Dienstag, 27. August 2024

Der Fløyen...

 ... ist mit 399 Metern über dem Meeresspiegel der drittniedrigste und gleichzeitig der bei Besuchern beliebteste von Bergens sieben Bergen, was sicherlich mehrere Gründe hat. Zum einen liegt der Fløyen wirklich in der Stadtmitte. Der Aufstieg an der Fløibanen beginnt gerade einmal 200 Meter entfernt vom Hafen des alten Hanseviertels Brygge und stellt somit auch für (Kreuzfahrt-)Touristen mit knappem Zeitbudget eine gute Wanderoption dar. Zum zweiten bietet die Standseilbahn Fløibanen seit über 100 Jahren auf rund 850 Metern Länge bei einer Steigung von 15-26° eine entspannte Option für einen Gipfelsturm in unter 10 Minuten für all die Besucher, welche keine Lust auf den durchaus auch schweißtreibenden Aufstieg haben und das sind jährlich über eine Million Gäste. Zum dritten ist dieser Gipfel (wahrscheinlich auf Grund der zwei vorgenannten Argumente) der am besten touristisch erschlossene. Es gibt oben auf dem Plateau eine schicke, super ausgebaute Besucherterasse, sanitäre Einrichtungen, einen kleinen Laden, Essen und Trinken, einen tollen Spielplatz und noch viele weitere Wege, die je nach Fitnesslevel erkundet werden können und wegführen von den Besuchern, die nur schnell hoch und wieder runter eilen.

Talstation der 1918 eröffneten Fløibanen.
Abwechselnd bringen ein blauer und ein
roter Waggon Besucher auf den Fløyen
und wieder hinunter.

Die Besteigung (oder Erfahrung) des Fløyens gehört also zum Pflichtprogramm bei jedem Bergenbesuch. Insofern war es auch direkt im Konferenzprogramm als (optionaler) Gruppenausflug am ersten Abend eingeplant. Die Organisatoren wurden dennoch etwas überrollt vom Teilnehmerinteresse an der Wanderung. Ohne wirklich durchgezählt zu haben kann ich anhand einiger Fotos sagen, dass wir definitiv eine dreistellige Teilnehmerzahl hatten. Wenngleich ich sonst beim Wandern die Ruhe schätze, erlebte ich den Ausflug zum Fløyen dennoch als gelungen. Die knapp 10km große Runde mit knapp 400 Höhenmetern war zum einen für mich ein guter Wieder-Einstieg ins ambitionierte spazieren nach einer längeren Pause und zum anderen kam man sehr gut mit verschiedenen anderen Teilnehmern ins Gespräch. Die Wanderung im Freien entzerrte die Gespräche und hielt den Geräuchepegel trotz der Masse an Menschen gering. Zwei Tage später beim Empfang der Bürgermeisterin in einem großen Saal war es so laut, dass das Networken keinen Spaß machte.

Rauf, rauf, rauf; immer schön die
Treppe rauf.

Blick über die Bucht während des Aufstiegs.
Und es geht noch weiter nach oben.

Angekommen auf der Besucherterasse. Im Hinter-
grund ist das Stadtzentrum von Bergen zu sehen.

Ich konnte mich nicht mehr an den Aufstieg im Detail von meinem letzten Besuch 2012 erinnern, aber ein paar ikonische Landmarken erkannte ich wieder - bspw. den Troll oben auf dem Gipfel. Seinen Wanderstock hatte er eingebüßt und die Hautfarbe hatte sich durch Wind und Wetter über die Jahre etwas geändert, aber er nahm mich genauso liebevoll in den Arm wie vor 12 Jahren. :)

Mit meinem Freund dem Troll.

Nach dem Aufstieg zum Fløyen wurde unsere Wandergruppe dann deutlich kleiner. Die überwiegende Mehrheit lief entweder auf direktem Weg zurück oder nahm die Fløibanen zurück ins Tal. Wer Lust auf "some more hiking" hatte, konnte aber auch mit einem der Organisatoren noch in Richtung des Sees Skomakerdiket und von dort über deutlich weniger begangene Wanderwege zurück in die Stadt laufen. Unnötig zu sagen, für welche Option ich mich entschied.

Aufmerksamkeiten am Wegesrand.

Keine 10 Minuten von der überfüllten Besucher-
terasse entfernt am See Skomakerdiket begann der
ruhige Teil der Wanderung.

Diese Wege gefallen mir deutlich besser als gerade
Schotterwege.

Es ist und bleibt feucht in Norwegen.
Redhead inspiziert den Wasserlauf.
Diesen Wasserlauf.
Dem Sonnenuntergang entgegen gingen
wir zurück ins Stadtzentrum.
So ging ein aktiv entspannter Abend zu Ende.

Falls die geneigten Leser sich mit dem gemächlichen Auf- und Abstieg des Fløyens nicht begnügen wollen und am 25. Mai nächstes Jahr noch nicht vorhaben, weise ich auf ein jährliches Event in Bergen hin: die7-fjellsturen, oder auf deutsch: die 7-Bergewanderung. Zur ersten 7-Bergewanderung 1948 nahmen gut 200 Personen teil. Mittlerweile starten jedes Jahr am letzten Sonntag im Mai tausende Wandersfreunde in Bergen, um 3, 4 oder - für die Anspruchsvollen - 7 Berge an einem Tag zu erwandern. Am Ende des Tages bedeutet das die Bewältigung von knapp 37km und um die 2.500 Höhenmetern. Ein klassisch norwegisches Volksfest! Die 4-Bergewanderung mit gut 21km und rund 1.500 Höhenmetern wird als Familientour angepriesen, die 3-Bergewanderung mit gut 9km und 500 Höhenmetern sei "für Kinder geeignet, die das Gehen nicht gewohnt sind." Ich muss Schmunzeln, wenn ich an meine Kinder denke und überlege, in welches Raster wir wohl fallen würden... 

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