Montag, 17. Dezember 2012

Ich habe ein wenig Heimweh...

... nach Trondheim. Mittlerweile ist es schon vier Tage her, dass ich das faszinierende Land im hohen Norden verlassen habe und wieder in Deutschland weile.
Das kommt überraschend für euch? Nunja, ich war mit meinem Rückflugdatum vielen gegenüber nicht sonderlich freigiebig. ^^ Ich wollte ein paar Menschen überraschen und ich kann rückblickend sagen: Die Operation war erfolgreich. ^^
Ab dem zweiten Adventssonntag begann ich mich langsam von allen meinen Freunden in Norwegen nach und nach zu verabschieden, mental und physisch zu packen und die Details für meine Rückkehr zu planen. Mittwoch Morgen nach einer verdammt kurzen Nacht klingelte der Wecker auch schon früh kurz vor sechs Uhr. Das war völlig unnötig, da mein Flieger auf Grund von Schneeproblemen in Berlin am Ende über eineinhalb Stunden Verspätung hatte, aber wer weiß solche Dinge schon im Voraus? Da ich im Flugzeug einen Fensterplatz hatte, konnte ich den Trondheimfjord, Trondheim, Jonsvatnet, Selbusjoen und all die anderen in den letzten vier Monaten lieb gewonnenen Orte noch einmal aus der Luft bewundern, ehe wir über die Wolken stiegen und unter uns nur noch eine wabrige weiße Masse zu erkennen war, welche eine gleichmäßige, einschläfernde Wirkung auf mich ausübte. Als ich wieder aufwachte, waren wir bereits wieder unterhalb der Wolkendecke und mein erster Gedanke beim Anblick der brandenburgischen Landschaft unter mir war: "Boah, ist das flach!" Wo waren die ganzen Berge hin? Zumindest war das Gebiet genauso verschneit wie in Norwegen, was das Gefühl der Entfernung verkleinerte. Schließlich berührte das Fahrwerk der 737 deutschen Boden. Ein halbes Augenzwinkern später sah ich einen Fuchs von der Landebahn auf die angrenzende, zugeschneite Wiese rennen. Bis wir am Terminal hielten, sah ich weitere drei Füchse die Wiesen entlang huschen. Berlin Schönefeld hat ein Fuchsproblem.
Good bye Persaunet.
Das wirklich letzte Bild von mir auf norwegischem Boden - für dieses Jahr. ^^
Blick über den Trondheimfjord.
Nachdem ich vom Gepäckband meine zwei 19,9 kg schweren Taschen heruntergewuchtet hatte, machte ich mich auf dem Weg zur S-Bahn und zu einer in Berlin wohnenden Freundin. Mit je einer großen Tasche ohne Rollen in den Händen und einem vollen Rucksack auf den Schultern  bei Schneematsch durch Berlin zu stapfen macht nur begrenzt Spaß.
Am Donnerstag wurde es dann interessant für mich - würde mein Plan aufgehen? Was war der Plan? Der Plan war, meine lieben Eltern, die noch nicht mit meiner Rückkehr aus Norwegen rechneten, zu überraschen. Meine Eltern wollten am dreizehnten Dezember nach Berlin kommen, um sich das Musical Hinterm Horizont anzuschauen.  Ich hatte das Hotel organisiert und mit den Hotelmitarbeitern geredet, dass ich schon in das Zimmer konnte und sie meinen Eltern nichts von mir verraten würden. Im Zimmer wartete ich geduldig, bis ich hörte, dass die Tür von außen geöffnet wurde. Der Überraschungseffekt war ganz auf meiner Seite. :) Später liefen wir zum Potsdamer Platz, schlenderten über den Weihnachtsmarkt und ließen uns vom Musical in die Vergangenheit entführen. Ein voller Erfolg.
Berlin - Potsdamer Platz.
Die Ausläufer des Weihnachstmarktes vor dem Stage Theater.
Willkommen Hinterm Horizont - frisch zurück aus Norwegen
bekommt das Ganze noch eine andere Bedeutung...

Den darauffolgenden Tag fuhren wir gemeinsam zurück gen Heimat. Sehr praktisch, wenn man mit dem großen Gepäck nicht per Zug reisen muss, sondern sich entspannt in einem Auto zurücklehnen kann. Zwar fuhren wir nach Sachsen, aber noch nicht bis Chemnitz, denn es standen noch zwei weitere Überraschungen auf dem Plan – am Nachmittag ein Freund, der an dem Tag Geburtstag hatte und am Abend ging es zu meiner Oma. Niemand hatte mich erwartet. Es ist zauberte jeweils ein Lächeln auf mein Gesicht in große, erstaunte Augen zu blicken. 
Seit gestern Abend bin ich nun für drei Wochen wieder in Chemnitz - kleinere Ausflüge in die nähere Umgebung ausgenommen. Was ist anders hier als in Norwegen? Wenn ich acht Uhr aufwache ist es nicht mehr stockfinster. Statt minus fünfzehn Grad komme ich mir bei hohen einstelligen Plusgraden vor wie Anfang Oktober. Die Weihnachtsdekoration im Erzgebirge ist toll. Das Weihnachtsgebäck schmeckt wieder nach Weihnachten. Während mir das Heimweh in Trondheim fehlte, spüre ich hier schon etwas wie Sehnsucht, die gen Norden zieht. Es ist immer dasselbe: Es ist schön wieder zu Hause zu sein, aber die Gewissheit, dass es nie wieder so sein wird wie in den letzten Monaten, weil alle Menschen, die man in dieser Zeit kennen gelernt hat nun wieder über den Globus verteilt sind, verbreitet eine leicht melancholische Stimmung.
Aber jetzt steht Weihnachten vor der Tür - und bis ich Anfang Januar nach Hamburg ziehe, freue ich mich schon darauf viele meiner treuen Blogleser (im Schnitt 1000 Seitenaufrufe pro Monat) persönlich wieder zu sehen. :)

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