schuhhersteller. Ok. Ich schlug ein. Das klang gut. Im dümmsten Fall würde ich etwas Geld in den Sand setzen, falls die Neubesohlung nicht so funktionierte, wie geplant. Im günstigsten Fall hätte ich am Folgetag ohne großen Aufwand oder zeitlichen Verzug perfekt neubesohlte Wanderschuhe. Ich freue mich berichten zu können, dass letzteres der Fall war! Den ersten Stresstest bestanden sie bei meiner 15km Wanderung den Ulriken hoch und Trolldalen wieder runter (nächster Blogeintrag) und auch während meiner zwei angefügten Urlaubstag in Voss leisteten meine nunmehr reichlich elf Jahre alten Wanderschuhe mir treue Dienste.

Meine Wanderschuhe in einem bedauernswerten
Zustand oben links, neu besohlt unten rechts und
zu Beginn (oben rechts) und am Ende (unten links)
ihres ersten Einsatzes nach der Generalüberholung.
Welch andere Details am Rande sind hier noch erwähnungswürdig? Da wäre das Essen. Nostalgische Gefühle 'von damals' (also 2012) kamen in mir auf, als ich auf dem Frühstücksbuffets des Hotels Brunost, den typisch norwegischen Braunkäse, und die allgegenwärtigen Waffeln fand. Ein wiedererkennendes Lachen huschte auch über mein Gesicht, als ich selbst im Supermarkt Lebensmittel kaufen wollte und mir die eingeschweißte, norwegische Gurke für umgerechnet über 2€ das Stück entgegenlächelte.
Etwa 6 Kronen teurer als damals, aber dank eines
besseren Umrechnungskurses (ca. 1:12) etwa
genauso teuer wie 2012.
Erinnerungen kamen auch in mir hoch, als ich über den Fischmarkt am Hafen von Bergen schlenderte und mir allerlei Meeresgetier, inkl. Wal, angeboten wurde. Ich kaufte dort jedoch nichts, da ich einerseits keine Zubereitungsmöglichkeiten hatte und wir zudem drei Tage lang während der Dienstreise mit vorzuglich schmeckendem Fisch zum Mittagessen sowie für Aug und Gaumen ansprechenden Snacks zwischen den Sitzungen versorgt worden.
Kleine Auswahl auf dem Fischmarkt von Bergen.
Die Perspektive macht's! Dies ist exakt die selbe
Speisenauswahl - jeweils vom entgegengesetzten
Ende des Buffets aus betrachtet.
Verschieden geartete Appetithäppchen.

Erwähnenswert fand ich auch die Toiletten während der Konferenz. Ja, die Water Closets. Meist fand ich in Norwegen diese im öffentlichen Raum klassisch getrennt für Männlein und Weiblein. Die zentralen Toiletten im Konferenzhotel waren jedoch nicht getrennt nach Geschlecht. Warum eigentlich auch? Vom Waschraum gingen wie üblich separate Kabinen ab, so dass jeder beim kleinen oder großen Geschäft seine Privatsphäre hatte. Der Waschraum wurde gemeinsam von allen Geschlechtern genutzt. Simpel und doch ungewohnt. Nur Pissoire gab es dann eben nicht.

Ein Toilettenraum für alle Geschlechter.

Mein letztes Detail am Rande möchte ich den absolut sinnvollen Fahrradgaragen widmen, die ich an vielen öffentlichen Orten wie Universitätscampus oder Bahnhof gesehen habe. Die Norweger lieben es draußen zu sein und draußen aktiv zu sein. Fahrradfahren gehört also zum Grundlagenrepetoire. In Norwegen ist es viele Monate im Jahr jedoch auch frostig kalt und verschneit. Aus Trondheim kenne ich noch die Räder mit Spikes, um auch bei vereisten Straßen Fahrrad fahren zu können. Diesmal fielen mir die Fahrradgaragen an essentiellen Punkten im Stadtbild auf. Es macht einfach mehr Spaß nach einer Vorlesung oder bei Ankunft mit dem Zug auf ein trockenes, sauberes Fahrrad zu steigen als auf eins, welches tagein, tagaus den Elementen ausgesetzt ist. 

Fahrradgaragen auf dem Univesitätscampus
in Bergen.
Kostenfreie und trockene Abstellmöglichkeit für
Zweiräder am Bahnhof von Voss.

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