... aber heute früh klingelte mein Wecker aus unerfindlichen Gründen nicht kurz nach 6 Uhr. Da ich heute Vormittag einmalig kein Norwegisch hatte, könnte man meinen, das sei nicht weiter schlimm. Weit gefehlt! Als ich erst unbewusst und plötzlich ganz klar das Klingeln des Weckers meiner Zimmergenossin (nach gut zwei Monaten kennt man den Klingelton) vernahm, schreckte ich hoch. Es war draußen schon mehr als dämmrig hell. Es war acht Uhr! In meiner Muttersprache fluchend sprang ich aus dem Bett, lief ins Bad, schnappte mir meine Klamotten und Rucksack, rannte hinunter zum Fahrrad und eilte auf den Campus nach Gløshaugen. 8:18 Uhr schloss ich mein Fahrrad an und war eine Minute später im Akademika.
Was hatte mich zu solcher Eile getrieben? Wer oder was ist Akademika?
Akademika ist ein in der Uni angesiedelter Buchladen, der neben Fachliteratur auch Schreibkram, Fahrradnotfallreperatursachen und einigen anderen Krimskrams verkauft. Der größte Andrang herrscht wahrscheinlich immer Mittwoch Morgen acht Uhr. Dann nämlich öffnet der Laden. Akademika öffnet jeden Tag unter der Woche acht Uhr. Allerdings nur in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch schlafen Leute auf Isomatten und im Schlafsack vor dem Eingang. Ja, ihr habt richtig gelesen. Es gibt Leute, die eine Nacht in einem Unigebäude auf dem Fußboden schlafend verbringen und die Chancen, dass wir dass bis Dezember auch einmal machen stehen gar nicht so schlecht.
Warum tut das jemand, fragt ihr euch? Nun gut, ich will euch nicht länger auf die Folter spannen. Mittwoch ab acht Uhr, wenn Akademika öffnet, werden dort die Hütten in der norwegischen Einöde für die nächste Woche vermietet und da man nicht spontan auf einen Cabintrip geht, sondern diesen vorher gut plant und sich natürlich auch eine bestimmte Hütte ausgesucht hat, will man diese dann auch bekommen. Freundlicher Weise gibt es auf der Koiene-Webseite eine Übersicht über die Popularität der einzelnen Hütten. Will man also in die Hütte für 11 Leute mit Sauna, sollte man durchaus bereit sein, sich Dienstag Nachmittag und die folgende Nacht vor Akademika häuslich einzurichten, um Mittwoch Morgen der Erste zu sein, wenn die Türen sich öffnen. Da sage noch mal einer etwas über die braven DDR Bürger, die ein paar Stunden für Bananen anstanden...
Bisher hatten wir es nicht für nötig gehalten, in der Uni zu übernachten, aber kurz vor sieben Uhr hatte sich der 'Schlüsselverantwortliche' bisher schon immer in die Schlange der Wartenden eingereiht. Diesmal war es meine Aufgabe, die Buchung zu übernehmen. Wie erwähnt gab es ein kleines Problem mit dem Wecker... Da wir uns jedoch jedes mal eine Notfalloption (anderer Tag bzw. andere Hütte) überlegen und unsere Hütte nicht so super populär ist, gelang es mir am Ende doch noch von Freitag zu Samstag (ok, eigentlich wollten wir Samstag - Sonntag...) Hognabu zu reservieren. Die Hütte liegt auf 620 Metern und ist von einigen Tausendern umgeben. Es wird definitiv ein Winterausflug werden...
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