... will wohl jede Stadt gern sein und mit dem seit nun reichlich zwei Monate operierenden Verkehr im Citytunnel fühlt man sich in Leipzig auch ein bisschen wie in einer Weltstadt. Vergessen die explodierten Kosten, die Probleme beim Bau und ständigen Verzögerungen beim Fertigstellungstermin. Jetzt rollt die S-Bahn vom Leipziger Hauptbahnhof - 'tief' versteht sich - auch direkt bis Zwickau, wenn nicht gerade ein ICE durch die Röhre braust. Leipzig hat damit Ende letzten Jahres ein kleines Mammutprojekt fertig gestellt, dessen erste Ideen bereits zu Anfang des letzten Jahrhunderts entstanden. Unter diesem Gesichtspunkt könnte es mit Stuttgart 21 und dem Hauptstadtflughafen BER also noch eine Weile dauern, wenngleich die Kosten für diese Projekte schon jetzt um ein Vielfaches höher liegen, als die knappe Milliarde, die das Leipziger Tunnelprojekt am Ende gekostet hat. Fast schon preiswert mutet dagegen die Hamburger Elbphilharmonie mit nur knapp 800 Millionen Euro an - würde man außer Acht lassen, dass es sich dabei nur um ein einzelnes Gebäude handelt und dass der Bau noch nicht abgeschlossen ist.
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| Leipziger City-Tunnel, Haltepunkt Markt. |
Aber so wie einige Künstler zu ihren Lebzeiten verkannt worden und erst post-mortem zu großem Ruhm kamen, so werden im Laufe der Zeit wohl auch die lauten Kritiker an den Großbauprojekten verstummen. In sechzig Jahren werden kaum noch welche leben, die die Bauwirren mitbekommen haben. Die Infrastruktur steht im Idealfall jedoch noch und markante Gebäude mögen es ins Welterbe der UNESCO schaffen. Wer beschwert sich heute noch über Baukosten und -zeit der Oper von Sydney? Die Kosten vervierzehn-fachten sich und die Bauzeit verlängerte sich um acht Jahre.
Eine Stadt von Welt muss soetwas eben abkönnen, um sich einen bleibenden Platz im Bewusstsein der Leute zu sichern.
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