... schien heute Morgen 8:45 Uhr gekommen zu sein. Beginnen sollte die Reise heute 10 Uhr - und nein, da sind keine Zahlendreher drin. Leider.
Die meisten Dinge meiner to-do-Wunschliste in Norwegen habe ich bereits abhaken können: UNI (Nr. 1 und immer aktuell ^^), Lofoten, Nordlichter sehen, die Hobbitcabin. Noch unabgehakt war ein Ausflug mit den Hurtigruten, den ehemaligen Postschiffen, die seit 1893 die Küste Norwegens entlang fahren und dank Golfstrom auch im tiefsten Winter Post, Güter und Menschen vom Süden in Bergen bis nach Kirkenses ganz im Norden bringen. Heutzutage sind es moderne Kreuzfahrtschiffe, die immer noch Fracht transportieren, aber vor allem in den Sommermonaten riesige Touristenkäne sind. Ich LIEBE nun mal das Bootfahren und dachte mir, dass so eine kleine Bootsfahrt außerhalb der Saison mit auf den Wunschzettel gehört. Da ich bereits auf den Lofoten im Norden war, beschloss ich das Schiff nach Süden bis zum Ausgangspunkt in Bergen zu testen.
Soviel zur Vorgeschichte. Vor etwa drei Wochen wandelte ich die Idee dann in einen konkreten Plan um. Nachdem ich mir die verschiedenen Schiffe angeschaut hatte, beschloss ich Samstag Morgen 10 Uhr mit der MS Finnmarken nach Bergen abzulegen. Das 10 Jahre junge Schiff hat zwei Whirlpools und ein kleines Schwimmbecken - beides im Freien. Dazu Sauna, Fitnesstudio und all die anderen kleinen Annhemlichkeiten, die die meisten anderen Schiffe aus der Flotte ebenfalls haben und die 28 stündige Fahrt nach Bergen auch bei Nebel und Nieselregen schnell vergehen lassen.
Kleiner Tipp: Falls jemand Interesse an einer Buchung hat und noch Student ist: bucht über die norwegische Website. Dort können Studenten einen 50%igen Rabatt in Anspruch nehmen. :)
Jedenfalls waren Schiff mit Innenkabine und Rückflug von Bergen schließlich gebucht. Ursprünglich wollten noch zwei andere Austauschstudis mitkommen, zogen sich aber schließlich wieder zurück. Ok, ich bin groß genug, um selbst auf mich aufzupassen. Samstag Morgen klingelte viertel acht der Wecker und eine dreiviertel Stunde später stapfte ich durch das verschlafene Trondheim hinunter zur Anlegestelle der Hurtigruten. Es war ziemlich glatt, aber ich kam ohne Sturz am Hafen an. Als ich das Schiff aus der Ferne das erste mal sah, lächelte ich. Als ich näher kam, las ich 'Polarlys' - Mit dem Schiff wollte ich nicht fahren. Hatten die ihren Fahrplan geändert? Nein, hatten sie nicht. Die Polarlys kam aus Bergen und war auf dem Weg nach Norden. Aber wo war nun die MS Finnmarken? Die hatte auf Grund von rauem Wetter ein paar Stunden länger als geplant im vorherigen Hafen Rørvik gelegen und würde an diesem Samstag, um die Zeit wieder heraus zu holen, Trondheim nicht anlaufen, sondern direkt nach Kristiansund fahren. Wollten die mich verarschen??? Nein, leider nicht. Man hätte auch versucht mich per mail und Telefon zu erreichen. Mail konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht bejahen oder verneinen, aber auf meinem Handy hatte es definitiv niemand versucht. Vergangenes zu analysieren brachte neun Uhr am Morgen dann aber auch nichts mehr. Die Frage war doch vielmehr: wie sollte es jetzt weitergehen. Variante 1 bestand darin von der Reise zurückzutreten und den Hurtigrutenpreis erstattet zu bekommen - nicht aber Rückflug und evlt. andere bereits eingegangene Verpflichtungen in Bergen. Variante 2 hieß per Bus nach Krisitansund zu fahren und dort zuzusteigen. Die Dame an der Rezeption der Polarlys suchte eine entsprechende Verbindung heraus. Ein Bus fuhr 9:15 Uhr. Als wir das wussten, war es bereits 9:25 Uhr. Zu spät. Glücklicher Weise würde am Samstag noch ein Bus fahren. 12:15 Uhr. Geplante ankunft in Kristiansund: 16:45 Uhr. Geplante Abfahrt der MS Finnmarken in Kristiansund 17:00 Uhr. Viereinhalb Stunden Busfahrt und dann 15 Minuten Reserve - sehr beruhigend. Ach und ich vergas zu erwähnen: Es schneite...
Einige Telefonate später und mit der Zusicherung, dass die MS Finnmarken warten würde, ließ ich mich überreden zwei Stunden in der zugig kühlen Buswartehalle auf den Bus zu warten in dem ich dann viereinhalb Stunden auf einem Sitz angeschnallt sitzen würde, um das Schiff, auf dem ich Umherlaufen und die Küste bewundern oder im Jaccuzi entspannen könnte, immerhin eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Einen wirklich guten Start versprach mein Bergenausflug nicht.
Die Negativliste geht übrigens noch weiter: Als ich von der Schiffanlegestelle zum Busabfahrtsort lief, muss ich ungünstig auf einen spitzen Kiesel getreten sein, so dass in meiner rechten Sohle auf Höhe der Ferse jetzt ein kleines Loch ist, durch das der Schneematsch bei längerem Laufen ins Innere kommt. Gut, dass ich keine weiteren Schuhe mit auf den Ausflug genommen habe.
Nach zwei Stunden warten und der Bezahlung des Bustransfers, ließ ich mich in den Bussitz sinken und versuchte erst einmal ein wenig zu schlafen. Zumindest war der Busfahrer freundlich und versuchte mich später ein bisschen aufzuheitern. Außerdem holten wir die 10 Minuten Verspätung, die wir zwischendurch hatten und die mich schon ziemlich nervös werden ließen, am Ende wieder raus. 16:48 Uhr verließ ich den Bus und eilte die 150 Meter (günstig gelegene Haltestelle!) Kaimauer entlang zum Schiff. Ende gut, alles gut? Naja, nicht ganz. Da die Crew in Trondheim hätte getauscht werden sollen, was aus bekannten Gründen jedoch nicht möglich gewesen war, wurde die Besatzung in Kristiansund gewechselt, was zu einer gut einstündig verpäteten Abfahrt führte. Anders ausgedrückt: Wir fuhren erst im Dunkeln los und ich sah nur noch ein paar Lichter entlang des Küstenstreifens, aber keine Berge, Täler und Wälder.
Positiv denken! Deshalb möchte ich mit den positiven Aspekten des Tages enden: Ich habe es auf die MS Finnmarken geschafft! Als kleine Entschuldigung bekam ich statt einer Innen- eine Außenkabine und das drei-Gänge-Abendessen auf dem Schiff. Mit einem guten Essen kann man mich doch fast immer besänftigen. :) Anschließend ließ ich mir den Fahrtwind auf dem Schiff um die Nase wehen, nutzte Whirlpool und Sauna und lausche, während ich diese Zeilen schreibe, entspannender Live-Musik.
Schauen wir mal, was der neue Tag morgen bringt.
Das klingt anstrengend. Wie ich mich kenne, wäre ich schon mehrfach an die Decke gegangen.
AntwortenLöschenAber klasse wie du das alles wegsteckst und auch schön, dass du eine Entschädigung bekommen hast! Wäre sonst kein Essen mit dabei gewesen?
(b)
Ich hätte es dazubuchen können. Ein Abendbrot hätte jedoch mehr als die Hälfte meines Reisepreises gekostet... Als ordentliche Rucksackreisende hatte ich aber natürlich Sandwiches und Obst eingepackt. :)
AntwortenLöschen