Mittwoch, 12. April 2017

Die größte deutsche Insel...

... besuchten wir nach unserem Stralsund-Aufenthalt für ebenfalls zwei Nächte. Unser erstes Ziel waren die berühmten Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund. Nach ein bisschen Ärger bei der Parkplatzsuche (Es gab mehr als genug Parkplätze, für die man aber jeweils ordentlich zur Kasse gebeten wurde und Parkautomaten müssen natürlich auch nicht wechseln. Die Touristen haben schließlich reichlich Geld.), wanderten wir durch die teils verwunschen anmutenden Buchenwälder zur Kreideküste. Am berühmten Königsstuhl trafen wir noch auf viele andere Besucher. Je weiter wir uns von den verkehrstechnisch gut erreichbaren Touristenorten entfernten, umso ruhiger wurde es und die Menschen, die wir dann noch trafen, waren tendenziell unser Alter. Das war eine angenehme Abwechslung. Speziell in Binz die folgenden Tage kamen wir uns als über 12 und unter 60 Jährige nämlich doch recht deplatziert vor.
Die Naturerscheinung der Kreideküste ist jedenfalls immer mal wieder einen Besuch wert und wir kehrten erst um, als unser Proviant aufgebraucht und die Gliedmaßen kalt waren. Gerade als wir ins Auto stiegen begann dann auch wieder der Regen.

Blick zum Königsstuhl. Unten links frisch gefällte Bäume, die all-
gegenwärtig waren. Oben rechts teils sehr amüsante Warnschilder.
Blick von der Viktoriasicht nach unten.
Die Buchenwaldlandschaft im Nationalpark Jasmund ist wirklich schön.

Vom Hohen Ufer aus überblickt man ein gutes Stück Kreideküste.
Verträumt liegen bemoste Steine um den Teich.

Blick in ein Wildgehege.
Nach einer Stärkung im Restaurant verbrachten wir den restlichen verregneten Abend in unserem Hotel in Binz und schmiedeten mit einem Auge auf den früh-trocken-später-Regen-Wetterbericht die Pläne für den nächsten Tag. Wir entschieden uns für eine morgendliche Wanderung am Strand entlang gen Norden bis zum ehemaligen KdF-Bad Prora und von dort zum Baumwipfelpfad nahe am kleinen Jasmunder Bodden. Beim entlangschlendern am Strand kam mir wieder die Aussage in den Sinn, dass die Ostsee immer schön sei - egal bei welchem Wetter. Es stimmt. Mit der richtigen Kleidung tut ein Ortswechsel mit Seeluft einfach immer gut.
Am Ostseestrand bei Binz.
Prora als ein Ortsteil von Binz ist wohl vor allem als von den Nazis geplantes KdF-Bad bekannt und auch an einigen offiziellen Straßenschildern ist direkt "ehemaliges Kdf-Bad" ausgeschildert. Der nie vollendete Bau gleicht einer gefühlt endlosen Mauer, die sich die Küste ursprünglich 4,5 km direkt hinter den Dünen von Süd nach Nord zieht. Nach dem Krieg blieben 2,5 km lange Betonblöcke stehen, die zu DDR Zeiten als Kasernen für das Militär dienten. Mittlerweile haben umfangreiche Sanierungsarbeiten begonnen. In erster Reihe stehend wird der denkmalgeschützte Komplex grundsaniert und den modernen Befindlichkeiten angepasst, um Apartments und Hotelzimmer für gut zahlende Gäste zu schaffen. Rein optisch sehen die sanierten Blöcke von außen ganz hübsch aus. Wirklich dort übernachten wöllte ich dennoch nicht. Es bleibt eine lange undurchdringliche Wand mit zweifelhafter Geschichte.
Der südliche, bereits großteils sanierte Teil von Prora.
Ein bisschen weiter nördlich sind die Gebäude noch unsaniert.
Noch vorgeprägt auf die NS Zeit kam uns bei "Adlerhorst" das Führerhauptquartier im Taunus in den Sinn. Der Adlerhorst, den wir als nächstes besuchen wollten, hatte jedoch nichts mit Krieg zu tun, sondern mit Bildung und Weitblick. Unser Ziel war das Naturerbezentrum Rügen, welches u. a. einen sehr schönen Baumwipfelpfad zu bieten hat, dessen Wahrzeichen ein einem Adlerhorst nachempfundener 40 Meter hoher Aussichtsturm darstellt. Der Baumwipfelpfad ist für Familien, junge Paare, Rollstuhlfahrer und alte Menschen gleichermaßen geeignet. Alles ist barrierefrei. Der Ausblick in die Natur ist toll und die Erklärungstafeln, die teilweise zum Mitmachen einladen, sind sehr kurzweilig gestaltet. Natürlich begann es genau dann zu regnen, als wir ganz oben auf dem Adlerhorst waren. Der Besuch lohnte sich trotzdem! Nach dem Abstieg bot die angeschlossene Cafeteria zudem eine kräftigende Mahlzeit und die Ausstellung im Haupthaus noch viel weiteres Wissenswertes über Flora und Fauna von Rügen.
Der Weg auf den Aussichtsturm führt barrierefrei spiralförmig nach
oben. Wenn man mag, gibt es aber auch Balanciermöglichkeiten.
Blick von der Aussichtplattform Adlerhorst vom kleinen Jasmunder
Bodden im Westen, über die Schmale Heide und Prora hin zur Ostsee.
Der Aussichtsturm wurde um eine Buche herum gebaut. Auf dem
Weg konnte man u. a. mit Klanghölzern Musik machen, einen Teil
des Wassers mit Muskelkraft nach oben pumpen, das ein Baum täglich
über seine Wurzeln nach oben ziehen muss und nicht mehr ganz
barrierefreie Abkürzungen ausprobieren.
Bei strömendem Regen liefen wir danach die 5,5 km zum Hotel zurück, da der normale Linienbus nicht wie im Fahrplan ausgewiesen fuhr und die Bäderbahn uns trotz bezahlter 6€ Kurtaxe für diese Strecke insgesamt weitere 10€ gekostet hätte, was wir nicht wirklich einsahen, zumal der Bäderbahnfahrer extrem mufflig war. Manche Dinge in touristisch geprägten Gebieten gefallen mir nicht so sehr.
Am nächsten Morgen lachte dafür dann die Sonne von Ost nach West und von Süd nach Nord vom Himmel herab. Es war wettertechnisch der schönste Tag unseres Urlaubs, den wir jedoch nach dem Frühstück nur noch etwa eine Stunde bei einem kurzen Strandspaziergang genießen konnten, ehe wir die Rückfahrt antreten mussten. Natürlich gab es vor der Abfahrt von der Küste aber noch ein ultra leckeres Fischbrötchen als Wegzehrung. Die schmecken einfach nirgends so gut, wie direkt an der Küste.
Ostseestrand wie man ihn sich vorstellt bei strahlendem Sonnenschein.
Blick von der Seebrücke zum alten Ortskern von Binz.

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