Freitag, 24. August 2018

Der Golden Circle...

... gilt als die bekannteste und beliebteste Tagestour in Island. In einer geführten Tour erlebt man innerhalb von gerade mal acht Stunden einige Blicke in Islands weite Landschaft; sieht Vulkane und Gletscher in der Ferne; alte Vulkankrater, Geysire und Wasserfälle ganz nah und der wohl geschichtsträchtigste Ort Islands Þingvellir mitten in der Grabenbruchzone zwischen amerikanischer und eurasischer Platte gehört auch zu der Tour, die in Reykjavik beginnt und endet. Zusammen mit meiner Kollegin entschieden wir uns für einen der unzähligen Touranbieter für diesen Ausflug.
Um einen ersten Eindruck von der Insel und dem Land zu bekommen, war es eine gute Idee. Wir haben wirklich viele verschiedene Landschaften an dem Tag gesehen und durch unseren Tourguide erfuhren wir auch noch viel über Kultur und Geschichte. Trotzdem würde ich jedem, der selbst mobil ist, empfehlen, die einzelnen Punkte individuell anzusteuern, denn auch wenn wir mit 18 Personen als Kleingruppe galten (die Tour wird auch von zahllosen großen Reisebussen mit 50 Leuten pro Tour "abgearbeitet"), so galt auch für uns "in einer (halben) Stunde geht es weiter." Das ist nicht mein bevorzugter Reisestil. Wenn es mir an einem Ort gefällt, möchte ich ihn noch länger erkunden (gern abseits der Bustouristenmassen) und wenn es mir nicht gefällt, dann halte ich im Zweifel gar nicht erst an. Trotzdem konnten wir am Abend auf einen erlebnisreichen Tag mit vielen guten Erinnerungen zurückblicken. Der Sonnenschein für den Großteil des Tages tat sein übriges.
Erster Stopp an einem Aussichtspunkt über Hveragerði.
Knappe 40 km östlich von Reykjavik liegt der Ort Hveragerði. Für isländische Verhältnisse ist er mit rund 2.500 Einwohnern ein recht großer Ort, aber wir waren ja auch noch nicht sonderlich weit von der Hauptstadt entfernt. Bekannt ist der Ort wegen einiger heißer Quellen und mit Erdwärme beheizter Gewächshäuser, in denen in diesem Ort (zu Versuchszwecken) Bananen angebaut werden. Wir hielten lediglich auf einem Supermarktparkplatz, um menschlichen Bedürfnissen nachgehen zu können. Etwas Spannendes sahen wir folglich nicht. Kurz nach Hveragerði bogen wir nach Norden ab, um am Kerið Krater zu halten. Er ist meiner Meinung nach vor allem deshalb bekannt, weil er zum einen gut erreichbar an der Rundtour des Golden Circle liegt und eine schöne gleichmäßige Kraterform mitsamt See am Grund aufweist. Das Wasser sagte man uns, sei Grundwasser und damit von der Höhe her auch natürlichen Grundwasserschwankungen ausgesetzt.
Der Kerið Krater.
Gebiet um den Kerið Krater.
Wir hatten an diesem Stopp sogar Zeit, ein bisschen weiter in die Landschaft zu laufen. Direkt neben dem Kerið Krater, sind noch viele andere Krater, die aber zum Teil zusammengestürzt und/ oder nicht so schön rund sind und keiner der anderen kann mit einem Kratersee aufwarten - dafür aber mit weniger Touristen.
Dreißig Kilometer weiter die Straße entlang hielten wir kurz beim Faxafoss. Foss bedeutet Wasserfall und davon gibt es in Island reichlich. Der Faxafoss ist nicht besonders hoch und nicht ganz so berühmt wie Gullfoss, Skogafoss oder Seljalandsfoss  aber bei Anglern beliebt und ganz hübsch anzuschauen.
Der idyllische, relativ wenig besuchte Faxafoss.
Noch ein Stück nördlicher kamen wir dann zu dem geothetmal aktiven Gebiet, das besonders für ein ehemals regelmäßig heißes Wasser in die Luft schleuderndes Naturphänomen bekannt ist: den Geysir. Der in vielen Sprachen gebräuchliche, allgemein verwendete Begriff Geysir stammt nämlich von diesem einem, konkret "Geysir" genannten Geysir ab. Der Geysir beeindruckte zu seinen aktiven Zeiten mit 70-80 Meter hohen Fontänen. Der Old Faithful im Yellowstone NP in den USA kommt immerhin auf 25-55 Meter und der jetzt noch aktive Geysir Strokkur in Island auf 25-35 Meter Höhe. Strokkur bricht auch zuverlässig etwa alle acht Minuten aus und zieht dadurch natürlich reichlich Touristen an. Ich fand es interessant, dass das Naturschauspiel von jede Seite etwas anders aussah und hätte mir gern noch ein paar mehr Ausbrüche angeschaut - aber da war wieder der wartende Bus.
Still liegt er da, der Geysir, der allen anderen Geysiren auf der
Welt seinen Namen gab.
Wartend stehen die Schaulustigen um Strokkur...
... der zuverlässig alle paar Minuten heißes Wasser in die Luft
schleudert.
Interessant fand ich die verschiedenen Austriebsphasen zu beobachten.
Vor der Besiedlung durch den Menschen soll etwa ein Viertel Islands bewaldet gewesen sein. Heute sind es nur noch etwa drei Prozent. Das Holz wurde benötigt, um Hütten zu bauen und Feuer zu machen und natürlich brauchten die Menschen Weideflächen für die mitgebrachten Nutztiere. Vereinzelt sieht man Rinder, vor allem jedoch Schafe und die bekannten Islandpferde auf den saftig grünen Wiesen. Überall in Island gibt es Angebote für Reitausflüge. Ich begnügte mich mit der Gabe eines kleinen Leckerlis.
Neben Schafen sieht man überall Islandpferde als Nutztiere in
der weiten Landschaft grasen.
Der nächste Halt entlang des Golden Circles war der Gullfoss-Wasserfall. Das Wasser des Flusses stürzt in zwei Kaskaden 11 und 21 Meter in die Tiefe. Es ist ein relativ großer und beeindruckender Wasserfall. Ich konnte mir trotz all der Besucher vor Ort gut vorstellen, wie die in die enge Schlucht stürzenden Wassermassen Geschichten über Elfen und Trolle inspirierten.
Imposanter Blick auf den goldenen Wasserfall.
Die Gischt steigt höher aus der Schlucht auf, als das Wasser
zuvor nach unten gefallen ist.
Gischt und Sonnenstrahlen zusammen erzeugen häufig einen
wunderschönen Regenbogen am Gullfoss.
Unser letzter Stopp führte uns in ein geologisch wie historisch interessantes Gebiet: Þingvellir. 
Plattentektoisch ist es interessant, weil sich hier die amerikanische und die eurasische Platte im Durchschnitt um zwei Zentimeter pro Jahr voneinander wegbewegen und dadurch ein riesiger Grabenbruch entstanden ist. Viele kleine Gräben lassen einen das hautnah spüren.
Für Island ist das Gebiet zudem sehr geschichtsträchtig. Für fast 900 Jahre hat in Þingvellir (Ebene der Volksversammlung) das Parlament getagt und wurde Recht gesprochen. Diese beiden Dinge im Kopf gepaart mit der Schönheit der Landschaft ließen in mir den Wunsch aufkommen dort ein paar Stunden wandern zu gehen und vielleicht auch mal in den See zu springen. Leider hatten wir aber nur eine halbe Stunde Zeit vor Ort. Von den Stopps entlang des Golden Circles ist Þingvellir der zu dem ich am liebsten nocheinmal mit mehr Zeit fahren wöllte.
Þingvellir - hier tagte Jahrhunderte lang das isländische Parlament.
Der See Þingvallavatn liegt zwischen eurasischer und  amerikan-
ischer Platte. Das Foto ist von der amerikanischen Platte aufgenommen.
Viele kleine Grabenbrüche auf dem Gebiet machen
das Auseinanderdriften der Platten anschaulich.
Auf diesem Hügel soll der Rechtssprecher die Gesetze verkündet haben.
Islands beeindruckende Landschaften sind oft in Film- und Fernseh-
produktionen zu sehen. So spielen auch die eng beeinanderliegenden,
hoch aufragenden Felswände in einer der bekanntesten Serien der
letzten Jahre eine Rolle [on my way to the Bloody Gate].
Die viele frische Luft und die Eindrücke des Tages ließen mich auf der Rückfahrt nach Reykjavik im Bus immer wieder wegnicken. In dem Fall war es sehr günstig, dass ich nicht selbst gefahren bin.
Tolle Landschaft auf der Rückfahrt nach Reykjavik.

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