
... erlebten wir während unserer Zeit dort zwar nicht, aber Ende der Woche hatten wir doch zumindest ein wenig Schnee. Es war nicht wirklich der Rede wert, aber den Gehsteig direkt am Wasser sperrten die übervorsichtigen Amerikaner trotzdem ab - es könnte ja jemand ausrutschen, sich etwas brechen und dann die Stadt auf Schadenersatz verklagen. Am späten Vormittag war der Spuk aber Großteils schon wieder vorbei. Als es die Sonne wieder durch die Wolken geschafft hatte, schmolz der meiste Schnee schnell dahin.

Bis auf einen Tag, an dem es fast die ganze Zeit grau und diesig war, hatten wir die meisten Tage wunderschönes Fotowetter, wie ihr sicherlich schon festgestellt habt. So war auch der Himmel blau, als ich eine Tour durch Harlem machte, den nördlichen Teil von Manhattan der für seine überwiegend schwarze Bevölkerung bekannt und manche würden sagen berüchtigt ist. Um mir nicht selbst alles per Reiseführer anlesen zu müssen, beschloss ich mich einer kleinen fußläufigen Gruppe anzuschließen und konnte so auch Rückfragen an unsere Tourführerin stellen, die die drei Stunden zwischen der 135ten und 125ten Straße sehr unterhaltsam gestaltete. So lernte ich unter anderem, dass Harlem früher der noble Vorort von Downtown Manhattan war, in dem die Reichen und schönen wohnten, weshalb auch die Straßen und Gesteige weiter sind, als bspw. in Greenwich oder der Lower Eastside. Es war eine Gospel Tour und so erzählte unsere Führerin uns viel über die Kirchen und den Möglichkeiten die Gospelchöre zu den Gottesdiensten zu erleben und nebenbei brachte sie uns verschiedene Aspekte der schwarzen Kultur nahe. Dazu gehörten auf der einen Seite die offene Bühne des Apollo Theaters, auf der auch heute noch jeder sein Glück versuchen kann und fast jeder bedeutende schwarze Künstler wie James Brown, Michael Jackson und Louis Armstrong einmal angefangen hat. Sie erzählte uns vom Hotel Theresa, früher einem der größten und luxuriösesten Hotels in den ganzen USA und auch heute noch mit einer hübschen Fassade von außen anzushen. Sie erzählte Geschichten zu den bekannten Brownstone-Häusern und sprach von Bill Clintons Affinität zu Harlem. Auf der anderen Seite standen Graffitti, die nach der Unrechtsbehandlung von Afroamerikanern durch Polizisten entstanden waren und auf denen Jugendliche darauf hinwiesen, dass alle die gleichen Rechte haben und man diese auch einfordern sollte. Ein anderes Wandgemälde machte auf den Umstand aufmerksam, dass farbige Frauen häufiger schwere Formen von Brustkrebs bekommen als weiße Frauen und dann waren da noch die grünen Taxen. Mir war aufgefallen, dass südlich vom Central Park die aus Film und Fernsehen bekannten gelben Taxen von NYC zahlwillige Kunden aufpickten. In Harlem waren die Taxen jedoch fast ausschließlich in einem hellen Grünton gehalten und sie hatten neben den Üblichen ein weiteres Symbol auf der Tür: eine Person mit erhobenem Arm als wöllte sie ein Taxi rufen ist durchgestrichen und daneben steht 'Manhattan südlich von W110 und E96'. Übersetzt bedeutet das, dass diese Taxen südlich von Harlem in Manhattan keine an der Straße winkenden Kunden aufpicken dürfen. Sind diese Extra-Taxen also eingeführt worden, weil die vorrangig weißen Kunden im Süden Angst vor schwarzen Fahrern aus dem Norden hatten? Nach dem, was unsere Führerin uns erzählte, war es eher umgedreht: Die weißen Taxifahrer hatten Angst schwarze Gäste mitzunehmen und damit diese aber trotzdem eine Chance haben, ein Taxi zu bekommen, wurden die grünen Taxen eingeführt. So oder so ist es diskriminierend. Wie wahr diese Geschichte ist, weiß ich nicht, aber Fakt ist, dass es im südlichen Manhattan die Yellow Cabs gibt und in Harlem die grünen Taxen, die zwar Personen in den Süden fahren dürfen, dort vor Ort aber den gelben Taxen kein Geschäft 'wegnehmen' dürfen. Rassismus ist nach wie vor ein Thema und in verschiedensten Formen präsent.
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| Die Abyssinian Kirche - der Gospel zum Gottesdienst ist berühmt. |
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| Kenne deine Rechte gegenüber der Polizei sagt dieses Wandgemälde. |
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| Jeder kann im Apollo auftreten - einige werden berühmt. |
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| Ein Gemälde, um auf Brustkrebs aufmerksam zu machen. |
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| Nix mit Yellow Cab in Harlem. Hier sind die Taxen grün. |
Am Ende unserer Gospel-Tour erlebten wir dann auch noch ein wenig Gospel. Zwar war es ein recht kleiner Chor und er sang weder in einer der bekannten Kirchen noch im Apollo Theater, aber es reichte für einen kleinen Einblick in die Gospelwelt. Da die allermeisten Zuhörer (mich eingeschlossen) jedoch Rhythmus-Legastheniker waren, fehlte ein wenig das Flair, das aufkommt, wenn das gesamte Publikum mitgeht. Die Musiker gaben sich jedoch alle Mühe, uns träge Touristen in Schwung zu bekommen.
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| Eine kleine Gospel Probe gab es für uns am Ende der Tour auch. |
Noch bekannter als die Gospelchöre oder das Apollo Theater in Harlem sind die Broadway Theater mit ihren Musicals. Ich war jetzt insgesamt zum dritten Mal in NYC - diesmal wollte ich auch in ein Broadway Musical gehen. Allerdings wollte ich nicht 70$ für die hinterste Reihe bezahlen aber erst recht keine 200$ für einen der guten Plätze. Wie bei fast allen Aktivitäten gibt es auch für den Besuch eines Musicals Möglichkeiten, den offiziellen Preis um einiges zu reduzieren. Zum einen gibt es für viele Shows am selben Tag bis zu 50% reduzierte Karten. Macht Plätze in den vorderen Reihen immer noch recht preisintensiv. Es gibt jedoch für ausgewählte Stücke auch die Option für 30$ einen super Platz zu bekommen. Manche Theater bieten sogenannte Rush-Tickets an, was soviel bedeutet: sei der erste in der Schlange, wenn das Verkaufsfenster zu einer bestimmten Zeit aufmacht, um Karten für die Vorstellung am selben Tag zu ergattern. Da ich im Urlaub aber ungern spätestens 7 Uhr aufstehen und dann mind. eine Stunde in der Kälte warten wollte, entschied ich mich für die dritte Option: einige Theater bieten auch sogenannte Lotterie-Tickets an. Dabei schreibt man einfach seinen Namen auf einen Zettel, schmeißt diesen 2,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn in eine Lostrommel, hofft, dass nicht so viele andere Leute kommen, um seine Chancen zu erhöhen und bangt dann 2 Stunden vor Vorstellungsbeginn, wenn die Namen der Gewinner gezogen werden, dass der eigene Name ebenfalls gezogen wird. Gleich bei meinem ersten Versuch, für eine Nachmittagsvorstellung von Alladin, hatte ich Glück! Das war aber auch wenig überraschend - hatte ich doch die Wunderlampe gerieben und darum gebeten, dass mein Name gezogen wird. Ich versuchte es auch an drei Tagen für das Musical Wicked, aber da gab es leider keine Wunderlampe, um dem Glück auf die Sprünge zu helfen und so blieb es bei einem Broadway-Musical-Besuch, aber der war auch ein richtig tolles Erlebnis.
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| Einmal an der Lampe rubbeln und schon gibt es ein Ticket. |
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| Happy End im Palast. |

Was bis dahin auf unserer New York Liste auch noch fehlte war ein guter Blick auf die Freiheitsstatue, die trotz propagierter Freiheit auf einer kleinen Insel im Süden von Manhattan gefangen ist. Statt einem 20$ teuren Ausflugsboot nahmen wir die Staten Island Ferry, die unermüdlich zwischen dem Südende von Manhattan und Staten Island verkehrt - kostenfrei für alle Nutzer. So bekamen wir auch noch ein gutes Postkartenmotiv auf eines der Wahrzeichen der Stadt und Bootfahren ist ohnehin immer ein tolles Erlebnis. Zurück zum Hotel nach Jersey City nahmen wir hingegen wieder ganz klassisch die U-Bahn und am Samstag ging es dann per Bus in Richtung Boston, doch davon mehr im nächsten Eintrag.
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| Blick auf Brooklyn und Manhattan Brücke. |
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Panorama von Freiheitsstatue über Jersey City, Downtown
Manhattan, Brooklyn Brücke bis nach Brooklyn. |
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| Warten in einer U-Bahn Station mit Popkorn-Decke. |
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| Über Greyhound gebucht und mit Peter Pan ins Nimmerland gefahren. |
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