...haben wir unsere ersten Tage auf der Nordinsel verbracht. Im Westen von uns lag der Whanganui NP und im Osten der Tongariro NP. In beiden Nationalparks gibt es jeweils einen der bereits erwähnten Great Walks und wir planten davon je einen Teil zu machen. Zunächst stand der Whanganui Fluss auf unserem Plan. Es ist der einzige Great Walk den man nicht läuft. Stattdessen kann man bis zu fünf Tage im Kanu oder Kajak den Fluss hinab paddeln. Wie bereits erwähnt paddelten wir nur eine Teilstrecke von knapp 40 km an einem Tag. Auf dem Abschnitt, den wir uns ausgesucht hatten, trafen wir nur auf vier weitere Kanus. Ansonsten waren wir allein - von Enten auf dem Wasser und gelegentlich Ziegen oder Schafen am Uferhang abgesehen.
 |
| Unsere Sachen wasserfest verzurrt im Boot. |
 |
| Der Whanganui Fluss. |
 |
| Blick vom Whakahoro Zeltplatz auf den Fluss. |
 |
| Whakahoro Hütte und Zeltplatz - Rast für die Nacht. |
Den Tag nach dem Paddeln entspannten wir und entschieden uns für einen Zeltplatz zwischen Anfangs- und Endpunkt des Tongariro Crossing, einem Teil des Northern Circuits Great Walk. Leider zeltete dort auch eine Gruppe junger Deutscher, die bis nachts ein Uhr mit viel Alkohol Spaß hatte und anschließend schnarchte. Zeltwände halten Geräusche faktisch nicht ab.
Dafür versprach der nächsten Tag wettertechnisch perfekt zu werden, um "durch Mordor" zu laufen. Ich begann die 19,4 km lange Wanderung mit ca. 800 Höhenmetern Auf- und 1.000 Höhenmetern Abstieg dreiviertel neun am Morgen und war damit schon relativ spät dran. Die ersten Shuttlebusse bringen einen halb sieben zum Startpunkt. Ein offizieller vor Ort sagte auf Nachfrage, dass sie für den Tag mit insgesamt etwa 2.000 Leuten auf Neuseelands wohl beliebtester Tageswanderung rechnen. Ziemlich krass!
Es waren auch immer Menschen vor und hinter einem und trotzdem machte die Wanderung wirklich viel Freude, was ohne Frage an den tollen Ausblicken lag, die ich bei perfekten Bedingungen genießen konnte. Am Anfang machte ich mir noch einen Spaß daraus mitzuzählen, wieviele Wandersleute ich überholte und wieviele mich überholten. Die ersten vier Kilometer funktionierte das noch. Bei reichlich 100 zu ca. 15 musste ich dann allerdings aufhören, da es durch Trink-, Essen-, Foto- oder Klopausen genauso erschwert wurde wie durch die Tatsache, dass es nach einer Weile nicht mehr nur den einen Weg gab, sondern ein paar alternative Routen möglich waren.
Die ersten Kilometer führten seicht ansteigend oftmals über Holzstege durch eine Gras- und Heidelandschaft. Diese wurde von immer mehr (schwarzem) Vulkangestein abgelöst und der seichte Anstieg wich dem Devils Staircase - viele, viele Stufen. Die ganze Zeit hatte man einen tollen Blick auf den Schicksalsberg - bzw. Mt. Ngauruhoe, wie er eigentlich heißt, aber durch Herr der Ringe kennt ihn fast jeder unter dem Namen aus Mittelerde. Insgesamt gibt es im Tongariro Nationalpark drei große Berge. In der Größe nach aufsteigender Ordnung sind das Tongariro, Ngauruhoe und Ruapehu. Es gibt einige Maorilegenden, die sich um diese Berge und die Gegend ranken. Ich fand es spannend, wie die unterschiedlichen Perspektiven durch die Ortsveränderungen beim Wandern immer wieder neue tolle Ansichten ergaben. Da die Sicht wirklich gut war, konnte ich 140 km weiter westlich die Spitze von Mt. Taranaki (Mt. Egmont) sehen.
Den Schicksalsberg läuft man beim Tongariro Crossing nicht bis zum Krater hoch aber inspiriert durch Herr der Ringe gibt es viele, die es doch tun. Mit Fernglas oder gutem optischen Zoom der Kamera erkannte ich einige Menschen am Rand des Kraters. Ich begnügte mich mit dem weiteren Aufstieg zum roten Krater - dem höchsten Punkt beim Tongariro Crossing. Die Aussicht von dort in den roten Krater, auf den Schicksalsberg und hinab auf die Emerald Lakes und den Blue Lake und die Landlandschaft war wirklich richtig gut und lohnte die Mühen. Nach zwei längeren Pausen an Krater und den Emerald Lakes begann ich mit dem Abstieg. Nach kurzer Zeit eröffnete sich ein neuer Blick. Es war keine Vulkanlandschaft mehr, sondern bergiges Grasland und im Tal konnte ich See Rotoaira und im Hintergrund sogar den großen See Taupo sehen.
Der Abstieg zog sich gefühlt deutlich länger als der Aufstieg. Die letzten drei Kilometer führten durch Wald. Der federnde Waldboden war mir genauso willkommen, wie die schattenspendenden Bäume. Trotzdem waren die letzten drei Kilometer gefühlt die Längsten. Ich war froh, als ich nach knapp 20 km und reichlich sechs Stunden wieder in einem bequemen Auto Platz nehmen konnte.
 |
| Ich lasse den einen Ring in den Berg fallen. ^^ |
 |
Rechts im Bild zu sehen Mt. Ruapehu, mittig Mt. Ngauruhoe (Schicksalsberg) und links noch Mt. Tongariro. |
 |
| Die Heidelandschaft erinnert noch nicht so sehr an Mordor. |
 |
| Rauf, rauf, rauf - immer schön die Treppe rauf. |
 |
| Vulkanlandschaft. |
 |
Hier etwa hätte ich abzweigen müssen, um den Schicksalsberg komplett zu erklimmen. |
 |
| Ein Auge fürs Detail... |
 |
| ... und für die Weite der Landschaft. |
 |
| Es fiel mir schwer mich satt zu sehen. |
 |
Roter Krater im Vordergrund, Schicksalsberg im Hintergrund. |
 |
| Die Erde in der Gegend ist noch immer aktiv. |
 |
Wunderschöner Blick auf die Emerals Lakes und den Blue Lake (links). |
 |
| Der erste Blick ins Tal zu Beginn des Abstiegs. |
 |
Es motiviert nur begrenzt, wenn man den ganzen Weg vor sich ausgebreitet sieht. |
 |
| Wundervolle Panoramen. |
 |
| An verschiedenen Stellen dampfte und qualmte es aus der Erde. |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen