Montag, 16. September 2013

Anektdoten aus den USA...

... hatte ich euch versprochen und werde ich jetzt auch ein paar liefern. Da die einzelnen Eindrücke inhaltlich nicht unbedingt zusammenhängen, schildere ich sie einfach dem zeitlichen Ablauf entsprechend und fange deshalb mit Denver an.
Über die verhältnismäßige Umweltfreundlichkeit hatte ich ja schon ein paar Worte verloren. Trotzdem ist Denver natürlich eine uramerikanische Stadt - oder? Wir hatten uns beim Betreten des Flugzeuges in Frankfurt seelisch und moralisch für die nächsten drei Wochen von "typisch deutschem" Essen wie dunklem Körnerbrot, Roster und Döner verabschiedet. Doch weit gefehlt. All diese Dinge liefen uns in Colorados Hauptstadt doch tatsächlich über den Weg und als ich an dem Dönerstand mal neugierig schaute, sah man mir wahrscheinlich an, dass ich ein Überseetourist war, denn der Herr im Wagen quatschte mich gleich mal auf Deutsch an. Döner kaufte ich trotzdem keinen, aber dunkles Körnerbrot.
Dönerstand in Denver.
Denver selbst liegt ja bereits auf 1609 Meter Höhe ("Mile high city") und bei unserer Querung der Rocky Mountains passierten wir die höchste asphaltierte Straße in den USA auf über 3700 Metern. Das liegt deutlich über Zugspitzen-Niveau (2962 Meter) und trotzdem war es im Spaghetti-Top warm genug.
Im Rocky Mountain NP auf über 3700 m.
 In den USA besteht keine Helmpflicht, so dass den Bikern noch richtig der Wind um die Nase weht, wenn sie über die Straßen düsen. Wenn man sich entschließt keinen Helm auf zu setzen - ok, das ist die Entscheidung eines erwachsenen Menschen. Lustig finde ich es nur immer, wenn einige der Motorradfahrer ihren Helm gut verschnürt beim Gepäck mitführen.
Besucherzentrum des Colorado National Monuments.
 Im Eintrag "Felsenlandschaften" hatte ich das Thema Flash Flood schon einmal angesprochen. Flash Flood ist eine plötzliche Überschwemmung die in den trockenen Gebieten nach Regenschauern - auch kilometer weit entfernt - auftreten können, da die trockene Gegend das Regenwasser nicht aufnehmen kann, sondern einfach nur bergab leitet. Je größer das Einzugsgebiet, desto höher die Gefahr eines Flash Floods. Wir konnten einen in Arches National Park erleben, als wir von unserer Wanderung zum Delicate Arch zurück zum Parkplatz kamen. Glücklicher Weise stand unser Auto auf der Seite des Wassers, wo es zum Parkausgang ging. Anderweitig hätten wir etwa zehn Stunden darauf warten dürfen, dass das Wasser langsam wieder zurück geht, um mit dem Auto durch zu fahren.
Flash Flood in Arches National Park nahe Delicate Arch.Wir
stehen zum Glück auf der Seite, wo es zur Parkausfahrt geht.
Durch den im Bild zu sehenden Wasserstand kam nämlich noch nicht einmal die Parkrangerin, obwohl sie ein hochbeiniges Gefährt hatte. Nicht das Autos in den USA generell klein wären. S-Klassen-Größe ist eher Mittelmaß. Deutsche Parkplätze wären total ungeeignet. Interessant fand ich auch den Anblick eines Trucks, der die Zugmaschinen von drei anderen transportiert.

Teilweise ist es schwierig, auf das Dach der Autos zu greifen.
 Auch interessant war der Blick aus dem Hotelfenster in Pangosa Springs am Morgen des 31. Augusts. Es war der Samstagmorgen des Labour Day Wochenendes, d. h. des letzten langen (weil Montag Feiertag ist) Wochenendes des Sommers für die Amerikaner. Viele nutzen dieses verlängerte Wochenende, um mit Freunden oder Familie einen Ausflug zu machen - oder beispielsweise eine Fahrt im Heißluftballon. Kann man ja auch in Deutschland machen - nur hatten wir unsere Zweifel, dass in Deutschland der Ballon auch einfach mal im Vorgarten aufgeblasen und dann mitten im Wohngebiet steigen gelassen wird. Easy going Americans.
Ballonsteigen im Wohngebiet.
Das unten stehende Schild ist leider nicht so gut zu lesen. Es zeigt verschiedene Dinge, die im Gebäude nicht erwünscht sind. Gegen Haustiere, Rauchen, Essen und Getränke haben sie in Deutschland auch etwas - aber ich habe bei uns noch nie gesehen, dass die Schusswaffen unerwünscht sein. Wäre die Schlussfolgerung, dass die Amerikaner spießig sind, jetzt falsch? ^^
Bitte keine Haustiere, Rauchen, Essen,
Getränke oder Schusswaffen.
Wie auch schon in einem früheren Blogeintrag angedeutet, ist die Kontinentquerung in den USA durch Staaten wie Oklahoma, Kansas, Nebraska, South oder auch Northdakota nicht sonderlich spannend. Natürlich ist in den USA aber jeder immer der Beste, Schönste, Tollste und jeder (noch so kleine Ort) hat etwas, auf das er stolz sein will und damit versucht Besucher anzulocken. Mit nicht einmal 1.500 Einwohnern kann dieser Ort dennoch mit etwas sehr Seltenem punkten: Dem selben Abstand zwischen New York City und San Franciso. Ob es sich dabei um die Luftlinie, Nebenstraßen oder schnellste Verbindung entlang von Highways handelt, habe ich nicht näher untersucht, aber zugegebener Maßen bot selbst ein solch (belangloses) Zeichen am Straßenrand eine gewisse Abwechslung während der Fahrt. Wenn wir jedoch nicht zufällig vorbei gefahren wären und ich ein Foto aus dem fahrenden Auto hinbekommen hätte, wäre mein Leben auch weiter gegangen. ^^
Von Kinsley, KS sind es genau 1561 Meilen nach NYC und SF.
Das Space-Museum in Hutchinson, KS ist hingegen wirklich einen Abstecher wert und das nicht nur für Chemnitzer. Warum speziell für Chemnitzer? Die Ausstellung entlang der Raumfahrtgeschichte beginnt mit einem großen 'German Room'. Das erste Wort, was ein Besucher am Eingang in großen Bbuchstaben ließt, ist tatsächlich "Peenemünde," denn es geht zunächst um die Entwicklung der V1 und V2 im dritten Reich. Natürlich findet auch das Ende des Kriegs seine Erwähnung und hier kommt Chemnitz ins Spiel. An der Wand war nämlich eine Flagge mit Hakenkreuz ausgestellt und beim beiläufigen Scannen der Erklärungstafel darunter sprang mich ein Ortsname an: Chemnitz. Es ist doch immer wieder interessant, wie klein die Welt doch ist.
Über die Bezeichnung von Chemnitz als "small town" lässt sich
sicherlich streiten - zumal Hutchinson, KS nicht einmal 41.000
und damit nur etwa ein Sechstel der Einwohner Chemnitz' zählt.
Nachdem oben schon von den großen Autos in den USA die Rede war hier noch ein Foto, welches die Mentalität der Amerikaner bezüglich des Autofahrens zum Ausdruck bringen soll. Die Holmen High School (Alter der Schüler i.d.R. 15-18; ab 16 kann man den Führerschein machen) beherbergt dieses Jahr über 1.100 Schüler. Als ich an einem warmen, trockenen Septembermorgen dort war, standen ganze zehn Fahrräder im Fahrradständer - das Rad, mit dem ich gekommen war, mitgezählt. Der Schülerparkplatz war hingegen voll. Sicherlich ist in den USA alles viel weitläufiger und für viele wäre der Weg mit dem Rad einfach zu weit, aber faszinierend finde ich diese Aufteilung doch immer wieder. Man stelle sich bei uns nur einmal einen eigenen (kostenfreien) Parkplatz für Schüler vor.
Die vorletzte hier erzählte Geschichte behandelt die Mall of America (MoA) in den sogenannten Twin Cities. Seit über 20 Jahren ist die MoA das Shoppingparadies für Millionen jedes Jahr. Da der Flughafen von Minneapolis/ Saint Paul keine zehn Minuten entfernt auf der anderen Seite des Highways liegt, kommen ganze Flugzeuge voller Touristen (bevorzugt aus Skandinavien oder Japan, wie eine Verkäuferin erzählte), um dem Kaufrausch zu fröhnen, bevor am Folgetag der Flieger zurück in die Heimat geht. Für Leute, die ein wenig mehr Zeit im Gebäude verbringen wollen, gibt es neben den ganzen Läden viele weitere Optionen: Ein indoor Freizeitpark mit Achterbahnen, Riesenrad und allem, was dazu gehört; SeaLife; Disocs; Kino und und und. Dem Konsumwahnsinn sind nur durch die Öffnungszeiten Grenzen gesetzt.
Die Mall of America besuchen jedes Jahr über 40 Mio Kunden.
Das ist mehr als jeder zweite Deutsche.
Abschließend noch ein Bild der Ruhe und Entspannung. Diese hatten wir uns auch gewünscht, als es zwei von uns essensbedingt kurzzeitig niedergestreckt hatte. Was macht man zu Hause, wenn der Magen nicht so richtig will? Schlafen, Tee trinken und Zwieback essen. Schlafen kann man in den USA. Tee findet sich auch in verschiedenen Sorten. Mit Zwieback sah es schon schlechter aus. Ein paar Wenige wussten zumindest, was das ist, aber im Laden hatten sie es nicht - noch nicht einmal bei der Säuglingsnahrung. Säuglingsnahrung? Ja, denn verschiedene Personen erzählten mir voneinander unabhängig, dass Zwieback etwas sei, was man zahnenden Babys geben könnte. Dass es sich auch für Kranke ganz gut macht, hatten sie noch nie gehört. Die Suche im Supermarkt mit der Unterstützung von freundlichen Angestellten brachte am Ende Wasa-Knäckebrot (die Packung für 3,50$) zu Tage. Das und die Ruhe halfen uns wieder auf die Beine, so dass wir die letzten Urlaubstage noch genießen konnten.
Sonnenuntergang.

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