Freitag, 28. September 2018

Frankfurt am Main...

... ist neben Berlin und München wohl die bekannteste deutsche Stadt. Historisch gesehen, hat die Stadt auch eine bewegte Geschichte: als Freie Reichsstadt ein wichtiger Handelsort, durch Wahl und Krönung von Kaisern schon früher Treffpunkt wohlhabender Bürger, bedeutsam als Tagungsort des ersten deutschen Parlaments Mitte des 19. Jhd. und heutzutage mit seinen Hochhäusern und Banken ein wichtiges Finanzzentrum.
Ich war letzte Woche für eine Fachkonferenz in der Stadt. Die Konferenz selbst fand auf dem Universitätscampus Westend statt, der seit einigen Jahren den Hauptsitzt der Goethe Universität darstellt, nachdem das Gelände zuvor eine psychatrische Klinik, eine Konzernzentrale und zuletzt amerikanische Streitkräfte beherbergte. Die Gebäude auf dem Gelände könnten meines Erachtens noch ein bisschen mehr Farbe vertragen, sind aber insgesamt sehr modern und funktional und somit für Studium und Konferenzen gut geeignet. Die Lage ist außerdem zentral und die Grünflächen zwischen den Gebäuden bieten gute Pausenerholung.
Blick auf das zentrale Hörsaalgebäude der Goethe Universität Frankfurt.
Das alte IG Farben Haus von der Mensa aus gesehen.
Blick über den Campus. Im Hintergrund der Europaturm.
Am Abend nach der Konferenz, zog es mich einen Tag hinunter zum Main. Entlang der alten Oper, vorbei an einigen Glas-Stahl-Bauten und der Gallusanlage, die man Nachts aufgrund des "Frankfurter Applauses" nach Aussage einiger meiden sollte, kam ich schließlich zum Main. Fußgänger und Radfahrer tummelten sich entlang beider Ufer und genossen das Spätsommerwetter. Das Klientel war ein deutlich anderes, als das entlang der Taunusstraße im Bahnhofsviertel, wo ich mein Hotel hatte und später am Abend wieder hin musste. Eros-Club reiht sich dort an Table-Dance-Bar, Spielcasino und Stundenhotel. Vom Fußweg und besonders aus verlassenen Hauseingängen steigt einem Uringeruch in die Nase.
Das Euro-Zeichen deutet auf die Geldgeschäfte hin.
Der Märchenbrunnen zwischen Gallusanlage und Mainufer.
Die Taunusstraße bei Nacht - kein besonders schöner Ort.
Nach dem letzten Konferenztag beschloss ich mir die Stadt von oben anzuschauen, ehe ich sie per Zug wieder verlassen wollte. Am besten eignet sich dazu wohl der Maintower, weil er eins der höchsten Gebäude der Stadt ist und eine entsprechende Aussichtsplattform bietet. Der Fahrstuhl, der die Besucher hinauf und hinunter bringt ist jedoch unterdimensioniert, was längere Wartezeiten in stickigen Gängen zur Folge hatte. Der Ausblick von oben war jedoch sehr gut. 
Der Maintower (mit Antenne) bietet eine gute Aussichtsplattform.
Ich verbrachte bestimmt eine halbe Stunde auf der Aussichtsebene und blickte auf die alten wie neuen Gebäude - die Wolkenkratzer, in denen die meisten Menschen in teurem Zwirn hohe Finanzgeschäfte abwickelten; das Bahnhofsviertel, in dem viele wahrscheinlich mit den Monatsgehältern der Vorhergenannten übers Jahr kommen; die neu restaurierte Altstadt, in der Touristen wie Einheimische in Cafés Espresso schlürfen;  den Flughafen im Südwesten, durch den Menschen unterschiedlichster Nationalitäten eilen und auch auf die vielen Bäume und Parkanlage, die Frankfurt von oben sehr grün aussehen lassen. Der Taunus im Norden scheint auch sehr nah.
Blick nach Norden. Im Vordergrund die Alte Oper. Oberhalb des
kleinen Wolkenkratzers links davon lässt sich der Universitäts-
Campus Westend ausmachen.
Es wird weiter gebaut. Der Main fließt stoisch durch die Stadt.
Beim Blick gen Südwesten konnte ich gut die Flugzeuge im Lande-
anflug auf  FRA beobachten. Es hatte fast etwas Meditatives.
Von oben sehen die meisten Städte schön aus.
Nur gut zehn fußläufige Minuten vom Maintower entfernt, befinden sich Paulskirche, Römer, Altstadt und Dom. Also zog ich meinen kleinen Rollkoffer die Straßen entlang, um mir davon auch noch einen kurzen Eindruck zu verschaffen. Die Paulskirche, in der 1848/49 das erste deutsche Parlament tagte, hat nur von außen noch das Erscheinungsbild einer Kirche. Innen befinden sich Ausstellungsräume und ein Plenarsaal. Um die Geschichtskenntnisse etwas aufzufrischen war der Besuch ganz nett, aber ansonsten empfand ich ihn als nicht sonderlich beeindruckend. So ging es mir auch  beim Römerberg (dem Frankfurter Rathausplatz) und der dieses Jahr erst fertig frisch sanierten Altstadt. Besonders Letztere wirkte auf mich irgendwie künstlich und aufgesetzt. An mehreren Orten in Frankfurt empfand ich ein gewisses "Schicki-Micki-Flair" und eine "Etepetete-Atmosphäre". Einiges wirkte auf mich surreal und unecht. Ich sah im Parkverbot vor einem Café einen geparkten Ferrari und einen größeren Mercedes stehen. In dem Café saßen ein paar Männer. Der eine hielt eine Zigarre in der Hand, der andere schaute aufs Handy und ein Dritter laß Zeitung. Nur wenige Straßen weiter schlurften übelriechende Gestalten in dreckigen Sachen über den nach Urin riechenden Bürgersteig. Ich glaube, es war dieser Kontrast, der mich mit Frankfurt nicht warm werden ließ.
Blick in den Plenarsaal der Paulskirche.
Blick auf den Römer (Rathaus) vom Römerberg (Rathausplatz) aus.

Die frisch sanierte Altstadt. Zum Teil wurden Erker
und Vordächer ohne Funktion angebaut, um noch
mehr Puppenstubenflair zu erzeugen. Irgendwie
war das Bild für mich nicht rund, sondern aufgesetzt.

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