Mittwoch, 5. Dezember 2012

Persaunet...

... mein Dach überm Kopf für die vergangenden vier Monate, lässt einen einfach nicht zur Ruhe kommen. Wie sagte meine Zimmergenossin heute: Es gab wohl keine einzige Woche, in der nicht irgendwelche Probleme aufgetreten sind. Vieles hatte ich schon hier und dort mal erwähnt: Klimaanlage, überfüllte und dreckige Küche und Aufenthaltsraum, verschwindendes Essen, kalte Heizung, nicht funktionierendes Internet, durchgehend heiße Heizung, verschwindendes Geschirr. Im Grunde ist heute nichts Neues dazu gekommen, nur hat sich die Temperaturproblematik mal wieder in den Vordergrund gedrängt. Nach der für einige Tage feuerheißen Heizung, war die Heizung das vorvergangende Wochenende fast vollständig erkaltet. Als ich am Montag vom Hüttenausflug nach Flåkoia wiederkam, zeigte das in meine Uhr integrierte Thermometer knappe 15°C Raumtemperatur an. Natürlich setzte ich mich sofort mit SiT (entspricht dem Studentenwerk) in Verbindung und ab Dienstag feuerte unsere Heizung wieder auf vollen Touren und wir mussten von Zeit zu Zeit das Fenster öffnen, um es nicht über 22°C hochheizen zu lassen. Es scheint nur ein entweder - oder zu geben. Gestern Abend wurde es wieder merklich kühler im Raum. Ein Hand-an-die-Heizung-halte-test bestätigte: nur noch die reichliche Hälfte war warm. Um bei -15°C Außentemperatur nicht den gesamten Heizkörper erkalten zu lassen, erlag ich meiner Lieblingsbeschäftigung und schrieb SiT mal wieder eine e-mail. Heute Morgen, als der warme Heizungsanteil bereits auf ein reichliches Viertel zurück gegangen war, kamen auch prompt zwei nette Heizungsinstallateure und sorgten dafür, dass unser Heizkörper wieder voll feuerte. So langsam wärmte sich das Zimmer wieder auf 19°C und man hätte ja fast schon in Ruhe lernen können.
Dreiviertel zwei begann das Brummen. Es ist immer noch da. Es ist das Brummen des Ventilations-Klimaanlagen-Systems und natürlich bläst es kalte (!) Luft ins Zimmer. WARUM??? Ist die Heizungsproblematik von Zimmer zu Zimmer jeweils so verschieden wie die Möbel, die in jedem Zimmer stehen, betrifft das Ventillationssystem anscheinend alle auf unserer Etage. Zwar wurde SiT aus diesem Grund bereits von mehreren Stellen höflich um Abhilfe gebeten (oder anders gesagt: von uns allen zugespammt), aber als sich nach zwei Stunden immer noch nichts getan hatte, abgesehen davon, dass unsere Zimmertemperatur trotz voll funktionierender Heizung auf 17,2°C gesunken war, griffen wir zumindest behelfsmäßig zu Mülltüten und Klebeband, um die zwei in unserem Zimmer befindlichen Deckenventillatoren zumindest abzukleben, um die kalte Luft nicht ganz so frei zirkulieren zu lassen. Das hat die Temperatur auch schon um ein knappes Grad ansteigen lassen...
Derzeit schlürfe ich aus einem Thermobecher meinen letzten aus Deutschland stammenden Apfeltee und kann dem Rumor, dass Persaunet nächstes Jahr abgerissen werden soll, nur aus vollstem Herzen zustimmen.

Abschließend noch ein bisschen was zur Vergangenheit des Hauses: Ich rede zwar immer vom ehemaligen Pflegeheim, aber die Geschichte des Hauses geht bis in die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts zurück. Im zweiten Weltkrieg waren die Deutschen bekannter Maßen sehr expansiv. Trondheim wurde mit seiner im Fjord geschützten Lage als strategisch wichtige Marinebasis gesehen und entsprechend militärisch ausgebaut. Neben verschiedensten Verteidigungsanlagen auf der kleinen Insel Munkholmen und auf den umliegenden Bergen, wurde bis 1944 ein U-Boot-Bunker (Dora 1; Darin befindet sich heute u. a. eine Bowlingmöglichkeit.) fertiggestellt. Ein weiterer U-Boot-Bunker befand sich im Bau und ein dritter in Planung. Natürlich mussten auch die deutschen Soldaten und teilweise Familienangehörige hier untergebracht werden. Der Stadtteil Persaunet, in dem ich wohne, war ein großes Lager. Das später als Pflegeheim und derzeit als Studentenwohnheim genutzte Gebäude wurde meinen Informationen nach als Kaserne erbaut. Auf dem Hügel auf der anderen Straßenseite liegt ein recht gutes Wohngebiet. Auf dem Hügel stehen ähnlich dem Hollywood-Zeichen in LA einige große Buchstaben, die das Wort "Luftkrigsskolen" (Luftkriegsschule) formen und nachts blau leuchten und auch vom Treppenhaus in Persaunet aus zu sehen sind.

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