... gefährliche Wellen, massive Basaltsäulen, pittoreske Wasserfälle, weltbekannte Vulkane, eiskalte Gletscherlagunen, weite Landschaften und heiße Quellen bestaunte ich an meinem letzten Tag in Island. Um die Tour entlang der Südküste individueller und zeitlich flexibel zu gestalten, hatte ich mir für Samstag einen Mietwagen ausgeliehen mit dem ich kurz nach acht von Reykjavik nach
Vík í Mýrdal, dem südlichsten Ort auf dem isländischen "Festland" düste. Mein Plan war meinen Ausflug am für mich östlichsten Punkt zu beginnen und dann auf dem Weg nach Keflavik überall zu halten, wo es mir gefiel, bis ich schließlich direkt zum Flughafen ganz im Südwesten eilen müsste. Der Plan war gut, denn ich schaffte nur etwa die Hälfte meiner grob geplanten Stopps. Statt alle touristischen Sehenswürdigkeiten strikt abzuarbeiten blieb ich dort, wo es mir gefiel so lange, wie es mir gefiel.
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| Raus aus Reykjavik und ... |
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| ... die Südküste entlang in Richtung Osten. |
Durch diverse mittlere und kleinere Orte, vorbei an den Westmännerinseln im Süden und Eyjafjallajökull im Norden fuhr ich immer weiter nach Osten, bis ich kurz vor Vík í Mýrdal von der Ringstraße abblog.
Am schwarzen Sandstrand Reynisfjara und der felsigen Halbinsel Dyrhólaey (Door Hill Island) ein klein wenig westlich von Vík í Mýrdal verbrachte ich mehrere Stunden. Das raue Meer ist einfach wunderschön - und gefährlich. Der schwarze Sandstrand ist unter anderem für seine Sneaker- bzw. Killer-Wellen bekannt. Es kam in den vergangenen Jahren immer mal wieder zu Todesfällen - trotz aufgestellter Warnschilder. Als ich am Strand war, war gerade Ebbe, so dass der Strand breit war und zum Spazieren einlud. Ich beobachtete die Wellen für 5-7 Minuten und alles schien normal, wie an jedem anderen Strand. Nicht alle Wellen kommen exakt gleich weit an den Strand, aber alles im normalen Rahmen. Natürlich ging ich dann auch nah an die Wasserkante, um meine Hände in das kühle atlantische Nass zu halten - und plötzlich erlebte ich eine dieser Sneaker-Wellen. Ohne Vorwarnung oder erkennbaren Anlass rollte eine Welle plötzlich immer weiter und weiter und weiter. Natürlich rannte ich weg vom Meer, aber natürlich schaffte ich es nicht ganz und war am Ende gut knöchelhoch vom Wasser umspült. Es ist nichts weiter passiert, aber nach dieser Erfahrung hatte ich doch etwas mehr Respekt und beobachtete das Schauspiel aus etwas sicherer Entfernfernung. Immer wieder mal kam eine Welle plötzlich 10-20 Meter weiter den Strand heraufgekrochen als alle vorherigen und nachfolgenden. Wenn dieses Phänomen mit Flut (kaum Platz zwischen Sandstrand und aufragenden Klippen - also kein Platz zum Wegrennen) und möglichst noch ein bisschen Sturm gepaart ist, können die Wellen sicherlich unaufmerksame Touristen hinaus ins kalte Meer ziehen.
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| Blick gen Dyrhólaey - markant ist das Loch im Fels. |
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| Schwarzer Strand und wunderschöne Basaltformationen. |
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| Blick die Steilküste entlang nach Vík í Mýrdal. |
Nachdem ich mir die leicht feuchten Hosenbeine geholt hatte, erkundete ich den Strand mit etwas mehr Abstand zum Wasser. Ich schaute mir die Basaltsäulen aus der Nähe an und kletterte auch auf die untersten drauf. In Richtung Vík í Mýrdal konnte ich dank Niedrigwasser auch um die kleine Landspitze herumgehen und mir die vorgelagerten, wie Nadeln spitz aus dem Wasser ragenden Felsen aus der Nähe anschauen, die Stoff vieler Legenden sind. Die beiden Populärsten involvieren beide Trolle, die zu Stein erstarrten, als sie von den Strahlen der aufgehenden Sonne getroffen wurden.
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| Die Menschen sind so klein gegen die Naturphänomene. |
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| Die Hálsanefshellir Höhle am Strand. |
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| Nahansicht des Gesteins. |
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Reynisdrangar - die spitzen Felsen direkt vor der Küste bilden
den Stoff für verschiedene Legenden. |
Auf den Hängen der nadelgleichen Felsen konnte ich viele Seevögel erspähen, die dort ungestört zwischen Steinen und Gras saßen. Doch auch die Steilküste auf dem Festland wimmelte nur so von Vögeln. Neben Möwen und vielen mir namentlich unbekannten Seevögeln tummelten sich dort auch die knuffigen Papageientaucher. Der Schnabel ist besonders in der Brutsaison so farbenfroh.
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| Überall gab es (brütende) Papagaientaucher zu beobachten. |
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Aufgrund der Klimaerwärmung wird prognostiziert, dass sie
in ein paar Jahren von der Südküste Islands verschwinden werden,
weil es den Fischen, die sie jagen, im Wasser zu warm werden wird. |
Der Halbinsel Dyrhólaey auf der entgegengesetzten Seite des schwarzen Strandes stattete ich auch einen Besuch ab und erfreute mich neben den Papageientauchern vor allem an der Aussicht über den Strand.
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| Der schwarze Strand Reynisfjara. |
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Links Berge mit Gletschern, vor den Füßen Gras auf steilen
Klippen und rechts das Meer. |
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| Dazu wehte eine steife Brise um die Nase. |
Nachdem ich mich am schwarzen Strand dann doch irgendwann satt gesehen hatte und ich auch meinen Mittagshunger mit Proviant im Auto gestillt hatte, begann ich die Fahrt zurück in Richtung Westen mit spontanen und geplanten Stopps unterwegs. Mein nächster Halt am Gletscher Sólheimajökull stand ursprünglich nicht auf meiner Liste, bot sich aber an. Ich lief vom Parkplatz ein paar hundert Meter bis dem Ort, an dem der Gletscher derzeit in einen kleinen Gletschersee kalbt, setzte mich an den Rand des wirklich kalten Wassers und beobachtete windgeschützt zwischen den Bergen für eine Weile die Landschaft. Trotz der anderen Touristen in geringer Entfernung empfand ich den Aufenthalt dort als sehr friedlich.
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Rechts im Bild die Gletscherzunge, mittig abgekalbte Eisberge
im Gletschersee. |
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Natürlich kann man den Sólheimajökull auch mit geführten
Touren besteigen. Ich begnügte mich mit einem ruhigen Platz
am Wasser und sog die Szenerie in mich auf. |
Mein nächster Halt war zusammen mit tausenden anderen Touristen am Skógáfoss - neben dem Seljalandsfoss dem wohl bekanntesten Wasserfall entlang der Südküste. Der mächtige Skógáfoss ist der letzte Wasserfall des Skógáflusses, bevor dieser dann in das Meer mündet und von der Straße aus extrem leicht zugänglich. Bequem kann jeder beobachten, wie über eine Schwimmbeckenbreite von 25 Metern das Wasser 60 Meter in die Tiefe donnert.
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| Der Skógáfoss. |
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| Je näher man rangegangen ist, desto nässer und einsamer wurde es. |
Neben dem Wasserfall führt ein Weg hinauf neben die Fallkante. Natürlich stapfte ich nach oben und folgte anschließend noch eine Weile dem Weg entlang des Flusses nach Norden ins Inland. Je weiter ich lief, umso weniger andere Menschen waren da. Trotzdem ist es ein sehr beliebter Wanderweg und überall stehen Schilder, dass man auf dem Weg bleiben soll, da die Natur durch all die Wanderschuhe schon stark beschädigt ist. Das sieht man leider auch. In Island braucht die Vegetation sehr lange, um auch nur gering zu wachsen und natürlich ist sie nicht auf hunderttausende von Besuchern im Jahr ausgelegt.
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Blick von der Aussichtsplattform neben dem in die Tiefe
stürzenden Wasser. |
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Der Skógáfluss bildet aus dem Hochland kommend viele kleine Wasserfälle, bis er im bekannten Skógáfoss nach unten stürzt. |
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Irgendwo hinter mir, weiter nach Norden, ist der unscheinbare
Vulkan Eyjafjallajökull, der durch seinen Ausbruch 2010 in
aller Munde war - sofern man ihn denn aussprechen konnte. |
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| Wunderschöne, karge Landschaft. |
Im Grunde direkt nebem dem
Skógáfoss liegt das Heimatmuseum von Skógar. Es soll eins der besten Museen in Island sein und vermittelt auch im Freilichtmuseumsstil historische Lebensumstände auf der Insel im Nordatlantik. Aus Zeitgründen schaute ich mir nur von außen ein paar Hütten an, ehe ich zu einem Ort weiterfuhr, auf den ich mich noch etwas mehr freute - einer heißen Quelle inmitten der isländischen Hügel.
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Das Skógar-Freilichtmuseum mit viel Wissenswertem zur isländischen Geschichte. |
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| Nicht im Museum, aber auch historisch und entlang der Straße. |
Seljavallalaug ist eine Anfang des 20. Jhd. richtig als 25-Meter-Schwimmbecken angelegte Bademöglichkeit ein bisschen im Nichts, die mit heißem Wasser aus der Erde gespeist wird. Von der Ringstraße geht eine erst noch asphaltierte, dann nur noch eine Schotterstraße ein Stück gen Norden bis zu einem Schotterparkplatz von dem aus man etwa 20 Minuten einem Trampelpfad entlang eines kleinen Flusses folgt, bis sich links davon ein Freibad abzeichnet. Absolut toll!
Das Becken wurde in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts angelegt, damit die Menschen, die häufig vom Fischfang lebten, eine sichere Möglichkeit hatten, um Schwimmen zu lernen. Es ist einer der ältesten Schwimmbecken in Island. Zwar ist das Wasser, dass in das Becken fließt so heiß, dass man die Hand nicht direkt in das heiße Wasser halten will, aber dadurch dass das Becken eine recht große Oberfläche hat und der Zufluss nicht allzu stark ist, ist das Wasser im Becken zwar warm, aber nicht zu warm. Es hat eine angenehme Schwimmtemperatur. Wie lange ich genau das warme Wasser mit dem Ausblick genoss kann ich nicht sagen. Als ich das Becken verließ war es aber schon nach 18 Uhr und damit so langsam Zeit für mich das Auto auf relativ direktem Wege zum Flughafen zu steuern.
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In diesem Tal liegt hinten auf der linken Seite das warmwasser-
gespeiste Schwimmbecken Seljavallalaug. |
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| Blick von der tiefen Seite auf die einfachen Umkleideräume. |
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| Panorama mit Schwimmbecken, Tal und Fluss. |
Den ebenfalls sehr bekannten Wasserfall Seljalandsfoss, den man auch umlaufen kann, schaute ich mir aus Zeitgründen nur kurz von der Straße an. Einen kurzen Stopp musste ich ein paar Kilometer weiter einlegen, als ich auf einem Parkplatz entlang der Straße etwas entdeckte, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte: einen Trabant! Ich lachte wirklich laut los im Auto, als ich die gute alte VEB Rennpappe (leider etwas runtergekommen) mitten im Nirgendwo am Straßenrand in Island entdeckte. Da schien sich ein ostdeutscher Auswanderer ein bisschen (N)ostalgie erhalten zu wollen.
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| Links ein Trabant aus der DDR, rechts mein Mietwagen für den Tag. |
Nachdem es auf der Hinfahrt nach Vík í Mýrdal schon etwas geregnet hatte, zog die Wolkendecke auf der Rückfahrt zum Flughafen nun richtig zu und der Himmel öffnete seine Schleußen. Das war zwar fürs Fahren nicht ganz so angenehm, aber zum einen hatte ich tagsüber deutlich freundlicheres Wetter gehabt, als angekündigt und zum anderen genoss ich auch den grauen isländischen Charme.
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| Allein auf der Straße. |
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Regenstimmung am Abend entlang der Küstenstraße auf
der Reykjanes Halbinsel. |
Einen letzten, wirklich nur fünf minütigen Fotostopp legte ich rund 20 Kilometer vor dem Flughafen ein, um einen Blick auf das sehr bekannte Thermalbad Blaue Lagune zu werfen. Trotz Eintrittspreisen in der günstigsten Version ab 60€ ist diese nach wie vor eine der top Touristenattraktionen in Island. Dabei ist die Blaue Lagune ursprünglich nur ein zufälliges Abfallprodukt gewesen. Ein Geothermalkraftwerk pumpt bis zu 240°C heißes Wasser aus den Tiefen der Erde, um Strom daraus zu gewinnen und das Fernwärmenetz der Region zu versorgen. Im Anschluss wurde das Wasser, dass unter anderem reich an Kieselerde, Mineralsalzen und Algen ist, einfach in das das Kraftwerk umgebende Lavafeld geleitet, wo es einen durch die Kieselsäure blau schimmernden See erzeugte in den zunächst die einheimische Bevölkerung baden ging. Durch die heilende Wirkung des Wassers bei Hautproblemen und die magische weiß-blaue Färbung inmitten des schwarzen Vulkangesteins, wurden mit der Zeit auch immer mehr Touristen angelockt. Die Nähe zum Flughafen und Reykjavik sowie entsprechendes Marketing taten ihr übriges. Aufgrund des Preises (ein vierstündiger Wellnessaufenthalt kann ganz schnell auch 230€ kosten und mit Übernachtung in einer luxuriösen Suite kommen locker auch über eineinhalbtausend Euro zusammen) hatte ich einen Besuch für mich von vornherein ausgeschlossen. Hinzu kam die zeitliche Restriktion. Bei dem kurzen Fotostopp tauchte ich dennoch ganz kurz in die Magie des Farbspiels ein und konnte mir eine entspannende Wirkung im warmen Wasser schwebend, während die Nebelschwaden um einen wabern sehr gut vorstellen.
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| Das Geothermalkraftwerk, das die Blaue Lagune speist. |
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Nur ein ganz kleiner Ausschnitt des Farbspiels der Blauen
Lagune direkt an der Straße. Baden war natürlich verboten.
Zudem war das Wasser an dieser Stelle bereits komplett kalt. |
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